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3
Seelenlehrenin
Metaphysik,Natur-undKulturwissenschaften
Die
Stellungder
Psychologie
unter
den
wissenschaftlichenDisziplinen
Landpflegt
man
genauzuvermessen.
Man
teilt
es
in
Stücke;jedesStückwirdeinemrechtmäßigenBesitzerzugewiesen.AuchWissensgebietewerdenaufgeteilt.MankannjedesWissensgebieteiner
btstimmten
Wissenschaftzuordnen.Eine
undnur
eineGruppevonWissenschaftlernist
dann
fürje?esWissensgebietzuständig.NachdiesemDenkmusterkönnte
man
behaupten:DasWissensgebietderSeelegeh?rtderPsychologie,
und
zwarganz
und
ausschlilich.Dochsoeinfachist
es
nicht.Das"weiteLandderSeele"(Schnitzler,1997)istwederleichtzuvermessen
noch
eindeutigzuteilen.SosirldesVertreterverschiedenerWissenschaften,die
es
besetzen
und
pflegen-
nicht
nur
Psychologen.
B ~ s s P s y c h o l o g i e n i c h t
eineEinzeldisziplinist,welchealleinLehre
und
ForschungüberdieSeele
l l ~ ? i . h r e
Erscheinungen(s.Kap.
1)
betreibt,wirfteineReihevonFragenauf:
Warum
besitztPsycho
l o ~ e n i c h t
diealleinigeZuständigkeit?MitwelchenanderenDisziplineJ)teiltsieihreFragestellungen
und
Erkenntnisse?WelcheGemeinsamkeiten
und
welcheUnterschiedebestehenzwischenderPsychologi.e
undihten
Nachbarn?
Warum
existierenüberhauptverschiedeneWissenschaften,diesich
mit
den
gleichenoderähnlichenProblemenbefassen?Wiearbeitensiezusammen?
Und
wäre
es
nichtbesset,
sie
rdenihreTeilungüberwinden
und
sichzusammenschließen
zu
einerumfassenderfSeelen-undLebenswissenschaft?Werwissenwill:WasistPsychologie?,solltealsonichtversäumen,seinen.Blickauch
auf
dieihrverwandtenDisziplinenzuwerfen.Diesewerdenimfolgenden
in
dreiGruppenvorgestellt:
".Metaphysik,"Naturwissenschaften,
.....
Klllturwissenschaften.MetaphysikbehandeltdasLeben
in
jenseitigen,d.h.übernatürlichenWelten
und
Ordnungenjenseit$derunmittelbarenErfahrung.Natur-
und
KulturwissenschaftenbetrachtendasLebeninderalsdiesseitigerfahrenenWelt.DabeiuntersuchendieNaturwissenschaftenvorzugsweisedasLebenderlrtdividuen,wie
es
sichnaturgegeben
und
ohneUmgestaltungdurchdenMenschenvollzieht.DieKtilturwissenschaftenbefas$ensichdagegenmitdenSchöpfungendesMenschen-einschlilichdermenschlichenGesellschaftselbst.
Der
BegriffderKulturwissenschaftfasstdabeizweigebräuchlichereBegriffezusammen:Geistes-
und
Sozialwissenschaften.DievergleichendeBetrachtungwirdergeben:DiegegenwärtigePsychologieerstrecktsichsowohlindieNaturwissenschaftenalsauch
in
dieKulturwissenschaften.VonderMetaphysik
hat
sichPsychologiealsmoderneWissenschaftweitgehendabgewandtjgleichwohlsindeinigeVerbindungengeblieben.WerdieVielfaltmiteinandervernetzterDisziplinenfüreineZersplitterunghält,wirdnachgrößererEinheit
in
derWissenschaftrufen.
Dann
bietetsichPsychologiealsübergreifendeLebenswissenschaftan,welcheverwandteDisziplinenintegriert.DochdieVielfaltderDisziplinenhateinengutenGrund:SiebringtLeistungsvorteiledurchSpezialisierung.DurchSpezialisierungsuchenauchVertreterderPsychologieihreigenesFachleistungsfähigerzumachen.SiegliederndiePsychologienachdemVorbildbenachbarterDisziplinen.
Zum
einenbildensieSchwerpunktfächer,zumanderennatur-,geistes-
und
sozialwissenschaftlieheRichtungen.
3SeelenlehreninMetaphysik,Natur-
und
Kulturwissenschaften
I
67
 
3.1
Psychologie
am
Scheideweg
zwischen
Metaphysik
und
Naturlehre
3.1.1
Psychologie
und
Religion
MetaphysikimerstenSinne:
Lehren
vonüberna-türlichenWelten.
