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 AKTUELL 
POLITIK 
 
8FEBRUAR 2010
Die Hiobsbotschaft machte weltweit die Runde:
 Uganda will die Todesstrafe für Lesben undSchwule einführen. Groß war die Empörung
in der westlichen Welt: Großbritanniens
Premier Gordon Brown und sein kanadischer
Kollege Stephen Harper knöpften sich Ugandas
Präsident Yoweri Kaguta Museveni persön-lich vor und warnten ihn eindringlich vor
der Einführung des Gesetzes. Die international
ungewöhnlich harschen Proteste scheinengewirkt zu haben, zumindest die Todesstrafesoll zugunsten einer lebenslangen Haftstrafeaus der Vorlage gestrichen werden. Lebens-
lange Haft bleibt gleichwohl eine Option.
Indes berät das Parlament des ostafrikani-schen Staates weiter über eine Gesetzesver-schärfung. Schlimm genug: Nach derzeiti-gem Stand sollen auch Freunde undBekannte mit bis zu fünf Jahren Haft bestraftwerden, die Lesben und Schwule nicht beiden Behörden denunzieren. Gleiches gilt fürVermieter und Hotelbesitzer, die Zimmer anschwule oder lesbische Paare vermieten.Eine unsägliche Rolle bei dem menschen-
verachtenden Gesetzesvorstoß scheinen dabei
prominente Vertreter der religiösen Rechtenin den USA zu spielen, wie die "New York
Times" berichtet. So sollen im März vergange-
nen Jahres drei einflussreiche Evangelikalean mehreren Diskussionsveranstaltungen vorPolizisten, Lehrern und Politikern in derHauptstadt Kampala aufgetreten sein. Thema
Falsche Heilige
US-Evangelikale sollen homophobes Klima in Uganda angestachelt haben
Ugandas Präsident Yoweri Kaguta Museveni steht unter internationalem Beschuss
der dubiosen Gäste: "Die Zerstörung der
traditionellen Familienwerte durch Homo-
sexualität und der Versuch der Homosexuellen,
 eine Kultur der sexuellen Promiskuität
durchzusetzen." Die eifrigen Missionare
diskutierten, wie man Schwule umpolenkann, wie häufig schwule Männer Teenagerverführten und "wie sehr die Homo-Bewe-gung eine teuflische Institution ist". EinenMonat nach der Konferenz kündigte David
Bahati, ein bis dato unbekannter Hinter-
 bänkler im Parlament von Kampala an, dasAnti-Homosexuellengesetz samt Todesstrafeeinzureichen. "Wir müssen unsere Kinder
davor schützen, in den Schulen zur Homo-
sexualität rekrutiert zu werden, wir müssen
die Werte der Familie schützen", so seine
Begründung. Besonders delikat: Der Ab-
geordnete rühmt sich seiner Kontakte zu
seinen evangelikalen Freunden in der US-Regierung ...Die nun daheim am Pranger stehendenEvangelikalen sehen sich indes keinerSchuld bewusst. Don Schmierer, Vorstands-mitglied bei Exodus International, gibt sichlammfromm: "Ich fühle mich übertölpelt." Erhabe darüber referiert, wie man Schwule inHeteros verwandeln könne, aber keine
Kenntnis über die mögliche Einführung
einer Todesstrafe erhalten. In einem Brief 
vom 16. November bat er Präsident Museveni,
die Pläne dringend zu überdenken. ScottLively, Autor des umstrittenen Werkes "ThePink Swastika" ("Das rosa Hakenkreuz"),
räumte ein, sich mit Parlamentariern getroffenzu haben, um "über ihre Ideen zu diskutieren".
 Aber auch er sei schockiert über die dannkolportierten Pläne gewesen.Uganda sei eine "weit entfernte Front desamerikanischen Kulturkampfes" geworden,folgerte die "New York Times", sowohl die
Evangelikalen als auch die US-amerikanische
 Lesben- und Schwulenbewegung liefertensich hier Gefechte. Für Mai Kiang, Direktorinder Astrea Lesbian Foundation for Justice,gleichwohl eine Selbstverständlichkeit: "Esist ein Kampf um deren Leben." Ihre Organi-sation sammelte bereits 75.000 US-Dollar für
die schwul-lesbischen Menschenrechts-
gruppen im Land.Das ermutigt die fragile Bewegung vor Ort:Trotz der Misshandlungen durch die Polizei,trotz Zwangs-Outing als "Top-Homo" in denlokalen Medien, ständiger Todesdrohungen
auf seinem Mobiltelefon und versuchter
Erpressung will Frank Mugisha weiterkämpfen.
