1. Vorbetrachtungen
1.1 B
EGRIFFSEINFÜHRUNGEN
Um Goffmans Modell des korrektiven Austausches anwenden zu können, benötigt man eingewisses Begriffsinventar, welches er vor allem in „Das Individuum im öffentlichenAustausch“ festsetzt (Goffman, 2000). Einige davon sind selbsterklärend, andere gehören zumalltäglichen Selbstverständnis. An dieser Stelle werde ich nur die zum Verständnis wichtigstenBegriffe einführen, eine ausführliche Liste finden Sie im Anhang I. Neben dem Begriff der
Sanktion
, welche sowohl negativ als auch positiv sein kann, ist vor allem das „
Ritual
“ elementar – Goffman definiert dies als ein regulierendes Verhalten,welches als korrektive Handlung einen Fehler zwar nicht wieder gut macht, diesen aber alssolchen eingesteht und den Regelverletzenden in korrekten Bezug zu den verletzten
Konventionen
(also vorübergehenden Übereinkünften) und
Prinzipien
(unabdingbaren Normen) stellt. (Vgl. Goffman, 2000.) Diese Normen bestehen wiederum aus
Verpflichtungen
(auf bestimmte Weise in Bezug auf Andere zu handeln) und
Erwartungen
(dass Andere auf einen selbst bezogen auf gewisse Weise handeln), welche sich als
Rechte
(also erwünschte Normen) und
Pflichten
(unerwünschte Normen) präsentieren.
1.2 D
AS
I
MAGE
UND
ÖFFENTLICHE
V
ERHALTENSREGELN
In „Interaktionsrituale“ (Goffman, 1991) legt Goffman bereits einige Grundelemente für dasModell des korrektiven Austausches, die für dessen Verständnis sehr wichtig sind. Hier definiert er das
Image
eines Menschen als „etwas heiliges“ (ebd., 1991, 25), dessenVerletzung gewisse Rituale erfordert. Goffman geht es hierbei um alltägliches Verhalten, indem wir uns durch ständige Rituale wie bestimmte Begrüßungen, Verabschiedungen,Gefälligkeiten u.ä. gegenseitig unseres Territoriums und unseres Selbstbildes (
Image
)versichern. Dies ist bei nahezu jeder Interaktion der Fall, da wir uns stets so präsentieren, wiewir uns selbst wahrnehmen – das Image repräsentiert unsere Achtung von Werten und Normen sowie unser gewöhnliches Verhalten. Ein (positives)
Image
orientiert sich dabei anden in der jeweiligen Gesellschaft üblichen Prinzipien und Konventionen, während einePerson ohne diese Orientierung kein
Image
besitzt – wird ein Individuum der Vortäuschungeines
Images
durch eine entsprechende Normverletzung enttarnt, so kann dies als
falsches Image
bezeichnet werden.Tritt also nun ein Ungleichgewicht bzw. eine Unterbrechung der Interaktion (Niesen,Stolpern, unpassendes Lachen etc.) auf, korrigiert das Ritual dieses, wodurch der Verantwortliche verdeutlicht, dass er weiterhin ein achtenswerter Bestandteil des2
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