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3D-Scans von Keilschrifttafeln.Ein Werkstattbericht
J¨org Kantel (MPIWG Berlin)Peter Damerow (CDLI, MPIWG Berlin)Sarah K¨ohler (FSU Jena, Hilprecht-Sammlung)Christina Tsouparopoulou (CDLI, MPIWG Berlin und UCLA)23. November 2009
Zusammenfassung
Dieser Bericht dokumentiert
work in progress
. Er berichtet vonder Arbeit, die am Max-Planck-Institut f ¨ur Wissenschaftsgeschichte(MPIWG) in Berlin zusammen mit der instituts¨ubergreifenden
Cunei- form Digital Library Initiative
(CDLI) in Berlin und Los Angeles undder Hilprecht-Sammlung der Friedrich-Schiller-Universit¨at Jena (FSU)am Institut f ¨ur Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients durch-gef ¨uhrt wird, um Keilschrifttafeln dreidimensional einzuscannen undim
World Wide Web
zug¨anglich zu machen. Obwohl sich erste Erfolgeabzeichnen, sind noch viele Fragen offen und einiges auch noch nichtabschließend gekl¨art. Das betrifft insbesondere die Frage der Web-Repr¨asentation der eingescannten Objekte. Trotzdem glauben wir, daßein Bericht¨uber unsere Herangehensweise an dieses Projekt und¨uberdie bisherige Arbeit Sinn macht, einerseits als Anregung f ¨ur¨ahnliche3D-Projekte und andererseits weil wir vermuten, daß die Probleme,die das Projekt aufwirft, durchaus typisch sind f ¨ur andere
Großpro- jekte
in der Wissenschaft, sodaß dieser Bericht als Hilfestellung dienenkann.
1 Was ist die CDLI?
Keilschrifttafeln geh¨oren neben den¨agyptischen Hyroglyphen zu den¨altestenschriftlichen Zeugnisse der Menschheit. Sie dienten zahlreichen Kulturv¨olkerndes alten Orients (Sumerer, Akkader, Babylonier, Hethiter, Assyrer und an-dere) in der Zeit von etwa 3.000 vor unserer Zeitrechnung bis zum Beginn1
 
des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung als bevorzugte Schriftform. DieZeichen wurden mit einem Holz- oder Rohrgriffel in weichem Ton eingedr¨ucktund bestehen in ihren Grundelementen aus waagrechten, senkrechten undschr¨agen Keilen. Das Tr¨agermaterial, feuchter und nach dem Eindr¨ucken derZeichen getrockneter Ton, ist von Natur aus sehr haltbar, so daß solche Keil-schrifttafeln auch lange historische Zeitr¨aume unversehrt¨uberstehen k¨onnen.Die gesch¨atzte Zahl der bislang ausgegrabenen Keilschrifttafeln bel¨auft sichauf mehr als 500.000 Objekte, von denen ein großer Teil bis heute noch nichtwissenschaftlich publiziert wurde. Diese Tafeln liegen weltweit verstreut inden¨offentlichen und privaten Sammlungen der Museen, der Archive undder Depots der Sammler. Aufgrund ihrer Grabungs- oder Raubgrabungsge-schichte sind vielfach zusammengeh¨orende Tafeln aus ihrem arch¨aologischenKontext gerissen und auf diverse Sammlungen verstreut worden, so daß einezusammenh¨angende Untersuchung sich oftmals als sehr schwierig erweist undmit kostspieligen Reiset¨atigkeiten verbunden ist.Abbildung 1: Die Startseite der CDLI im WebDie
Cuneiform Digital Library Intitiative
ist ein
joint venture
zwischendem Max-Planck-Institut f ¨ur Wissenschaftsgeschichte und der
University of California at Los Angeles
(UCLA) und wird geleitet von Robert K. Englund2
 
(Los Angeles) und Peter Damerow (Berlin). Sie hat es sich zur Aufgabe ge-setzt, die vorhandenen Keilschrifttexte zu katalogisieren und wenn m¨oglichin Bildform, als Umzeichnung und in Fom einer Transliteration im Netz zurVerf ¨ugung zu stellen. Bisher sind etwa 225.000 Texte katalogisiert und etwa50.000 Tafeln zweidimensional eingescannt und im World Wide Web zug¨ang-lich gemacht worden. Außerdem stellt die CDLI eine webbasierte Umgebung¨ur die kollaborative Transkription, Transliteration,¨Ubersetzung und Publi-kation der Tafeln zur Verf ¨ugung.
2 Warum 3D?
Aufgrund ihres Alters und ihrer Geschichte sind die gefundenen Tafeln h¨aufigbesch¨adigt und schwer zu entziffern. Bei der Transliteration der Tafel versu-chen Altorientalisten daher in der Regel, mit Hilfe wechselnder Beleuchtungeine bessere Lesbarkeit der Tafeln zu erreichen, um besser entscheiden zuk¨onnen, was Zeichen und was Besch¨adigung ist. Zweidimensionale Scans auchin hoher Aufl¨osung reichen daher oft nicht aus, da sie unter einer einheitli-chen Beleuchtung angefertigt werden. Zwar gibt es auch bei Altorientalisteneine
Standard-Beleuchtung 
(schr¨ag von links oben), doch diese muß variiertoder, wie dies beim aufwendigen Photographieren der Tafeln geschieht, durchzus¨atzliche Lichtquellen erg¨anzt werden, um alle Teile einer Tafel mit eineroftmals unebenen Operfl¨ache in gleicher Weise lesbar zu machen.Die meiste Software f ¨ur dreidimensionale Objekte erlaubt es, ein Lichtoder mehrere Lichter im Viewer zu setzen und auch den Kamerastandpunktzu ver¨andern. So kann die Arbeitsweise des Altorientalisten virtuell nachge-bildet werden, ohne daß der Forscher das Objekt in die Hand nehmen odergar zu seinem Standort reisen muß. Eine angepaßte virtuelle Arbeitsumge-bung kann somit perfekt die Arbeitsweise des Wissenschaftlers nachbildenund erm¨oglicht so eine gr¨oßere Produktivit¨at und bietet, wenn erst einmalgen¨ugend dreidimensional eingescannte Tafeln zur Verf ¨ugung stehen, aucheine Plattform zum Vergleich verschiedener Tafeln und ihrer Eigenschaften.
3 Auswahl des Scanners
Nach einer umfangreichen Evaluation kamen drei Hersteller von 3D-Scannernund der dazugeh¨orenden Software in die engere Auswahl und wurden je-weils getrennt ¨ur eine eint¨agige Pr¨asentation in das MPIWG eingeladen, wosie ihre Ger¨ate aufbauen und ein oder mehrere Keilschrifttafeln oder derenAbg¨usse einscannen sollten.3

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