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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Seminar für Politische WissenschaftProf. Dr. Uwe Holtz / Prof. Dr. Detlev KarstenJuli 2003
Entwicklungspolitisches Glossar
STICHWÖRTER ZUR ENTWICKLUNGS- UND NORD-SÜD-POLITIK
1
Abhängigkeit:
Zustand, in dem die Fähigkeit und/oder die Macht nationaler Institutionen(Staat, Unternehmen usw.), wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen, durch frühereund/oder heutige Einflüsse von außen eingeschränkt sind. Problematisch ist dabei wenigerdie gegenseitige, gleichgewichtige Abhängigkeit als vielmehr die ungleichgewichtige Ab-hängigkeit, bei der ein Partner dominiert.
Abkoppelung(sstrategie)
: Die aus der -> Dependenztheorie abgeleitete Empfehlung, dieBeziehungen (vor allem die wirtschaftlichen) eines Entwicklungslandes zu den Industrielän-dern abzubrechen, um so eine eigenständige Entwicklung zu ermöglichen. -> Dissoziation.
Abrüstungsdividende
 
(Friedensdividende)
: Unter dem Begriff Abrüstungsdividende wirdder Vorschlag diskutiert, aus Abrüstung frei werdende Mittel in zivile Sektoren umzuleiten.Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts soll nun das Augenmerk auf den gesellschaftlichenWohlstand und die soziale Sicherheit gerichtet werden. Außerdem wird gefordert, mehr Geldfür die Überwindung von Armut und Verschuldung sowie die Abwehr der globalen Umwelt-katastrophe einzusetzen. Die erforderlichen Strukturänderungen sind in vielen Fällen mit er-heblichen Umstellungsschwierigkeiten verbunden. -> Konversion
Abschöpfungen
: Im Rahmen der EG-Marktordnungen wird bei der Einfuhr vieler landwirt-schaftlicher Erzeugnisse aus Drittländern eine in der Höhe variable Abschöpfung erhoben,durch die der Vorteil des Importeurs, der in der Differenz zwischen dem (niedrigeren) Welt-marktpreis und dem EU-Preis liegt, abgeschöpft wird. Durch die Abschöpfung werden alleMarktordnungsgüter aus Drittländern auf das Preisniveau der EU angehoben.
Absorptionsfähigkeit
: Die Absorptionsfähigkeit eines Landes für Kapitalhilfe bezeichnet jenes Investitionsvolumen, das in einem vorgegebenen Zeitraum volkswirtschaftlich effizienteingesetzt werden kann. Allgemein bezeichnet Absorptionsfähigkeit die Aufnahme-, Ver-arbeitungs- und Umsetzungsfähigkeit eines EL für bereitgestellte Ressourcen.
Abwehrzoll
: Zoll, den ein Land zum Schutz der inländischen Produktion erhebt, wenn dasAusland die Inlandspreise bewusst unterbietet. Es werden zwei Formen unterschieden: derAntidumpingzoll (richtet sich gegen die Unterbietung der Güterpreise) und der Antivaluta-zoll (richtet sich gegen die ausländische Währungsabwertung). 
1
Zusammengestellt aus unterschiedlichen Quellen. Genannt seien insbesondere Franz Nuscheler, Lern- undArbeitsbuch Entwicklungspolitik, 4., völlig neu bearb. Aufl., 1. durchgesehener Nachdr., Bonn 1996; Uwe Holtz(Hg.), Probleme der Entwicklungspolitik, Bonn 1997; Dieter Nohlen (Hg.), Lexikon Dritte Welt, vollst. überarb.11. Aufl., Reinbek 2000; Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Hg.), Me-dienhandbuch Entwicklungspolitik 2002, Berlin 2002; Der Brockhaus multimedial 2003.
