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LIEBE GENOSSINNEN,LIEBE GENOSSEN,
neulich auf unserem Kommunalkon-gress habe ich das Wort Heimat benutzt:»Wir wollen lebendige Kommunen,denn Kommunen sind Heimat.« Darauf bin ich angesprochen worden. Ichmeine, wir sollten Heimat nicht denKonservativen überlassen, sondern mitihnen um die Deutungshoheit fechten.Heimat – für mich nicht ein schönesWort für Zurückgebliebenheit. Auchkeine Idylle, schon gar nicht rückwärts-gewandt. Heimat bedeutet dauerndeEntwicklung. Heimat als gesellschaftli-cher Prozess, meinetwegen auch alsUtopie einer menschen- und naturge-rechten Gesellschaft. Ernst Blochphilosophiert darüber als »Utopie vomUmbau der Welt in Heimat«. Das istdoch eine Aufgabe. Für Bloch steht dieSchöpfungsgeschichte, das Vollkomme-ne, nicht am Anfang, sondern am Ende.Mittelpunkt ist der »arbeitende, schaf-fende, die Gegebenheiten umbildendeund überholende Mensch«. Schließlich»entsteht in der Welt etwas, das allen indie Kindheit scheint und worin nochniemand war: Heimat.« Eine schöneBotschaft für uns Sozialdemokratinnenund Sozialdemokraten zu Weihachtenund fürs neue Jahr.Euer Garrelt DuinLandesvorsitzender
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NIEDERSACHSEN
DEZEMBER 2009/JANUAR 2010 | WWW.SPD-NIEDERSACHSEN.DE
EDITORIAL
Hauke Jagau:
... na klar. Wir haben fürunsere gesamten sozialen Systeme zuwenig Geld. Zu wenig Geld für die Schu-len, zum Erhalt und Ausbau des öffentli-chen Nahverkehrs, zu wenig Geld fürStraßenunterhaltung. Die öffentlicheHand wird konsequent ausgeblutet mitder Folge, dass die Qualität der Dienstlei-stungen »vor Ort« einfach schlechterwird.
vorwärts: Welche Folgen hat das»vor Ort«?Hauke Jagau:
Eigentlich dürfen die Kom-munen nicht mehr Geld ausgeben, als sieeinnehmen. Praktisch tun es viele schon
vorwärts: Die schwarz-gelbe Bundesre-gierung hat mit ihrer Mehrheit das sogenannte Wachstumsbeschleuni-gungsgesetz beschlossen ganz zumÄrger der meisten Kommunen undKreise im Lande. Wo liegt das Ärgernis?Hauke Jagau:
Die Bundesregierung ver-teilt Steuergeschenke an die Wohlhaben-den, wie zum Beispiel die Erstattung vonKosten für den Steuerberater, und uns inden Kommunen fehlt dadurch noch mehrGeld, um unsere Aufgaben zu erledigen.Ein anderes Beispiel: Indem der Steuerfrei-betrag für Kinder erhöht wird, gewinnendiejenigen, die ein hohes Einkommenhaben, weil ihr zu versteuerndes Einkom-men sinkt. Je mehr jemand verdient, destohöher ist die Entlastung. Wer kein Einkom-men hat, bekommt die 20 Euro Kindergel-derhöhung im Monat, der Spitzenverdie-ner hingegen 400 Euro Steuerentlastungzusätzlich im Jahr. Das führt dazu, dass dieSteuereinnahmen sinken – also kommtbei den Kommunen weniger an.
vorwärts: Nun sagt die Bundesregie-rung ja, dass mit diesem Paket das Wirt-schaftswachstum und damit auch einWachstum an Arbeitsplätzen einher-geht ...Hauke Jagau:
... was Unfug ist. Für dieHotels zum Beispiel ist die Senkung desMehrwertsteuersatzes erst einmal einreines Geschenk. Solange sie nicht inve-stieren, merkt die Wirtschaft nichtsdavon. Die Gewinnspanne steigt und dieSteuereinnahmen sinken. Schon jetzthaben wir in den Kommunen eine kata-strophale Finanzlage und unsere Sozial-kosten steigen durch die Finanzkrise täg-lich. Das wird sich weiter verschärfen.Die Idee, über Wachstum diese Krisebewältigen zu wollen, ist deshalb irrsin-nig, weil man ca. 20 Prozent Wachstumbräuchte, um die Finanzprobleme zulösen. 
vorwärts: Ausbaden müssen das diemeisten Bürgerinnen und Bürger ...
DIE ÖFFENTLICHE HANDWIRD AUSGEBLUTET
Mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz legt die schwarz-gelbe Bundesregierungdie Axt an die Handlungsfähgkeit der Kommunen und Kreise. Über die Konsequenzen sprachder Niedersachsen-vorwärts mit Hauke Jagau, dem Präsidenten der Region Hannover.
Fortsetzung auf Seite 2
 
