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rückkehr in der stunde null1/22vol. 2009.12info
Reprint 
1990
Vera Tschechowa lebt mit viel Vergangenheit: Anton Tschechowwar ihr Urgroßonkel, Großmutter Olga ein Filmstar, GroßvaterMichail ein nicht minder gefeierter Bühnenstar. Sie selbst machtein der Nachkriegszeit Filmkarriere. 1990, kurz nach dem Mauerfall,fährt sie an die ostdeutschen Orte ihrer Kindheit und lässt dieersten 50 Jahre ihres Lebens Revue passieren.
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Von Gundolf S. Freyermuth
Rückkehr in
der Stunde Null
 
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D
as Paster ist holprig wie inErinnerungen an ferne Zeiten. KeinReklameschild steht weit und breit.Dreck und Alter haben die Fassadenentlang der Straße gedunkelt. Nachrechts öffnet sich der Blick aufsWasser. Nur zwei Autos parken aufdem Rastplatz zwischen den altenBäumen. Keine Yachten ankern,kein Ausugsdampfer tutet, keinSegler lässt sich sehen. Am Ufergegenüber fehlen die Villen. DerSee ruht in sich, als seien seit Jahr-zehnten die Uhren angehalten.Vera Tschechowa steigt aus demWagen. Die schmale Gestalt in BlueJeans bewegt sich fremd in der un-
 
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berührten Landschaft. Zum ersten Mal seit vierzig Jahren ist die Tschechowa wieder amMüggelsee. Dass sie heute, im Frühjahr 1990, ein paar Kilometer außerhalb von Berlin,die Orte ihrer Kindheit suchen kann, dazu haben die Wirren eines Jahrhunderts europä-ischer Geschichte beigetragen: die russische Revolution, der deutsche Faschismus, derZusammenbruch des Preußo-Sozialismus.Ein Urgroßvater Veras amtierte als der letzte Eisenbahnminister des Zaren, und derUrgroßonkel war Anton Tschechow, der Dichter von
Drei Schwestern, Die Möwe
und
Der Kirschgarten
. Großmutter Olga stammte aus Tiis. Ihre Tochter Ada, die Veras Mutterwurde, brachte sie in Moskau zur Welt. Kurz darauf oh die Familie aus dem Russlandder Revolution.Der leichte Wind, der den See kräuselt, fährt durch Vera Tschechowas Haar. Sie machtein paar Schritte in Richtung Wasser. Ihre Silhouette vor dem Hintergrund des dunstigenSees: Für Sekunden gleicht das Bild einem spätromantischen Gemälde, einer Allegorieder Sehnsucht nach Heimat, nach der eigenen Geschichte. Eine Sehnsucht allerdings,die selbst aus der Fremde kommt.Von Berlin aus steigt Olga Tschechowa in den zwanziger Jahren zum Star des inter-nationalen Kinos auf, als Schauspielerin und als eine der ersten Regisseurinnen der
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