Wirtschaftsdienst 2009 • 10645
ZEITGESPRÄCH
tener Information durchzusetzen.Veröffentlichte Informationen wa-ren schon immer in dem Sinne öf-fentlich, dass nur eine geringe odergar keine Rivalität bei ihrem Kon-sum in den erreichten Zielgruppen(Familien, Firmen) bestand, aberder Zugang zum nicht ohne weite-res zu vervielfältigenden Informa-tionsprodukt (Zeitung, Zeitschrift,Buch) wurde zumindest teilweisedurch Preishürden kontrolliert. ImInternet ist die Durchsetzbarkeitvon Preisen für Informationspro-dukte immer weniger gegeben; beiGrenzkosten von nahe Null pendeltsich auf dem Markt auch ein ent-sprechender Preis ein. Im Ergebnisliegt sowohl eine starke Tendenzzur Nicht-Ausschließbarkeit vomKonsum als auch eine verstärkteTendenz zur Nicht-Rivalität im Kon-sum vor – das sind die klassischenMerkmale öffentlicher Güter, fürderen Bereitstellung der klassischeMarkt versagt.
Folgen für die Geschäftsmodellevon Informationsanbietern
Was folgt aus dieser knappenBestandsaufnahme für die Ge-schäftsmodelle von Informations-anbietern? Zunächst ist daran zuerinnern, was unter einem Ge-schäftsmodell zu verstehen ist. Esbesteht gedanklich aus drei wichti-gen Komponenten, nämlichdem Produktmodell (inhaltliches•Leistungsversprechen, UniqueSelling Proposition (USP), Diffe-renzierung im Wettbewerb),dem Wertschöpfungsmodell (in-•ner- und zwischenbetrieblicherorganisatorischer Lösungsansatzzur effizienten Realisierung derangestrebten Produkte),dem Erlösmodell (wo werden in•welcher Weise Erlöse generiert,um die wertschöpfungsbezoge-nen Kosten zu decken und einemarktübliche Rendite zu erlan-gen?).Diese drei Komponenten sindnicht unabhängig voneinander,sondern müssen aufeinander be-zogen sein. Insofern gibt es für dieFrage nach der Erlöspolitik keineEinheitsantwort, sondern je nachdem Charakter des Geschäfts-modells sind differenzierte Aussa-gen erforderlich. Dennoch lassensich einige wichtige übergreifende Antworten auf die Frage nach derZukunft der Geschäftsmodelle vonInformationsanbietern abstecken:
Erstens
: Wegen der anhaltendenund zunehmenden Internetdurch-dringung aller privaten, öffentli-chen und beruflichen Lebensberei-che darf die Informationswirtschaftauf die Einbeziehung des Internetin die Geschäftsmodelle und inden digitalen Kontakt zum Kundennicht verzichten. Es ist zu empfeh-len, diesen Weg offensiv zu bege-hen, um rechtzeitig mit dem eige-nen Angebot ins digitale Bewusst-sein zu dringen und den digitalenGeschäftsauftritt zu erproben. Dashaben viele Verlage und andere In-formationsanbieter zum Teil leidererst in jüngerer Zeit erkannt. Daserforderliche Umdenken fiel etab-lierten Anbietern oftmals schwer,sodass einige mit diesem funda-mentalen Wandel nur schwer mit-halten können und zugleich Raumfür Auftritt neuer Akteure entsteht.
Zweitens
: Da wegen des inten-sivierten Wettbewerbs im Internetund – als Folge der Digitalisierung– erheblicher Kostensenkungs-möglichkeiten ganz generell mitgeringeren Erlöspotenzialen zurechnen ist, müssen die Kostender Produktion und des Angebotsvon Informationen sinken, was invielen Fällen mit erheblichen orga-nisatorischen Veränderungen undUmstrukturierungen einhergehendürfte. Hierzu zählen auch neueFormen der Kooperation und zwi-schenbetrieblichen Vernetzung, dieim Vor-Internet-Zeitalter undenkbargewesen wären.
Drittens
: Für wenige klar fokus-sierte und spezialisierte Fachinfor-mationsanbieter, die bereits in derPrint-Welt eine starke Marktpositi-on besaßen und das erforderlicheVertrauen aufgebaut haben, istes möglich, auch im Internet dasGeschäftsmodell auf direkten Er-lösen aufzubauen (Beispiel: Beck-Online). Diese Anbieter richten sichnicht an eine breitere Öffentlichkeit,sondern an gut abgrenzbare Exper-tengruppen, die in ihrer laufenden Arbeit auf flexiblen Zugriff zu Qua-litätsinformation angewiesen sind.Bei ihnen bestehen auch kaum Anreize, abgerufene Informationenaußerhalb ihrer Fachtätigkeit zuverbreiten. Die Kosten der Informa-tionsbeschaffung sind im Vergleichzu dem bezahlten Wert der Arbeits-zeit solcher Experten sehr gering.
Viertens
: Direkte Erlöse fürFachinformation im Internet sindin der Regel nur zu einem kleine-ren Teil (etwa bei e-Fachbüchern)als Einzelverkaufspreise bzw. alsEinzelnutzungsgebühren zu re-alisieren. Zu einem größeren Teilbestehen solche direkten Erlöse,sofern sie überhaupt erzielbar sind,aus transaktionsunabhängigen, al-so zeitbezogenen Erlösen (typisch: Abonnementpreise); dabei spielenklassische Einzelabonnements ei-ne weitaus geringere Rolle, son-dern es kommt viel häufiger alsfrüher zu Preisen für Abonnement-Bündel von inhaltlich verwandtenFachinformationsquellen.
Fünftens
: Eine weitere Quelledirekter Erlöserzielung im Internetliegt in manchen Bereichen derInformationswirtschaft in der Con-tent Syndication, also der kontrol-lierten und entgeltlichen Verlinkungdes eigenen Angebots mit demanderer Informationsanbieter. DieDurchsetzbarkeit solcher Vereinba-
Leave a Comment