Im Niedersachsen-vorwärts:»TiL – Themen im Landtag«(Mittelteil Seiten 1–4)
Trübe Aussichten fürNiedersachsens Rathäuser.
 Foto: Lopo
 
IINIEDERSACHSEN
12/2009 | 01/2010
vorwärts
Ausgezeichnete Basis-Aktvisten: Die Schaumburger Jusos erhalten von Heidemarie Wieczorek-Zeulden Wilhelm-Dröscher-Preis.
 Foto: Sascha Pickel
Fortsetzung von Seite 1
vorwärts: Was heißt das konkret für dieRegion Hannover?Hauke Jagau:
2009 haben wir es daserste Mal seit 7 Jahren geschafft, nichtmehr Geld für die laufenden Kosten aus-zugeben, als wir einnehmen. 2010 fehlenuns hierfür 170 Millionen Euro. Um dieseSumme einzusparen, müsste ich dasgesamte Personal der Region streichenund den öffentlichen Nahverkehr völligeinstellen. Und in dieser Situation machtSchwarz-Gelb Steuergeschenke an Wohl-habende.
vorwärts: Gibt es denn in Nieders-achsen überhaupt noch Kommunenoder Kreise, die mit dieser Krise fertigwerden können?Hauke Jagau:
Ganz ganz wenige. DieDimensionen sind allerdings überallgleich. Unser Anteil bei den Sozialkostensteigt im nächsten Jahr um 64 MillionenEuro. Davon entfallen allein 42 MillionenEuro auf die Kosten der Unterkunft. DasGewerkschaftlerInnen und AWO-Mit-glieder dabei; Schirmherr war der Bun-destagsabgeordnete Sebastian Edathy.Die in Dresden vertretenen SPD-Glie-derungen haben gezeigt, wie mit einfa-sind Pflichtaufgaben, die wir nichtgegenfinanziert bekommen. Diese Sum-me ist ausschließlich eine Folge derFinanzkrise. Das so genannte Wachs-tumsbeschleunigungsgesetz ist da nochnicht eingerechnet.
vorwärts: Gibt es bei dieser Sachlagefür die Kommunen überhaupt Möglich-keiten, sich zur Wehr zu setzen?Hauke Jagau:
Es ist ein Riesenproblem.Das ist die politische Zielvorgabe derBundesregierung und die ist legitimiert,das muss man deutlich sagen. Wir wer-den diejenigen sein, die das auszubadenhaben. Was wir machen müssen, ist klar:Die Zusammenhänge müssen deutlichgemacht werden – in zwei Jahren wer-den die Einnahmen wegbrechen. Mehrkönnen wir nicht tun. Wir können undwerden protestieren, mit allen Spitzen-verbänden, und hoffen auf Einsicht. Aberob das etwas bringt, können wir zur Zeitnicht sagen.
 
chen Mitteln große Wirkung erzielt wer-den kann, sagte SPD-LandesvorsitzenderGarrelt Duin nach der Wilhelm-Drös-cher-Preisverleihung und gratulierte denPreisträgern.
 
