/  16
 
Studierendenmagazin der Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen
12
2009
www.pflichtlektuere.com
pfichtlektüre
Arm an der Uni
Leben auf Pump statt Laptop und Latte:Was es bedeutet, mit 200 Euro im Monat zu studieren.
Skandal um Namen, Noten, Nummern
Datenschutzpanne an der TU Dortmund – Probleme auch an den anderen Ruhr-Unis.
Bekenntnisse eines Streikbrechers
Es gibt gute Gründe für die Teilnahme am Bildungsstreik. Und gute dagegen.
 A171_01
 
S02VOR-SPIEL
 A367_02
Bekenntnisse eines Streikbrechers
Es ist Bildungsstreik, und nach verhaltenem Beginn werden die Aktionen nun mutiger. Auch pfichtlektüre- Autor Jonas Mueller-Töwe hat zu Beginn nicht demonstriert. Ein Erklärungsversuch.
G
estern war Streik und ich war nicht da.Ich bekenne: Ich habe nicht gestreikt. Je-denfalls nicht mehr als sonst auch. Ich,ich bin der Streikbrecher von nebenan.Die Opportunistensau. Der Reaktionär.Nicht, dass ich viele der Forderungen nicht teilenwürde (Anwesenheitspicht! Studiengebühren!).Dass ich in der Redaktion geblieben bin, lag viel-mehr daran, dass im studentischen Alltag eineähnlich revolutionäre Stimmung herrscht wie auf dem monatlichen Häkel-Treffen der Frauenhilfe.Die Wechselstimmung aus Zy- und Hedonismus,die uns während der zahlreichen (Picht-)Vor-lesungen in einen wohligen Nachmittagsschlaf wiegt, lähmt zudem mein politisches Engage-ment nicht unerheblich.Wie‘s ausschaut, steh‘ ich damit nicht allein da.Mein Mitbewohner berichtete so gegen 17 Uhrvon einer Punkband am Hauptbahnhof. “An-sonsten sind hier hauptsächlich Schüler”, hat ermir durch’s Telefon gesteckt. Woher kommt dasnur? Dass uns alles so egal zu sein scheint? Viel-leicht liegt‘s daran, dass wir im Alltag zu oft mitSprachumdeutungen konfrontiert sind, die of-fensichtlich scheinende Fakten in politische In-terpretationen verwandeln, die Denk- und Hand-lungsfähigkeit einzuschränken suchen. Wozu auf das Offensichtliche hinweisen?Für den Laien scheint offensichtlich, dassDeutschland sich in Afghanistan im Krieg ben-det – ofziell ist es erst seit wenigen Wochen. Zumeiner Politikverdrossenheit gesellt sich zudemdie Tatsache, dass die studentischen Interessenzwischen zwei verfeindeten Lagern aufgeriebenwerden. Auf der einen Seite stehen die Spießerdes AStA Duisburg-Essen: Ihr Standpunkt wan-derte innerhalb weniger Monate von “Das sindalles radikale Berufsdemonstranten” zu “Wir tei-len die Forderungen, aber nicht die Protestform”.Auf der anderen Seite die Antis, die aus ihren Pro-testpapieren nicht ihre allgemeine politische Pro-grammatik heraushalten können.Diese Streitigkeiten verstellen den Blick auf dasWesentliche. Seit einigen Wochen benden wiruns nun offziell im Krieg – daran haben mona-telange Dementis des Ex-VerteidigungsminstersJung nichts ändern können. Sein Nachfolger Gut-tenberg hat mit diesem Tabu bereits in den ers-ten Tagen im Amt gebrochen.Nun wird es Zeit, dassauch Minister Pink-wart seine Politik denRealitäten anpasst. An-sonsten wird das seinNachfolger tun.An den Unis gibt esinzwischen keine Hä-kel-Treffen mehr. Jetztist es ein echter Streik.Jetzt wird besetzt. Jetzthabe ich auch im Hör-saal geschlafen.
Das sagt ihr auf pichtlektuere.com
„Bologna“ ist der Begri, der protestierende Studen-ten so sehr au die Palme bringt wie „Studiengebüh-ren“. Was denkt ihr? Die bisherigen Leser-Reaktionenau www.pfichtlektuere.com sind gemischt.
Ich nde das neue System (Bacherlor/Master, dieRed.) sehr gut und kann die ganz vieren und gehenächstes Semester für sechs Monate ins Ausland,was auch kein Problem darstellt. Außerdem seheich ein Hochschulstudium immer noch als eineAusbildung an, die eine außerordentliche Leis-tungsbereitschaft voraussetzt, weshalb ich auchan einer Selektion während des Bachelors undZulassungsbeschränkungen für den Master kei-nen Anstoß nehmen kann.
BWLer 
Was man hier in Deutschland völlig verpennt hat,ist doch Folgendes: Im Ursprungsraum von Ba-chelor und Master gibt es kein Abitur. Daher sinddie Studenten bei Abschluss zwischen 19 und 23Jahre alt. Dieses System nun auf Deutschland zuübertragen ist in meinen Augen eine Farce. DieUniversitäten entwerten ihren Ruf und ihren an-gesehenen Abschluss selber. Nur weiter so mitunserem Bildungssystem; auf das wir alle als Ein-heitswürstchen durch die Gegend laufen.
HUHUH
Die Normierung ist ein Nachteil, weil hierdurchviele Facetten innerhalb der Wissenschaft unbe-rücksichtigt bleiben, es ist eine Verarmung, eineMonokultur. Ist es denn nachteilig zu wissen, dass jede Hochschule/Universität eine etwas andereAusbildung hat mit Schwerpunkten hier und da?Im Gegenteil, die Wissenschaftslandschaft wärebunter und erotischer, weil hier für jedes Interes-se etwas da ist und sogar Veränderungen mög-lich sind, die jetzt von der Verwaltung ersticktwerden. Diktaturen lieben Normierungen,denGleichschritt, Demokratie lebt von Vielfalt.
Georg ScheczykWeil die Produktion der pfichtlektüre Zeit braucht,sind wir nicht topaktuell. Die neuesten Texte und Bil-der zum Bildungsstreik – sowie Artikel und Interviewszu allen anderen wichtigen Themen – gibt es au un-serer Internetseite www.pfichtlektuere.com
 
