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14SEPTEMBER 200914FEBRUAR 2010
KULTUR
MUSIK 
 
CD-Tipps
Mit dem Album "Blue Lines" und der bis heute unerreichten Single
"Unfinished Sympathy" schrieb Massive Attack 1991 Musik-
geschichte. Einen ähnlichen Meilenstein sucht man auf dem gerade
mal fünften regulären Album eher vergebens, und so richtig bahn-brechend klingen die Sound-Ideen auch nicht mehr. Die Highlights
verbergen sich in der zweiten Hälfte: "Girl I love you", ein grandios-
bedrohliches Liebeslied mit ganz großem Orchester oder das fiebrig-
besinnliche "Psyche" mit Vocals der einstigen Tricky-GefährtinMartina Topley-Bird und das berührend-beschwörende "SaturdayCome Slow". (VÖ: 05.02.) (to)
 Trip-Hop
Massive Attack: Helgioland (Virgin/EMI)
Bloßbescheidenbleiben
Sara Quinn von Tegan & Sara über Projektionen und katholisches Schuldbewusstsein
gab-magazin:
Wie kann man euch Zwillin-ge am leichtesten unterscheiden?
 Sara Quinn:
Ein Mensch, der uns beide zumersten Mal trifft und sehr intuitiv ist, erkenntmöglicherweise sofort, dass ich dazu neige,
ruhig und introvertiert zu sein, während
Tegan eher eine charismatische und extro-vertierte Ausstrahlung besitzt. Tegan trifftklare Entscheidungen und kann dabei sehrhart wirken.
gab-magazin:
Habt ihr schon in eurer
 Jugend von einer Musikkarriere geträumt?
 Sara Quinn:
Nein, als Teenager passte dieMusik weder kurz- noch langfristig in meineZukunftspläne. Ich hätte mir niemals vorge-stellt, dass ich mit knapp 30 Jahren immer
noch Musik machen würde. Anfangs standen
nur Tegan und ich auf der Bühne und haben
dabei genug verdient, um damit unsere Miete
zu bezahlen. Auf unseren ersten Konzertreisen
durch Kanada haben wir öffentliche Ver-kehrsmittel genutzt, 2.600 Meilen mit demGreyhound. Du nimmst den Bus, der nachtsfährt, schläfst während der Fahrt und gibstdein nächstes Konzert in der nächsten Stadt.Inzwischen sind wir in der Lage, eine Tourmit zehn Leuten zu bestreiten. Wir sind jetzt
zehn Jahre dabei, haben sechs Alben veröffent-
licht, es läuft gerade richtig gut für uns, undes wird auch noch besser werden! Wir lassenuns nicht von dieser Entwicklung überrum-peln. Wir sind bereit!
gab-magazin:
Spiegelt der Albumtitel"Sainthood" euren katholischen Hintergrund?
 Sara Quinn:
Meine Eltern bezeichneten sichselbst als "Recovering Catholics", sie haben
   F  o   t  o  :    P  a  m  e   l  a   L   i   t   t   k  y
Eine der interessantesten Indie-Bands der letzten Jahre, aus dem
New-Rave-Hype anno 2006 übrig geblieben, sind Hot Chip. Mit
ihrem vierten Album tasten sie weiter die Schnittstellen zwischenIndie-Pop, Folk, House und Soul ab, das Spektrum reicht von Groß-raumdissen-tauglichen Beats bis zu melancholischen Balladen.Leider sind ein paar Songs etwas zu ruhig geraten, auch wenn sieetwas nett Naives an sich haben - doch das funktioniert in derelektronischen Musik eben nicht immer. Pop-Perlen wie das als
Single ausgekoppelte Titelstück "One Night Stand" retten den
Gesamteindruck. (burn)
Elektro/Indie-Pop
Hot Chip: One Life Stand (Parlophone/EMI)
Der große Erfolg von Lady Gaga ruft schon erste Nachahmer aufden Plan. Ke$ha etwa, eine von Dr. Luke (Katy Perry/Pink) produ-zierte, etwas rauere Variante von Britney Spears (inklusive dickemschwarzem Lidstrich, damit es auch verrucht aussieht). In ihrenTexten putzt sie sich mit Whiskey die Zähne und feiert ausgiebig
wilde Partys. Musikalisch ist das verpackt in elektronisch
pluckernde Teenie-Beats mit zum Teil arg aufgedrehtem Auto Tunes.
Doch anscheinend trifft sie damit (leider) genau den Nerv der Zeit:In den USA stand sie sowohl mit Album als auch der Single "Tik Tok" an der Spitze der Charts. (VÖ: 05.02.) (burn)
Pop
Ke$ha: Animal (Sony Music)
"Fa la la la la. Spring is in the air, and I am a flower..." Mit solchenund ähnlichen Botschaften aus dem tiefsten Provinz-Winter vonMinnesota unterhält Adam Young seine Facebook-Fangemeinde.Der Sage nach schraubt der 23-Jährige in einem finsteren Keller-loch an den Songs seines Projekts Owl City, die zuerst (wie solltees anders sein) über MySpace den Weg in die weite Welt fanden.Bis im letzten November die luftig-leichten "Fireflies" urplötzlichan die Spitze der US-Single-Charts flogen. Keine Eintagsfliege: daserste "offizielle" Album ist voll eingängigem Elektro-Pop, großenMelodien und zuweilen arg versponnenen Texten. (VÖ: 05.02.) (to)
Pop
Owl City: Ocean Eyes (Sky Harbour Rec./Universal)
die Religion nicht gelebt. Ich wurde getauft, bin aber nie zur Kirche gegangen und habkeine Erstkommunion empfangen. Ich warfünf Jahre mit einer Katholikin zusammen.Sie und andere praktizierende Gläubige, dieich kennengelernt habe, meinten immer,dass Tegan und ich dieses katholischeSchuldgefühl in uns trügen. Nicht, dass wirwirklich Schuld im religiösen Sinne emp-funden hätten, aber sie sagten, wir würdenuns so verhalten, als ob wir dieses Verständ-nis aufgesogen hätten. Die Vorstellung, ichkönnte einen schlechten Eindruck hinterlas-sen, bringt mich um. Der Gedanke, ich hättenicht alles Mögliche für die Person getan,mit der ich zusammen bin, killt mich. (me)
Das Album "Sainthood" ist bei Vapor/Sire/Warner erschienen.
Mehr unter teganandsara.com
Ein Leben als musikalische Zwillinge, beides Lesben noch dazu, ein neues Album mit einem schon sehr katholischen Namen ... da gibt es  vieles, worüber man sich mit den sympathischen 29-jährigen Schwestern Tegan und Sara Quin unterhalten kann. "Sainthood" ist bereits ihr sechstes Album seit den Anfängen in den späten 90er-Jahren in Calgary, Alberta. Wir stellten Sara Quinn drei essentielle Fragen.

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