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B. Traven - Der Karren

B. Traven - Der Karren

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In diesem Buch geht es um das entbehrungsreichen Leben des jungen Indios Andreu Ugaldo. Mit seinem schweren Ochsenkarren zieht er über die Hochebene von El Cavario. Und wenn er dann am Abend irgendwo am Wegesrand sein Lager aufschlägt schmiedet er Pläne für sich und Estrellita, sein "Sternchen". Noch weiß er nicht, wieviel Leid und Qual das Leben für ihn bereithält...
In diesem Buch geht es um das entbehrungsreichen Leben des jungen Indios Andreu Ugaldo. Mit seinem schweren Ochsenkarren zieht er über die Hochebene von El Cavario. Und wenn er dann am Abend irgendwo am Wegesrand sein Lager aufschlägt schmiedet er Pläne für sich und Estrellita, sein "Sternchen". Noch weiß er nicht, wieviel Leid und Qual das Leben für ihn bereithält...

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07/10/2013

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B. Traven - Der Karren (1930)
für sich die Idee herausgefunden, dass die Bildung, die er zu haben glaubte, jegliche Furcht vor Ungeheuern und vor Götzen zerstörte. Aber als er von Lucio, der nüchtern und sachlich von den täglichenAufgaben sprach, an seinen Herrn erinnert wurde, verfiel er wieder in Furcht. Er wusste aus Erfahrung,wie grimmig und wütend Don Leonardo werden konnte, wenn etwas versehen wurde oder wenn etwasnicht so ging, wie es nach seinem Wunsche gehen sollte. Er wusste, dass Leonardo ohne Zögern ein Brettoder einen dicken Knüppel oder ein eisernes Kistenband oder was er zur Hand bekommen konnte ergriff und es dem Jungen über den Kopf hieb, wenn er wütend wurde.Was konnte ihm hier Bildung helfen, dachte Andres, als er mit Lucio durch die dunklen Straßen zu DonAmbrosios Haus trottete. Dass er, Andres, lesen, schreiben und rechnen konnte, diente nur seinem Herrn,Don Leonardo, nicht ihm selbst. Er blieb, der er war, ein Peon, der keinen Lohn bekam, der zu gehorchenhatte, was immer ihm auch befohlen wurde, der während der vierundzwanzig Stunden des Tages jedeStunde zur Stelle sein musste, wenn er gerufen und gebraucht wurde.Aber er war frei. Denn er wusste, was Freiheit war. Frei war der Peon, der nicht in dem schmierigen Locheingeschlossen war, das Carcel oder Gefängnis hieß. In dieses Loch konnte der Patron einen Peonschicken, wann er wollte. Und Freiheit war, wenn einem nicht während des Sonntags die Hände und dieFüße auf dem Rücken zusammengebunden wurden für Faulheit während der Woche oder wegenUngehorsams oder weil ein Kalb entlaufen war.Andres konnte nicht sagen, dass er unfrei war. Er lag weder in einem Gefängnis, noch lag er gebunden inder Sattelkammer auf der Finca. Er war frei. Wenn er am nächsten Morgen mit den beladenen Mules zogund der Weg zur Linken war zu brüchig oder zu morastig, so war er frei, den Weg zur Rechten zu wählen,um die Mules heil durchzubringen. Und er war frei, dem gelben Mule einige Kilos mehr aufzuladen alsdem grauen Mule. Und er war frei, auf dem Wege einige Zigaretten zu rauchen, vorausgesetzt, er hattesie. Welch eine andere Freiheit erwartete ein Peon vom Leben! Vielleicht noch die Freiheit, zu heiraten,wenn er im Alter war und ihm ein anderer Peon seine Tochter zur Frau gab. Und dann hatte er die letztegroße Freiheit, recht viele Kinder zu zeugen und sie von den Erträgnissen des kleinen Feldes, das ihm der Patron zuwies, großzubringen und so den Patron mit frischen Peones zu versorgen.Er hatte alle die Freiheit, die er kannte. Und würde er gefragt worden sein, so hätte er das, was denKindern als Glaubenssatz in der Schule eingedrillt wurde, mit lauter Stimme hergeschnattert: »Ich bin einfreier Bürger in einer unabhängigen Nation. Viva La Patria, Viva!«Und er hätte an das geglaubt, was er herschnatterte. 
DRITTES KAPITEL1
Don Leonardo hatte in Chilon zu einem sehr günstigen Preise dreißig Mules aufgekauft von einemFinquero, der in Geldnot war. Er ließ, mit Andres als Begleitung, die Mules nach Joveltö treiben, wo er sie aufbesserte, um ihnen ein gutes Ansehen zu geben.Er fragte herum, wie die Preise für gute Mules seien, und er hörte, dass die besten Preise augenblicklichin La Concordia gezahlt würden, wo Kaffeeplantagenbesitzer hunderte von Mules zu kaufen gedächten.Sobald er durch weiteres Herumhören erfuhr, dass jene Nachricht auf Wahrheit beruhte, beschloss er, dieMules nach La Concordia zu bringen.Er nahm sein bestes Pferd und ritt voraus, um den Handel abzuschließen. Die Mules ließ er von Andres,der noch einige Burschen von Joveltö zur Mithilfe bekam, nachbringen; denn bei einer so langen Reisekann eine Patache Mules nicht im gleichen Trabe marschiert werden wie ein einzelnes gutes Pferd, auf dem ein guter Reiter sitzt.
 