 
2
Abwertung:
Senkung des Außenwertes einer Währung (des Wechselkurses), d.h. die auslän-dische Währung wird - gemessen in Inlandswährung - teurer. Nach einer Abwertung steigendie Exportaussichten des Inlandes (weil das Ausland weniger Devisen für Inlandsprodukteausgeben muss), und die Importaussichten des Inlandes sinken (weil das Inland mehr Devisenfür Auslandsprodukte ausgeben muss). Ziel der Abwertung ist im allgemeinen der Ausgleicheiner defizitären Zahlungsbilanz. Allerdings werden bei Abwertung auch alle importiertenVorleistungen teurer, wodurch sich der Preisvorteil bei Export verringert.
Abwertungspessimismus:
Befürchtung, dass durch die -> Abwertung kein höherer Export-wert erzielt werden kann, weil die Nachfrageelastizität des Auslands und/oder die -> Ange-botselastizität der inländischen Produktion zu gering (d.h. kleiner als 1) ist.
Advocacy-Arbeit:
Die anwaltschaftliche Vertretung der Interessen der Partner im Süden imHinblick auf die Veränderung der internationalen politischen, wirtschaftlichen und ökologi-schen Rahmenbedingungen für Entwicklung. -> Lobby-Arbeit
Afrikanische Union
-> OAU
Agenda 21:
Das auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio deJaneiro im Juni 1992 verabschiedete umwelt- und entwicklungspolitische Aktionsprogrammfür das 21. Jahrhundert. In ihren 40 Kapiteln spricht die Agenda 21 alle wesentlichen Politik-bereiche einer umweltverträglichen, nachhaltigen Entwicklung an. Das Aktionsprogramm giltsowohl für Industrieländer als auch für Entwicklungsländer. Es enthält wichtige Festlegungenund Ziele, u.a. zur Armutsbekämpfung, zu Handel und Umwelt, zur Klima- und Energiepoli-tik sowie zur Stärkung der Rolle wichtiger Gruppen und Organisationen (wie Frauen undKinder, indigene Bevölkerungsgruppen und Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen,Kommunen, Wissenschaft). Die Agenda 21 fordert „eine neue globale Partnerschaft, die auf eine nachhaltige Entwicklung ausgerichtet ist“. Die Politik nachhaltiger Entwicklung ver-knüpft also die Verbesserung der politischen und gesellschaftlichen, wirtschaftlichen undsozialen Lebensbedingungen der Menschen mit der langfristigen Sicherung der natürlichenLebensgrundlagen. Dabei setzt die Agenda 21 eine eindeutige Priorität: Wer die Existenzaller Menschen sichern will, muss Fragen der Entwicklung, der nachhaltigen Ressourcenbe-wirtschaftung und der Armutsbekämpfung gleichzeitig angehen. Die Bundesregierung willsich bei ihrer bi- und multilateralen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit an der Agenda21 orientieren.Auf der Sondersitzung der UN-Generalversammlung vom 23.-27. Juni 1997 in New Yorkbekräftigten die Staaten das in Rio beschlossene Aktionsprogramm und verpflichteten sich,bis zum Jahr 2002 nationale Strategien für eine nachhaltige Entwicklung aufzustellen. ->Rio-Gipfel -> sustainable development (nachhaltige Entwicklung, zukunftsfähige Entwick-lung)
Agrarreform -
> Landreform
 
3
AKP-Staaten:
