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Jesko Habert, Rezension: Popitz' «Phänomene der Macht»
Rezensionsessay
Heinrich Popitz
«Phänomene der Macht»
Inhaltsverzeichnis
1.Einführung........................................................................................................................32.Ausgangsfragen und Grundprämissen.............................................................................33.Thesenstruktur und Argumentation..................................................................................43.1.Vier Arten der Macht...............................................................................................4
Aktionsmacht........................................................................................................4
Instrumentelle Macht............................................................................................4
Autoritative Macht................................................................................................5
Datensetzende Macht / Technisches Handeln.......................................................63.2.Absolute Gewalt......................................................................................................74.Die Entgrenzung menschlicher Macht.............................................................................85.Popitz' «Phänomene der Macht» im Kontext des Kalten Krieges...................................96.Bewertung und abschließende Bemerkung......................................................................9Quellenangabe..................................................................................................................9
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Jesko Habert, Rezension: Popitz' «Phänomene der Macht»
1. Einführung
Der deutsche Soziologe Heinrich Popitz hat dem Werk«Pnomene der Macheineanthropologisch wertvolle Theorie dargelegt, die das Thema „Macht“ in allen Fassetten behandelt.Hierbei übersteigt er Max Webers Ansatz, indem er Gewalt in ihrer Extremform als „Todesmachteines Menschen über andere Menschender Macht unterordnet, welche wiederum als „dasVermögen, sich gegen Fremde Kräfte durchzusetzendefiniert wird. Popitz' Ansatz ist vonbedeutender Wichtigkeit für die soziologische Sicht auf Machtausübung, da er schlüssig darlegt,wie sich Machtstrukturen ausbilden und entwickeln können. Dies ermöglicht nicht nur eineerweiterte Sicht auf historische Ereignisse und der Entstehung unserer Gesellschaft und ihrerMachtordnung, sondern auch die Möglichkeit, sich ausbildende Machtstrukturen zu erkennen undmöglicherweise zu verhindern. Dies hatte für Popitz eine große aktuelle Relevanz, da die ersteAuflage im Jahre 1968, und damit inmitten eines von gegensätzlichen, kriegerischen Mächtengeprägten Zeitalters erschien. Im Kapitel 5 werde ich weiter auf diesen historischen Kontext unddessen Beeinflussung auf «Phänomene der Macht» eingehen.
2. Ausgangsfragen und Grundprämissen
Zu den zentralen Fragen in«Phänomene der Macht» gehört die, worauf Macht beruht. WelcheBedürfnisse und Situationen rufen sie hervor? Welche Eigenschaften und Fähigkeiten führen zumMachtgewinn und -erhalt? Warum müssen Menschen Macht erleiden? Zur Beantwortung dieserFragen legt er folgende Grundprämissen fest, von denen aus er seine Argumentation darlegt. Dieseseien zwar im historischen Prozess entstanden, trotzdem jedoch allgemeingültig.
1.Macht ist machbar und menschlich
. Machtverhältnisse sind nicht unantastbar, sondernvenderbar, da sie von Menschen gemacht wurden und nicht, wie früher dargestellt,gottgegeben. Diese Prämisse gehörte zur Politik der griechischen Polis, die dementsprechend diebestmögliche Ordnung zu schaffen suchten. Eine Wiederbelebung erfuhr diese Idee mit derSchaffung der neuzeitlichen Verfassungsstaaten.
2.Macht ist omnipräsen
. Sie ist in modernen Gesellschaften überall auffindbar. Alsvergesellschaftete Form unterwerfen wir uns täglich verschiedenen Machtverhältnissen. Dieslässt sich seit dem Fall der verstaatlichten, zentralen Macht im Ancient Regime beobachten. Esentstehen die Macht der öffentlichen Meinung, des Eigentums und der Volksmassengewalt.Vergesellschaftete Macht führt nicht zur Staatsentmachtung, lässt Machtkonflikte aber durch dieganze Gesellschaft gehen. So entwickeln sich Konflikte zwischen Geschlechtern oderGenerationen.