EinedurchihrAlterehrwürdige
und
weitverbreiteteSeelenlehrelautet:AlleMenschenmüssensterben.EinesTageswirddiegesamteWeltenden.Doch
am
WeltendewerdendieTotenauferstehen,
und
ineinerneuenWeltwerdendieGuteneinewiges
und
glückseligesLebengenießen.ÜberliefertisteineVisiondeschristlichenApostelsJohannes,diedasWeltendeschildert,
als
sei
es
bereitsEreignis:
"Und
dasMeergabdieTotenheraus
...
und
der
Tod
und
seinReichgabendieTotenheraus
...
;
und
siewurdengerichtet,einjedernachseinenWerken."WerdiePrüfungbesteht,wirdaufgenommenin"einenneuenHimmel
und
eineneueErde."
Und
erwirdzudenengehören,denendieOffenbarungverspricht:"GottwirdabwischenalleTränenvonihrenAugen
und
derTodwirdnicht
mehr
sein,nochLeid
noch
GeschreinochSchmerzwird
mehr
sein"(Lutherbibel,1994,S.304f.).VierAnnahmenweisendieAuferstehungslehre
als
eineLehre
vom
übernatürlichenLebenaus:
~
Es
existierteineWeltaerhalbdesnarlichenLebensraums
und
dernatürlichen
Le-
benszeit.
~
In
dieserWeltlebenübernatürlicheWesen.
~
In
dieserWeltherrschenWeisheit
und
Macht,dieallenatürlichenhigkeitenübersteigen.
~
In
dieserWeltvollziehensichübernarlicheEreignisse
und
Handlungen.
Es
gibtkaumeineKultur
ohne
GlaubenanübernarlicheWesen.SolcheWesensindoftNaturgottheiten
mit
MachtüberNaturerscheinungenwieRegen-,Meeres-
und
Sonnentter-sowieSchutztterfürSippen
und
Völker.ManchederWesentragendeutlicheZügeirdischerMen-sehen-
z.B.
lebtdasgermanischetterpaarWotan
und
Fricka
im
Ehestand
und
leidetunterfamiliäremZwist.LehrenvonübernarlichenWelten,Wesen
und
EreignissenhabeninderWissenschafteinelangeTradition.
Man
bezeichnetsie-einer
Be-
griffsbildungausderAntikefolgend-
als
Metaphysik(griech.ta
meta
taphysika:wasnachderNaturkundekommt).DieLehrenvomÜbernarlichenwerdensomitgetrenntvonderNaturlehre,die
als
Physik(griech.physiketheoria:Naturbetrachtung)bezeichnetwird.
Religion,Seelsorge,Pastoralpsychologie.
LehrenvonüberirdischenWelten
und
Wesensindmeist
mehr
als
unverbindlicheErzählungen.
Sie
werdenzuGlaubensgewissheitenvonGemeinden,javonlkern.ZudemGlaubenanüberirdischeWesengehörenFurchtvorihrerMacht
und
Hoffnung
auf
ihreHilfe.AusbeidenGründengenießenÜberirdischeVerehrung;GläubigerufensieinGebetenan.Mit
dem
GlaubengehtsomiteinKulteinher.DieVerbindungvonGottesglauben
und
Kult
nenntman
Religion(lat.religio:Gottesfurcht).FortgeschritteneReligionen-zuihrendauerhaftesten
und
mächtigstengerennebendemJuden-
und
ChristentumderIslam,derBuddhismus
und
derHinduismus-zeichnensichdurcheigene,beständigeOrganisationenaus,durchBekennergemeinden.DieGemeindenunterhalteninderRegelPriestemter.DiehrerderReligionensorgenrdieDokumentationderLehren(z.B.denDruckvonBibelnmitdenmaßgeblichenGründungsschriftendesJuden-
und
Christentums,demAlten
und
demNeuenTestament)
und
fürdieVerbreitungihrerLehren
im
Unterricht.
Zur
PflegederReligionfindenGottesdienstemitsymbolträchtigen
und
kunstsinnigenRitualenstatt.InnerhalbwieaußerhalbderGottesdienstebetreibenkirchlicheOrganisationenSeelsorge.
überhaupt
sindGlaube
und
KultchtigeKräf
te;
sievermittelnHoffnung
und
Furcht,sien-
68
I
3SeelenlehreninMetaphysik,Natur-
und
Kulturwissenschaften
 
nenGesundheitfördern,aberauchKrankheiterzeugen.Seelsorgezieltnicht
nur
auf
jenseitigesHeil.
