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Brusttumore bei Mensch und Tier im Vergleich
Stand / Letzte Aktualisierung durch Elisabeth Rieping 24.11.2007 
Das Gesäugekarzinom der Tiere
Kenntnisse über das Gesäugekarzinom sind nicht nur für Tiermediziner wichtig. Als Modellsystem kann das Gesäugekarzinom auch Informationenzum Verständnis des menschlichen Brustkrebs bieten und Untersuchungen ermöglichen, die am Menschen nicht vertretbar sind.Geeignet wären die Gesäugekarzinome von Hund und Katze, die häufig vorkommen. Für die Gesäugekarzinome von Hund und Katze sind wie beim Brustkrebs des Menschen Knochenmetastasen typisch.Aber es gibt auch verschiedene Modellsysteme, in denen Krebs extra erzeugt wird, und zwar hauptsächlich in Ratten und Mäusen, die kleiner und besser zu halten sind als Hund und Katze. Meist werden sie durch Chemikalien und Viren erzeugt, neuerdings aber mit gentechnischen Methoden.Die Produktion der Geschlechtshormone verläuft in Ratten und Mäusen anders als im Menschen (F.Labrie). Auch das macht ihren Einsatz bei der Entwicklung von Modellen für den menschlichen Brustkrebs problematisch.
Durch Chemikalien verursachte Gesäugetumore
Bekannt ist die Sprague-Dawley-Ratte, bei der mit DMBA, einer Chemikalie, Brusttumore ausgelöst werden können. Diese Tumore haben aber einen seit langem bekannten Nachteil. Sie metastasieren nicht wie der menschliche Brustkrebs in Lymphknoten und Lunge (Kort, Weijma et al.1987) und eignen sich deshalb eigentlich schlecht als Modell der menschlichen Erkrankung, bei der Metastasen eine große Rolle spielen.Trotzdem wird dieses Modellsystem weiter benutzt und ist auch interessant durch die hormonellen Veränderungen, die in der Sprague-Dawley-Ratte durch die DMBA-Injektion ausgelöst werden (Yon de Jonage - Canonico MB 2005
 
).Durch die DMBA-Injektion wird möglicherweise der zirkadiane Rhythmusder Ausschüttung von Kortisol, Prolaktin und des beta-Östradiolinduzierten Gelbkörperhormons durch die DMBA-Gabe langfristig beeinträchtigt, genau wie die normalerweise beiDunkelheitstattfindendeMelatonin-Ausschüttung. Durch frühe Melatonin-Administration kann man die Entwicklung dieser Tumore dann wieder behindern (Lenoir V2005
 
). Da die Melatonin-Ausschüttung im Augenblick in Bezug auf die Entstehung des Brustkrebses der Frau Interesse findet, ist der Mechanismusder DMBA verursachten Tumorentstehung bei der Sprague-Daley Rattevon neuem Interesse.
 
Durch Viren erzeugte Brusttumore
Die erste wichtige Tumorerkrankung, die verlässlich durch Viren im Tier ausgelöst werden konnte, waren Brusttumore der Maus. Und zwar war imJackson Labor beobachtet worden, dass Mäuse mit Brusttumoren diese Krankheit durch Säugen auf andere Mäuse übertragen konnten. DieseErkenntnis löste natürlich großes Interesse bei allen Interessierten aus, da Brustkrebs bekanntlich eine der häufigsten menschlichenKrebserkrankungen ist, und man hoffte, dass die Erfahrungen, die man an diesem Tiermodell gewinnen würde, auch viele Informationen undAnregungen für die Erkrankung des Menschen ergeben würden.Es gelang, den Faktor in der Milch zu finden, mittels dessen die Übertragung bewerkstelligt wurde und man fand heraus, dass es sich um einenVirus aus Ribonukleinsäure handelte und man nannte die verwandten Tumor übertragenden Viren RNA-Tumorviren oder auch Retroviren. Das Virus, das Brusttumore in der Maus erzeugt, nannte man dasMaus-Mammatumorvirus (MMTV
 
