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Leseprobe aus „Astronomie und Astrophysik“
Eine Einführung
Kapitel: RadioastronomieEssay: SETI
 –
Die Suche nach außerirdischen IntelligenzenNäheres siehe Blog:
 
 
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Essay: SETI
die Suche nach außerirdischen Intelligenzen
www.edge.org
Das Physiker von Biologie keine Ahnung haben, hat mich schon immer wütend gemacht 
(
unbekannte Biologin)
Wenn man sich für „ernsthafte“ spekulative Ideen interessiert, oder, wenn man über Dinge diskutieren möchte, die wahrschei
n-lich wahr sind, die sich aber (noch) nicht beweisen lassen, dann ist heute als Quelle der Inspiration das Internet die erste Wahl
(vorausgesetzt, man findet die entsprechenden Seiten). Zwar gilt die Wissenschaft prinzipiell als „frei“ und für jede vernünf 
tige
Idee offen, das bedeutet aber noch lange nicht, daß in deren Reihen das „Undenkbare“ auch immer offen diskut 
iert werden kann.Um aber auch unkonventionellen Ideen, soweit sie nicht völlig absurd sind, eine ernsthafte Plattform zu geben, wurde 1997 von
J
AMES
L
EE
B
YARS
(1932-1997) und
J
OHN
B
ROCKMAN
 
die Plattform „Edge“ gegründet. Zu ihrer Tradition gehört es, jed
es Jahr ausge-wählten und mehr oder weniger bekannten Wissenschaftlern, Künstlern und anderen Intellektuellen eine Frage vorzulegen, die
„Edge“
-Frage, mit der Bitte, darüber (und unentgeldlich) einen kurzen Beitrag zu verfassen. Und viele der angesprochenen Per-sonen tun das auch, was zu hoch interessanten Einsichten weitab des Mainstreams der Meinungen führen kann, wie ein Blick auf die Webseite der
Edge Foundation
zeigt. Eine typische Edge-Frage ist z.B. die Frage des Jahres 2008:
 „Wenn Denke
n Ihre Meinung verändert, dann ist das Philosophie. Wenn Gott Ihre Meinung verändert, dann ist das Glaube. Wenn
Fakten Ihre Meinung verändern, dann ist das Wissenschaft. Zu welchem Thema haben Sie Ihre Meinung geändert und warum?“ 
 
Diese Frage kann man, wenn man möchte, mit der Edge-Frage des Jahres 2006 verbinden, die da lautet:
 „Aus der Wissenschaftsgeschichte gehen immer wieder große Entdeckungen hervor, die zu ihrer Zeit als gesellschaftlich, morali
schoder emotional gefährlich galten, allen voran die von Kopernikus und Darwin ausgelöste Revolutionen. Was ist Ihre gefährlichsteIdee? Oder: Welche (nicht unbedingt originelle) Idee halten Sie für gefährlich, nicht weil sie falsch, sondern weil sie wahr sein
könnte?“ 
 
