Lauf Thema: Lauf macht Musik
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3Juli 2009
Seit September 1990 unterrichtet Christoph Grassl an der Laufer Sing-und Musikschule und leitet die Mu-sikschulcombo.Der staatlich geprüfte Musiklehrer fürKlavier, Kirchenorgel und Klarinettehat nach seiner Musikreifeprüfung inkatholischer Kirchenmusik und Kir-chenorgel zusätzlich ein Aufbaustu-dium im Fach Orchester- und Chor-leitung sowie in elektronischer Mu-sik absolviert.Er war Organist an der Frauenkir-che sowie Chorleiter in Sankt Ku-nigund in Nürnberg und gründete1985 die Tanzband „Happyday-Mu-sic“. Im Herbst 2008 übernahm der45-Jährige die Leitung der Sing- undMusikschule.
Herr Grassl, wann haben Sie selbst angefangen zu musizieren?
Mit sechs Jahren hatte ich das ersteMal Unterricht; so richtig los ging’sdann aber erst mit 14, 15 Jahren. Ichhatte einen großartigen Klavierleh-rer, der mich sehr motivierte und beider Vorbereitung auf die Aufnahme-prüfung der Musikakademie unter-stützte. Bei uns zu Hause wurde aberauch immer viel gesungen und musi-ziert – das prägt natürlich.
Welche Rolle spielt Musik in Ihrem Privatleben?
Eine große Rolle. Meine Frau ist stu-dierte Musikerin und auch Musikleh-rerin, meine drei Kinder lernen Instru-mente – da ist immer viel Live-Mu-sik im Haus.
Ist Musikalität eine reine Bega- bung oder kann das jeder mit viel Übung erlernen?
Ich denke, dass Musikalität Grundbe-gabung eines jeden Menschen ist – wer reden kann, der musiziert ja ei-gentlich schon. In jeder Sprache, so-gar in unserem Körper (Puls) steckenRhythmus und auch Melodik – so in-spiriert das eine auch das andere.
Sollte jedes Kind ein Instrument lernen?
Ich denke, jedes Kind sollte die Mög-lichkeit haben, es zumindest einmalauszuprobieren. Wenn es dann Spaßdaran hat und eine Bestätigung darinfindet, etwas ganz Besonderes, Eige-nes für sich zu entdecken, dann kannaktives Musizieren das Selbstvertrau-en, die kommunikativen Fähigkeitenund nicht zuletzt die Persönlichkeit eines jeden positiv fördern.
Ein Interview mit Christoph Grassl, stellvertretender Leiter der Städtischen Sing- und Musikschule Lauf
„Musik ist viel mehr als nur ein kulturelles Sahnehäubchen!“
Wann sollte man mit dem Instrumentalunterricht beginnen?
Das hängt ganz von der jeweiligenReife des Kindes ab, im Vorschulal- ter sind Musikgarten und auch mu-sikalische Früherziehung ein wich- tiger Baustein. Im Anschluss daransollte dann aber ein Instrumental-oder Vokalunterricht ins Auge gefasst werden. So ab zirka vier, fünf Jahrenkann dann schon das eine oder an-dere Instrument erlernt werden.
Wie können Eltern herausfinden,welches Instrument für ihr Kind geeignet ist?
Sie sollten gemeinsam mit ihren Kin-dern Konzerte und Musikveranstal- tungen besuchen, denn dort erle-ben Kinder, wie Töne und Klänge ent-stehen. Aus Konservenmusik allei-ne lässt sich schlecht ein Motivati-onsansatz herleiten. Nur das Sehen,Hören und Fühlen von Instrumentenund handgemachter Musik weckt den Wunsch, ein Instrument erlernenzu wollen.Ganz besonders empfehlenswert ist hier der pädagogische Dienst derStaatsoper in Nürnberg. Aber auch Veranstaltungen der Sing- und Mu-sikschule, wie zum Beispiel der Tagder offenen Tür, bieten Gelegenheit dazu, das eine oder andere Instru-ment in die Hand zu nehmen undauszuprobieren.
Worin besteht für Sie der besondere Reiz, mit Schülern zu arbeiten?
