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Fünf russische Fluggesellschaften steigen wie Phönix aus der AscheDie russischen Fluggesellschaften wurden nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion1991 von starken Turbulenzen durchgeschüttelt. Fünf Airlines haben aber Anschluss anden Weltstandard gefunden und kontrollieren heute 60 Prozent des Marktes: Aeroflot, S7Airlines, Transaero, UTAir und GTK Rossiya.Von Jens Flottau / maiak.infoEs gab eine Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991, da galten Reisendeals besonders mutig, wenn sie es wagten, mit einer Fluggesellschaft aus einer der 15ehemaligen Unionsrepubliken zu fliegen. Kaum ein Monat im Nach-Ostblock-Chaosverging, ohne dass eine alte Tupolew bei der Landung verunglückte oder eine Iljuschinirgendwo über Sibirien abstürzte. Die einst staatlich in hohem Masse subventionierteLuftfahrt lag wirtschaftlich und operationell am Boden - und es war keiner da, der sich umsie kümmerte.Fluggesellschaften zwischen wirtschaftlichem Höhenflug und AbsturzZwanzig Jahre später sind die Zeiten vorbei für Heldengeschichten, in denen Vielflieger abends an der Hotelbar über ihre Beinahe-Katastrophen berichten. In der Branche habensich fünf Fluggesellschaften herauskristallisiert, die knapp 60 Prozent des Markteskontrollieren: Aeroflot, S7 Airlines, Transaero, UTAir und GTK Rossiya. Sie habenAnschluss an den Weltstandard gefunden und fliegen immer weniger Modelle aus der Sowjet-Ära, sondern westliche und einige neue russische Maschinen.Das heisst allerdings nicht, dass es in der russischen Luftverkehrsindustrie weniger turbulent zuginge: Wirtschaftlich ist die Lage für sie äusserst angespannt, so sehr, dassmehrere Fluggesellschaften am Rande des finanziellen Kollapses stehen. Und der Winter,auch in Russland die Saure Gurken-Zeit der Branche, ist zudem noch lang. Hinzu kommt,dass die russische Regierung, die an vielen Unternehmen noch beteiligt ist, beimständigen Umbau der Branche weiterhin eine wichtige Rolle spielt.Der Staatskonzern Aeroflot ist Marktführer Als Marktführer gehalten hat sich der einst gigantische Staatskonzern Aeroflot, von demsich die meisten seiner heutigen Konkurrenten in der Provinz abgespalten haben. So etwaS7 Airlines, die früher Sibir hiess und noch früher der Aeroflot-Ableger in Nowosibirsk war.Aeroflot profitiert von seiner zentralen Stellung und Stärke am Moskauer FlughafenScheremetjewo, darüber hinaus bekommt die Fluggesellschaft jährlich staatlicheSubventionen von mehreren Hundert Millionen Franken: sie kassiert dieÜberfluggebühren, die ausländische Fluggesellschaften berappen müssen, wenn sie denrussischen Luftraum durchfliegen.
 