Was haben diese Fragen mit diesem Essay zu tun?
Die Frage, die sich auf die banale Form „Sind wir allein im All“ bringen kann,ist durchaus eine der gefährlichen Fragen, zumindest, wenn ihre Beantwortung auf „ja“ hinauslaufen sollte. Dabei sind mit „wir“
lebende Wesen gemeint, die in der Lage sind, sich selbst bewußt zu werden, Societäten zu bilden, die eine auf Wissenschaft be-ruhende technologische Entwicklung einschlagen und auf diese Weise in der Lage sind, sich im Universum überhaupt bemerkbarzu machen (die Menschheit ist gerade dabei, dafür die Grundlagen zu schaffen. Ob es ihr gelingen wird, ist auf Grund der vielfäl-tigen Probleme, die noch auf sie warten, alles andere als sicher).Die empirischen Grundlagen zur Beantwortung der Frage, ob es außer auf der Erde außerirdisches Leben im Allgemeinen und
„außerirdische Intelligenzen“ im Besonderen, z.B. in unserer Milchstraße
, gibt, sind streckenweise sehr dünn. Andererseits klärt sich immer mehr der Nebel um die Fragen, wie Leben im Detail funktioniert, wie es eventuell auf der Erde entstanden sein könn-te und nach welchen Prinzipien es sich über Jahrmillionen hinweg entwickelt hat. Kurz gesagt, ganz wesentliche Erkenntnisse zudem hier diskutierten Thema kommen von den Biologen, noch genauer gesagt, von den Evolutionsbiologen. Eine ihrer wichtig-sten und für die meisten Menschen verstörende Erkenntnis ist die, daß es in der biologischen Evolution nirgendwo ein Ziel gibt.Zu jedem Zeitpunkt wird das große Spiel des Lebens neu ausgewürfelt und jede Art muß sich neu bewähren um weiter zu exi-stieren oder unterzu
gehen. Der Mensch als „Krone der Schöpfung“ ist nichts weiter als ein Zufallsprodukt einer Entwicklung, die
,nur rückwärts betrachtet, als folgerichtig erscheinen mag. Er repräsentiert nur eine der vielen Millionen Entwicklungslinien, diee
s auf ihrem Weg durch die Zeit bis „heute“ geschafft habe, wie das Tagpfauenauge, der Haussperling, die Mohnblume, das Pa
n-toffeltierchen, der Mammutbaum oder die Oryx-Antilope. Sie alle waren gleich erfolgreich im Kampf ums Dasein. Ansonsten gäbees sie nicht. Ob sie auch in der Zukunft weiterhin erfolgreich bleiben und damit überleben werden, dafür gibt es keine Garantien.
Die Entstehung von Leben ist selbstverständlich eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung „intelligenten“ Lebens
(in demhier diskut 
ierten Sinn heißt das, “mindestens so intelligent wie wir“. Auch Kolkraben und Bonobos sind auf ihre Weise intell
i-gent). A
ber „intelligentes“ Leben entwickelt sich
nach allem, was die Wissenschaft bis heute zusammengetragen hat, keinesfallszwangsläufig. Auf der Erde hat es ca. 4 Milliarden Jahre gedauert, in der außer den Hominiden nicht eine Gattung von Lebewesenauch nur in die Nähe einer kulturellen, geschweige denn technologischen Entwicklung gekommen ist. Und auch der Mensch wäre
 
 
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Radioastronomie, Astronomie im Millimeter- und Submillimeterbereich
beinahe vor 70000 bis 80000 Jahre von der Bildfläche verschwunden, wie man anhand eines
sogenannten „
genetischen Fla-schenhalses
beweisen kann. Ursache dafür war wahrscheinlich der Ausbruch eines Supervulkans (Toba auf Sumatra), dessenklimatische Auswirkungen die damalige Population des Homo sapiens auf gerade einmal einige Tausend Individuen hat schrumpfen lassen (siehe z.B.
S.H.
 
