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30 JANUAR 2010
Nach dem Jubiläums-CSD 2009 steht wie-der ein politisches Jahr ins Haus. DieSchirmfrau kommtvon der FDP, derneue Ministerpräsi-dent vielleicht ausseiner homophobenEcke heraus. CSD-Vorstand ChristophMichl erklärt im gab-Interview seine Plänefür 2010 und das Verhältnis zu den Regie-rungsparteien und die Rolle des CSD.
gab-Magazin:
Der Christopher Street Dayist gerade erst vorbei, schon fängt der CSD
2010 mit dem Neujahrsempfang an. Ist
inzwischen das ganze Jahr über CSD?
Christoph Michl:
Ja, schon. Unternehmen
machen ihr Marketing-Budget Ende des Jahres.
Das grobe Konzept muss also bis Oktober ste-
hen. Politiker wollen wissen, welche Termi
nesie im nächsten Jahr haben. Auch in derCommunity wollen viele wissen, für wannsie im nächsten Jahr den Urlaub einreichen
müssen. Der CSD entwickelt sich von der reinen
Demonstration zu einem Feiertag, der geplant
sein will, wie Ostern oder Weihnachten.
 SZENE
  
 STUTTGART 
"Eher Abkühlung"
Michl zu Politik und CSD
gab-Magazin:
In der letztenAusgabe des gab-Magazins sagteLaura "Fame killt mich" anläss-lich der Schließung ihres Clubs.Ein hartes Statement...
Felix Horsch:
Laura tut mirschon fast leid. Sie erkennt nicht,dass 11 mal Fame in 24 Monatendoch nicht für ihren konstantenMisserfolg verantwortlich sind.Die Partylandschaft entwickeltsich laufend weiter und Laura
hat den Zug leider schon vor
 Jahren verpasst. Sie muss dieFehler bei sich suchen. Ich selberkann es schwer beurteilen, dennich hatte nach der ersten Fame
sofort Hausverbot. Lauras Bericht
ist meiner Meinung nach dieBankrotterklärung schlechthin.
 Jeder fährt seine eigene Linie
Felix Horsch zum Stand der Dinge
   F  o   t  o  :    D   i  g   i   t  a   l   D  e  s   i  g  n   T  e  a  m
gab-Magazin:
Wer wird denn beim Neujahrs-
empfang im Januar als neuer Schirmherr vor-gestellt?
Christoph Michl:
Turnusgemäß ist die FDPmit der Schirmherrschaft dran, und es wirdwohl ein Bundespolitiker oder eine Bundespo-litikerin werden. Mehr kann ich im Momentnoch nicht verraten. Ich finde es aber sehr gut,dass dieses Jahr die FDP dran ist, nachdem siesich 2009 den Schnitzer geleistet hatte...
gab-Magazin:
...einen Kuhhandel zwischenCDU und FDP mit der Folge, dass Schwuleund Lesben in Baden-Württemberg teilweiseimmer noch auf der KfZ-Zulassungsstelleheiraten müssen.
Christoph Michl:
Genau. Zur FDP habe ichgesagt: Hier müsst ihr rangehen! Das fällteuch 2010 als allererstes auf die Füße. Eswird jetzt bei der Delegiertenkonferenz im
 Januar einen Antrag der Stuttgarter FDP
geben. Sie wollen mit dem Makel aufräumen.
gab-Magazin:
Was wird sich mit Minister-präsident Mappus ändern?
Christoph Michl:
Ich denke, es wird sichnichts ändern. Die kalte Front, die uns seit Jahren aus dem Staatsministerium entgegen
 bläst, wird weiterhin für Frost sorgen. Oettinger
ignoriert uns ja. Er hat sich nur herabgelassen,
uns über seinen Referenten ausrichten zu
lassen: "Ich wünsche Ihrer Veranstaltung gutes
Gelingen."
gab-Magazin:
Aber Mappus ignoriertSchwule und Lesben ja nicht, sondern erschießt scharf.
Christoph Michl:
Richtig. Und wir werdenzurück schießen, wenn er Anlass dazu gibt.Ich erwarte mir da keine Verbesserungen -eher eine Abkühlung dessen, was sowiesoschon kalt ist. Mappus wird sich aber sehr
genau überlegen, was er sagt. Meine Prognose
ist, dass er sich gar nicht äußern wird. Überdas Motto werden wir aber versuchen, dasThema aufzugreifen.
gab-Magazin:
Wie lautet denn das 2010-Motto?