seit Jahren, obwohl wir unsere Haushal-te von der Kommunalaufsicht im Gegen-satz zu Bund und Ländern genehmigenlassen müssen. Deshalb wird es in denkommenden Jahren immer wenigerInvestitionen geben und alles was nichtPflichtaufgabe ist, droht gestrichen zuwerden. Das sind die so genannten frei-willigen Leistungen, also die Kultur, dieUnterstützung von Vereinen und Ver-bänden und die Förderung ehrenamtli-cher Arbeit. Schwarz-Gelb will wenigerStaat und das hat Konsequenzen für dieKommunen. Die haben bald keine Chan-ce mehr, auf Krisen angemessen zu rea-gieren. Es gibt direkte Zusammenhängezwischen der Stärke einer Kommune unddem Schutz, den sie ihren Bürgerinnenund Bürgern bieten kann. Nach wie vorgilt der alte Satz: »Einen schwachen Staatkönnen sich nur Reiche leisten«.Auf dem SPD-Bundesparteitag vom 13.–15. November in Dresden erhielten dieArbeitsgemeinschaft 60plus im Ortsver-ein Northeim und die Jusos im Unterbe-zirk Schaumburg/AG Bad Nenndorf  jeweils einen Dritten Preis. Mit dem Wil-helm-Dröscher-Preis würdigt die SPD auf ihren Bundesparteitagen herausragendeund beispielhafte Leistungen von Par-teigliederungen. Der SPD-KreisverbandOsnabrück erhielt eine lobende Erwäh-nung für sein Zeitungsprojekt.Seit 1995 geht die AG 60plus in Nort-heim mit außergewöhnlichen Projektenund Ideen auf die Straße. In diesem Wahl- jahr wurde insbesondere der SPD-Würfelin verschiedenen Varianten eingesetzt.Mit ihrer Präsentation der Straßenaktio-nen aus den vergangenen 15 Jahren woll-te die Arbeitsgemeinschaft in Dresdenzeigen, wie sie seit Jahren um den Erhaltunserer Demokratie und das Erreichenechter sozialer Marktwirtschaft kämpft.Die Jusos im Unterbezirk Schaum-burg und die Arbeitsgemeinschaft BadNenndorf haben unter dem Motto »Krea-tiv gegen Rechts« eine Straßenmalereidurchgeführt. Am Vorabend der Naziauf-märsche 2007 und 2008 in Bad Nenndorf wurde die Demonstrationsstrecke derNeonazis mit Slogans und Sprüchengegen Rechtsextremismus, Rassismusund Intoleranz versehen. Zusätzlich wur-den Plakate und große Transparente ent-lang der Strecke aufgehängt. NebenJusos und SPD-Mitgliedern aus denumliegenden Ortsvereinen waren auch
AUSGEZEICHNETE BASISARBEIT
Zwei Wilhelm-Dröscher-Preise gingen beim SPD-Bundesparteitag nach Niedersachsen
Von Hans-Rainer Strang
»
Die Bundes-regierung verteiltSteuergeschenkean die Wohlhaben-den.
«
Hauke Jagau
Hauke Jagau,Präsident der RegionHannover
TERMINE 2010
Fr., Sa. 29. /30. 01.
,16.30 UhrKlausur desLandesvorstandes in Achim
Sa., 13.03.
, 11.00 UhrLandesparteirat
Sa., 29.05.
, 10.00 UhrLandesparteitag Stade
Sa., 04.09.
, 11.00 UhrLandesparteirat
Sa., 27.11.
, 11.00 UhrLandesparteirat
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PERSONALABTEILUNG
Zum 5. Mal seit 1993 ist Polizeihauptkommissar Diet-mar Schilff als stellvertretender GdP-Landesvorsit-zender wiedergewählt worden. Der stellvertretendeVorsitzende des SPD-Landesparteirates ist Vorsit-zender des OV Rautheim, Mitglied des UBVBraunschweig sowie Vorstandsmitglied der AfA imUB Braunschweig.
 
