Welcome to Scribd. Sign in or start your free trial to enjoy unlimited e-books, audiobooks & documents.Find out more
Download
Standard view
Full view
of .
Look up keyword
Like this
0Activity
0 of .
Results for:
No results containing your search query
P. 1
Kreativitäts-Gurus_ Sie Bringen Dem Silicon Valley Das Denken Bei - Medien - FAZ

Kreativitäts-Gurus_ Sie Bringen Dem Silicon Valley Das Denken Bei - Medien - FAZ

Ratings: (0)|Views: 2|Likes:
Published by Marienburg
Kreativitäts-Gurus_ Sie Bringen Dem Silicon Valley Das Denken Bei - Medien - FAZ
Kreativitäts-Gurus_ Sie Bringen Dem Silicon Valley Das Denken Bei - Medien - FAZ

More info:

Published by: Marienburg on Jul 29, 2014
Copyright:Traditional Copyright: All rights reserved

Availability:

Read on Scribd mobile: iPhone, iPad and Android.
download as PDF, TXT or read online from Scribd
See more
See less

07/29/2014

pdf

text

original

 
http://www.faz.net/-gsb-7pmt6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER 
Feuilleton
Home Feuilleton Medien Kreativitäts-Gurus: Sie bringen dem Silicon Valley das Denken bei
Kreativitäts-Gurus
Sie bringen dem Silicon Valley das Denken bei
Kann mich Tom Kelley in zehn Minuten zu einem kreativeren Menschenmachen? Ja, sagt er. Wenn alle Silicon-Valley-Konzerne auf diesen Mannschwören, muss doch irgendetwas dran sein.
 W 
ir sitzen uns in einem Konferenzzimmer bei „Ideo“ gegenüber, einer derführenden Ideenschmieden Amerikas. Tom Kelley führt Ideo gemeinsam mitseinem Bruder David, dem Stanford-Professor für Design. Tom und David gelten alsKreativitäts-Vordenker im Silicon Valley. Firmen wie Google, Pinterest oder Intuitladen sie zu Vorträgen ein, um besser, innovativer, kreativer zu werden.Tom Kelley malt an die Weißwandtafel, die die gesamte Wand des Zimmers bedeckt,eine Reihe von Kreisen, aus denen ich in fünf Minuten so viele verschiedene Dingemachen soll, wie mir nur einfallen. Ich mache mich ran: Mit ein paar Strichen verwandele ich einen Kreis nach dem anderen in ein Smiley-Gesicht, eine Torte, ein Wagenrad, eine Schweineschnauze, einen Käfer, ein Maul mit Zähnen, eine Uhr, einenFlaschenboden, einen Luftballon. Als die fünf Minuten vorbei sind, sind bloß noch dreider dreißig Kreise ungestaltet.
Zurückhaltende Fassade, überragendes Inneres
„Wow!“, sage ich, beeindruckt von der Vielfalt der Ideen, die mir da in den Stiftgeflossen sind. Tom Kelley lächelt. Mit seinem Schnauzbart und der hohen Stirn siehtder Neunundfünfzigjährige aus wie der Inbegriff des Tüftlers. In meinen Kreisen kanner einiges lesen. Kreative Gewandtheit, sagt er, lasse sich aus der Menge derumgesetzten Ideen ableiten, kreative Flexibilität aus der Variationsbreite. Wer etwadrei Kreise zu einer Ampel verbindet oder fünfzehn zu einem Billardspiel, nimmtsozusagen kreative Abkürzungen. Aber die „Bewertung“ interessiert ihn viel weniger alsdie kreative Übung. Mit derart schöpferischen Aufgaben, sagt er, spreche man denkreativen Bereich des eigenen Hirns an.„Viele Menschen glauben, Kreativität sei angeboren“, sagt Kelley. „Gerade dieInformatiker hier im Silicon Valley halten sich meist für analytische Menschen. Oft höreich: Ich bin gar kein kreativer Typ. Ich kann nicht mal zeichnen.“ Aber Kreativität istKelley zufolge kein Geschenk, sondern eine Fertigkeit. Man kann sie trainieren. Dazu
© IDEO/ NICHOLAS ZURCHER
Nein, das sind nicht die Söhne der Marx Brothers, aber sie sind mindestens so querköpfig: Tom(links) und David Kelley geht es um nichts anderes als Kreativität.
 
