editorial
Liebe Leser,
immer wieder werde ich gefragt: „Warum bist du eigentlich nicht bei Face-book?“ Dabei schwingt zumeist ein leiser Vorwurf mit – wo doch
alle
dortein Profil haben. Vielleicht ist genau das der Grund, mich dem Trend zu ver-weigern; an regelmäßig wiederkehrenden Einladungen fehlt es nicht. Aberich möchte nicht in die Situation geraten, Menschen als „Freunde“ zu gewin-nen oder abzulehnen, die ich möglicherweise persönlich kenne, mit denenmich aber nichts verbindet – auch nicht virtuell. Ich verweigere mich diesemRechtfertigungsdruck bewusst, und bislang bin ich auch noch ganz gut damit gefahren, nicht perma-nent zu erfahren, wer gerade was wo tut, denkt oder meint mitteilen zu müssen. Das mag vielen als
very old fashioned
erscheinen. Aber ich knüpfe meine sozialen Netzwerke lieber analog. Trotzdem treibt michdie Frage um, ob ich mit dieser Haltung nun ein hoffnungsloser Außenseiter bin oder bereits zur kommen-den Avantgarde der Verweigerer zähle. So sehr hat sich das Medium meiner also bereits bemächtigt.Ob das
World Wide Web
Fluch oder Segen ist – Ansichtssache! In unserem Titelthema (ab Seite 8)gehen wir der Frage nach, wieviel Internet gut tut und warum sich gerade Schwule in der virtuellen Weltbesonders wohlfühlen. Unbestritten ist, dass das Internet die schwule Welt radikal verändert und oft auchvereinfacht hat. Gleichzeitig verleitet das Web zu grenzenloser (oft genug hüllenloser) Selbstdarstellung.Wir zeigen, wo mögliche Gefahrenquellen liegen, dass auch hinter harmlosen Kontakten kriminelle Ener-gie stecken kann, welche Chancen die virtuelle Welt bietet und wieviel Spaß sie machen kann. Nur eineFrage können wir nicht beantworten: Wie ging es eigentlich jemals ohne?Im März beginnt der Frühling, und das wissen Hamburger nach diesem Winter besonders zu schätzen.Eine Art Frühlingserwachen erlebt auch Hamburgs Tourismus: Erstmals wirbt das städtische Marketingoffensiv um lesbische und schwule Reisende (Seite 21). In Kooperation mit
hinnerk
präsentiert die HHTeine Informationsbroschüre für die Zielgruppe Gay auf der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin. DasZiel, mehr Touristen an Alster und Elbe zu locken, könnte einen positiven Nebeneffekt mit sich bringen:neue Bekanntschaften zwischen Einheimischen und Touris. Im realen Leben, versteht sich...Viel Spaß beim Lesen!Stefan MielchenChefredakteur
Leserbriefe/Impressum4Stadtgeschichten6Titel8Hamburg18Kultur22Beautiful People26Szene28Programm32City Guide46Kleinanzeigen54Portfolio56Reise58Mode60Fernsehen62Verlosung64Lange Reihe66
8182258
Fröhliches Netzwerken: Warum wiruns so gerne im Web bewegen – undwie das mit Sicherheit funktioniert.
Titel
Ready For Take Off: Die schwuleLifestylemesse Gayvention locktBesucher ins Terminal Tango.
Hamburg
Everybody‘s Showgirl: Gayle Tuftsverrät, warum sie so gerne mitschwulen Männern arbeitet.
Kultur
Traumziel: Bali hat schwulenReisenden viel zu bieten. Wir zeigendie Hot Spots der Insel der Götter.
Reise
hinnerk
03/103
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