Don Leonardo hatte die Mules verkauft, zwei Tage, ehe sie eintrafen. Käufer und Verkäufer waren über den Handel zufrieden. Don Leonardo hatte reichlich verdient, und der Plantagenbesitzer hatte die Mulesviel billiger erworben, als er geglaubt hatte zahlen zu müssen. Denn wenn er die Mules von Tabasco hättekaufen müssen, so wären sie um die Hälfte teurer geworden. 
2
In La Concordia waren in jener Woche sehr viel Leute anwesend, weil ein Fest bevorstand, das mit einemgroßen Markt, einer Feria, verbunden war.Da waren Pferdehändler, Viehhändler, Eselhändler von Balun Canan; Arbeiteragenten, die indianischeArbeiter aus unabhängigen Dörfern für Kaffee- und Kakaoplantagen anwarben; Aufkäufer von Kaffee,von Mais, von Holz; Agenten für Maschinen; Agenten für Eisenwaren und Werkzeuge für Landwirtschaft; Aufkäufer von Land; Händler von Stoffen und Gebrauchsartikeln aller Art. Diese Leutehatten viel Geld mit sich, um Abschlüsse rechtskräftig zu machen. Und diese Leute verdienten viel Geld,und alle hofften, diesmal besonders viel zu verdienen.Die Abende waren lang. Es wurde gut getrunken. Und weil die Leute nicht wussten, wie sie ihre Zeitwährend des Abends verbringen sollten oder was sie tun sollten, wenn nicht über Geschäfte geredetwurde, so spielten sie heftig.Don Leonardo reiste nicht gleich zurück, nachdem er seine Mules verkauft hatte. Er nützte dieGelegenheit, um mit dem verdienten Gelde neue Geschäfte zu machen und ordentlich hinzuverdienen zukönnen.Aber seine Geschäfte gingen ebenso wenig sehr rasch vonstatten wie die Geschäfte aller übrigen Leute.Die Männer nahmen sich recht viel Zeit; denn sie hatten genügend Zeit, und jeder hoffte auf noch bessereGelegenheiten und noch bessere Angebote.Und auch er wusste nicht, was er während der Abende tun sollte. So war es ganz natürlich, dass er sichmit einer Gruppe von Männern zusammensetzte und spielte, wie es alle andern auch taten. Er kannte jeden einzelnen der Caballeros, mit denen er spielte. Sie alle waren, wie auch er selbst, ehrlich undzuverlässig im Spiel, während sie alle, er nicht ausgenommen, in Geschäften oft genug versuchten, mitallen möglichen Kniffen den Gegenpart zu übervorteilen. Im Spiel muss man ehrlich sein, das verlangtdie Ehre des Caballero; im Geschäft nimmt es niemand so genau, und jeder bleibt dennoch einEhrenmann.Die Gruppe spielte Siete y Medio. Das Spiel geht sehr rasch vor sich. Frühmorgens um zwei Uhr hatteDon Leonardo alles Geld verloren, das er für die Mules erhalten hatte. Aber das Spiel ging weiter. Auchnicht einen einzigen Peso hatte er übrig, um ihn einsetzen zu können mit der Hoffnung, sein Geldwiederzugewinnen. Und beim Spiel borgte kein Caballero. Das war altes, gut ausgeprobtes Gesetz.Sie spielten in einem großen Raum im Hause eines ihnen bekannten Bürgers von La Concordia. AlleHerren hatten ihre Burschen, ihre Muchachos, mit sich.Diese Burschen waren stets in der Nähe ihres Herrn. Sie lagen schlafend auf ihren Matten dicht bei.Einige schliefen im Portico, andere in den Ecken des Raumes, indem ihre Herren spielten. Das störte dieHerren in keiner Weise.Zuweilen wurde der eine oder der andere der Burschen leicht mit dem Fuße seines Herrn angestoßen:»Ola, spring rüber und klopfe an die Tür der Cantina, hier sind zwölf Reales, einen neuen Liter ComitecoAnejo. Na, los, spring schon und besinn dich nicht. Wir sind trocken.« 
3
Diesmal war es nicht Lazaro, sondern Andres, der von einem der Caballeros angestoßen wurde. Beisolchen Zusammenkünften waren die Burschen gesellschaftliches Gemeineigentum aller anwesendenHerren, so dass niemand darauf achtete, wessen Bursche von wem angerufen und mit einem Auftragefortgeschickt wurde.
 