Mehr zum Thema
Junge Computerpioniere in Deutschland: Zeitder Gründer Der Jargon des Silicon Valley fängt sie alleein: Die Rede von der Innovation Neue HBO-Serie „Silicon Valley“: Haben Sieschon die flüssigen Shrimps probiert? 
 will er mit dem Buch „Kreativität und Selbstvertrauen“ anregen, das er mit seinemBruder David verfasst hat und das jetzt im Verlag Hermann Schmidt Mainz (29,80Euro) auf Deutsch vorliegt.Die Firma Ideo residiert an San Franciscos Hafenmeile Embarcadero. Von der Straßeaus wirkt der Annex vom Pier 26 wie ein verfallendes Warenhaus - geschlosseneJalousien, bröckelnder Putz, ein mit Graffiti verziertes Parkverbotsschild. Doch hinterder bescheidenen Fassade verbirgt sich eine lichtdurchflutete Bürohalle, in derDesigner, Ingenieure und Kreativdenker Konzepte für Produkte, Organisationen undInnovatoren entwerfen. Auf dem rustikalen Dielenfußboden stehen auf einer großenoffenen Fläche Dutzende von Holzschreibtischen mit Bildschirmen und Laptops, diedeckenhohen Fenster öffnen sich direkt unter der majestätischen Bay Bridge auf einensonnigen Steg mit Kaffeetischen, umplätschert vom Wasser der Bucht von SanFrancisco.
Kreativität analysieren statt Unternehmen
„Wir haben hier gerade wieder umgeräumt“, entschuldigt Kelleys Assistentin Nadia Walker ein paar Schreibtische und Bretter, die in einer Ecke lehnen. Aber sich verändernde Umfelder sind Teil des Design-Denkens. Es gilt, gewohnte Assoziationen zuhinterfragen und die Dinge ständig aus neuen Perspektiven wahrzunehmen. Was imÜbrigen manchmal sogar kreativen Profis schwerfällt. Kelley erzählt von einem Auftrittdes englischen Wirtschaftsprofessors Eddie Obeng, der zwei Linien an die Tafelzeichnete, eine mit spitzen und die andere mit inversen Pfeilen am Ende. Auf die Frage, welche Linie länger sei, habe das Publikum wie aus einem Mund gerufen: „Beide gleichlang!“ Aber Obeng schüttelte den Kopf und sagte: „Nur weil Sie das vor zwanzig Jahrenüber eine optische Täuschung gelernt haben, ist es heute nicht unbedingt ebenfalls so -ich habe die Linien ungleich lang gezeichnet.“ Obeng demonstrierte, wie stark Denkmuster das Blickfeld einschränken, sagt Kelley, der sich selbst an der Naseherumführen ließ.Kelley ist ein Ausbund an kreativer Energie. Mindestens zwei Dutzend Mal währendunseres einstündigen Gesprächs springt er auf, um mit einem Marker an der Weißwandtafel seine Ausführungen zu illustrieren. Man kann die Synapsen regelrechtzünden hören, die Rädchen hinter seiner hohen Stirn rotieren sehen. Hin und wiederhält er inne, um sich zu sortieren - oder sagt: „Moment mal, mir gehen gerade zweiIdeen gleichzeitig durch den Kopf.“ Tom Kelley lehnte einst einen hochdotierten Job ineiner Unternehmensberatung ab, „weil man, um ein glücklicher Mensch zu sein, diesezwei ins Gleichgewicht bringen muss“. Er skizziert eine Wippe an die Tafel, auf dereneinem Ende ein Dollarzeichen, auf dem anderen ein Herz sitzt. „AlsUnternehmensberater konnte ich den Abschlussbericht eigentlich schon am ersten Tagschreiben - minus ein paar Zahlen. Du kennst das Problem, die Lösungsart. Bei Ideofängst du jede Aufgabe ganz von vorn an. Wird das größer als eine Brotkiste? Ist esüberhaupt ein Objekt? Ist es ein Service, oder ist es ein System? Keine Ahnung!“ Also verbrachte er die letzten siebenundzwanzig Jahre seines Lebens lieber damit, dasPhänomen der Kreativität zu analysieren und zu institutionalisieren.
Erkennen wir, dass wir kreativ sein können?
Dabei sind Tom Kelley und sein Bruder David zu überraschenden Erkenntnissengelangt. Der Abschnitt über das Paradox des Scheiterns gehört zu den faszinierendstenKapiteln ihres Buchs. Unter anderem geht es da um eine Investmentfirma, die nebenihren Erfolgen ein „Anti-Portfolio mit Misserfolgen und verpassten Chancen“ veröffentlicht. „Scheitern ist schrecklich, es tut weh“, sagt Tom Kelley. Denn stärker alsdas Scheitern fürchte man die Beurteilung durch andere. „Aber es lohnt sich, daran zudenken, dass dies der Prozess ist, durch den wir lernen. Wer ein guter Skifahrer sein will, muss oft hinfallen, um die relevanten Kräfte und ihre Grenzen auszuloten.“ Aber warum sollte ich mich zum kreativen Scheitern verleiten lassen? Wird hier nichtdas neueste Buzzword des Silicon Valley abgefeiert, die jüngste unternehmerischeOptimierungsstrategie? Tom Kelley sagt, Kreativität sei cool, weil sie glücklich mache.Hundert Innovatoren und Erfinder habe er für sein Buch interviewt, „lauter tolle
 

You're Reading a Free Preview

Download
scribd
/*********** DO NOT ALTER ANYTHING BELOW THIS LINE ! ************/ var s_code=s.t();if(s_code)document.write(s_code)//-->