/  3
 
SkyExpress - die erste russische Billigfluglinie startet durchSkyExpress wurde 2006 als erste russische Billigfluglinie gegründet und fliegt vonMoskau-Wnukowo aus zehn Ziele im Inland an. 2010 will SkyExpress vier bis fünf zusätzliche Destinationen anbieten. Das wäre schon in wirtschaftlich guten Zeiten einambitionierter Plan, inmitten der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ist es umsoehrgeiziger. Falls SkyExpress im Gegensatz zu einigen kränkelnden Konkurrenten denWinter überlebt, kann die Fluggesellschaft durchstarten.Von Jens Flottau / maiak.infoSkyExpresswurde 2006 als erste russische Billigfluglinie von Boris Abramowitschgegründet, dem die FluggesellschaftKrasAir gehört. Mit seinem Bruder Alexander hielt er 40 Prozent der Aktien, weitere Teilhaber waren dieEuropäische Bank für Wiederaufbauund Entwicklung(20 Prozent) sowie die britischen Investmentgesellschaften AltimaPartners (20 Prozent), MG Capital (10 Prozent) und Sloane Robinson (10 Prozent).Boris Abramowitsch gründete danach die AllianzAiRUnion, mit der fünf russische Airlines – seineKrasAir sowieDomodedowo Airlines,Samara,SibaviatransundOmskavia– ein Gegengewicht zuAeroflotbilden wollten. Ende September wurde 2008AiRUnionaber  aufgelöst, die einzelnen Gesellschaften waren pleite, und Abramowitsch verkaufte die junge Billig-Fluglinie im März 2009 an Witali Wanzew, der nun 75 Prozent der SkyExpress-Aktien besitzt. Wanzew ist Miteigentümer des Heimatflughafens von SkyExpress,Moskau-Wnukowo.SkyExpress nahm den regulären Flugbetrieb im Januar 2007 mit einer Flugverbindungvon Moskau-Wnukowo nach Sotschi auf. Die billigsten Flugtickets kosteten anfangs 500Rubel (rund 15 Euro), die teuersten Tickets so viel wie die Bahn – aber immer nochweniger als jene der anderen Fluggesellschaften. Dazu kamen allerdings noch dieFlughafengebühren und ein Treibstoffzuschlag von 500 bis 1000 Rubel. Seit September 2008 hat SkyExpress “Inklusive”-Preise, die Tickets kosten seither 2000 bis 5000 Rubel(150 Euro), einschliesslich Steuern und Gebühren.SkyExpress hat trotz Finanz- und Wirtschaftskrise ambitionierte PläneAuch an SkyExpress ging die globale Finanz- und Wirtschaftskrise nicht spurlos vorüber.Seinen Optimismus lässt sich Maxim Pobereschnik aber trotz allem nicht nehmen. Der Verkaufschef von SkyExpress muss nur lange genug zurückschauen, um optimistisch zusein. Kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion flogen innerhalb des grossenReiches noch jährlich 140 Millionen Passagiere mit dem Flugzeug, mit staatlich massivsubventionierten Tickets, aber immerhin.Zuletzt waren es allerdings nur noch 40 Millionen Passagiere, die kleine SkyExpress vonMaxim Pobereschnik fliegt aber schon seit drei Jahren gegen alle Widrigkeiten vonWirtschaft und Politik. Für 2010 hat sie sogar grosse Pläne, das Streckennetz zu erweitern
 
und neue Flugzeuge zu übernehmen. Vorausgesetzt, das Nachfrageloch diesen Winter istnicht allzu tief.SkyExpress fliegt derzeit mit neunBoeing 737aus den frühen 1990er-Jahren zehn Zieleim Inland an. Sie will im kommenden Jahr vier weitere Maschinen übernehmen und vier bis fünf zusätzliche Ziele anfliegen. Das wäre schon in wirtschaftlich guten Zeiten einambitionierter Plan, doch inmitten der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ist es umsoehrgeiziger.Charterflüge bringen SkyExpress mehr Umsatz und Marge“Der Frühling 2009 war sehr schlecht”, sagt Pobereschnik. Schon im Winter 2008/09 hatteSkyExpress den Abschwung deutlich gespürt und daraufhin neben den Low-Cost-Strecken auch noch ein Charterprogramm aufgelegt, das mittlerweile 30 Prozent zumUmsatz beisteuert. “Das hat uns ein wenig mehr Umsatz und Marge gebracht”, so der Verkaufschef. Mittlerweile sehen die Buchungszahlen schon ein wenig freundlicher aus, imSeptember verkaufte SkyExpress sogar fünf Prozent mehr Tickets als im Vorjahr.Doch die strukturellen Probleme der Branche plagen den kleinen Anbieter. “In der russischen Luftfahrt haben wir mittlerweile 40 Prozent Überkapazität”, klagt Pobereschnik.Und diese Überkapazitäten führen zu Dumping-Preisen. Im Durchschnitt sind die Preiseum 30 bis 40 Prozent gesunken. Marktführer Aeroflotbiete die Strecke Moskau-Sotschiund zurück mittlerweile für 1′900 Rubel (rund 57 Euro) an. Vor einem Jahr wäre sie nichtunter 3′000 Rubel pro Strecke zu haben gewesen.Prohibitive Zollgebühren auf gebrauchte FlugzeugeFür SkyExpress und die übrigen russischen Fluggesellschaften ist es auch schwer, selbstan gebrauchte Flugzeuge zu kommen. Die Regierung verlangt für importierte Jets vier Millionen US-Dollar Zollgebühren, die Fluggesellschaften müssen zudem eine Garantie inMillionenhöhe hinterlegen.Unter diesen Bedingungen ist es für eine Billig-Fluggesellschaft schwer, sich zu etablieren.Dies zeigt sich daran, dass SkyExpress-Flüge nicht nur im Internet, sondern auch über Computer-Reservierungssysteme verkauft werden, die von den Fluggesellschaften hoheGebühren verlangen. SkyExpress erhofft sich davon einen Zugang zu neuenPassagiergruppen. Zudem nutzen viele Russen die Kreditkarte nur, um Geld vom Kontoabzuheben, allen anderen Transaktionen trauen sie nicht über den Weg. Deshalb zahlen80 Prozent der Kunden bar und die Fluggesellschaft muss ein Netz von Partnernaufbauen, bei denen die Kunden ihr Geld loswerden können.Falls SkyExpress den Winter überlebt, kann die Fluggesellschaft durchstartenDennoch sieht Pobereschnik auch Vorteile für sein kleines Unternehmen: “Wir kommenauf 3′000 Passagiere pro Mitarbeiter, Aeroflot nur auf 750. Wir sind also viermaleffizienter.” Die SkyExpress-Maschinen sind pro Tag im Durchschnitt knapp zehn Stundenin der Luft. Das ist im internationalen Durchschnitt nicht gerade überragend, angesichtsder schwierigen operationellen Bedingungen und der Tatsache, dass das Alter der Flugzeuge 13 Jahre und mehr beträgt, andererseits aber auch nicht so schlecht. Zudem

Share & Embed

More from this user

Add a Comment

Characters: ...