Nach all den Jahren ist es erstaun-lich, dass keine Routine einkehrt. Je-der Schüler ist individuell in seinerHerangehensweise an das Mediumdes aktiven Musizierens. Das großeGlück des Musikschullehrers besteht darin, auf diese besondere Situationauch eingehen zu können.Ganz besonders fordernd ist zum Bei-spiel auch der Umstand, einen Erst-klässler am Piano zu unterrichtenund in der darauffolgenden Stun-de dann zwei 17-Jährige am Saxo-phon und Piano beim Ensemble-spiel zu coachen. Da muss man stetsup to date sein und auch die ange-sagten Medien wie mp3 oder Mu-sikprogramme am PC et cetera ein-binden, um zum Beispiel individuelleÜbungsplaybacks zu erstellen.Ein ganz besonderer Reiz besteht fürmich aber immer wieder darin, wennein Schüler nach einem Konzert oder Vorspiel ganz stolz auf seine Leis- tung ist.
Wenn Sie zurückblicken: Was un- terscheidet die Sing- und Musik- schule Lauf von heute zu der von vor 20 Jahren?
Die gewachsenen schulischen Anfor-derungen lassen vielen Kindern nicht mehr so viel Freiraum für kreativeFreizeitgestaltung. Die Ganztagsschu-le, die ja stark im Kommen ist, hat nun zwar auch teilweise die Musik für sich entdeckt, jedoch fehlen im Augenblick tragfähige und vor allempraktikable Konzepte sowie ganzschlicht und einfach Räume undInstrumente. Auch die neuen Medien wie Internet und Co. sind mittlerweile rund um dieUhr verfügbar und verleiten zur pas-siven Freizeitgestaltung.Leider werden in der heutigen, auf unmittelbare Rendite ausgelegten Zeit die Transfereffekte der mu-sischen Fächer von vielen Verantwort-lichen im Bildungsbereich nicht mehrgesehen. Nur was direkten Erfolgbringt zählt. Musizieren aber ist, wie viele Sportarten auch, eine Ausdau-erdisziplin; der Erfolg stellt sich nicht unmittelbar, sondern mit gewisserzeitlicher Verzögerung ein.Da ist Durchhalten angesagt, auch wenn mal ein Durchhänger droht.Das alles war vor 20 Jahren ein we-nig einfacher. Doch eines hat sichnicht geändert: Viele Schüler wol-len auch heute wie damals den an-gesagten Hit aus den Charts auf Ihrem Instrument oder auch mit dereigenen Band selbst performen – dasist dann wieder cooler als mp3 hö-ren et cetera.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Sing- und Musik- schule Lauf?
Die Sing- und Musikschule Lauf sollte eine Musikschule für alle sein,ich denke da sowohl an integrative Angebote als auch an eine generati-onsübergreifende Musikschule. Hier-für brauchen wir Raum im wahrstenSinne des Wortes – dann können Alt und Jung, Behinderte und Gesundezusammen proben und die uns al-len verständliche Sprache der Musik sprechen. Auch würde ich sehr gerne das Un- terrichtsangebot erweitern undkönnte mir gut vorstellen, Instru-mente wie Oboe oder Fagott, Kontra-bass oder Harfe, Hackbrett und Zitheret cetera ins Repertoire mit aufzuneh-men. Am meisten wünsche ich miraber, dass eine Sing- und Musikschu-le nicht als kulturelles Sahnehäub-chen, sondern als kulturelles Grund-nahrungsmittel verstanden wird.Musikalische Bildung darf nicht vonkommerziellen Zielen, sondern mussaus einem kulturellen Grundver-ständnis heraus gelebt werden. EineMusikschule mag sich vielleicht nicht sofort rechnen, für die Zukunft gese-hen jedoch wird sich jeder investierteEuro vielfach in klingender Münzeauszahlen.
Gibt es noch musikalische Träume – für Sie persönlich oder für die Musikszene in Lauf und der Region?
Es gibt in Lauf und Umgebung so viele gute und engagierte Musiker,Bands, Kapellen und Künstler, dasses doch möglich sein sollte, die ei-ne oder andere Schnittmenge mit derSing- und Musikschule zu finden. Sokönnte ich mir gut vorstellen dassein gemeinsames Projekt hier Berüh-rungsängste abbauen würde.Die Sing- und Musikschule wird ja imMärz 2012 dreißig Jahre alt, das wä-re ein Zeitpunkt für ein großes Event wie zum Beispiel ein Kindermusicalet cetera.Ein großer Traum, den ich und na- türlich auch meine Kolleginnen undKollegen immer wieder träumen, ist der vom „Haus der Musik“ in Lauf –ein Gebäude mit Unterrichtsräumenund einem kleinen Konzertsaal. An dieser Stelle möchte ich michauch bei meinen Kolleginnen undKollegen bedanken – ein starkes Team!
Herr Grassl, wir bedanken uns für das Interview.