Die Finanz- und Wirtschaftskrise schüttelt die Airlines durchNeben der mächtigen Aeroflot herrscht ein ständiges Kommen und Gehen: Noch vor einoder zwei Jahren sah es so aus, als könne sich ein Gebilde namens Air Union alsHerausforderer etablieren. Mittlerweile gibt es das Konstrukt nicht mehr.Es folgte der Aufstieg von S7, doch mittlerweile ist nicht mehr sicher, ob und wie dieFluggesellschaft überleben wird. Mit Avianova und Sky Express versuchen sich zweiweitere Anbieter mit einem Billigflugkonzept, während viele kleinere Fluggesellschaftenunbemerkt vom Markt verschwinden oder fusionieren.Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Geldnöte der russischen Fluggesellschaftenweiter verschärft. In den ersten acht Monaten des Jahres 2009 ging die Zahl der Passagiere um mehr als 15 Prozent zurück. Und die Ticketpreise, die wegen der vielenMonopolstrecken vor allem im Inlandsverkehr teilweise extrem hoch waren, fielen nochweiter.Die Fluggesellschaften hoffen auf staatliche HilfeFür die Unternehmen war spätestens jetzt der Zeitpunkt schmerzhafter Reformengekommen, wenn nicht schon die schwindelerregend hohen Kerosinpreise bis Mitte 2008dafür gesorgt hatten, dass sie sich um mehr Effizienz bemühten. Dennoch verloren indiesem Jahr fast alle Fluggesellschaften Geld und hoffen auf staatliche Hilfen, dieallerdings ausgeblieben sind.S7 etwa musste Anfang des Jahres eine Bestellung für 15 Langstreckenflugzeuge desTyps Boeing 787 annullieren, weil die Fluggesellschaft sich die Anzahlungen nicht mehr leisten konnte. Zudem konnte S7 im Februar eine Anleihe nicht zurückzahlen und bekamdaraufhin wenigstens eine staatliche Kreditbürgschaft.Schmerzhaftes Grounding für die Air Union-AllianzWelche Rolle der russische Staat in dem grossen Spiel der Fluggesellschaften spielt,veranschaulicht die Geschichte rund um Air Union. Fünf zumindest teilstaatliche Airlines –Kras Air, Domodedowo Airlines, Samara, Sibaviatrans und Omskavia – wollten sich unter diesem Namen zu einer Allianz zusammentun und ein Gegengewicht zu Aeroflot bilden.Sogar die Star Alliance mit Lufthansa und Swiss hatte durchblicken lassen, dass sie sichin ein paar Jahren eine Zusammenarbeit vorstellen könnte, sobald Air Union den Sprungin die erste Liga der Fluggesellschaften geschafft habe.Doch führende Mitglieder des Bündnisses gerieten im Laufe des Jahres 2008 in immer grössere Finanzprobleme, die für Kras Air und Domodedowo Airlines Anfang 2009 mitInsolvenzverfahren endeten. Zeitweise mussten die Fluggesellschaften den Betrieb
 
einstellen, weil sie in Moskau-Domodedowo keinen Treibstoff mehr bekamen und der Flughafen darauf pochte, Landegebühren bezahlt zu bekommen.Wladimir Putins Traum von einer "Airlines of Russia"Damit wäre in der Regel das Schicksal jeder Fluggesellschaft besiegelt gewesen, nicht jedoch in diesem Fall. Der dritte Moskauer Flughafen Vnukowo witterte seine Chance undbot neue Kredite sowie Treibstoff an, vorausgesetzt, die Empfänger des Geldes würdenumziehen. Vnukowo befindet sich im Besitz der Stadt Moskau und des russischenStaates.Damit aber nicht genug: Die Regierung von Wladimir Putin entwarf einen neuen Plan, wieder zersplitterte Teil der Branche konsolidiert werden könnte, nämlich unter dem Dacheiner neuen Fluggesellschaft "Airlines of Russia". Darin sollten sich die ehemaligen Air Union-Mitglieder Kras Air, Domodedowo Airlines und Samara wiederfinden, darüber hinaus Atlant-Soyuz, GKT Rossiya, Kavminvodyavia, Orenburg Airlines, Saratov Airlines,Sakhalin Airways, Vladivostok Avia und Dalavia - viele kleine und Kleinstanbieter, diealleine praktische keine Überlebenschance haben und oft nur auf dem Papier existieren.Doch seit dem Herbst 2008, als diese Pläne akut waren, ist es still geworden um die"Airlines of Russia" - nach der formalen Gründung ist nicht mehr viel passiert.Russland ist für globale Allianzen ein WagnisEinen vergleichsweise stabilen Eindruck macht die mehrheitlich private Transaero. Siebaut ungerührt ihr traditionelles Standbein aus, den Charterverkehr in die bei Russen sobeliebten Feriengebiete in der Türkei und Ägypten, darüber hinaus stärkt sie ihr Inlandsnetz. Transaero betreibt mittlerweile die umfangreichste Flotte vonGrossraumflugzeugen in Russland.Die Unübersichtlichkeit, die ständigen Fusionen, Pleiten und sonstigen Veränderungenmachen Russland für globale Allianzen zu einem besonders schwierigen Pflaster.SkyTeam (wozu unter anderem Air France-KLM und Delta zählen) hat sich frühzeitigAeroflot als Mitglied gesichert und kann als einziges Bündnis entspannt beobachten, wassich in Russland tut. Oneworld will zwar S7 aufnehmen, muss aber stetig und ernsthaft umderen Fortbestand fürchten. Die Star Alliance steht nach dem Aus für Air Union wieder amAnfang ihrer Bemühungen.HONORARFREIER ABDRUCKDieser Text ist lizenziert unter Creative Commons BY-NC-ND 2.5 Switzerland.Sie dürfen diesen Text mit Nennung des Autors und von maiak.info honorarfreivervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen (aber nicht anderen Medien

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