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Was ist das "Geheimnis" der Orthodoxie?Die vierzehn selbständigen orthodoxen Kirchen bereiten Mitte Dezember inChambésy bei Genf ein Konzil vor. Die Vorarbeiten laufen seit 1961, aber nochist ungewiss, ob und wann das gesamtorthodoxe Konzil stattfinden wird. Zeitfür die Frage: Was ist das "Geheimnis" der Orthodoxie? Wer führt dieorthodoxen Kirchen und warum ist die orthodoxe Liturgie für die Gläubigen sowichtig?Von Maria Wernsmann / maiak.infoWeltweit die drittgrösste christliche Gemeinschaft
Die östlichen Kirchen sind mit 225 Millionen Angehörigen die drittgrösste christlicheGemeinschaft der Welt. Die Orthodoxie ist traditionell vor allem in Osteuropa verbreitet –von Russland im Norden bis Mazedonien im Süden, aber auch in Griechenland, in der Türkei, Zypern, Israel und Ägypten sowie in Nordamerika und Japan.Vierzehn der orthodoxen Kirchen sind autokephal: Sie sind rechtlich und geistlichselbständig und haben ein eigenes Oberhaupt – einen Patriarchen oder einenMetropoliten respektive Erzbischof.Von den autokephalen Kirchen gehen fünf auf die Antike zurück: das ÖkumenischePatriarchat von Konstantinopel (heute Istanbul) und die Orthodoxen Patriarchate vonAlexandrien (Ägypten), Antiochien (heute Antakya in der Südtürkei) und Jerusalem sowiedie Kirche von Zypern.Sie haben in den vergangenen Jahrhunderten anderen Kirchen die Autokephalieverliehen: den Patriarchaten von Moskau und ganz Russland, von Serbien, Rumänien,Bulgarien und den Kirchen von Georgien, Griechenland, Polen, Albanien sowieTschechien und der Slowakei.
Orthodoxe Kirche – im Singular oder Plural?
Trotz dieser vielen Kirchen kann man von
der
Orthodoxie sprechen, von einer orthodoxenKirche. Es gibt nur wenige fundamentale Unterschiede und Streitpunkte, wie zum Beispieldie Autokephalie oder Autonomie von Kirchen, die eine Vorstufe zur Autokephale bildet.Welche Kirche hat das Recht, eine andere Kirche in die Autokephalie zu entlassen? So istdie Autonomie der Kirchen von Estland, Amerika und Japan umstritten.Geringe Unterschiede gibt es auch im Kalender und beim Fasten sowie in denBeziehungen zu anderen christlichen Kirchen.
Zur Rolle des panorthodoxen Konzils
 
Über solche Differenzen wird bei der Vorbereitung des gesamtorthodoxen(panorthodoxen) Konzils diskutiert. Mitte Dezember 2009 planen Delegationen der vierzehn autokephalen orthodoxen Kirchen in Chambésy am Genfersee die Tagesordnungdieses Konzils. Die Vorarbeiten laufen seit 1961, aber noch ist ungewiss, ob und wann dasKonzil stattfinden wird.Ein panorthodoxes Konzil könnte Differenzen mit hoher Autorität lösen. Grundsätzlichkennt die Orthodoxie aber keine für alle Kirchen und Gläubigen verbindliche Instanz.Entscheidungsbefugt sind in den Diözesen die Bischöfe und auf der Ebene der autokephalen Kirche die Synode der Bischöfe.Damit unterscheidet sich die Orthodoxie von der zentralistischen Struktur der römisch-katholischen Kirche mit ihrem Papst. Dem Patriarchen von Konstantinopel kommt zwar einEhrenvorrang zu, er ist aber nicht das Oberhaupt oder der "Papst" der Orthodoxie.
Hüterin des Erbes der Alten Kirche
Die Grundlage jeder christlichen Konfession ist die Bibel. In der römisch-katholischenKirche kommt die Tradition als Autorität hinzu, der Papst und die Bischöfe spielen in der kirchlichen Lehre eine grosse Rolle. Für die Orthodoxie sind dagegen die Traditionen der Alten Kirche zentral: Sie bilden neben der Bibel die Grundlage.Die Orthodoxie ist überzeugt, die Überlieferungen der Kirchenväter vor 1500 Jahren vonKirchenstrukturen und vom kirchlichen Leben besonders getreu bewahrt zu haben. Vielekirchliche Regelungen gehen auf die Versammlungen der Alten Kirche zurück – einkodifiziertes Kirchenrecht wie in der römisch-katholischen Kirche gibt es nicht.Diese besondere Gewichtung von Traditionen ist für die Orthodoxie der Ausgangspunkt für eine lebendige und dynamische Denkweise, welche die Traditionen in der Gegenwartangemessen zum Ausdruck bringen möchte.Wichtig ist zum Beispiel heute noch das Mönchtum, das im 4. Jahrhundert im Ostenentstanden ist und sich erst von dort aus im Westen verbreitete: Die zölibatär lebendenBischöfe werden traditionell aus dem Mönchsstand gewählt. Priester dürfen dagegen (vor ihrer Weihe) heiraten.Ein bedeutendes und berühmtes Zentrum des orthodoxen Mönchtums ist der Heilige BergAthos, eine Halbinsel in Griechenland, auf dem sich 20 grössere und mehrere kleinereKlöster befinden.
Mystisches Erleben statt dogmatischen Definitionen

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