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Russland Und Venezuela Putins Dreiecks-Diplomatie

Russland Und Venezuela Putins Dreiecks-Diplomatie

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08/05/2010

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Russland und Venezuela: Putins Dreiecks-Diplomatie
F. William Engdahl
Der jüngste Moskau-Besuch des umstrittenen venezolanischen PräsidentenHugo Chávez war wichtiger, als man nach den Schlagzeilen vermuten könnte.Hinter der Einladung steht eine kalkulierte diplomatische Strategie Moskaus.Als Antwort auf die höchst provokative Politik der US-Regierung, in Polen US-Raketen und in Tschechien hochentwickelte Radaranlagen zu installieren, diesich eindeutig als atomare Abschreckung gegen Russland richten, undangesichts der Versuche Washingtons, gegen den Widerstand der EU Georgienund Ukraine in die NATO aufzunehmen, verfolgen Premierminister WladimirPutin und sein Präsident Medwedjew eindeutig eine Schachspiel-ähnlicheStrategie der Dreiecksdiplomatie, die sich »dem Feinde meines Feindes«annähert, um die US-Strategie zu durchkreuzen. Die jüngsten Abkommen mitVenezuela sind Teil dieser Strategie.
Hugo Chávez hatte in Moskau eine strategische Allianz mit Russland gefordert, um sein Land vor den USA zu schützen. Als Antwort darauf bezeichnete Präsident Dimitrij Medwedjew die russisch-venezolanischen Beziehungen als »einen der wichtigsten Sicherheitsfaktoren in der Region(Südamerika)«. Bedeutsamerweise erklärte der russische Premierminister Putin gegenüber Chávez,er hoffe auf eine Stärkung der militärischen Verbindungen zwischen beiden Ländern.
Chavez’ kürzlicher Besuch in Moskau sicherte größere Rüstungs- und Ölgeschäfte, denn Russland kontert Schritte der USA und der NATO.
 Vorbild dieser Dreiecks-Diplomatie ist u.a. dieklassische, seit den Tagen Palmerstons in den1840er-Jahren betriebene britische Diplomatie desMachtgleichgewichts. Damals bemühte sichGroßbritannien um die jeweils schwächere der beiden Kontinentalmächte, wahlweise Deutschlandoder Frankreich, und bot ihr im Krieg gegen die stärkere eine Allianz an. Diese Strategie wandteauch Henry Kissinger sehr erfolgreich an, als er und Präsident Nixon die USA nach 1969 gegenüber China öffneten, um Russland zu isolieren.Während die NATO jetzt gewissermaßen direkt vor die Tore Moskaus rückt, spielt Russland seineeigene diplomatische Strategie und nutzt Venezuela und Kuba in ähnlicher Weise wie seinerzeitChruschtschow, der 1960 entschieden hatte, Atomraketen auf Kuba zu stationieren, nur ca. 150Kilometer von Miami entfernt. Damals haben nur wenige im Westen begriffen, dass die russischeEntscheidung für Raketen in Wirklichkeit nicht die Initialprovokation war. Das war vielmehr dievorangegangene Entscheidung Washingtons, US-Raketen in der Türkei zu stationieren, dieinnerhalb von Minuten Russland erreichen konnten. Die Raketen auf Kuba waren die Antwort auf diesen Schritt.
 
Jetzt hat Moskau ohne Wenn und Aber klargestellt, dass man bereit ist, Chávez Militärhilfe zugewähren; wie verlautete wurden Verträge über den Kauf militärischen Geräts in Höhe voninsgesamt 4 Milliarden Dollar unterzeichnet. Bereits in den Jahren 2005 und 2006 hatte Venezuelazugestimmt, 50 Kampfhubschrauber, 24 Su-30MK2-Kampfflugzeuge und 100.000 AK-103-Gewehre von Russland zu kaufen und eine Lizenz zu deren Produktion zu erwerben. Bereits in der ersten Jahreshälfte 2009 wird Moskau an Venezuela mindestens zehn Mi-28N-Hubschrauber liefern.Darüberhinaus haben die beiden Länder jetzt darüber verhandelt, dass Caracas drei russischeDiesel-U-Boote der Klasse Projekt 636 Kilo und mindestens 20 Tor-M1-Fliegerabwehrraketen bekommt. Wenn diese beiden Verträge tatsächlich unterzeichnet werden, geht es wieder um eineGesamtsumme von schätzungsweise 1 Milliarde Dollar. Der Handel zwischen Venezuela undRussland erreichte im vergangenen Jahr 1,1 Milliarden Dollar, fast das Doppelte desHandelsvolumens von 517 Millionen Dollar 2006.Gemäß seinem staatlichen Programm zur Modernisierung der Streitkräfte bis 2012 plant Venezuelafür die nächsten vier Jahre den Kauf von Rüstungsgütern im Ausland in Höhe von etwa 30Milliarden Dollar. Nach Angaben des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) inLondon hat Venezuela zwischen 2005 und 2007 rund 4 Milliarden Dollar für den Kauf vonRüstungsgütern, vornehmlich aus Russland und China, aufgewendet. Die USA hatten 2006 dieLieferung von Waffen an Venezuela gestoppt.In einer klaren, an die Kuba-Raketenkrise von 1962 erinnernden Provokation gegen Washingtonsagte der venezolanische Präsident Hugo Chávez am Dienstag während seines Moskau-Besuchs,man werde dem russischen Militär »einen herzlichen Empfang bereiten«, wenn Moskau sich zueiner dauerhaften Präsenz in dem südamerikanischen Land entschiede. Es scheint wenigwahrscheinlich, dass Russland das Angebot annimmt, aber die Botschaft ist unmissverständlich.Wie ich in meinem Buch
beschrieben habe, kommt die Entscheidung der USA, inPolen Raketen und in Tschechien Radaranlagen zu installieren, einer de-facto präventivenKriegserklärung gegen Russland gleich und bringt die Welt in eine Lage, die noch gefährlicher istals zur Zeit der Kubakrise 1962.Die Wahrscheinlichkeit für die Errichtung russischer Militärbasen in Venezuela ist nicht sehr hoch,da es Moakau an den nötigen Ressourcen fehlt, diese zu unterhalten, sagte ein russischer Analystam Mittwoch. »Derzeit verfügt Russland weder materiell noch personell über ausreichendeRessourcen, um in diesem Land [Venezuela] Militärbasen errichten zu können«, erklärte RuslanPukow, Direktor des Zentrums für Analyse von Strategien und Technologien. Russland unterhältgegenwärtig mindestens 23 Militärbasen im Ausland, hauptsächlich in den ehemaligenSowjetrepubliken im Kaukasus. Russland hatte 2002 eine Marinebasis in der vietnamesischen CamRan Bay und einen elektronischen Horchposten in Lourdes auf Kuba wegen mangelnder Finanzmittel geschlossen. Die Jahresmiete betrug 200 Millionen Dollar für jede Basis. Außerdemverbietet Venezuelas Verfassung aus dem Jahre 1999 die Errichtung ausländischer Militärbasen imLand, und Chávez hat kürzlich Berichte dementiert, wonach ein Abkommen über eine russischeBasis diskutiert werde.
Ölgeschäfte und eine mögliche gemeinsame Bank 
 Chávez hat aber noch andere Verträge in Moskau unterzeichnet; so wurde mit gleich drei russischenÖlgesellschaften vertraglich vereinbart, dass sie Venezuela in Zukunft helfen, neue Ölpotenziale zu
 