 Sollte das Gesetz durchkommen, macht sichder Chef von Sexual Minorities Uganda aller-
dings keine großen Illusionen über sein
weiteres Schicksal, wie er gegenüber dem
US-Homo-Magazin "The Advocate" bekannte:
 "Ich könnte der Erste sein, der zu lebenslangverurteilt wird. Uganda hat einige derschlimmsten Gefängnisse der Welt." (fs)
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9FEBRUAR 2010
Zu früh gefreut?
Die portugiesische Homo-Ehe hinkt gewaltig
Am Freitag, den 8. Januar zur Mittagszeit wares soweit: Vor dem portugiesischen Parla-ment in Lissabon ließen Homo-Aktivisten
die Sektkorken knallen und verteilten Stücke
einer Hochzeitstorte an Mitstreiter und
Passanten. Gerade hatte das portugiesische
Parlament nach einer kontroversen dreistündi-
gen Debatte mit 125 zu 99 Stimmen einemGesetzentwurf der sozialistischen Regie-rungspartei PS zur Öffnung der Ehe fürSchwule und Lesben zugestimmt. Premier-minister José Sócrates sprach vor der Ab-stimmung von einem "historischen Tag imKampf gegen die Diskriminierung und die
Ungerechtigkeit in der portugiesischen
Gesellschaft" und erinnerte daran, dass bis1982 Homosexualität als Straftat im Gesetz-
 buch stand. "Dieses Gesetz soll Portugal
vereinen, nicht spalten", betonte er mit Blickauf die Kritik des christlichen Aktionsbünd-
nisses, das über 90.000 Unterschriften für
einen Volksentscheid zum Thema Homo-Ehegesammelt hatte. Der Abstimmungsvorschlagfür diesen Volksentscheid war im Parlamentvon den konservativen Parteien PSD und
CDS-PP unterstützt worden. Die konservativen
Oppositionsparteien scheiterten ebenfalls mit
ihrem Entwurf für eine neue standesamtlich-
eingetragene Lebenspartnerschaft für
Schwule und Lesben, die es in Portugal
schon seit 2001 in der nicht amtlichen-
registrierten Form ("União de facto") für
Hetero- wie Homopaare gibt. Tritt das Gesetzwie geplant bis April in Kraft, wäre Portugalnach den Niederlanden, Belgien, Spanien,Norwegen und Schweden der sechste Staatin Europa der eine gleichgeschlechtliche Eheeinführt. Doch noch ist die Einführung keinesichere Sache."Es ist zwar ein großer Schritt für mehrBürgerrechte", kommentierte die eine Hälftedes lesbischen Brautpaares in die Mikros desStaatsfernsehens RTP, "doch dieser Schritthinkt. Darüber sollten wir uns vor Freudenicht täuschen lassen". Der zeitgleich einge- brachte Entwurf inklusive Adoptionsrechtfür verheiratete Homopaare der Grünen(PEV) und des Linksblocks (BE), scheitertenicht nur an der konservativen Oppositionim Parlament, sondern auch an den Stimmender regierenden Sozialisten.Zwar stimmten anschließend Linksblockund PCP-PEV für den Regierungsentwurf dersozialistischen Minderheitsregierung ohneAdoption, doch hagelte es Kritik aus ihren
Reihen. Auch die schwul-lesbischen Verbände
monierten den Gesetzentwurf. Die Aktivis-tengruppe "Rosa Panther" spricht auf ihrenSeiten sogar von einem "vergifteten Ge-schenk" der Regierung, das "nur schwerlichverfassungskonform" sein könne und damitam Ende scheitern werde.