 
NIEDERSACHSENIII
12/2009 | 01/2010
vorwärts
Wer schlagkräftige Argumente für diekommunalpolitische Auseinanderset-zung mit den schwarz-gelben Regierun-gen in Hannover und Berlin braucht, lädtsich tunlichst den Münchener Oberbür-germeister Christian Ude als Redner ein.Der ist bekannt für seine unterhaltsamdrastische Argumentation. Den Beweislieferte Ude am 21. November den gut 700Besuchern des Kommunalkongresses derniedersächsischen SPD in Hannover.Vor geraumer Zeit sei er zu Besuch inLondon gewesen und habe dort in einerBedürfnisanstalt die Aufschrift lesenmüssen. »If it‘s yellow, let it mellow. If it‘sbrown, flush it down«. Was als Aufforde-rung zum Wassersparen gedacht war,entpuppte sich bei genauem Hinsehenals anrüchiges Ergebnis der Privatisie-rungspolitik von Maggie Thatcher. Diesetzte den freien Markt über alles undnötigte die Kommunen, Einrichtungender Daseinsvorsorge zu verscherbeln.Investoren gab es reichlich, denen dasalte römische Diktum »Geld stinkt nicht«geläufig war, und so kauften sie günstigdas löchrige Londoner Leitungsnetz ver-bunden mit dem Versprechen, besser zuwirtschaften als die öffentliche Hand. DasVersprechen haben sie nicht gehalten.Während Millionengewinne in denTaschen der Investoren versackten, ver-sickerte weiterhin das Wasser in den Lon-doner Untergrund, denn Investitionen indie Londoner Infrastruktur gehörten nichtins neoliberale Konzept »Privat vor Staat«.Christian Ude, drei Mal in Folge mit über60 Prozent zum Oberbürgermeister vonMünchen gewählt, hält Steuersenkun-gen schlicht für unsozial . »Wir sind füreine sozial gerechte Finanzierung derKommunen und deshalb müssen wirauch um die Gewerbesteuer kämpfen,denn ohne sie gibt es keine handlungsfä-higen Kommunen.« Davon brauchen wirin Zukunft mehr, denn auf Grund desdemografischen Wandels müssen mehrund komplexere Aufgaben bewältigtwerden. Das wissen übrigens auch diemeisten Bürgerinnen und Bürger, die inBefragungen regelmäßig gegen jeglichePrivatisierungspläne stimmen. »Das istein Kampfthema, das sich die SPD unbe-dingt auf die Fahnen schreiben sollte«, soder Münchner Oberbürgermeister.Einmal in Fahrt wetterte ChristianUde gegen die Bahnreform und mahnte:»Man muss auch mal Fehler auf Bundes-ebene eingestehen«. Das klingelte beiden Kongressteilnehmern ebenso wiedie Aufforderung, das Jahrhundertthe-ma Klimaschutz nicht den Grünen zuüberlassen. Hatte schon Sigmar Gabrieldie Kommunen als die Orte bezeichnet,in denen die Menschen ihre Sehnsuchtnach Sicherheit suchen und erfüllt sehenwollen, so legte Münchens OB analytischnach. Sozialdemokraten haben in Frank-furt, Hamburg und Rom Wahlen verlo-ren, weil sie die Themen »Sicherheit«und «Sauberkeit« nicht genügend Ernstgenommen haben. »Da hat uns unsereeigene Klientel abgestraft«, lautet Udesbitteres Fazit. Das können und müssenwir besser machen. »Seid Euch Eurer Ver-antwortung für die Partei bewusst«, rief Christian Ude den Kongressteilnehmernin Hannover zu und erntete stehendeOvationen.Das passte zur Aufforderung desHannöverschen OberbürgermeistersStephan Weil. »Kommunalpolitik istGesellschaftspolitik. Deshalb brau-chen wir eine starke, kommunal-freundliche Partei, die selbstbewusstsagen kann: ›Wir gestalten die Zukunftdieser Gesellschaft‹.« Die Kommunal-wahl 2011 in Niedersachsen wird derTestfall für die Partei, denn ihr Ergeb-nis weist weit über Niedersachsenhinaus, so Chriastian Ude: »Also seidEuch Eurer Verantwortung für die Par-tei bewusst.«
 
Das Konzept ist alt und gescheitert. Den-noch versuchen schwarz-gelbe Wieder-gänger eine Wiederbelebung unter fal-schem Etikett. »Mehr Netto vom Brutto«hieß die Losung zur Bundestagswahl. DieKonsequenz, so der SPD-Vorsitzende Sig-mar Gabriel, lautet: »Steuergeschenke inHöhe von 24 Milliarden Euro bedeutenfür die Länder und Kommunen Minder-einnahmen in Höhe von 12 MilliardenEuro«.Auf Niedersachsen, das war allenBesuchern des Kongresses klar, kommenzusätzliche Belastungen in Höhe von 1,2Milliarden Euro zu und das, obwohl dieLandesregierung den Kommunen seit2005 jährlich gut 100 Millionen Euro anMitteln aus dem Finanzausgleich vor-enthält und damit den kommunalenGestaltungsspielraum erheblich ein-schränkt. Niedersachsens SPD-Vorsit-zender Garrelt Duin fasste die Forderungdes Kommunalkongresses kurz und bün-dig zusammen: »Die Landesregierungmuss den Steuersenkungsplänen imBundesrat die Zustimmung verwei-gern«.»Steuersenkungen bedeuten einSteigen der kommunalen Gebühren«.Das musste Sigmar Gabriel den Kommu-nalpolitikern in Hannover nicht großar-tig erklären. Die Konsequenzen müssendie Kommunen tragen, denn, so Gabriel,»die Demos gegen solche Politik werdenvor den Rathäusern stattfinden undnicht in Berlin«.
WIR GESTALTEN DIE ZUKUNFTDIESER GESELLSCHAFT
Münchens Oberbürgermeister Christian Ude begeisterte am 21. November gut 700 Besucherdes Kommunalkongresses der niedersächsischen SPD in Hannover.
Von Lothar Pollähne
Geballte kommunale Kompetenz der SPD: Hannover OB-Legende Herbert Schmalstieg, JohanneModder, Hannovers OB Stephan Weil und Münchens OB Christian Ude
 Foto: Lopo
Lothar PollähneEin Herz für die Zukunft:SPD-Chef Sigmar Gabrielunterzeichnete am Rande desKommunalkongresses dasVolksbegehren für bessereSchulen in Niedersachsen.
 Foto: Christoph Matterne
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Die Landesregie-rung muss denSteuersenkungs-plänen im Bundes-rat die Zustim-mung verwei-gern.
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Garrelt Duin

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