START-BLOCKS03
S08
Der eine hat‘s,der andere nicht:Wie es sichmit wenig Geldstudiert.
HERZ
-
STÜCK
 diesmal
Anzeige
 A171_03
Zur Ausgabe
D
ie meisten Studenten haben wenig Geld. Studium,WG-Zimmer und Essen verschlingen das, was Neben- jobs einbringen. Manche bleiben direkt bei ihren El-tern wohnen, weil es preiswerter ist und die ärgstenGeldsorgen erstmal ausbleiben.Trotz knapper Kasse bleibt den meis-ten Studenten jedoch genügend übrig,um sich in der Uni mal einen Kaffeezu gönnen, am Wochenende feiern zugehen und ab und an neue Klamottenzu kaufen.Bei Maria ist es anders: Sie hat nur 200Euro im Monat zum Leben und an die20.000 Euro Schulden. In die Mensageht sie deshalb nur zweimal pro Wo-che. Ein Brötchen zwischendurch istnicht drin. Arbeiten, sagt sie, könne sie nicht. pflichtlektüre-Mitarbeiter Michael Klingemann erzählt aus ihrem Uni-Alltag(Seiten 8 - 11).Die nächste pflichtlektüre erscheint nach der Weihnachtspau-se am 19. Januar 2010. Aktuelle Nachrichten findet ihr onlineunter www.pflichtlektuere.com.
DORTMUND
S04 … Unpolitisch und unmoralisch? Ein Experte verteidigt unsere Generation.
RUHR-BLICK
 S06 Datenschutzpannen an den Ruhr-Unis: Erschreckende Normalität.
HERZ-STÜCK
 S08 Schwere Last: Marias Studium hat ihr 20.000 Euro Schulden eingebrockt.S11 … Wenn Papa keine eigene Praxis hat: Ein Arbeiterkind im Medizinstudium.
DIENST-BAR
S14 … Jedem das seine: Von Weihnachtshunden und Eisprinzessinnen.
Lust aufLuftfahrt?
Hochfliegende Erwartungen? Vom Studium nicht erfüllt?
Wenn ein Hochschul-Abschluss Sie nicht mehr länger überzeugt. Sie aber den-noch hoch motiviert für eine Ausbildung sind: Dann bewerben Sie sich bei derdeutschen Flugsicherung! Für die Ausbildung zum Fluglotsen bzw. zur Fluglotsin!Wann immer Sie Ihre Entscheidung treffen – wir bilden das ganze Jahr über aus!www.dfs.de –
Weil der Himmel Sie braucht!
Fluglotse werden!
www.dfs.de

Share & Embed

More from this user

Add a Comment

Characters: ...