3.Macht ist Freiheitsbegrenzung
. Daher ist jede Macht fragwürdig und rechtfertigungsbedürftig.Historisch wird dies in den nationalen Freiheitskämpfen Europas und Emanzipation von Frauenund gesellschaftlichen Minderheiten deutlich. Machtausübung wird heute als Eingrenzung derSelbstbestimmung empfunden. Sie bleibt jedoch unvermeidbar, z.B. in der beschützenden Machtder Eltern über ihr Kind. In modernen Gesellschaften bleibt sie immer begründungsbedürftig.
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Jesko Habert, Rezension: Popitz' «Phänomene der Macht»
3. Thesenstruktur und Argumentation
Popitz unterteilt die Arten der Macht in vier nicht weiter reduzierbare Grundtypen, welche sichwesentlich unterscheiden. Diese Machtarten können miteinander kombiniert auftreten odervollkommen alleine. Was jedoch der wohl wichtigste Aspekt ist: sie bauen aufeinander auf. Um diedritten Art der Macht auszuüben, sind in der Regel zuvor die beiden ersten Stufen aufgetreten.Einzig die vierte Art steht ein wenig außerhalb; sie tritt zwar mit den meisten Machtformenzusammen auf, steht aber nicht in der zeitlichen Abfolgekette der ersten drei Formen.
3.1 Vier Arten der Macht
Verletzende Aktionsmacht. Die Aktionsmacht existiert in drei Ausprägungen: Der Minderungsozialer Teilhabe von Beherrschten, der materiellen Schädigung dieser und schließlich derkörperlichen Verletzung, was im extremsten Fall den Tod bedeutet. (Überschneidungen sindmöglich.) Die körperliche Verletzung ist meist mit den stärksten Emotionen verbunden, denn„körperliche Schmerzen“ sind nie nur körperlich, da niemand unabhängig von seinem Körperempfinden kann. Aktionsmacht ist aus drei Gründen ungleich verteilt: durch die Unterschiede in derangeborenen Stärke, Intelligenz, Begabung etc., durch Übungsgewinne und durch die Verteilungkünstlicher Steigerungsmittel. Aktionsmacht ist in seiner ursprünglichen Form auf einzelneAktionen begrenzt, die jeder im günstigsten Moment an sich reißen kann. Der in dieser SituationBeherrschende übt aber keine dauerhafte Macht über den anderen aus und verliert das Interesse amOpfer, sobald das Ziel erreicht ist. Sie kann allerdings auch mit präventivem Charakter vollzogenwerden, um sich instrumentelle Macht zu sichern (s.u.).
 Bsp.: Der bewaffnete Räuber übt nur indiesem Moment Macht aus, sobald die Forderungen erfüllt sind, erlischt sie.
Da der Mensch grundsätzlich sehr verletzungsoffen ist (durch den Körper, die ökonomische Ab-hängigkeit von Subsistenzmitteln und von sozialen Verhältnissen), muss er diese Macht, wenn sie inihm überlegener Form auftritt, erleiden. Diese Verletzbarkeit ist nicht aufhebbar. Solange derMensch lebt, kann ihm etwas angetan werden.Instrumentelle Macht. Die Instrumentelle Macht lenkt das Verhalten der Beherrschten dauerhaft,nicht jedoch die Einstellung (s.u.). Sie beruht auf der glaubhaften Verfügung über Belohnungen undStrafen, die jedoch nicht mehr ausgbt werden ssen. Dementsprechend wird erst dieAktionsmacht benötigt, um als glaubhafter Machtausüber aufzutreten. Durch weitere Drohungenund Versprechen erübrigt sich dann die Aktionsmacht i.d.R., da im Betroffenen Angst bzw.Hoffnung geweckt wird und so zu voreilendem Gehorsam führt. Dies gilt jedoch nur, wenn derBeherrschte sich beobachtet hlt, er also bestraft werden könnte. Elementar hierfür ist dieDichotomie des Herrschenden: der Beherrschte gehorcht und wird belohnt, oder er tut es nicht undwird bestraft – dazwischen gibt es keine Abstufung. Für die Machtinstitutionalisierung existierendrei wichtige Tendenzen: Entpersonalisierung des Verhältnisses (die Macht hängt nicht mehr an derPerson, sondern an der Rolle), Formalisierung (Regeln und Rituale formen das Verhältnis – wasWillkür als Regelausnahme nicht ausschließt) und die Integrierung in übergreifende Ordnungen (sodass sich beide gegenseitig stützen). Diese drei erhöhen die Stabilität, denn der Machtgewinn
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