A
MBROSE
, 1998). Andererseits weiß natürlich niemand genau, ab welcher Organisationsstufeund unter welchen Selektionsbedingungen sich Bewußtsein (als eine Voraussetzung für so etwas wie Kultur) überhaupt entwik-kelt, da man in dieser Beziehung natürlich nur den singulären Fall des irdischen Lebens als Beispiel hat. Aus dem Prinzip dersynthetischen Evolutionstheorie (siehe z.B.
E.M
AYR
, 2001) läßt si
ch jedenfalls kein „Endziel“ (z.B. in Form von selbstbewußten,
denkenden Wesen, welcher Art auch immer) ableiten. Und noch etwas sollte zum denken geben, der Zeitfaktor. Auch hier drängt sich am Beispiel der Entwicklung des irdischen Lebens die Vermutung auf, daß allein schon die Entstehung mehrzelligen Lebensvielleicht gar nicht so selbstverständlich ist. Von dem Zeitpunkt an, als die chemische Evolution begann (d.h. vor 4.1 bis 3.8 Ga),bis zum Auftauchen der ersten Metazoa im Neoproterozoikum (d.h. vor 600 Millionen Jahren) vergingen über 3 Milliarden Jahre,
während die Entwicklung zum Menschen dann nur noch 600 Millionen Jahre benötigte… Aber auch diese Entwicklung ist, im
nach hinein betrachtet, alles andere als vorgegeben. Oder wie es
S
TEPHEN
J
AY
G
OULD
(1041-2002) einmal ausgedrückt hat, wenn imKambrium
Pikaea
(die älteste bekannte Urform der Schädellosen (Cephalochordata), aus dem sich alle Tiere mit Innenskelett (Wirbeltiere) entwickelt haben) ausgestorben wäre, gäbe es heute weder Hering noch Mensch. Denn nach diesem Zeitpunkt (542-488 Ma) entstanden so gut wie keine neuen Tierstämme mehr
(die taxonomische Einheit „Stamm“ repräsentiert jeweils
einen grundlegenden Bauplan von Lebewesen). Die Entwicklung des Lebens wäre ganz anders verlaufen, und heute würdenvielleicht Tiere mit Außenskelett die komplexesten Lebewesen auf der Erde darstellen. Sie wären sicherlich in der Lage gewesen
„Staaten“ zu bilden (wie z.B. die Ameisen und Termiten), aber ob sie mit dem Handicap eines starren Außenskeletts auch e
inetechnologische Entwicklung eingeschlagen hätten, bleibt der Phantasie von Science Fiction
Autoren überlassen. Und noch eineFrage soll im Rückblick erlaubt sein. Was wäre, wenn vor 65 Millionen Jahren die Dinosaurier nicht durch einen Meteoritenein-schlag umgekommen wären? Hätten dann die Säugetiere auch ca. einige Millionen Jahre später eine enorme Radiation durchma-
chen können, aus der schließlich der Mensch hervorgegangen ist? Gäbe es ansonsten vielleicht heute anstelle von uns „intellig
en-
te“ Dinosaur
ier (oder ihrer Nachfahren) auf der Erde?
Solche „was wäre, wenn …“ –
Fragen sind durchaus legitim, da sie
wenn ansonsten belastbare statistische Daten fehlen
einGefühl für Wahrscheinlichkeiten vermitteln, in diesem Fall für die Wahrscheinlichkeit, daß irgendwann in einem Evolutions-baum intelligente Wesen, die eine kulturelle-technologische Entwicklung einschlagen und interstellarer Kommunikation fähigsind, auftreten. Und diese Wahrscheinlichkeit ist wiederum eine wichtige Größe in einer Formel, die nach dem Radioastronomen
F
RANK
D
RAKE
benannt ist und zur Abschätzung der Zahl von Zivilisationen in unserem Milchstraßensystem dient. Es handelt sichdabei um den Faktor
 
in der Drake-Formel
=
∙ 
∙ 
∙ 
∙ 
∙ 
 Die Bedeutung dieser Gleichung ist schnell erklärt. Ausgangspunkt ist eine riesige Zahl
, die Anzahl aller Sterne in unseremMilchstraßensystem (zwischen
2
10
11
und
4
10
11
). Das Ergebnis ist die Zahl
, die Anzahl derjenigen Sterne, die einen Plane-ten mit einer entwickelten (d.h. kommunikationsfähigen) Zivilisation beherbergen. In unserer Milchstraße ist diese Zahl auf jeden Fall
1
. Jeder weitere Faktor in dieser Gleichung bestimmt eine Wahrscheinlichkeit (in Form eines prozentualen Anteils)für eine bestimmte Voraussetzung, daß eine derartige Zivilisation entstehen und heute (im Sinne der Erreichbarkeit mit Funk-signalen) existieren kann:
 
Anteil der Sterne, die Planeten besitzen
Anzahl der erdähnlichen Planeten, die sich innerhalb der Ökosphäre eines Sterns mit Planeten aufhalten
 
Anteil der Planeten, auf dem sich irgendeine Form von Leben entwickelt hat 
 
Anteil der Planeten mit intelligenten Leben
 
 
Anteil der Planeten mit einer Zivilisation, die der interstellaren Kommunikation fähig ist 
L
Mittlere Lebensdauer einer technischen Zivilisation
Zeitspanne, die zur Entstehung einer technischen Zivilisation (von der Entstehung des Muttersterns gerechnet) imMittel benötigt wirdDer mathematischen Einfachheit dieser 1960 zum ersten Mal aufgestellten Formel steht eine bemerkenswerte Unkenntnis dermeisten Zahlenwerte im Produkt der rechten Seite entgegen. Verschiedene Autoren haben deshalb im Laufe der Zeit mehr oderweniger plausible Abschätzungen der einzelnen Multiplikatoren vorgenommen mit der Tendenz, daß sich das Ergebnis, die Zahl
of 00

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