Stolperstein Verfassungskonformität
Tatsächlich könnte die Verfassungskonfor-mität ein Stolperstein für Sócrates‘ "Homo-
Ehe" ohne Adoption werden. Nach der
ersten Lesung beraten nun Parlamentsaus-schüsse zusammen mit Rechtsexperten überdie inhaltlichen Details des Gesetzentwurfs.Danach entscheidet in Portugal der Staats-präsident wie eine zweite Kammer noch überden fertigen Gesetzentwurf. Amtsinhaber
Aníbal Cavaco Silva, ein ehemaliger Vor-
sitzende der christdemokratisch geprägten
Partei PSD, hält sich zwar momentan mit
öffentlichen Bedenken über das Gesetz
zurück, doch seine kritische Haltung zur
Homo-Ehe "als ein gesellschaftsspaltendesThema", ist bekannt. Sobald der Gesetzestextin seinen Händen ist, hat Cavaco Silva neben
der Verkündung zwei Optionen, um das
Gesetz zu stoppen: Er kann sein politischesVeto einlegen - das allerdings anschließendmit einfacher Mehrheit wieder vom Parla-ment außer Kraft gesetzt werden könnte -oder mit einem verfassungsrechtliches Veto
den Entwurf vor das Verfassungsgericht bringen. Fällt dieses ein Urteil gegen das
Gesetz, könnte es eng werden für die erstenfröhlichen Homo-Ehefeiern, die noch vordem Portugal-Besuch des Papstes BenediktXVI im Mai geplant sind. (cos)
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10FEBRUAR 2010
 AKTUELL 
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In den Jahren 2008 und 2009 hatte die SPD-Landesregierung viele Versäumnisse aufge-holt und einiges für Schwule und Lesben imLand getan: im November 2008 öffneten siedie Standesämter für Homopaare, im Sep-
tember kam das Anpassungsgesetz für
Beamte in einer eingetragenen Lebenspartner-
schaft. Am 7. Januar stellte sich mit Justiz-minister Heinz Georg Bamberger erstmals
ein Mitglied der Landesregierung einer öffent-
lichen Podiumsdiskussion mit dem Motto"Rheinland-Pfalz und Homorechte - vomSchlusslicht zum Vorreiter?" des AstASchwulenreferats und der Juso-Hochschul-gruppe. Nach dem Grußwort von Uni-Präsi-dent Georg Krausch lauschte ein vom Alterund Geschlecht gut gemischtes Publikumvon circa 70 Besuchern einer zweistündigenDiskussion, in der ein kritisches Nachhakender Zuhörer nicht ausblieb. "Wir haben einespannende Diskussion auf Augenhöhe er-
lebt", erklärte anschließend AStA-Schwulen-
referent Janek Rauhe. "Der Minister hat
offen und klar auch zu umstrittenen zen-
 Vorreiter Rheinland-Pfalz?
 Justizminister diskutiert mit Schwulenreferat
tralen homopolitischen Fragen Stellung
 bezogen".
Der ehemalige Richter am Oberlandes-
gericht Bamberger sah sich konfrontiert mitder Bandbreite der aktuell diskutierten The-
men der Homopolitik: Entschädigungszahlun-
gen für Opfer des Paragraphen §175, derSchutz sexueller Identität in der Verfassung,
die Gleichstellung von Lebenspartnerschaften
mit der Ehe und fehlende Adoptionsrechtefür Schwule und Lesben. So blieb der Justiz-
minister leider bei einigen Fragen auch
detailliertere Antworten schuldig und konnte
nicht erklären, warum die SPD-Landesregie-rung - analog wie das SPD-regierte Berlin - beim Anpassungsgesetz nicht eine Rückwir-kung eingebaut hat, oder warum seinBundesland bisher nicht in die eigene Ver-fassung einen Schutz der sexuellen Orientie-rung verankert hat. Auch die Forderung nacheinem Landesbeauftragten für homosexuelleThemen lehnte der Minister "als Wider-
spruch zur Selbstverständlichkeit im Umgang
 
mit Homosexuellen in der Gesellschaft" ab.Zur Grundgesetzänderung fand Bamberger
aber klar positive Worte: "Wir haben der
Initiative zugestimmt. Eine Hereinnahme
des Begriffs "sexuelle Identität" wäre ein
Signal." Ende November war eine entspre-
chende Bundesratsinitiative der Länder
Bremen, Hamburg, Berlin an den CDU-
regierten Ländern gescheitert. Aktuell hatdie SPD-Bundestagsfraktion einen entspre-chenden Gesetzentwurf vorgelegt. Mit der
Aussage dass es "keine Überlegung für
weitere Bundesratsinitiativen" gebe, legte
