/  4
 
 hinnerk 
03/1018
hamburg
Ready For
Johannes Bockmann veranstaltet im Flughafen die Lifestylemesse Gayvention
   F  o   t  o  s  :   S   t  e  p   h  a  n   P   f   l  u  g
Take-Off
 
Johannes, was erwartet Schwule undLesben auf der Messe?
Einerseits zahlreiche Aussteller in verschiede-nen Themenwelten wie Gay Wedding, Beautyund Wellness, Reise, Erotik, Shopping oder Grup-pen und Vereine. Andererseits gibt es die großeTV-Bühne, einen Eventraum und vieles mehr. Wirbieten den Besuchern Lesungen und Vorträge,Promis wie Lilo Wanders und Daniel Küblböck,die auf der Bühne kochen. Oder die Jungs vonGayromeo, die ihre Foundation vorstellen – undso weiter…
Wie sieht der idealtypische Gayven-tion-Besucher aus?
Er ist auf jeden Fall interessiert an der Commu-nity und an den Angeboten, die die Communityihm bietet, seien es Vereine, Firmen oder Me-dien, die ja alle bei uns vertreten sind. Wir wen-den uns natürlich an Lesben, Schwule und Bise-xuelle, aber ganz ausdrücklich auch an interes-sierte Heteros. Manche Schwule bringen sogarihre Familie mit!
Und wie sieht der idealtypische Ausstel-ler aus?
Das ist jemand, der die Szene nicht nur toleriert,sonder akzeptiert und deshalb auf die Gayven-tion kommt. Oder weil er als Teil der Communitysagt: ich gehöre einfach auf diese Messe – wiebeispielsweise das Jugendnetzwerk Lambdaoder der Sportverein Startschuss.
Aber ein kommerzieller Anbieterkommt nicht aus reiner Menschenfreund-lichkeit auf die Messe!
Natürlich nicht. Für Firmen wie beispielsweiseCitroën, die bei uns vertreten sind, ist aber dieZielgruppe der Gayvention äußerst attraktiv, des-halb kommen sie zu uns – und unterstützen da-mit wiederum die Community.
Was ist das Ziel von Gayvention?
Wir wollen einfach eine Plattform bieten. Vor vierJahren sind wir mit der damals irrsinnigen Ideegestartet, eine Messe für Schwule zu veranstal-ten. Dann haben wir aber ganz schnell festge-stellt, dass das auf ein sehr viel breiteres Inter-esse stößt, beispielsweise bei lesbischen Frauen.Darauf haben wir reagiert.
Wieviele Besucher erwartest Du?
2009 waren es 5300 Besucher aus ganz Deut-schland, teilweise sogar aus dem Ausland. Nachder großen Werbekampagne rechnen wir in die-sem Jahr vorsichtig geschätzt mit 10000.
Es soll auch wieder eine Live-Hochzeitgeben. Ist die Gayvention der richtigeRahmen für solch einen privaten Anlass?
Gute Frage, manche finden das kurios, andereunmöglich. Aber an den Reaktionen im vergan-genen Jahr haben wir gesehen, wie begeistertdas insgesamt aufgenommen wurde. In diesemJahr haben wir ein lesbisches Paar, das sich traut.Wir gehen aber auf Nummer sicher und habendas Paar vorher interviewt, weil wir keine Fake-Hochzeit möchten. Das Paar muss nicht nur da-von überzeugt sein, dass es heiraten will, son-dern auch davon, dass das auf einer Messe statt-findet.
Etwas Politik, ein wenig Erotik, Kultur undUnterhaltung – worin unterscheidet sich dieGayvention vom CSD?
Beim CSD kommen die Leute zusammen, umsich und die Community zu feiern. Bei derGayvention gibt es keine Parade, wir sind eineMesse, bei der auch die Heteros ausdrücklich ein-geladen sind, dabei zu sein. Und auf der auch dieCommunity sehen kann, wie vielfältig das Ange-bot für sie ist – mit Ausstellern aus ganz Europa.I
NTERVIEW
: S
TEFAN
M
IELCHEN
 h h h h h h h h
Messe-Info
Die Lifestylemesse Gayvention findet am 27. und 28. März im Terminal Tangodes Hamburger Flughafens statt. Das ehemalige Charterterminal des Air-ports bietet 6000 Quadratmeter Platz, 200 Aussteller sollen dort präsentsein. Im Rahmenprogramm auf der so genannten TV-Bühne findet unteranderem ein Jazzkonzert mit Daniel Küblböck statt. In den unterschiedlichenThemenwelten präsentieren sich lokale und überregionale Aussteller: kom-merzielle Anbieter sowie Vereine und Initiativen. Am Samstagabend findetdie Messeparty in Kooperation mit Pink Inc. im Festplatz Nord statt (sieheSeite 28). Tickets für die Messe kosten 5 Euro im Vorverkauf und 8 Euro ander Tageskasse. Alle Informationen unter
www.gayvention.de 
 
