Ach, meine lieben Mitspaziererinnen und Mitspazierer, haben Sie manchmal auch das Gefühl, dass Ihnendie Zeit wie ein alter Kaugummi unter den Schuhen klebt und Fäden zieht? Da wäre zum Beispiel dieserWinter, der gefühlt schon eine Ewigkeit dauert. Ok, natürlich haben Sie recht, wenn Sie sagen, dass EndeJanuar auch kaum mit einer Hitzewelle zu rechnen ist. Will ich ja auch gar nicht, ein bisserl Frühling tätees ja fürs Erste auch. Aber leider muss man ja realistisch bleiben. Wie bei unserer neuen Regierung, diesich aufführt, als ob sie schon seit 100 Jahren und nicht erst ein wenig über 100 Tage zu Gange wäre.Aber das ist halt auch wie mit dem Januar: Was anderes war wohl nicht zu erwarten. Klientel-Politik anallen Ecken und Enden. Nur dass wir offenbar nicht zur Merkel-Westerwelle-Seehofer-Klientel gehören.Während also hierzulande zwar die Kraftwerke fröhlich weiterstrahlen dürfen, stehen homopolitisch alleRäder still. Was aber eigentlich nicht tragisch ist, oder möchten wir wirklich wissen, wie eine Reform desLebenspartnerschaftsgesetzes dieser Regierung aussehen würde? Wahrscheinlich hätten wir am Endenoch eine Sonderabgabe zu zahlen, unsere Krankenkassenbeiträge würden angehoben und dafür dieRenten gekürzt werden … Schließlich sind wir als mehrheitlich kinderlose Lohnempfänger das idealeMelkvieh für alle Parteien. Noch, schließlich sind wir genau so wenig vor Krisen und Arbeitslosigkeit ge-feit wie sonst irgendwer. Hier zumindest ist die Gleichstellung in allen Punkten schon erreicht.
Apropos Gleichstellung: Hierzu gab es kurz vor Redaktionsschluss noch eine begrüßenswerte Aktion vonunerwarteter Seite: der Polizei. Die scheint zwar mit der Überwachung des Flughafens etwas überfordertzu sein. Dafür ist sie aber hocheffektiv im investigativen Ermitteln schändlichster Sittenverstöße. HättenSie gedacht, dass es in der Innenstadt Stricher gibt? Mitten im Sperrbezirk? Nein, sehen Sie, die Polizeiist halt doch schlau. Und da das Verbrechen immer und überall lauert, haben die Sittenwächter im Tarnko-stüm es doch tatsächlich geschafft, in hochgeheimen Treffpunkten im Glockenbachviertel käuiche Jungsausndig zu machen. Vermutlich haben die Beamten ein monatelanges Training durchlaufen, um die imHomosexuellenmillieu üblichen Verhaltensweisen zu studieren. Und wofür das alles? Na für die Gleich-stellung! Denn in einer Stadt, die sich selbst als Weltstadt bezeichnet und ihre Prostituierten dazu zwingt,sich am Arsch der Welt selbigen auf gottverlassenen Parkplätzen abzufrieren, kann und darf es nicht sein,dass ein paar Jungs ihre Dienste in geheizten Stuben in bewohnten Gegenden offerieren. Das ist prakti-zierte Gleichstellungspolitik, wie wir sie wirklich brauchen! Wer redet denn da noch von Adoptionsrecht undsteuerlicher Gerechtigkeit? Also Jungs, raus ins schöne Moosfeld und an die lauschige Panzerwiese, eureKunden werden da mit Begeisterung rausfahren. Und am Heimweg könnt ihr euch dann noch von ein paarHools in der S-Bahn aufmischen lassen.Ja, da zeigt sich unser Millionendorf mal wieder von seiner besten Seite. Aber da sein einst pulsierendesHerz eh‘ nur noch zuckt, steht der Exitus kurz bevor. Bevor Sie jetzt annehmen, die Alte sei vollkommendurchgebraten, lesen Sie doch lieber mal den Bildschirm, hinter dem immer ein kluger Kopf schläft – Sued-deutsche Online. Hier sitzt meine absolute Lieblingskommentatorin des Glockenbachschen Verfalls. BeateWild heißt die Gute. Und sie hat ein Ziel: Schwabing endlich wieder zu dem zu schreiben, was es noch niewar: zu „Münchens Montmartre“. Ob sie Immobiliengroßbesitzerin in der Ecke ist, weiß ich nicht. Dank ihrermonatlichen „das Glockenbachviertel stirbt und die wirklich coole Szene zieht nach Schwabing“-Schwanen-gesänge weiß ich aber endlich, was wirklich dramatisch ist: das Sterben der alteingesessenen Lokale. FallsSie jetzt in Tränen über das Ende von Feuerwache, Ochsengarten, Mylord, Drei Glöcklein, Sunshine Pub,Prosecco, Alexander‘s, Carmens und so weiter und so fort ausbrechen – die meint die Lifestyle-Expertinnicht. Sondern zum Beispiel das Café King. Alteingesessen seit über einem Jahr in einem Abbruchhausmuss es schließen. Unfassbar! Und die Erste Liga, immerhin schon seit fast drei Jahren im ehemaligen Studsoll auch nicht mehr so gut laufen. Skandal! Aber die echte Katastrophe ist das Publikum vor dem Paradiso(im wirklich legendären ehemaligen Hendersen). Das würde nicht mal ins P1 reinkommen, hat sie festge-stellt, die Frau Wild! Respekt, vor so viel Szenekenntnis kann ich nur kapitulieren.
Und darum prophezeie ich Ihnen und mir einen warmen Februar mit einer echten Hitzewelle. Und diebläst an Fasching durch das Viertel. Da wird auch Frau Wild feststellen müssen, dass die Faschingshoch-burg bestimmt nicht an der Münchner Freiheit ist. Ich bin Sarah Jäckel, wünsche ihnen eine geile Zeitmit Helau, Alaaf oder einem simplen Prost!
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