der Justizminister allerdings die heiße
Kastanie eigener Bundesratsinitiativen
wieder aus der Hand. Zwar befürworteteBamberger eine Änderung des Adoptions-
rechts, aber eine solche Initiative habe
momentan im Bundesrat keine Chance. Für Janek Rauhe bleibt das "der große Wermuts-tropfen" des Abends, nach dem für ihn dieDiskussion gezeigt habe, dass "die Gleich-
stellung von Homosexuellen und Hetero-
sexuellen im rheinland-pfälzischen Recht
erreicht ist." (cos)
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News
Kein Mr. Gay China
Peking
- Die Community im Reich der Mitte muss weiter 
auf ihren ersten Mr Gay China warten. Am 15. Februar wurde die von in- und ausländischen Berichterstatterngesäumte Veranstaltung eine Stunde vor dem geplantenBeginn auf Druck der lokalen Polizei abgesagt. Acht
Kandidaten aus den verschiedenen Regionen des
Landes waren in die Hauptstadt angereist. Der Sieger hätte im Februar an der Kür des Mr World Gay in Oslomit Teilnehmern aus 32 Ländern teilnehmen sollen. Der 
"Schönheitswettbewerb" diene dazu, das Selbstwertgefühl
 und die Sichtbarkeit von Schwulen auf internationaler 
Ebene zu stärken, hatte die ausrichtende Pekinger 
PR-Agentur Gayographic Tags zuvor noch betont. (to)
 ADS verwaist
Berlin
- Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes
(ADS) bleibt vorerst ohne Führung. Die Koalition scheiterte
 
noch im alten Jahr mit ihrem Versuch, die bisherige Leiterin
 Martina Köppen durch Christine Lüders zu ersetzen, amOberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Die Beset-zung der Stelle sei "unter Beachtung des grundrechts-gleichen Rechts auf gleichen Zugang zu jedem öffentli-chen Amt nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung (sog. Bestenauslese) zu messen", der Anspruchauf ein ordnungsgemäßes Verfahren sei verletzt, wennein "ordnungsgemäß eingegangenes Bewerbungsschrei-
ben" nicht an die zuständige Bundesregierung weiter-
geleitet werde, so die Richter. Nicht einmal die Mindest-standards des Verwaltungs- und Arbeitsrechts seieneingehalten worden, kritisiert der grüne AbgeordneteVolker Beck. Die versuchte Ämterpatronage zeige den"untergeordneten Stellenwert", den die Antidiskriminie-rungspolitik bei Schwarz-Gelb einnehme. (to)
Benedikt bleibt stur 
 Vatikanstadt
- Neues Altes vom Papst. Beim Neujahrs-empfang für die im Vatikan akkreditierten Diplomatensprach sich Benedikt XVI am 11. Januar verklausulierteinmal mehr gegen Anerkennung und Gleichstellungvon schwulen und lesbischen Partnerschaften aus. Nichtnur durch Umweltverschmutzung werde die Schöpfunggefährdet. "Einer dieser Angriffe erfolgt durch Gesetzeoder Projekte, die im Namen des Kampfes gegen dieDiskriminierung die biologische Grundlage der Unter-scheidung der Geschlechter anzutasten versuchen", soder Pontifex laut autorisierter deutscher Fassung der 
Rede. "Der Weg des Menschen kann nicht von der Willkür 
oder vom Verlangen bestimmt sein, sondern muss
vielmehr darin bestehen, dem vom Schöpfer gewolltenGefüge zu entsprechen." (to)
Knast in Malawi
Lilongwe
- Der Versuch eines schwulen Paares, seine
Partnerschaft mit einer traditionellen Verlobungszeremonie
zu besiegeln, endete Ende Dezember mit einer Verhaf- tung. Tiwonge Chimbalanga (20) und Steven Monjeza
(22) erklärten sich vor Gericht für "nicht schuldig".
 Homosexualität steht in den südostafrikanischen Staat
unter Strafe. Sollte es zu einer Verurteilung wegen
 "unnatürlicher Handlungen" kommen, droht den beideneine Gefängnisstrafe von bis zu 14 Jahren. Trotz der rechtlichen Ächtung hat sich einem Bericht der BBC zu-
 folge vor Kurzem eine Schwulen- und Lesbenorganisation,
 das Centre for the Development of People (CEDEP) ge-gründet. Einzelne Regierungsfunktionäre plädieren für eine größere Öffnung gegenüber Homo-Belangen zur besseren Bekämpfung von Aids. (to)

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