Klein, lebhaft, sehr häßlich, verschmitzte Augen und ein ordinärer Mund, –das war das Exterieur des Herrn Théodule Henri Joseph Lechat von deralten Firma Lechat und Co., »Leder und Felle«, renommiert in ganzWestfrankreich. Zur Zeit des Krieges hatte Lechat die geniale Idee gehabt,für die Armee Leder zu fabrizieren – aus Pappendeckel, Lumpen und altemZunder. Das Resultat war, daß er sich um 1872 von den Geschäftenzurückzog, mit dem Kreuz der Ehrenlegion und fünfzehn MillionenVermögen. Er kaufte die Herrschaft Vauperdu, um sich, wie er stolz sagte,ganz der Landwirtschaft zu widmen.Die Herrschaft Vauperdu ist eine der schönsten, die es in der Normandiegibt. Außer dem Schloß, einem imposanten Dokument der Baukunst dessechzehnten Jahrhunderts, und den beträchtlichen Flächen von Wald,Weideplätzen und Ackerland, die es umgeben, umfaßt die Besitzungzwanzig Pachthöfe, fünf Mühlen, zwei Forste und ausgedehnte Wiesen. Dasganze wirft einen jährlichen Ertrag von rund viermalhundertfünfzigtausendFranks ab. Nach dem Verkauf seiner Gerbereien und Lederfabriken machtesich Lechat mit seiner Frau in Vauperdu ansässig – mit seiner Frau, die ernoch als armer Arbeiter geheiratet hatte, was ihm jetzt furchtbar leid tat.Frau Lechat fehlte es ebenso, wie ihrem Gatten, an Eleganz, Orthographieund gesellschaftlichem Schliff; aber unter der Seidenrobe und demModehut, die sie ziemlich ungeschickt trug, war sie die einfache, ehrlicheund vernünftige Bäuerin von ehedem geblieben. Lechat, der sich soplötzlich vom Gerber in einen Landwirt verwandelt hatte, ärgerte sich,trotz seiner extrem republikanischen Alluren sehr über die sozialeMinderwertigkeit seiner Frau, und es verstimmte ihn, daß sie allzusehr dieniedrige Geburt und die Parvenü-Herkunft merken ließ.Es ist nicht möglich, in irgend einer Gegend einen Grundbesitz zu haben,der viermalhundertfünfzigtausend Franks Rente abwirft, ohne dort zu einerArt Berühmtheit zu werden. Lechat war infolge dessen die bekanntestePersönlichkeit der Umgebung, weil er dort der Reichste war, und esverging wohl keine Minute, ohne daß man, auf zehn Meilen in der Runde,von ihm sprach. Man sagte: »Reich, wie Lechat.« Der Name Lechat dientezu hyperbolischen Vergleichen, zum obligaten Cliché für die Bezeichnungungeheuerlicher Reichtümer. Lechat entthronte Krösus und nahm dieStelle des Marquis de Carrabas ein. Aber beliebt war er keineswegs, undobwohl die Bauern sich befleißten, ihn ehrerbietigst zu grüßen, machtensie sich doch hinter seinem Rücken über ihn lustig, denn er war grob,sekant, exzentrisch, prahlsüchtig und sehr arrogant; sein familiäresBenehmen und seine gemütlichen Alluren täuschten niemanden. Er hatteeine lärmende und ungeschickte Art, Wohltätigkeit zu üben, welche dieDankbarkeit verstummen ließ; seine Liebeswerke, die nicht imstandewaren, den häßlichen Egoismus des Parvenüs zu verdecken, erfüllten dieSeelen der Armen mit Haß statt mit Frieden, so sehr kamen siefortgesetzten Verhöhnungen ihres Elends gleich. Er hatte übrigens dreimalbei den Wahlen kandidiert und hatte dreimal, trotz der Unsumme Geldes,die er darauf verschwendete, nur zirka dreihundert Stimmen vonfünfundzwanzigtausend erhalten können. Das waren die Informationen, dieich über Herrn Lechat erhalten hatte, dessen Name in jener Gegend inallen Gesprächen unaufhörlich wiederkehrte.
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