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Hamburger Morgenpost und TAZ - 25 Jahre Hafenstrasse

Hamburger Morgenpost und TAZ - 25 Jahre Hafenstrasse

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Berichterstattung der Hamburger Morgenpost und der TAZ zum 25 Jahrestag der Besetzung der Häuser in der Hamburger Hafenstrasse.
Berichterstattung der Hamburger Morgenpost und der TAZ zum 25 Jahrestag der Besetzung der Häuser in der Hamburger Hafenstrasse.

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05/11/2013

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text

original

 
ie
der
Häuserkampf
in
~81
besetzten Studenten und Autonome die Gebäude am Hafen /
Es
war
der
Anfang einer
D
e Hafenstraßelebt. Scharen vonTouristen pilgern
heute noch
zu
denbuntbemalten
Fassaden,die
in
den 80er jahren zum
Symbol
der
Auflehnunggegen
die Staatsgewalt
wurden. Heute wird vorund an den Häusern vollerInbrunst gehämmert und
diskutiert. Alles soll vor
bereitet sein, wenn zwi
schendem
15.
und
17.
Sep
tember ein
ganz
besonde-
res Jubiläum
ansteht
-
vor
25
Jahren
wurden dort
die
ersten Häuser besetzt.
Es
begann
Anfang
der80er
jahre"Gru-
ner+jahr"
plante den
Um
zug an die Hafenkante.
Um
/Ur
den
Verlag Platz zuschaffen, kaufte die
Stadt
alle
Häuser
dort
auf. Da
runter
auch die
später
Uffi-
..
ftenGebäude108bis
116
und
120 bis
122.
Ur-
sprünglich wohnten in
den
Häusern
aus
dem
19.
jahrhundert
Hafenarbei-
ter. Im Zuge der Entmie
tung durch
die SAGA
kam
es im September
1981
zu
einer ersten
stillen Besetzuog.
Menschen
unterschied
lichen Alters,
darunter
auchStudentenund
Auto
nome, zogen
in
die teilwei
se bereits entmieteten
undzum
Abriss
verdammtenWohnungen
ein. Sie
einte
ein Ziel: eine eigene Weltmit eigenen Regeln. DerTraum vom selbstbestimmten Leben.
Bereits
1982
wuchs
die
Kommunean
der
EIbe
auf
60 Personen an.
Es
kam
zu
ersten Auseinandersetzungen
mit
der Polizei. Im
Winter
1982
ordnete
die
SAGA offiziell
an
,die
Häuser zu entrümpeln.Die Bewohner warfen
da~
raufbin alles, was nichtniet-und nagelfest war,aus den Fenstern. Geplän
kel
im
Vergleich zu
den
Schlachten,
die
Bürger,ew.l!ht!er,
EPIiz.ci
uncieo
 
CHRONIK
Herbst
1981:
Die
Häuser an
der
Sl
Paull
HafenstraBe
wer
den
still
besetzt.
April
1982:
Rund
60
Men
schen
wohnen
in
den
Häu-
sern.
Sie
beginnen,
die
baufäl-
ligen
Gebäude
zu
renovieren.
Erste
kleinere
Krawalle.
September
1982:
Festnah
men
und
erste
Durchsuchung
durch
die
PolizeI.
September/Oktober
1982:
Die
Bewohnermachen einen
Vorschlag
für
ein
selbst
ver
waltetes
Wohn
nnodell-
der
Senat
lehnt
abund
beschließt
den
Abriss.
Februar1983:
Es
kommt
in
den
Häusern
zu
schweren
Auseinandersetzungen.
Barri-
kaden
werden gebaut,
Steine
fliegen
auf
Polizisten.
November 1983:
Die
SAGA
schließt
mit
den
Bewohnern
Mietverträge
ab.
Die
Stadt
zahlt
den
legalISiertenBewoh
nern
140
000
Mark
für
die
Re-
novierung.
Februar 1986:
Der
Senat
entscheidet
über
denKopf
des
Bezirks
hinweg,
dass
Anfang1987
drei
Häuser
abgerissen
werden.
Oktober
1987:
500
Beamte
rücken
zum
bisher
umfang-
reichsten Einsatz
an,
Hinter-
grund:
ein
RAF-Spruch
an
der
Fassade
und
Strafanträge
der
SAGA
gegen
die
Mieter.
die
Stadt
kam
jahrelangen -oft gewalttätigen -Auseinandersetzung
litikspäter anden Rand der
Belastbarkeit treiben sollten.
Aber:
"Unsere erstegemein
sameAktion", erinnert sichClausPetersen.
Er
ist einer
der Organisatoren der dies
jährigenJubiläumsveranstal
tung.
Zum Wendepunkt in der
bis dahin weitgehend friedli
chenAuseinandersetzung
geriet
1982
der
Ausbau der
Hafenrandstraße
auf
vierSpuren. Petersen späterzur
MOPO:"Anden Baggern
hattesichunsere Wut entzündet."Die Folge: Straßenschlachten mit der Polizei,
Verletzte auf bei den Seiten.
Die Besetzer erhalten national und international Unterstützung. Kampf den Immobilienspekulanten-Linken
und Liberalen gefiel diesesMotto.
Einige Bewohner hielten
dem Drucknicht mehrStand
undzogen aus. Vor allemFrauen mit ihrenKindern
hatten Angst. Andere kämpf
tenerbittertweiter.
1983
trotzen die HafensträßlerdemSPD-Senat Ver
träge
ab,
diezwei
Jahre
spä
ter keine Gültigkeit mehr be
sitzensollten.Startschuss
rur
eine weitere Welle der Gewalt.
"In
einer beispiellosenDialektik von Repression
und Widerstand von
1985
bis
1987 setzen wir -getragenvon vielfaltiger Solidarität -durch, hier zusammen zu le
ben. ohne jedoch die Bedingungen dafiir selbst gestalten
zu können", beschreiben diederzeitigen Hafensträßlerdie damalige Situation.Anders ausgedrückt: InHamburg herrschten bürgerkriegsähnlicheZustände.Bürgermeister Klaus vonDohnanyi verpfandete
sein
Amtfür einefriedliche
w-
sung. Die Angst aufallen Sei
ten wargroß.
"Ich
bekameines TageseinenAnrufvonei ner verzweifelten Frau, deren Tochter in
einem
derHäuserwohnte. Sie
be-
schwor mich, weiter
für
Verhandlungen einzutreten",erinnertsichder damaligeZweite Bürgermeister
lngo
von Münch(FDP)imGe spräch mit der MOPO.DieForderung derPolitik:Abbau
der
Barrikaden. Die
Besetzersperrten
sich
zu
nächst dagegen.Die Folge:ImSpätherbst
1987
standen
5000Polizistenzum Sturmauf die besetzten Häuser bereit. High Noonander Ha
fenstraße.
ERIKTRÜMPlER
Morgen
lesen
Sie:
Wie
Zeitzeugen die
Krawalle
erlebten
 
