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Letzte Tage – Sterben an Krebs – Sorge um das Heilige Land Brustkrebstagebuch
 Vergangenheit Brustkrebsblog von Elisabeth Rieping 10.06.2007 - 29.01.2009
Samstag 10.06.2007
Am 1.Mai 2007 habe ich gemerkt, dass sich an meiner linken Seite etwas Ungutes tut. Eine Schwellung, einMinilymphödem
 
, über dem linkenBrustmuskel. Jetzt einem Monat später muss ich akzeptieren, dass es etwas ist und ich habe richtig Angst, ohne dass sich in mir die Panik ausbreitet.Ich versuche Abschied zu nehmen und das ist nicht einfach.
Wie lange noch? 
Montag 11.06.2007
Also meine Tumorzellen haben ganz viele Östrogenrezeptoren und auch Progesteronrezeptoren, wie sich bei der zweiten Biopsie herausgestellt hat.Gut, dass ich eine zweite Biopsie habe machen lassen. Sonst wüsste ich das gar nicht. Beim ersten Mal war diese Untersuchung ja gar nichtangefordertet worden.Da stellt sich für mich die Frage, warum? Weil ich in eine Carboplatinstudie gelockt werden sollte? Oder einfach vergessen? Wahrscheinlich hatsich die Untersuchung jedenfalls gelohnt. Auf meinem ersten Tumor waren ja keine Progesteronrezeptoren, nur und auch nicht sovielÖstrogenrezeptoren. Die neuen Tumorzellen sehen also anders aus. Ich vermute, aus Stammzellen neu herausgewachsen und wenn er so schöneHormonrezeptoren hat, also differenziert aussieht, wird er wohl auch zu den 80% der Brustkrebse gehören, die Jod aufnehmen. Also ich bin ganzfroh, dass ich noch mal eine Biopsie habe machen lassen.Aber meine Tumormarker CA 15-3 und CA 125 sind positiv. Das heißt, sie schwimmen im Blut und lassen sich da nachweisen. Ich suche in der wissenschaftlichen Literatur nach und finde etwas über die Überlebenszeit von der Zeit, wo bei Brustkrebs Metastasen diagnostiziert werden bis zudem Zeitpunkt, an dem die meisten Frauen mit diesen Metastasen gestorben sind.Wenn der Tumormarker CA 15-3 positiv ist sind das 13 Monate,wenn man CA15-3 trotz Metastasen noch nicht im Blut messen kann sind es 18 Monate(Fehm T 2004). Das sieht ja nicht gut aus. Bei mir wären das also 13 Monate. Vom 1.Mai 2007 bis 31.Mai 2008. Wie ein Todesurteil. Ich bin ganz ruhig.
24.6.2007
 Am 20.06.2007 bin in die Klinik gegangen und habe 200 ml Curie-Radiojod geschluckt. Freitag kam ich zurück.
 
