Cafés leuchtet nachts in kyrillischen Neonbuchstaben durch die von Nebelbedeckte Stille der russischen Siedlung und versucht den Menschen zumindestvisuell ein bisschen das Gefühl einer “Grossen Welt” zu vermitteln.
Kreuzerhöhungskirche als Museum altrussischer Kunst
Über dem Dorf steht aber im doppelten Sinne die Kreuzerhöhungskirche. Fährtman auf dem Dorfplatz vor, ist man von der Grösse dieser rund 250 Jahre altenKirche und ihrem Hauptturm beeindruckt. Heute wieder ihrem eigentlichen Zweckzugeführt, wurde das Gotteshaus während der Sowjetzeit als Museum genutzt.Zur Geschichte der Kirche gehört, dass im 18. und 19. Jahrhundert Palecher Künstler als Ikonen- und Freskenmaler für Kirchen und Klöster in ganz Russlandarbeiteten. Bei ihrer Rückkehr brachten sie oft alte Ikonen mit, die in die Kirchegebracht wurden und dann den ortsansässigen Ikonenmalern als stilistischesAnschauungsmaterial dienten. Nach einem Besuch dieser Malersiedlung im Jahr 1900 schrieb der berühmte Kunsthistoriker Nikodim Kondakow, Mitglied der Akademie der Künste und der Akademie der Wissenschaften, wie ihn dieKreuzerhöhungskirche als ein bedeutendes Museum altrussischer Kunstbeeindruckt habe.
Geduld als Lebensprinzip und Voraussetzung für Lackmalereien
Am Dorfplatz befindet sich die Miliz, in ihrem Gebäude muss sich anmelden, wer als Ausländer länger als zwei Tage Station macht. Das Prozedere ist nicht immer gleich, aber immer zeitaufwändig. Warten in einem schmalen Korridor mitEinheimischen, die etwas brauchen. Ständig passieren in beiden RichtungenMilizionäre und andere Mitarbeiter mit irgendwelchen Dossiers.An der Toilettentüre hängt seit Ewigkeiten ein Schild “Geschlossen, wird zur Zeitrepariert”. Vielleicht ist sie eines Tages ja tatsächlich wieder zugänglich. Undtrotzdem, die hier für einen Westeuropäer geradezu provokativ langsamablaufenden Amtshandlungen haben auch ihre positiven Aspekte. Man kommt insGespräch mit Menschen, denen man sonst nicht begegnet wäre, und begreift, dasswir unserer effizienten Lebensweise die Beschaulichkeit und Musse opfern.Die Herstellung und Bemalung einer Lackminiatur oder einer Ikone dauert Wochenoder gar Monate. Uns fehlen natürlich zunächst die künstlerischen Fähigkeiten,solche Arbeiten herzustellen. Aber nicht nur das, uns Westeuropäern ist auch daszur Erschaffung von Dingen mit einem zeitlosen inneren Wert notwendige Gefühlfür Bedächtigkeit, Bescheidenheit und Kontemplation abhanden gekommen.
Palech: 5500 Einwohner, fünf Museen…
Auf den interessierten Besucher warten fünf staatlich geführte Museen. An der Bakanowstrasse beim Dorfplatz befindet sich heute das 1935 eröffneteHauptmuseum. Iwan Bakanow war ein Miniaturmaler der ersten Generation, nachdenen hier einige Strassen benannt wurden. Das Museum beherbergt hochkarätige
Add a Comment