erschließen. Der Hintergrund: In der letzten Zeit hatte Washington massiven Druck in Form vonwirtschaftlicher Kriegsführung ausgeübt, um Venezuelas staatlichen Ölkonzern
 Petroven
an der Erschließung neuer Ölquellen zu hindern.Bereits am ersten Tag von Chávez' Moskaubesuch hat Venezuelas staatliche Ölgesellschaft
 Petroleos de Venezuela
(
 Petroven
) Verträge mit drei russischen Energieunternehmen – 
Gazprom
,
 Lukoil 
und TNK-BP – unterzeichnet. Die drei Energie-Verträge umfassen die Erkundung neuer Ölfelder in Venezuela. Laut Chavez markieren sie »die Schaffung einer neuen strategischenEnergie-Allianz« zwischen Russland und Venezuela. Das Geschäft mit TNK-BP ist besonders bemerkenswert angesichts des Streits zwischen den russischen und britischen Aktionären diesesUnternehmens. Nach Angaben des venezolanischen Botschafters in Moskau, Alexis Navarro, will Chávez auch dieMöglichkeit diskutieren, eine gemeinsame venezolanisch-russische Bank zu errichten.Putin unterstützt offensichtlich eine breit angelegte gegenseitige Zusammenarbeit. »Wir haben vor Kurzem die rechtliche Basis unserer Zusammenarbeit gestärkt und suchen nach Wegen, unsereBeziehungen durch neue Felder der Zusammenarbeit vielseitiger zu gestalten, besonders in denBereichen Transport, Weltraumforschung, Entwicklung und Produktion von Hochtechnologiesowie natürlich militärische und technische Zusammenarbeit«, sagte Putin. Was sicherlich auchnoch zusätzlich zu Stirnrunzeln in Washington geführt hat, ist die Tatsache, dass RusslandsPremierminister Putin jetzt nach Venezuela eingeladen wurde, denn seit der Monroe-Doktrin von1823 betrachten die USA ganz Südamerika de facto als eine Kolonie.In Moskau forderte Chávez, Russland und Venezuela sollten strategische Partner in den BereichenÖl und Verteidigung werden, denn das werde »Venezuelas Souveränität sicherstellen, die von denVereinigten Staaten bedroht wird.« Nachdem er 24 russische
Sukhoi
-Kampfflugzeugeentgegengenommen hatte, warnte Chávez in dem üblichen prahlerischen Ton die Vierte Flotte der USA, sein Land sei nun in der Lage, sich selbst zu verteidigen. »Wir haben die 24 russischen
Sukhoi
-Maschinen erhalten«, sagte er am Sonntag. »Sie dienen nur der Verteidigung; wir werdenniemanden angreifen.« Das Geschäft umfasst das Training von Piloten und anderenBesatzungsmitgliedern sowie die Lieferung der Raketen, mit denen die Flugzeuge bestückt werden.Laut Chávez haben diese russischen Raketen eine erheblich größere Reichweite als die Raketen der F-16 Kampfjets der USA; er warnte die Vierte US-Flotte, nicht in venezolanische Gewässer einzudringen.
Moskaus neue karibische Dreiecks-Diplomatie
 Gleichzeitig mit den Gesprächen mit Chávez erhöhte Moskau auch die Unterstützung für Kuba.Russlands Sicherheitsrat kündigte an, Moskau werde die bilaterale Zusammenarbeit mit Kuba inallen Bereichen verstärken. Die Ankündigung erfolgte nur wenige Tage nachdem die Moskauer Zeitung
 Iswestija
am 21. Juli namentlich nicht genannte Beamte des russischenVerteidigungsministeriums mit der Aussage zitiert hatte, Russland werde vielleichtatomwaffenfähige Überschall-Bomber vom Typ
Tupolew
Tu-160 (»Weißer Schwan«) auf Kubastationieren.

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