25.6.2007
Ich las den zweiten Teil des Interviews von Roger Köppel mit Lord Weidenfeld in der Weltwoche und stolperte über seine Aussage, dass John F.Kennedy kein Freund der Israelis war. Dann habe ich Kennedy und Israel bei Google eingegeben und das Ergebnis war interessant. Vor KennedysTod hatte er einen Streit mit Ben Gurion um den Bau von Atomwaffen in Dimona, der nicht an die Öffentlichkeit dringen solle. Die Papiere sinderst vor wenigen Jahren frei gegeben worden. Maria kam zum Essen. Extra um uns zu erzählen, dass Klarissa sie angerufen hätte und auf ihremGrabstein die InschriftKlarissaGründerin der Ornishgruppe Kölnhaben will. Maria wusste nicht, was sie dazu sagen sollte. Mittwoch erwähnte Marianne einen ähnlichen Anruf. Dieses Nachdenken über ihrenGrabstein verheisst mir nichts Gutes. Aber was soll ich machen?
Freitag 29.06.2007
Im Garten der Erinnerung vonJoanna Olczak-Ronikier gelesen. Ihr Ururgroßvater hatte das Salzmonopol für Kongresspolen, also das russisch besetzte Polen inne. Interessant ist in dem Buch eine Bemerkung über ossetische Studenten, auf die ihr Verwandter in Russland trifft. Stalin war jaanders als viele denken, nicht Georgier sondern von beiden Seiten her Ossete mit dem mutmaßlichen Namen Soslan Dsugajew. Und während dieOsseten noch immer an ihm hängen und ihm noch neue Denkmäler widmen, wurde die ganze georgische Sozialdemokratie ausgerottet und war nach Nathan Steinberger in seinen Konzentrationslagern bevorzugt vertreten. 
Samstag 30.6.2007
Ich habe endlich einen Badeanzug gefunden, der mit steht. Und zwar bei Kik für 10 Euro. Pink und asymmetrisch ohne Körbchen. Einfachwunderbar. Endlich kann ich wieder ins Schwimmbad. Ich bin richtig glücklich. Ich hatte mir das für dieses Jahr vorgenommen, aber ohneHoffnung und da fällt mir ausgerechnet bei Kik auch noch dieses Ding ins Auge. Das ist doch mal ein guter Anfang. Ich hatte mir das so für diesesJahr vorgenommen. Schon für’s letzte Jahr, aber ohne Ergebnis. Ich sah immer wie eine Ente aus. Aber nicht so nett wie Daisy Duck. Zu Hausehabe ich ihn gleich noch mal ausprobiert und es ging wirklich. Die Farbe, die ich erst gar nicht wollte, steht mir sogar. Jetzt fühle ich mich ganzanders. Es fehlt nur das gute Wetter. Aber vielleicht kommt es noch!
Sonntag 1.07.2008
Eben habe ich bei Joseph Iremaschwiligelesen, dass Stalins erste Frau Jekaterina Swanidse auf Wunsch ihrer Familie nach griechisch-katholischem Ritus begraben wurde. Das spricht nicht dafür, dass sie Georgierin war. Dann wäre sie nach dem Ritus der georgisch-autokephalen Kirche beerdigt
 
worden.Gerade ruft völlig aufgeregt die schöne Bettina an.Die Jägermeisterin, die das Bettinchen gerne für sich alleine haben möchte, hat ihr Schrecklichstes hinterbracht. Über sie und ihren Problembären sollen wir schlimm gelästert haben. Besonders Fuchs. Wie wahr und trotzdem ganzdaneben. Jetzt hat die Jägermeisterin ihr Ziel erreicht und das schöne Bettinchen
 
ganz für sich. Es hat kein Vertrauen mehr, nur noch in die Jägerin.Ich bin sehr traurig darüber. Ich mag Bettina sehr gerne. Sie braucht auch nicht mehr Vertrauen, sondern mehr Menschenkenntnis. Dann könnte siedas alles besser einschätzen.
Samstag 7.07.2007
Keine Antwort von Bettina. Und Klarissa fehlt mir. Ob ich ihr die Bettinen-Geschichte schicke?
Montag 30.07.2007
 Seit heute nehme ich jeden Tag 20mg Tamoxifen.
Montag 06.08.2007
 Ein Bericht im Spiegel hat inspiriert.Ein schlimmer VerdachtKlarissa ruft wieder an und spricht immer nur über sich. Ich hatte das vergessen.
Mittwoch 08.08.2007
 Mit Angela und Anhang anlässlich des ersten Schultags ihrer Nichte zum Abendessen. Sie hat oder hatte auch Brustkrebs und weiß alles besser.Verwechselt Valproinsäure mit Valeriansäure. Also Baldrian. Baldrian kennt sie gut aus ihrer Ausbildung zur PTA. Ist lange her.
Sonntag 12.08.2007
 Israelsonntag. Heute eine Sendung im Deutschlandfunk zum Israelsonntag von Roland Spur. Über Ecclesia und Synagoga in Sancta Sabina auf denAventin in Rom. Gregorianische Gesänge inspiriert vom den Gesängen in den Synagogen. Petrus Illiricus 
Montag 13.08.2007
War mittags in der Uniklinik und habe Tumormarker und Interleukin-10 abnehmen lassen. Interleukin-10 steigt an, wenn man stirbt. Mein Arm istnoch in Ordnung. Aber an der Brust habe ich leicht Schmerzen. Wenn ich morgen mehr höre, werde ich überlegen, ob ich noch mehr mache oder abwarte. Ich habe kein gutes Gefühl. Meine letzen Tage brechen an.Mein Interleukin-10 und meinInterleukin-6 Spiegelsind im normalen Bereich. Ich hoffe, das bedeutet, dass mein Tumor im Moment stillhält.

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