 hinnerk 
03/1020
hamburg
Alle sind sich einig: Hamburgs Homo-Jugend soll stärker gefördert werden. Doch bisher ist nichts passiert
Wieder bei Null
Schwules Jugendzentrum? Das klingt sexy! Nachweltoffener Metropole, nach Jugendarbeit ohne Geld-probleme und Nachschub für die Szene. Deshalb be-schäftigen sich Hamburgs Politiker gerne mit demThema, zuletzt die Bezirksversammlung Mitte. Im Ja-nuar bat sie die Fachleute zu einer weiteren Anhö-rung. Ergebnis: Alle wollen das Jugendzentrum, aberkeiner will bezahlen.Björn Schlier war eingeladen und ist immer nochverwirrt: „Da drängt sich schon der erste Bezirk nachvorne, bevor noch das Konzept steht“, wundert sichder 22-Jährige, der in der Jugendleitung des Magnus-Hirschfeld-Centrums (MHC) aktiv ist. „Aber in jederDiskussion muss man wieder bei Null anfangen underst einmal die Grundlagen erklären. Zum Beispiel,dass es nicht sinnvoll ist, ein solches Zentrum in derLangen Reihe unterzubringen – damit jeder imschwulen Viertel mitkriegt, dass man gerade mit sei-nem Coming-out beschäftigt ist.“Dabei ist die Hamburger Diskussion von der Stand-ortsuche noch weit entfernt. Bisher ist nicht ein Centgeflossen. Dabei ging es anfangs Schlag auf Schlag.Vor über zwei Jahren beschloss die HamburgischeBürgerschaft parteiübergreifend: Lesbische undschwule Jugendliche sollen stärker unterstützt wer-den! Vor allem homophobe Vorurteile in Schulen undJugendeinrichtungen sollten durch mehr Aufklärungbekämpft werden. Im schwarz-grünen Koalitionsver-trag von 2008 wurden diese Forderungen sogar nocherweitert: Schwarz-Grün versprach, ein schwules Ju-gendzentrum einzurichten. Es folgten viele Anhörun-gen, und schon im Sommer 2009 legten Sozial-,Schul- und Justizbehörde ein gemeinsames Hand-lungskonzept vor. Titel: „Akzeptanz von Vielfalt“.Das ehrgeizige Programm sollte spätestens bisMärz der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Das ver-sicherte der Senat auf eine Anfrage der Bürger-schaftsabgeordneten Gabi Dobusch (SPD). Doch nundrohen die großen Pläne in der Behördenmühle zer-kleinert zu werden. Ein Grund ist ausgerechnet diegut gemeinte Arbeitsstelle Vielfalt. Erst im Dezemberhatte sie der Senat auf Wunsch der Grünen geschaf-fen und in die grün geführte Justizbehörde einge-gliedert (siehe auch Seite 6). Eine ihrer Aufgaben:Gleichstellung von sexuellen Minderheiten. Die neueEinrichtung war für die Sozialbehörde eine willkom-mene Gelegenheit, das lästige Thema auszulagern.„Kaum noch zuständig“ fühlt sich diese nun, erklärteeine Sprecherin dem
hinnerk 
. Die meiste Verantwor-tung trägt nun die kleine Arbeitstelle Vielfalt. Die hatengagierte Mitarbeiter – aber kein Geld für zusätzli-che Jugendarbeit, geschweige denn für ein eigen-ständiges Jugendzentrum.Michael Schilf, im MHC zuständig für junge Besu-cher, kritisiert: „Da arbeiten kompetente Leute in-tensiv zusammen, aber solange die Politik keine Gel-der bereitstellt, können wir diese Diskussion bis inalle Ewigkeit führen: Ohne jede Ausstattung bleibendas Potemkinsche Dörfer.“ Immerhin: Die Schul-behörde hat ihre Hausaufgaben gemacht und einehalbe Personalstelle für die Aufklärungsarbeit anSchulen freigeräumt. Zudem stellt sie 3000 Euro alsHonorar für eine externe Sexualpädagogin bereit.Farid Müller, homopolitischer Sprecher der GAL,versucht alle Zweifel an der Entschlossenheit desschwarz-grünen Senats zu zerstreuen – trotz Schul-denloch: „Wir haben eine sehr angespannte Haus-haltslage. Da muss man nicht drumrumreden. Trotz-dem werden wir unseren Koalitionsvertrag umset-zen, und das heißt: Die schwule Jugendarbeit wirdverbessert!“ Der Senat kümmere sich darum, der fi-nanzielle Spielraum werde in den Verhandlungen umden Haushalt 2011/2012 ausgelotet. „Aber der wirderst im Dezember beschlossen. Wir sind also im Plan.“P
HILIP
E
ICKER
Mühselige Kleinarbeit: Bis Hamburg eine so vorbildliche Homo-Jugendarbeit macht wie das Land Nordrhein-Westfalen – im Bild das Kölner Jugend-zentrum Anyway – wird wohl noch einige Zeit vergehen 
   F  o   t  o  :  w  w  w .  v  v  g  -   k  o  e   l  n .   d  e

Share & Embed

More from this user

Add a Comment

Characters: ...