Christoph Michl:
"Schön wär's!". Denn wirhaben den Eindruck, dass die breite Öffent-lichkeit nicht mehr versteht, warum wir auf die Straße gehen. Das Problem ist, dass dieplakativen Forderungen alle erfüllt sind. ImDetail stellen wir aber fest, dass die Lebens-
partnerschaft und das Gleichbehandlungs-
gesetz nicht der große Wurf sind. Wir wollenprovokative Aussagen, von deren Richtigkeit
die Öffentlichkeit ausgeht, mit dem Kommen-
tar "Schön wär's!" auflösen. Zum Beispiel:"Zwei Schwule adoptieren ein Kind. Schönwär's!". (cd)
CSD-Neujahrsempfang, Fr, 22.1., 19 Uhr, LiteraturhausStuttgart, Breitscheidstraße 4, Eintritt frei, csd-stuttgart.de .Im Anschluss stiegt die "Start Up CSD 2010"-Party im TheParis (mehr Infos siehe rechts)
gab-Magazin:
Gibt es unter den
Stuttgarter Partyveranstalternauch gemeinschaftliche Pro-
jek
te?
Felix Horsch:
Es ist uns jetzt
erstmals gelungen, fast alle an
einen Tisch zu setzen. Das ist einAnfang. Mit Theo (Gaydelight),Oli (Gayröhre), Andreas (Nil)und vielen anderen stehe ich in
sehr engem Kontakt. Ich bin
jedoch der Meinung, jede Party
sollte ihre Linie fahren. Ich halte
nichts von gemeinsamen Projek-ten, denn das gibt immer nurStreit. Wir unterstützen uns - dasist viel wichtiger.
gab-Magazin:
Was planst du inden kommenden Monaten?
Felix Horsch:
Es wird sich sehrviel tun: schon am 8.1. startenwir mit dem "Therapy"-Casting-Special ins neue Jahr. Am 13.2.gibt es auch endlich wieder eineNeuauflage der Sugarboyz imAmici, und das dann jeden 2.
Monat am 2. Samstag als Fixtermin.
 Erst im März gibt es die nächste
Fame in Stuttgart, da wir die Fame
im Februar auch in Hamburgstarten. Zum CSD ziehen wir mitFame in die Porsche-Arena undzeigen NRW mal, was der Südenso drauf hat... (bjö)
News
"Gordons"-Bar schließt
Die Stuttgarter Szene schrumpft weiter:Nach Lauras Club schließt nun auchdie Bar "Gordons" in der Eberhardstra-ße. Nach zwei Jahren geben die Be- treiber die Bar in der Innenstadt auf. AlsGründe dafür führen sie in einer Pres-semitteilung die hohe Pacht, Großver-anstaltungen an Wochenenden und dieWirtschaftskrise an. "Nur von verkauf- ten Kaffees kann sich so ein Lokal indieser guten Lage nicht unterhalten", heißt es in der Mitteilung. Fände am Wochenen-de eine Großveranstaltung statt, würden die kleineren Lokale leer bleiben, heißt esweiter. "So was kann sich kein Gastronom in der momentanen Lage leisten." (cd)
Lebenspartnerschaft in allen Standesämtern
Ab dem 1. Januar 2010 können Schwule und Lesben ihre Lebenspartnerschaft in allen
Stuttgarter Standesämtern eingehen. Bisher war die Eintragung einer Lebenspartner-schaft ausschließlich in den Bürgerbüros und in den Bezirksrathäusern Bad Cannstatt,Degerloch, Obertürkheim, Untertürkheim, Vaihingen, Weilimdorf und im StandesamtStuttgart-Mitte möglich. Zum 1. Januar geht die Zuständigkeit vom Amt für öffentlicheOrdnung auf das Standesamt über. "Die Eintragung der Lebenspartnerschaft auf dieStandesämter zu übertragen und gleiche Gebühren und gleiche Zuständigkeit für alle
gelten zu lassen, ist im Sinne einer Gleichstellung folgerichtig", kommentierte Ober-
bürgermeister Wolfgang Schuster die Entscheidung. Bereits seit März 2009 kostet dieAnmeldung zur Lebenspartnerschaft mit 40 Euro gleich viel wie die Anmeldung zur Eheschließung.
Richtigstellung
Laura Halding-Hoppenheit betreibt nicht - wie in der 
Dezember-Ausgabe berichtet -das "Eagle", sondern das
"Boots". Wir bitten die Verwechslung zu entschuldigen.
Die Redaktion
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