Sie
willauch
zum
irdischenGlückbeitragen
und
densozialenFriedenrdern.
So
leistenGemeindepriester
und
ihreHelferErziehungs-,Lebens-
und
Krisenberatung.DiekirchlicheSeelsorgeweistbeträchtlicheÜbereinstimmungen
mit
fachpsychologischer
Be-
ratung
und
Therapieauf.DieBeichtgespcheinchristlichenKirchensind
mit
psychologischenTherapiegesprächenzuvergleichen-als
WIr-
kungsvolle
Maßnahmen
zurBefreiungvonSchuldgefühlen.
In
Katastrophenllen-
Z.B.
nachFlugzeug-
und
Eisenbahnungcken-pflegenPriester
und
FachpsychologengemeinsamdieBetreuungvonÜberlebendensowievonAngerigenderOpferzuübernehmen.
So
entstehenüberpraktischeAufgabenBrückenzwischenPsychologie
und
Religion.DierechteBehandlungvonGemeindemitgliedern,diepraktischeSeelsorgesowiedieBeratung
und
UnterstützunginindividuellenÜbergangs-
und
NotsituationenwirddamitzueinemderPsychologiezugeordnetenLehr-
und
Wissensgebiet.
Man
bezeichnet
es
als
Pastoralpsychologie(lat.pastor:Hirte).DasFachPastoralpsychologieistinderAus-
und
Weiterbildung
von
Priestern
und
Gemeindehelfernangesiedelt.
Theologie,Religionswissenschaft.
DieAuslegung
und
FortentwicklungreligiöserLehren,ihrehäu
fige
StrittigkeitstellenHerausforderungenfürGelehrtedar.
Sie
unternehmen
ErklärungenrschwerVersndliches,treffenmituntersogarEntscheidungeninStreitfragen.IhreLehrmeinungenbildendieDisziplinderTheologie(griech.theos:Gott).WichtigeEinrichtungenderTheologiesindBibliotheken,indenendiezentralenLehrschriften(wiediechristlichenEvangelien)aufbewahrt
und
derenAuslegungen
dokumentiert
werden.InZentrenfürreligiöseStudien
widmen
sichGelehrtedenschwierigsten
und
aktuellstenProble
men
ihrerReligion.TheologischeEinrichtungensind
in
derRegelGlaubensgemeinschaftenzugeordnet.Einwichtiger
Grund
hierfür:
Sie
sindfürdieAusbildungderPriesterjenerGemeinschaftenzuständig.DiesverpflichtetfreilichzuRechtgläubigkeit
und
Kirchentreue,
und
dieseschnkendiewissenschaftlicheFreiheitein.
Dem
BedürfnisnachUnabhängigkeitvonKirchenverdankteineandereDisziplinihreExistenz:dieReligionswissenschaft.Religionswissen-
nnenmodernePsychologen
gläubige
Chris-ten,Juden,Muslimeo.Ä.sein?
NichtwenigenaturwissenschaftlicharbeitendePsychologensindgläubigeChristenoderAngehörigeandererReligionsgemeinschaften.Wissenschaft
mit
ihrerZuwendung
zum
Diesseits
und
die
auf
dasJenseitsgerichteteReligionsindrsiewohlzutrennendeBereiche.
Indem
einenBereichherrschendie
Methoden
derstrengenBeobachtung
und
der
vernunftgeleitetenBegründung,
in
dem
anderenderGlaube
und
dasEinverständnis
mit
Glaubensgenossen.Wissenschaftliche
und
religiöseIdentitätweichen
in
solchenllenvoneinanderab.DieDoppelidentität,diesomitentsteht,
braucht
dieBetroffenenfreilichnichtzubelasten(zurFragederMehrfachidentität
s.
Kap.1.3).DieReligiositätvonFachkollegenerregtinderheutigenPsychologiewederAufsehennochAnstoß.
Denn
sowenigwissenschaftlicheBeobachtungen
zum
NachweiseinermetaphysischenSeele
und
einesJenseitsgeeignetsind,sowenigstrengeBeweisegibt
es
rihreNichtexistenz.Mitnaturwissenschaftlichen
Methoden
liesichübereinJenseits,falls
es
diesesbe,
kaum
Wissenerwerben.WissenschaftkannJenseitslehrenwederanerken
nen
nochablehnen.Deshalbverhaltensich
moderne
PsychologenmeistschweigsamgegenüberreligiösenBekenntnissen
und
über
haupt
gegenübermetaphysischenSeelenlehren.
3.1
PsychologieamScheidewegzwischenMetaphysik
und
Naturlehre
I
69
of 00

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