Genau vor einem Jahr (2002) hat der Südtiroler Schützenbund den Gipfel wieder rehabilitiert.Er hat eine Bronzetafel angebracht mit der Inschrift: „Klockerkarkopf - mitten in Tirol“. Es hatauch eine Feier stattgefunden, bei der ca. 200 meist junge Leute anwesend waren. Als die Tiro-ler Fahne gehisst wurde, ging ein Jubel der Begeisterung durch die Reihen der Gipfelstürmer.
Meine Gedanken gehen zurück zum Ursprung des Südtirol-Problems, und wie ein Film laufendie verschiedenen schicksalsschweren Ereignisse unserer Heimat vor meinem geistigen Augeab.
Den Anfang genommen hat das Südtirol-Problem mit der Zerreißung Tirols, dem Land im Ge-birge, wie es vor der Einigung hieß, das rund 1000 Jahre eine Einheit war und 600 Jahre zu Ös-terreich gehörte. Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, unter dem Faschismus, war wohldie schlimmste in der Geschichte unserer Heimat. Alles, was deutsch war, wurde aufgelöst:die Parteien, die Vereine, Verbände, Schulen und die Sprache wurden verboten. FaschistischeHorden zogen umher und verprügelten die Leute, wenn sie sie deutsch reden hörten. Damalsentstanden auch die Katakombenschulen, wo die Schüler in Kellern, Scheunen und Stubennotdürftig das Deutsch lernen konnten.Dann kam die Option. Die Südtiroler mussten sich zwischen Heimat und italienisch werdenoder Deutschland und Auswandern entscheiden. Eine schicksalsschwere Entscheidung, die somanche Familie und Freundschaften entzweit hat, ja manche hatten sich sogar das Leben ge-nommen. Der Großteil hatte sich für Deutschland entschieden. 70.000 sind ausgewandert undnur ca. die Hälfte ist nach dem Krieg wieder heimgekehrt.Nach dem Krieg setzten die Südtiroler ihre Hoffnung auf die Alliierten und forderten dasSelbstbestimmungsrecht. Es wurde ihnen wiederum verwehrt, das Völkerrecht wurde mitFüßen getreten. Dafür bekam Südtirol den bekannten Pariser Vertrag zum Schutz der deutsch-sprachigen Bevölkerung, der aber buchstäblich ein leeres Blatt Papier blieb. 1957 kam es dannzur bekannten Großkundgebung auf Schloss Sigmundskron, mit 35.000 Menschen, bei der das„Los von Trient“ ausgerufen wurde, anstatt das „Los von Rom“, wie es viele Teilnehmer erwar-tet hatten. 1959 wurde in ganz Tirol der Freiheitskämpfe von 1809 gedacht und im ganzen Landwurden Feiern abgehalten. Der Höhepunkt war der Umzug in Innsbruck mit Teilnehmern ausganz Tirol. Dadurch wurde das Zusammengehörigkeitsgefühl wieder wesentlich gestärkt.Ende der 50er Jahre spitzte sich die politische, soziale und wirtschaftliche Lage in unserer Heimat so zu, dass sich beherzte Männer um Sepp Kerschbaumer, Jörg Klotz und Luis Am-platz zum Widerstand entschlossen. Der Freiheitskampf dauerte ca. 10 Jahre und gipfelte inder bekannten Feuernacht 1961, wo 47 Masten in die Luft ogen. In den folgenden Jahren hatauch der italienische Geheimdienst mitgemischt und brutale Anschläge verübt, wobei es auchTote auf beiden Seiten gab. Damit sollte der Freiheitskampf diskriminiert werden, um in der Bevölkerung den Rückhalt zu verlieren, was auch teilweise gelungen ist. Am 7. September 1964 wurde Luis Amplatz vom bezahlten Agenten Christian Kerbler auf der Brunner-Mahder-Alm im Schlaf erschossen und Georg Klotz angeschossen. Klotz konnte noch schwer verwundetmit Hilfe von Freunden nach Nordtirol üchten. Die Beerdigung von Luis Amplatz wurde zueiner wahren Kundgebung mit ca. 15.000 Menschen. 1961 bei der großen Verhaftungswelle