). Nicht alle Retroviren verursachen Tumore, die meisten sind vermutlich vollkommen harmlos. Aber die interessieren natürlich weniger, als solche,die schwere Krankheiten auslösen und davon fand man bald sehr viele. Weil es einfach war, Viren in Eiern zu züchten, waren unter den erstenentdeckten Tumorviren viele Vogelviren und man merkte, das nicht nur Tumore, sondern auch viele Knochenerkrankungen, Leukämien(Blutskrebs) und Anämien durch Retroviren hervorgerufen werden können.
Krankheiten, die durch Retroviren beim Menschen hervorgerufen werden
Bis man jedoch beim Menschen auf eine Retrovirusinfektion zurückgeführte Krankheit stieß, nämlich AIDS, vergingen viele Jahrzehnte.Mittlerweile kennt man noch ein weiteres Retrovirus, dass beim Menschen Krankheiten auslöst, das Human-T-Zell-Leukämie Virus-I (Humanes T-lymphotropes Virus 1) HTLV-I. Es wurde zuerst von einem Menschen mit einer akuten T-Leukämie isoliert und danach benannt. Ein ganz typischer  Zug der durch HTLV-1 ausgelösten Leukämie sind die Knochenmetastasen, die oft wie bei Brustkrebs mit einer Hyperkalzämie verbunden sind. Mittlerweile vermutet man, dass dieser Virus auch weitere Krankheiten auslöst, nämlich eine der Multiplen Sklerose sehr ähnelnde Krankheit des Nervensystems und weitere Erkrankungen wie Arthritis, die man ohne den Virusnachweis dem rheumatischen Formenkreis zurechnen würde. AuchdasSjögren-Syndrom findet sich häufig bei Infizierten. Man sieht also, dass dieses Virus nicht nur eine Leukämie, sondern möglicherweise noch weitere Krankheiten auslösen kann, die vielleicht nochnicht alle bekannt sind. Auch bei anderen seltenen Knochenerkrankungen wurden durch Marie-Louise Labad in Paris aus dem Blut Viren isoliert,von denen vermutet wird, dass sie mit diesen Krankheiten auch ursächlich in Zusammenhang stehen.
 
Aber obwohl die Suche nach Retroviren, die Krankheiten beim Menschen auslösen können, diese Viren zu Tage gefördert hat, ist man doch nicht soviel weiter gekommen, wie man zu Beginn der Tumorvirologie gehofft hatte. Insbesondere ein Brustkrebsvirus des Menschen ist nieverlässlich und wiederholbar gefunden worden. (s. dazu auchDie Suche nach dem Brustkrebsvirus des Menschenvon Elisabeth Rieping)
Vergleich der durch MMTV hervorgerufenen Brusttumore mit dem menschlichen Brustkrebs
Das Maus-Mammatumorvirus MMTV, das Tumore in der Brust von Mäusen verursacht, lässt, wie man heute weiß, auch viele Eigenschaftenvermissen, die man sich bei einem engen Verwandten eines menschlichen Brustkrebsvirus wünschen würde. Für Frauen, die an Brustkrebserkranken, sind zum Beispiel weniger die Brusttumore das Problem, als die Absiedlungen von Tumorzellen in Lymphknoten, Lunge und Knochen,die Metastasen.Tumore, die von MMTV in der Maus hervorgerufen werden, sind in dieser Beziehung aber nicht sehr aktiv und Metastasen in Lunge und Knochenwerden bei der Mäuseerkrankung vermisst, so dass dieses Modell für die Erforschung der menschlichen Krankheit zu Wünschen übrig lässt undnicht mehr häufig Verwendung findet.MMTV hat auch kein krebsauslösendes Onkogenin seinem Erbgut, wie man es von einem Tumorvirus erwartet. Es scheint das Mäuseerbgut einfach durch seinen Einbau in das Zellerbgut durcheinander zu bringen. Dabei baut es sich manchmal wohl so ein, dass zelluläre Gene verstärktabgelesen werden und dieser Fehler, also die zu häufige Ablesung eines normalen Gens, dann zu einer vermehrten Teilung der betroffenen Zelleund ihrer Töchter führt. Nach vielen Zellteilungen entsteht so ein Tumor, der ohne in Nachbarorgane zu wachsen, nicht sehr gefährlich ist.
Gentechnisch erzeugte Mäuse, die Brustkrebs entwickeln (abgekürzt GEM für Genetically Engineered Mice)
Da die harmlosen MMTV-Tumore sich als Modell für den bösartigen menschlichen Brustkrebs nicht sehr eignen, hat man in den letzten Jahren  begonnen, Gene zu basteln und in das Erbgut von Mäusen einzusetzen, die in diesen Tieren dann Tumore auslösen, von denen man mehr Ähnlichkeit mit dem menschlichen Brustkrebs erhofft.Dazu nimmt man einen Teil des Maus-Mammatumorvirus, nämlich seinen Promotor, also eine Region des Viruserbguts, die dafür sorgt, dass dieGene gewebespezifisch abgelesen und neue RNA Stränge gebildet werden und koppelt diesen Promotor an andere Gene, die krebsauslösend, alsoonkogen, wirken.
Der Promotor

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