systematisch in den Archiven und Studiokellernnach dem Masterband von vor fast 23 Jahren zusuchen. Und fand die Master!
„Es war Zufall. Ich rief Horst Bork an – und er sagte mir völlig verblüfft, er habe gerade den Telefonhörer zur Hand genommen, um mich zu kontaktieren“
, erzählt Produzent GuntherMende.
„Ich wollte Bork über meinen Fund im alten Studio informieren – und er wollte mich gleichzeitig nach dem Verbleib der Masterbän- der fragen.“
Mende hatte beim Sichten deralten Materialien, die für Jahrzehnte unbe-merkt im Frankfurter Studio gelagert wuden,Brillanten gefunden. Schätze, deren spätererpophistorischer Wert zu dem Zeitpunkt nochgar nicht recht abschätzbar war.
„Es waren die Mutterbänder der Aufzeichnungen von 1987.“
Für Mende eine unvergessliche Arbeit.
„Ich war mit FALCO gut ein dreiviertel Jahr im Studio ge- wesen. Manchmal verabredeten wir uns für den nächsten Tag und er verschwand einfach vier Tage lang, um sich dann von Gran Canaria zu melden. Alle seine Utensilien hatte er im Hotel zurückgelassen und war in Jeans oder Jogging- hosen und nur mit der Kreditkarte in die Sonne geogen. Es war typisch FALCO, in kein Schema zu pressen, unvorhersehbar, aber auch genial.“
Das, was Mende mit ihm in diesen neun Monatenmusikalisch erarbeitete, war eine kleine Sensa-tion für alle FALCO-Fans und ist heute noch einJuwel aus der Blütezeit des Wiener Rappers,mit teils verblüffenden Melodien-, Rhythmen-und Versfolgen.
„Es waren“
, sagt Mende,
„mit die ganz, ganz wenigen Stücke, auf denen man FALCO auch singen hört. Beim Titeltrack bei- spielsweise oder auch bei ‚Kissing In The Krem- lin’.“
Mit dem dritten Song der Jeanny-Trilogie„The Spirit Never Dies (Jeanny Final)“, der aufdiesem Album zum allerersten Mal zu hörenist, wollte FALCO die Geschichte des MädchensJeanny abschließen. Der Skandal um die ersteVeröffentlichung 1985 hatte FALCO schlagartigberühmt gemacht und ihm fast noch mehr Auf-merksamkeit eingebracht als seine Nr. 1 Platzie-rung als erster deutschsprachiger Künstler inden US-Billboard-Charts.Nun war es aber nicht einfach, das alte Materialfür die heutigen Qualitätsansprüche nutzbar zumachen. Abgesehen von dem Wasserschaden la-gerten die analogen Mehrspurbänder seit zweiJahrzehnten in dem Kellerraum. Gunther Mende:
„Ich fand schließlich in London eine Spezialr- ma, die das Material in einem Inkubator auf- heizte, so, als würde man Brötchen aufbacken,und es damit möglich machte, die Master noch vier- oder fünfmal abzuspielen.“
Das reichtefür die digitale Bearbeitung. Das heißt nichtsanderes, als dass man von dem alten Original-band eine digitale Kopie herstellte, die weiterbearbeitet, die Produktion der CD ermöglichte.Gunther Mende holte für die Endfertigung nochseinen Freund und Kollegen Peter Ries, eben-falls ein namhafter Produzent und Arrangeur,ins Boot, um gemeinsam mit ihm dem Album denletzten nötigen Schliff zu geben. Mende:
„Wich- tig war es mir die Authentizität, das Ursprüng- liche, des FALCO-Materials beizubehalten.“
Ge-meinsam mit Mende schrieb Ries auf der Basisdes vorhandenen Stoffs nur Intro- und Outroneu und ersetzte – bei einem Track – die Ba-cking Vocals. Gunther Mende:
„Wir wollten nicht FALCOS Arbeit neu ernden, sondern den Fans ein rundes, authentisches Produkt abliefern.Auch wenn der eine oder andere Song heute so klingt, als wäre er eben erst produziert wor- den – das hat FALCO bereits 1987 eingespielt.Und diese ‚Haltbarkeit’ von Musik, Text und Rhythmus, ist eines der großen Erfolgsgeheim- nisse des Künstlers FALCO.“
Aber: Wer war dieser Hans Hölzel, genanntFALCO eigentlich?Es ergab sich, dass ich immer wieder einmalmit Falco beisammen war, wenn entscheidendeEreignisse sein Leben beeinussten. Wir ar-beiteten regelmäßig an Artikeln für Magazineund Zeitungen, einmal schlug er mir vor, als
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