Durch Viren erzeugte Brusttumore
Die erste wichtige Tumorerkrankung, die verlässlich durch Viren im Tier ausgelöst werden konnte, waren Brusttumore der Maus. Und zwar war imJackson Labor beobachtet worden, dass Mäuse mit Brusttumoren diese Krankheit durch Säugen auf andere Mäuse übertragen konnten. DieseErkenntnis löste natürlich großes Interesse bei allen Interessierten aus, da Brustkrebs bekanntlich eine der häufigsten menschlichenKrebserkrankungen ist, und man hoffte, dass die Erfahrungen, die man an diesem Tiermodell gewinnen würde, auch viele Informationen undAnregungen für die Erkrankung des Menschen ergeben würden.Es gelang, den Faktor in der Milch zu finden, mittels dessen die Übertragung bewerkstelligt wurde und man fand heraus, dass es sich um einenVirus aus Ribonukleinsäure handelte und man nannte die verwandten Tumor übertragenden Viren RNA-Tumorviren oder auch Retroviren. Das
Virus, das Brusttumore in der Maus erzeugt, nannte man dasMaus-Mammatumorvirus (MMTV
). Nicht alle Retroviren verursachen Tumore, die meisten sind vermutlich vollkommen harmlos. Aber die interessieren natürlich weniger, als solche,die schwere Krankheiten auslösen und davon fand man bald sehr viele. Weil es einfach war, Viren in Eiern zu züchten, waren unter den erstenentdeckten Tumorviren viele Vogelviren und man merkte, das nicht nur Tumore, sondern auch viele Knochenerkrankungen, Leukämien(Blutskrebs) und Anämien durch Retroviren hervorgerufen werden können.
Krankheiten, die durch Retroviren beim Menschen hervorgerufen werden
Bis man jedoch beim Menschen auf eine Retrovirusinfektion zurückgeführte Krankheit stieß, nämlich AIDS, vergingen viele Jahrzehnte.Mittlerweile kennt man noch ein weiteres Retrovirus, dass beim Menschen Krankheiten auslöst, das Human-T-Zell-Leukämie Virus-I (Humanes T-lymphotropes Virus 1) HTLV-I. Es wurde zuerst von einem Menschen mit einer akuten T-Leukämie isoliert und danach benannt. Ein ganz typischer
Zug der durch HTLV-1 ausgelösten Leukämie sind die Knochenmetastasen, die oft wie bei Brustkrebs mit einer Hyperkalzämie verbunden sind.
Mittlerweile vermutet man, dass dieser Virus auch weitere Krankheiten auslöst, nämlich eine der Multiplen Sklerose sehr ähnelnde Krankheit des Nervensystems und weitere Erkrankungen wie Arthritis, die man ohne den Virusnachweis dem rheumatischen Formenkreis zurechnen würde. AuchdasSjögren-Syndrom findet sich häufig bei Infizierten.
Man sieht also, dass dieses Virus nicht nur eine Leukämie, sondern möglicherweise noch weitere Krankheiten auslösen kann, die vielleicht nochnicht alle bekannt sind. Auch bei anderen seltenen Knochenerkrankungen wurden durch Marie-Louise Labad in Paris aus dem Blut Viren isoliert,von denen vermutet wird, dass sie mit diesen Krankheiten auch ursächlich in Zusammenhang stehen.
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