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LEOpräsentiert:
Pink Christmas4. bis 20. DezemberStephansplatz München
 Weihnachten
 Wo die Szene feiert
 Welt-Aids-Tag
Das große Special
 
Meine lieben Mitspaziererinnen und Mitspazierer, ha-ben wir es also wieder mal geschafft. 2009 nähertsich seinem wohlverdienten Ende, wir sind vermutlichnicht weiser, aber dafür ein Jahr älter geworden unddie Erde dreht sich trotz gegenteiliger Prognosen zu-mindest zum Redaktionsschluss immer noch. EigentlichZeit, sich beim ersten Glühwein der Saison in den strah-lenden Spätherbst zurückzulehnen und das Jahr einbisserl Revue passieren zu lassen, bevor einem dieJahresrückblick-Horrorshows mit den immergleichenLangweilern die gute Laune verderben.Tja, was wird also bleiben von diesem Jahr im Stern-zeichen des Grippeschweins? Für die MünchnerCommunity wird es sicher das Jahr der Jubiläensein: 35 Jahre Ledermänner im MLC, seit 25 Jah-ren kämpft die Münchner Aids-Hilfe gegen HIVund seine Folgen, die Rosa Liste macht seit 20Jahren erfolgreiche schwul-lesbische Politikund Team München mischt seit zehn Jahrendie Sportszene der Stadt auf. Ja, wir habenuns längst etabliert, sogar CSU-Stadträtekommen hochofziell und ohne falschenSchnurrbart auf unsere Veranstaltungen.Das politische Spektrum in Deutschlandist breiter geworden, und damit auch Op-tionen und Koalitionen, die vor ein paarJahren undenkbar gewesen wären. Daskönnte sie also sein, die oft beschwo-rene Mitte der Gesellschaft. Doch sindwir da so richtig glücklich?Wenn ich meine Ohren spitze, höreich von den Nachbartischen immerwieder dieselbe Leier. Die Szeneginge kaputt, nichts sei mehrwie früher, ausgehen könne maneigentlich auch nirgends mehrund überhaupt – es ist nichtslos. Wenn ich in den Ter-minkalender dieser Aus-gabe schaue, kann ich daswahrlich nicht nachvoll-ziehen. Partys ohne Ende,mehrere schwul-lesbischeDiscos, neue Lokale, Kon-zerte, Ausstellungen,der Weihnachtsmarktam Stephansplatz …Und doch wabert dieseStimmung wie ein herbst-licher Nebelschleier durchsViertel. Aber offenbar se-hen ihn nur Schwule undLesben – denn so vollerMenschen und Leben wardie Innenstadt noch nie.Natürlich sind mehr Heten in „unseren“ Lokalen als frü-her unterwegs. Und es werden noch mehr werden, genauso wie wir ja auch mittlerweile ganz selbstverständlichhetero ausgehen. Wir reklamieren zu Recht Akzeptanzfür unseren Lebensstil auch weit jenseits unserer ange-stammten Reviere. Alles ist offener und freier geworden– und jetzt ist es wohl endlich an der Zeit, dass wir esauch werden. Denn die Tage der geschlossenen Commu-nity sind endgültig vorbei, egal ob uns das passt odernicht. Ohne dem Mix aus Schwulen, Lesben, Heterasund Heteros, Bis, Transen, Nachtschwärmern und Früh-aufstehern würde schon längst keine Disco und keineParty mehr funktionieren. Wie soll ein Restaurant aus-schließlich von Szenepublikum leben – und vor allem,warum sollte es das? Auch wenn ich wahrlich nichts aufdie permanent von selbsternannten Lifestyle-Päpstenhinausgebrüllten Städte-Rankings gebe – auffällig ist esschon, wie München in deren Augen innerhalb eines Jah-res vom drögen Bussi-Bussi-Schicki-Micki-Provinzkaff zuDER hippen Metropole der Republik befördert wurde.Wissen Sie was? Ich halte beides für Schwachsinn undes ist mir persönlich auch vollkommen schnurz, wiewir von schwäbischen Emigranten in Berlin wahr-genommen werden. München ist im Umbruch, unddas nicht erst seit vorgestern. Und dass wir vomRest der Welt als Sepplrepublik gesehen werden,liegt wohl kaum an unserem Großstädtchen zwi-schen Würm und Hachinger Bach, auch wenndie Staatskanzlei nicht in Freising oder Hinter-schoasbislbach steht.Nein, München ist mittlerweile genau so we-nig ein Sonderfall und Ausnahmezustandwie es auch Deutschland nicht mehrist. Nach 20 Jahren Wiedervereinigungist München eine – wenn auch inmanchen Ecken wunderschöne –Großstadt in einem ganz normal irr-sinnigen Land. Und genau so sindwir als Community ein ganz nor-maler Bestandteil dieser Stadtund dieses Landes geworden.Natürlich gibt es Berührungs-ängste da und dort, aber diehohen Schwellen sind weg.Gegenseitige Vorurteile abbau-en kann man immer nocham Besten, wenn mansich kennt. Und dassin Zukunft auch nochdie letzten Bastionender schwulen Szenegestürmt werden,ist doch sehr un-wahrscheinlich. Werin eine Lederbargeht, weiß,warum erdas tut – undim Darkroomfragt keiner nachdem Ehering. Die schwul-lesbische Bewegung istvor 40 Jahren aufge-brochen, um die politischeGleichstellung zu erreichen. Und um die Sexualität zu be-freien. Politisch und gesellschaftlich haben wir sehr vielerreicht. Jetzt wäre es an der Zeit, auch die zweite Mis-sion zu vollenden und uns selbst von den Zwangsjackendes normierten Denkens zu befreien. Das, liebes Christ-kindl, ist mein Weihnachtswunsch. Nicht unbescheiden,aber wie sagt der Franze? „A bisserl was geht immer …!“
Ich bin Sarah Jäckel, wünsche Ihnen relaxte Feiertageund freue mich auf einen oder mehrere Glühweine aufdem Pink Christmas. Und Sie dürfen mir gerne einenausgeben, ob nun queer oder straight oder einfachnur weil’s bald Weihnachten ist.
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