Zur Zeit 78 Mitgliedsstaaten des Lomé (Cotonou-)-Abkommens aus Afrika,der Karibik und dem pazifischen Raum (Kuba - seit Dezember 2000 zur AKP-Gruppe zuge-lassen - ist allerdings kein Unterzeichnerstaat des Abkommens). Das 1. Lomé-Abkommenwar 1975 zwischen der EG und den AKP-Staaten geschlossen worden; das bis Februar 2000laufende, revidierte Lomé IV-Abkommen wurde im Juni 2000 durch das EU-AKP-Partnerschaftsabkommen von Cotonou/Benin ersetzt (am 1.4.03 in Kraft getreten). In denLomé-Abkommen wird den AKP-Staaten der freie Zugang für nahezu alle ihre Erzeugnisseauf dem Gemeinschaftsmarkt garantiert (trifft für den Agrarbereich nur bedingt zu), die Ent-wicklungszusammenarbeit geregelt, ein System zur Stabilisierung von Ausfuhrerlösen (Sta-bex) eingeführt und die Unterstützung der AKP-Staaten durch die EG/EU bei Exporterlösaus-fällen und Produktionsschwierigkeiten für einige mineralische Rohstoffe zugesichert (Sys-min). Der partnerschaftliche Aspekt des Abkommens kommt in gemeinsamen Institutionenzum Ausdruck. Besonders im Cotonou-Abkommen wird die Bedeutung von Demokratie,good governance, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten für Entwicklung unterstrichen;als Hauptziel der EZ gilt die Armutsbekämpfung im Rahmen einer nachhaltigen Entwick-lung; über eine verstärkte Kooperation im Wirtschafts- und Handelsbereich soll die sozio-ökonomische Entwicklung der Partnerländer gefördert und zugleich eine gemeinsame Ant-wort auf die Globalisierung gefunden werden; Stabex und Sysmin laufen aus. -> EuropäischeUnion, Entwicklungspolitik der
Aktionsgruppen -
> Nicht-staatliche Organisationen
Aktionsprogramm 2015:
Zur Unterstützung der Milleniums-Entwicklungsziele und alsBeitrag des 2015-Ziels zur weltweiten Halbierung extremer Armut hat die Bundesregierungam 4. April 2001 dieses Programm beschlossen. Die 10 vorrangigen Ansatzpunkte undHandlungsfelder lauten: Wirtschaftliche Dynamik und aktive Teilhabe der Armen erhöhen,das Recht auf Nahrung verwirklichen - Agrarreformen durchführen, faire Handelschancen fürdie Entwicklungsländer schaffen, Verschuldung abbauen – Entwicklung finanzieren, sozialeGrunddienste gewährleisten – soziale Sicherung stärken, Zugang zu den lebensnotwendigenRessourcen sichern – eine intakte Umwelt fördern, Menschenrechte verwirklichen – Kernar-beitsnormen respektieren, Gleichberechtigung der Geschlechter fördern, Beteiligung der Ar-men sichern – verantwortungsvolle Regierungsführung stärken, Konflikte friedlich austragen– Menschliche Sicherheit und Abrüstung fördern. Auf drei Ebenen setzt die Bundesregierungan: Bei den internationalen Strukturen und Regelwerken, in den Partnerländern sowie inDeutschland, Europa und den anderen Industrieländern.
-
> Milleniums-Entwicklungsziele
Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen -
> GATT
Allgemeine Zollpräferenzen:
Einseitige Zollsenkungen der Industrieländer für Halb- undFertigwarenimporte beziehungsweise einige landwirtschaftliche Produkte aus Entwicklungs-ländern. Jedes Industrieland hat sein eigenes System von Zollpräferenzen. Im Juli 1971 führtezuerst die EG ihr System ein. In der Regel werden die Zölle innerhalb bestimmter Import-höchstgrenzen „ausgesetzt“, d.h. nicht mehr erhoben.
Alphabetisierung:
Alphabetisierung bedeutet die planmäßige Bekämpfung des Analphabe-tismus. Die UNESCO versteht unter funktionaler Alphabetisierung „zugleich pädagogische,ökonomische und soziale Aktion“. Alphabetisierung bedeutet also nicht nur Aneignung vonLesen und Schreiben, sondern soll einen Beitrag zur sozialen Emanzipation und politischenPartizipation leisten.
Andenpakt:
1969 geschlossenes Abkommen der Staaten Bolivien, Chile, Kolumbien, Ecua-dor und Peru mit der Zielsetzung der Bildung einer Wirtschaftsgemeinschaft.
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