10FEBRUAR 2010
AKTUELL
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POLITIK
In den Jahren 2008 und 2009 hatte die SPD-Landesregierung viele Versäumnisse aufge-holt und einiges für Schwule und Lesben imLand getan: im November 2008 öffneten siedie Standesämter für Homopaare, im Sep-
tember kam das Anpassungsgesetz für
Beamte in einer eingetragenen Lebenspartner-
schaft. Am 7. Januar stellte sich mit Justiz-minister Heinz Georg Bamberger erstmals
ein Mitglied der Landesregierung einer öffent-
lichen Podiumsdiskussion mit dem Motto"Rheinland-Pfalz und Homorechte - vomSchlusslicht zum Vorreiter?" des AstASchwulenreferats und der Juso-Hochschul-gruppe. Nach dem Grußwort von Uni-Präsi-dent Georg Krausch lauschte ein vom Alterund Geschlecht gut gemischtes Publikumvon circa 70 Besuchern einer zweistündigenDiskussion, in der ein kritisches Nachhakender Zuhörer nicht ausblieb. "Wir haben einespannende Diskussion auf Augenhöhe er-
lebt", erklärte anschließend AStA-Schwulen-
referent Janek Rauhe. "Der Minister hat
offen und klar auch zu umstrittenen zen-
Vorreiter Rheinland-Pfalz?
Justizminister diskutiert mit Schwulenreferat
tralen homopolitischen Fragen Stellung
bezogen".
Der ehemalige Richter am Oberlandes-
gericht Bamberger sah sich konfrontiert mitder Bandbreite der aktuell diskutierten The-
men der Homopolitik: Entschädigungszahlun-
gen für Opfer des Paragraphen §175, derSchutz sexueller Identität in der Verfassung,
die Gleichstellung von Lebenspartnerschaften
mit der Ehe und fehlende Adoptionsrechtefür Schwule und Lesben. So blieb der Justiz-
minister leider bei einigen Fragen auch
detailliertere Antworten schuldig und konnte
nicht erklären, warum die SPD-Landesregie-rung - analog wie das SPD-regierte Berlin - beim Anpassungsgesetz nicht eine Rückwir-kung eingebaut hat, oder warum seinBundesland bisher nicht in die eigene Ver-fassung einen Schutz der sexuellen Orientie-rung verankert hat. Auch die Forderung nacheinem Landesbeauftragten für homosexuelleThemen lehnte der Minister "als Wider-
spruch zur Selbstverständlichkeit im Umgang
mit Homosexuellen in der Gesellschaft" ab.Zur Grundgesetzänderung fand Bamberger
aber klar positive Worte: "Wir haben der
Initiative zugestimmt. Eine Hereinnahme
des Begriffs "sexuelle Identität" wäre ein
Signal." Ende November war eine entspre-
chende Bundesratsinitiative der Länder
Bremen, Hamburg, Berlin an den CDU-
regierten Ländern gescheitert. Aktuell hatdie SPD-Bundestagsfraktion einen entspre-chenden Gesetzentwurf vorgelegt. Mit der
Aussage dass es "keine Überlegung für
weitere Bundesratsinitiativen" gebe, legte
der Justizminister allerdings die heiße
Kastanie eigener Bundesratsinitiativen
wieder aus der Hand. Zwar befürworteteBamberger eine Änderung des Adoptions-
rechts, aber eine solche Initiative habe
momentan im Bundesrat keine Chance. Für Janek Rauhe bleibt das "der große Wermuts-tropfen" des Abends, nach dem für ihn dieDiskussion gezeigt habe, dass "die Gleich-
stellung von Homosexuellen und Hetero-
sexuellen im rheinland-pfälzischen Recht
erreicht ist." (cos)
F o t o : c o s
News
Kein Mr. Gay China
Peking
- Die Community im Reich der Mitte muss weiter
auf ihren ersten Mr Gay China warten. Am 15. Februar wurde die von in- und ausländischen Berichterstatterngesäumte Veranstaltung eine Stunde vor dem geplantenBeginn auf Druck der lokalen Polizei abgesagt. Acht
Kandidaten aus den verschiedenen Regionen des
Landes waren in die Hauptstadt angereist. Der Sieger hätte im Februar an der Kür des Mr World Gay in Oslomit Teilnehmern aus 32 Ländern teilnehmen sollen. Der
"Schönheitswettbewerb" diene dazu, das Selbstwertgefühl
und die Sichtbarkeit von Schwulen auf internationaler
Ebene zu stärken, hatte die ausrichtende Pekinger
PR-Agentur Gayographic Tags zuvor noch betont. (to)
ADS verwaist
Berlin
- Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes
(ADS) bleibt vorerst ohne Führung. Die Koalition scheiterte
noch im alten Jahr mit ihrem Versuch, die bisherige Leiterin
Martina Köppen durch Christine Lüders zu ersetzen, amOberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Die Beset-zung der Stelle sei "unter Beachtung des grundrechts-gleichen Rechts auf gleichen Zugang zu jedem öffentli-chen Amt nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung (sog. Bestenauslese) zu messen", der Anspruchauf ein ordnungsgemäßes Verfahren sei verletzt, wennein "ordnungsgemäß eingegangenes Bewerbungsschrei-
ben" nicht an die zuständige Bundesregierung weiter-
geleitet werde, so die Richter. Nicht einmal die Mindest-standards des Verwaltungs- und Arbeitsrechts seieneingehalten worden, kritisiert der grüne AbgeordneteVolker Beck. Die versuchte Ämterpatronage zeige den"untergeordneten Stellenwert", den die Antidiskriminie-rungspolitik bei Schwarz-Gelb einnehme. (to)
Benedikt bleibt stur
Vatikanstadt
- Neues Altes vom Papst. Beim Neujahrs-empfang für die im Vatikan akkreditierten Diplomatensprach sich Benedikt XVI am 11. Januar verklausulierteinmal mehr gegen Anerkennung und Gleichstellungvon schwulen und lesbischen Partnerschaften aus. Nichtnur durch Umweltverschmutzung werde die Schöpfunggefährdet. "Einer dieser Angriffe erfolgt durch Gesetzeoder Projekte, die im Namen des Kampfes gegen dieDiskriminierung die biologische Grundlage der Unter-scheidung der Geschlechter anzutasten versuchen", soder Pontifex laut autorisierter deutscher Fassung der
Rede. "Der Weg des Menschen kann nicht von der Willkür
oder vom Verlangen bestimmt sein, sondern muss
vielmehr darin bestehen, dem vom Schöpfer gewolltenGefüge zu entsprechen." (to)
Knast in Malawi
Lilongwe
- Der Versuch eines schwulen Paares, seine
Partnerschaft mit einer traditionellen Verlobungszeremonie
zu besiegeln, endete Ende Dezember mit einer Verhaf- tung. Tiwonge Chimbalanga (20) und Steven Monjeza
(22) erklärten sich vor Gericht für "nicht schuldig".
Homosexualität steht in den südostafrikanischen Staat
unter Strafe. Sollte es zu einer Verurteilung wegen
"unnatürlicher Handlungen" kommen, droht den beideneine Gefängnisstrafe von bis zu 14 Jahren. Trotz der rechtlichen Ächtung hat sich einem Bericht der BBC zu-
folge vor Kurzem eine Schwulen- und Lesbenorganisation,
das Centre for the Development of People (CEDEP) ge-gründet. Einzelne Regierungsfunktionäre plädieren für eine größere Öffnung gegenüber Homo-Belangen zur besseren Bekämpfung von Aids. (to)
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