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Hausklausur 
Goffmans „Korrektives Modell“
F
RAGESTELLUNG
2:
Skizzieren Sie Goffmans Modell des "korrek-tiven Austauschs". Veranschaulichen Sie dieMechanismen der Erklärung und der Ent-schuldigung anhand eines aktuellen, gesell-schaftlich relevanten empirischen Beispiels.
Gliederung
1.Vorbetrachtungen31.1. Begriffseinführungen31.2. Das
 Image
und öffentliche Verhaltensregeln32.Das Modell des korrektiven Austausches42.1. Veranschaulichung an einem herkömmlichen Beispiel63.Der korrektive Austausch in Zeiten des Internets74.Anhang I: Weitere Begriffe85.Bibliographie91
 
1. Vorbetrachtungen
1.1 B
EGRIFFSEINFÜHRUNGEN
Um Goffmans Modell des korrektiven Austausches anwenden zu können, benötigt man eingewisses Begriffsinventar, welches er vor allem in „Das Individuum im öffentlichenAustausch“ festsetzt (Goffman, 2000). Einige davon sind selbsterklärend, andere gehören zumalltäglichen Selbstverständnis. An dieser Stelle werde ich nur die zum Verständnis wichtigstenBegriffe einführen, eine ausführliche Liste finden Sie im Anhang I. Neben dem Begriff der 
Sanktion
, welche sowohl negativ als auch positiv sein kann, ist vor allem das „
 Ritual 
“ elementar – Goffman definiert dies als ein regulierendes Verhalten,welches als korrektive Handlung einen Fehler zwar nicht wieder gut macht, diesen aber alssolchen eingesteht und den Regelverletzenden in korrekten Bezug zu den verletzten
 Konventionen
(also vorübergehenden Übereinkünften) und
 Prinzipien
(unabdingbaren Normen) stellt. (Vgl. Goffman, 2000.) Diese Normen bestehen wiederum aus
Verpflichtungen
(auf bestimmte Weise in Bezug auf Andere zu handeln) und
 Erwartungen
(dass Andere auf einen selbst bezogen auf gewisse Weise handeln), welche sich als
 Rechte
(also erwünschte Normen) und
 Pflichten
(unerwünschte Normen) präsentieren.
1.2 D
AS
 
MAGE 
 
UND
 
ÖFFENTLICHE
V
ERHALTENSREGELN
In „Interaktionsrituale“ (Goffman, 1991) legt Goffman bereits einige Grundelemente für dasModell des korrektiven Austausches, die für dessen Verständnis sehr wichtig sind. Hier definiert er das
 Image
eines Menschen als „etwas heiliges“ (ebd., 1991, 25), dessenVerletzung gewisse Rituale erfordert. Goffman geht es hierbei um alltägliches Verhalten, indem wir uns durch ständige Rituale wie bestimmte Begrüßungen, Verabschiedungen,Gefälligkeiten u.ä. gegenseitig unseres Territoriums und unseres Selbstbildes (
 Image
)versichern. Dies ist bei nahezu jeder Interaktion der Fall, da wir uns stets so präsentieren, wiewir uns selbst wahrnehmen – das Image repräsentiert unsere Achtung von Werten und Normen sowie unser gewöhnliches Verhalten. Ein (positives)
 Image
orientiert sich dabei anden in der jeweiligen Gesellschaft üblichen Prinzipien und Konventionen, während einePerson ohne diese Orientierung kein
Image
 besitzt – wird ein Individuum der Vortäuschungeines
 Images
durch eine entsprechende Normverletzung enttarnt, so kann dies als
 falsches Image
bezeichnet werden.Tritt also nun ein Ungleichgewicht bzw. eine Unterbrechung der Interaktion (Niesen,Stolpern, unpassendes Lachen etc.) auf, korrigiert das Ritual dieses, wodurch der Verantwortliche verdeutlicht, dass er weiterhin ein achtenswerter Bestandteil des2
 
Interaktionsprozesses ist. Länge und Intensität der Ausgleichshandlung sind dabei demAusmaß der Normverletzung angepasst. (Vgl. ebd., 1991, 25)
2. Das Modell des korrektiven Austausches
Goffmans Modell des korrektiven Austausches betrachtet als zentrales Element dieAusgleichshandlungen nach Eingriffen in die Territorien von Interaktionspartnern, undzwar vor allem im öffentlichen Leben. Hierbei ist eine nähere Betrachtung weitaus komplizierter als in gesetzlichen Delikten, da aufgrund des fehlenden Beweismaterials der Täter „auf frischer Tat ertappt“ werden muss. Des weiteren ist die Unterscheidung von regelkonformemHandeln und der genügenden Beweisproduktion oder auch nur der Behauptung um einigesschwerer zu ziehen, da für die fälschliche Beweisproduktion (z.B. von Höflichkeit)tatsächliche Regelkonformität vonnöten ist.Als Folge einer Regelverletzung betrachtet Goffman vier Handlungsschritte zur Wahrung desImages und der Wiederherstellung der Norm (und damit des Interaktionsverlaufes):1.
Die Herausforderung des Betroffenen oder eines weiteren Interaktions-partners an den Verletzenden, indem er auf das Fehlverhalten hinweist.2.Das Wiedergutmachungsangebot des Verletzenden in Form von Erklärung oderEntschuldigung in einer der unten dargelegten Ausprägungen. Hierdurcherklärt er das weitere Vorhandensein der Verhaltensregeln sowie seineAkzeptanz derselben, weil er sich trotz der Tat in den Betroffenen versetzenkann und sogar dessen „Bestrafung“ selbst an sich vornehmen kann.3.Die Annahme des Angebots von Seiten des Betroffenen, welche selbige alsbefriedigendes Mittel zur Image- und Ordnungswiederherstellung akzeptiert.4.Die Dankbarkeitssignalisierung des Täters für die Akzeptanz des Betroffenen.
Dies ist selbstverständlich ein allgemeines Modell, das nach Belieben variiert werden kannund um mehrere Zwischenschritte erweitert oder auch verkürzt werden kann, ebenso wieausgedrückte Emotionen (Schmerz, Zorn etc.) nicht nur unmittelbarer Bestandteil diesesAblaufes sind, sondern auch Verbaläußerungen in jedem der Schritte ganz ersetzen können.(Vgl. ebd, 1991, 26ff)An die (nicht zwingendermaßen stattfindende) Dankbarkeitssignalisierung schließt sich dieerneute Aufnahme der ursprünglichen Interaktion an, was das eigentliche Ziel der korrektivenHandlung ist – die Rückkehr zur Normalität. Aus diesem Grund kommt es auch vor, dassUnbeteiligte die Schuld an Stelle des Verletzenden auf sich nehmen, um auf schnellstem Wege3

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