Andres kam zurück und stellte die Flasche mit dem Comiteco auf den Tisch.»Da, nimm einen Hieb, Muchacho«, sagte Don Laureano, der Andres geschickt hatte. Er goss ein Glasvoll und schob es dem Jungen zu. Andres goss es mit einem Ruck hinunter. Dann spießte er sich miteinem Zahnstocher ein Stückchen Käse auf, der in klein geschnittenen Stückchen auf einem Teller lag,und aß es.Das Verhältnis eines Herrn zu seinem Burschen ist in Mexiko nicht wie ein Verhältnis von Herrn undSklaven. Auf der Reise besonders ist der Herr nicht zu stolz dazu, mit seinem Burschen aus derselbenFlasche zu trinken, ganz gleich, was es ist, Wasser, Kaffee, Branntwein oder ein Sodagetränk. Und imEssen ist es ebenso. Wenn es sehr kalt ist, rollt sich der Herr in seine Decke dicht neben seinen Burschenein, damit sie sich gegenseitig warm halten. Der Herr teilt seinen gebratenen Truthahn mit seinemBurschen in durchaus ehrlicher Weise; der Bursche rupft sich mit den Fingern von dem Ball Posol oder dem Stück Fleisch so viel ab, wie er glaubt nötig zu haben, um satt zu werden. Er wird aber das Essenseines Herrn nicht anrühren, auch wenn er Hungers sterben sollte, wenn nicht der Herr gleichzeitig isstoder gegessen hat. Aber obgleich der Muchacho eben aus derselben Flasche mit seinem Herrn getrunkenhat, so macht es seinem Herrn keine Skrupel irgendwelcher Art, dem Burschen gleich darauf einenFußtritt zu geben, wenn der Bursche nicht rasch genug aufspringt, um ein abtrabendes Pferd einzufangen,ehe es zu weit ist.Andres wollte sich wieder in seinen Winkel kauern, als Don Leonardo ihn bemerkte.»Hören Sie, Don Laureano«, sagte Don Leonardo, »ich setze meinen Muchacho, wie viel setzen Siedagegen?«Don Laureano hielt die Bank.Er sah auf, prüfte Andres mit einem raschen Blick von oben bis unten, wie man ein Pferd prüft, zu dessenKauf man sich im Augenblick entscheiden muss.»Spricht er Castellano oder nur Idioma?« fragt Don Laureano, während er die Karten mischte.»Spricht beides und weiß ein wenig zu lesen und zu schreiben«, erwiderte Don Leonardo.»Fünfundzwanzig Pesos«, sagte Don Laureano kurz und mit einem Ton, durch den er andeutete, dass diesdas Äußerste sei, was er bieten wolle.»Aceptado, angenommen«, antwortete Don Leonardo. Das Spiel fiel, und Don Leonardo verlor.Er zog seinen Revolver aus dem Gurt und wog ihn in der Hand. Irgendwo anders wären die Spieler aufgesprungen, um Don Leonardo vor einem übereilten Selbstmorde zu bewahren. Aber obgleich jeder der Herren die Bewegung des Don Leonardo gesehen hatte, so machte auch nicht einer Miene, dem DonLeonardo in die Hand zu fallen. jeder besaß gesunde Philosophie genug, um sich zu sagen:»Wenn er sich erschießen will, so ist das seine Sache, das geht uns gar nichts an. Wir lassen ihn anständig begraben, denn das ist unsere Pflicht als Caballeros und als Freunde.«Aber die Herren waren viel zu gute Mexikaner, um nicht zu wissen, dass sich niemand so schnellerschießt.Solange er nicht seinen Rancho und sein Haus und das Haus seines Schwiegervaters und auch noch sein bestes Pferd verspielt hat, solange besteht keine Gefahr des Selbstmordes. Mexiko ist viel zu schön dazu,und ob man bei einem zweiten Leben die Gewissheit hat, abermals in Mexiko zu landen, ist keineswegsso sicher. Darum ist es besser, man behält, was man hat, und versucht die Götter nicht.Don Leonardo streichelte seinen Revolver liebkosend, und dann legte er ihn vor Don Laureano hin.Don Laureano unterbrach das Mischen der Karten, legte die Karten aus der Hand und betrachtete sich denRevolver, wie man ein Kunstwerk ansieht. Er wog ihn, schwenkte ihn, sah in den Lauf, prüfte denMechanismus und sagte: »Kaliber 38. Bueno, muy bueno. All right, fünfzig Pesos.«Einer der Mitspielenden rief: »Gebe sechzig dafür.« »Gebe ich auch«, sagte Don Laureano trocken.»Wird mehr geboten?« fragte er herumblickend. Niemand gab mehr.»Gut, sechzig Pesos«, meinte Don Laureano nickend zu Don Leonardo.»Aceptado«, antwortete Don Leonardo.»Lassen Sie die sechzig stehen, oder wollen Sie weniger setzen, Don Leonardo?« fragte Don Laureano.»Ich will meine erste Karte sehen, und dann setze ich.«»Bueno, wie Sie wollen, Amigo.«Don Leonardo hob die Karte, die ihm ausgeteilt war, auf. Es war eine Sieben. Er sagte: »Ich setze diesechzig Pesos.«»Gut«, erwiderte Don Laureano. »Otra, eine mehr, oder haben Sie genug?«Don Leonardo überlegte einen Augenblick. Sieben war so günstig, dass es Sinnlosigkeit genannt werdenmusste, eine weitere Karte zu verlangen. Wenn er den Revolver verlor, blieb ihm nur noch sein Sattel und

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