12
HAMBURG
Dienstag,
12.
September
2006
Hamburger
Morgenpost
1987
eskalierte
die
Gewalt -dann geschah ein Wunder
H
gh
Noon
in
der
Ha
fenstraße im
Spät
herbst1987.5000 Poli
zisten stehen zumSturm auf die besetzten
Häuser
bereit. Am
19.
No
vember
um
14
Uhr
läuft das
allerletzte Ultimatum aus.Hamburg steht kurz vor
einem
Straßenkampf,
wie
es
ihn noch
nicht gegeben hat.
Die
Fronten sind verhärtet,
die
Nerven
von
Politik, Po
lizei, Bewohnern und Bürgern zum Zerreißen ge
spannt. "Ich kann nicht aus
schließen, dass damals ge
schossen worden
wäre",
sagt
Michael Herrmann. damals
als Vermittler
zwischen
den
Fronten
aktiv.
Vor
den Häusern spiegelt
sich die Gewalt der vergan
genen
Tage
wider. Auto
wracks, Holzbohlen, umge
stürzte Container
und
Eisen
gerüste zieren die Straße.
Doch am Morgen des
18.
No
vember
1987
-das Wünder.
Schwarz
gekleidete
Men
schen machen
sich im Mor
gennebel ans Werk
und
bau-
en
-
wie
gefordert -qie Bar
rikaden
ab.
Am
Tag
darauf
werden auch die Verbarrika
dierungen
der
Häuser entfernt. Bereits knapp
zwei
Stunden
nach
Ablauf des
eingehaltenen
Ultimatumstritt der Senat zu einer Sondersitzung zusammen.
Um
17.38
Uhr
klingelt in
der
Ha
fenstraße das Telefon: Sozialsenator
Jan
Ehlers ist dranund übermittelt
die
frohe
Botschaft:
Der Senat hat
dem zugesicherten
Pacht-
..
Ich bin zuversichtlich,
dass
auf
diesem
Weg endlich
ein Konflikt gelöst werden
konnte,
der Hamburg
jahre
lang vergiftet
hat",
jubelt
Bürgermeister Klaus von
DohnanyL Fast allein,
ohneUnterstützungdes
Senats,seiner Partei und
des
Koalitionspartners
FDP,
hat er
aufeine
Karte gesetzt -und
ge-
wonnen.
Doch die
heiße
Phase soll
tesich nochweitere
Jahre
hinziehen.
Im
Februar
1988
fliegen erstmals
wieder
Mo
lotow-Cocktalls, Barrikaden
brennen -trotz Vertrags
abschlusses zwischen
Regierung und Bewohnern.
Es
folgt
ein jahrelanger
Kleinkrieg.
Ob
politische Parolen
an
den
Häuserwänden oder
eineangebliche
Nähe zuRAF-Terroristen -
die
Ha
fenstraße steht weiter
im
Brennpunkt. BürgermeisterHenning Voscherau, der im
mer wieder mit
Räumung
droht, löst
Klaus
von
Dohnanyi als Bürgermeister ab.Erst Mitte der neunziger
Jah-
re
sollte
Ruhe einkehren.
Mehr
als
zehn
Jahre nach
der
ersten, stillen Besetzung.
ERIK
TROMPlER

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