Das ist – wie viele andere der hier genannten Punkte – keine genuin orthodoxe Frage,sondern auch in katholisch geprägten Ländern Osteuropas wie Polen ein Problem. Manredet über das Leiden und die Opfer der Kirche - und schweigt über eigenes Versagenund Verstrickungen in das kommunistische Regime.Eine weitere zentrale Frage in den orthodoxen Ländern ist der Religionsunterricht in denSchulen. Soll der Religionsunterricht ein Pflichtfach werden und wenn ja, in welcher Form?Eher als Religionskunde, die Wissen über Religionen an alle Kinder vermittelt, oder alsorthodoxe Glaubenskunde, die der moralischen Unterweisung im Sinne der orthodoxenLehre Platz einräumt?
Neue Sozialdoktrin der russischen orthodoxen Kirche
Im Jahr 2000 hat die Leitung der russischen orthodoxen Kirche ihre "Grundlagen der Sozialdoktrin" veröffentlicht, eine umfangreichen Schrift, in der sie ihre Rolle in der Gesellschaft definiert. Es ist ein Konsenspapier, das die Spannung zwischenkonservativen, traditionalistischen und offeneren, liberalen Kräften in der Kircheveranschaulicht.Die Sozialdoktrin fordert eine breit angelegte Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staatauf kulturellem, wirtschaftlichem, sozialem und erzieherischem Gebiet. Ein direktesparteipolitisches Engagement der Kirche wird aber vehement ausgeschlossen. Als ihrezentrale Aufgabe sieht die russische orthodoxe Kirche die moralisch-geistige Erneuerungder Gesellschaft in Russland.
Orthodoxe Kirchen und Europäische Union
Die Haltung vieler orthodoxer Kirchenvertreter gegenüber der Europäischen Union istambivalent: einerseits anerkennen sie die Rolle der EU bei der Einigung Europas und der politischen und wirtschaftlichen Modernisierung, andererseits misstrauen sie unverhohlenden säkularen und liberalen Werten der EU. Die orthodoxen Kirchenvertreter werfen der Europäischen Union häufig vor, dass sie sich alleine an westlichen Werten orientiere unddie Besonderheiten der orthodoxen Kultur nicht berücksichtige.Dagegen versucht die Orthodoxie, die christlichen Wurzeln Europas zu betonen. Dazusetzt die russische orthodoxe Kirche auf eine strategische Allianz mit den Katholiken, wieeine 2006 gemeinsam organisierte Konferenz unter dem Titel "Europa eine Seele geben"zeigt. Solche Initiativen und die vielen orthodoxen Vertretungen in Brüssel zeigen, dassdie Orthodoxie an einem Dialog mit der EU interessiert ist.
Die Orthodoxie in der Diaspora
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