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hinnerk 
03/10
Leicht durchschaubar
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Post:
Georg Gernegay fragt sich,wo der nächste Sack Reis umfällt.
Pinnwand:
Georg und Susi Sorglossind jetzt Freunde.
Quiz:
Welches Möbelstück bist Du?Ergebnis: Couchtisch
Fotos: Stephan Pflug / www.istockphoto.com 
 
 hinnerk 
03/109
Im Internet sind wir am liebsten schwul! Dank Facebook undGayromeo finden Homos Freunde, Sexpartner und Lebensgefähr-ten, selbst wenn sie auf dem Land leben. Auf viele wirkt das Netzparadiesisch, sie outen sich online bedenkenloser als im realenLeben – und verlieren dabei alle Hemmungen.
Lukas Nimscheck
hat die schwulen Profilprofis getroffen und fragt sich: Wie gut tutuns das World Wide Web?
ch bin der erste lebendige Selbstmörderder Welt.“ André ist stolz auf sich. Der 22- jährige Hamburger hat etwas begangen,das unvorstellbar scheint: Internet-Suizid – derRückzug aus Gayromeo, Facebook, Skype undCo. Sogar sein E-Mail-Account musste dranglauben. André lebt analog. Wir treffen unszum Kuchenessen im Schanzenviertel; Him-beerschnitten und Kräutertee. Ein Telefonin-terview fand André „zu digital“. Vor unseremGespräch schaltet der blonde Kunststudentauch noch sein Handy ab. „Jetzt bin ich end-gültig im Jahr 1900 angekommen. Da helfennur noch Morsezeichen.“ Er lacht, ich fühlemich plötzlich unwohl: Mein Laptop sucht nachder W-Lan-Verbindung des Cafés, eine SMSvibriert in meiner Hosentasche, am Nachbar-tisch das nervige Geräusch einer Skype-Unter-haltung – und mir gegenüber sitzt einer, derdas alles nicht nötig hat. „Als ob man einenAussätzigen trifft“, murmelt André, „anfangswar es auch für mich schwer.“ Er bekam wederdie Einladungsmail zum Geburtstag seines be-sten Freundes, noch die Erinnerung an daswichtige Meeting in seinem Uni-Fachbereich.„Die Leute denken einfach nicht daran, dass je-mand übers Netz nicht erreichbar seinkönnte.“Die Gründe für Andrés Ausstieg: „Ich hatteein gebrochenes Herz und war internetsüch-tig.“ Mehr als sieben Stunden täglich habe ervor dem Computer verbracht, jeden ange-schrieben, der sein Gayromeo-Profil ansah.„Mein Profil hatte ein Eigenleben, zu dem ichnicht eingeladen war. Das war schon fast gru-selig“, sagt André und erzählt von seiner bes-ten Freundin und dem Tag, an dem sie allesänderte. „Sie kannte meine Passwörter undhat mein Gayromeo-Profil gelöscht, währendich unter der Dusche war. Das war wie Entzug.Du wirst nervös, aggressiv, denkst ständig, et-was zu verpassen.“ Heute lebt André ohne On-line-Netzwerke. Er denkt sogar darüber nach,sein Handy abzuschaffen.„Ein Sexkontakt aus dem richtigen Lebenist sowieso viel intensiver als dieses virtuelleSchwanzmessen“, findet André. In der Barkönne er vorher an den Menschen riechen.Die Mischung aus Männerschweiß und Par-füm, sagt André, sei für ihn das Wichtigste beider Partnerwahl. „Wenn das Geruchs-Interneterfunden wird, bin ich wieder voll dabei.“„Das Internet ist zweifellos das größte Wa-renhaus der Sexualität, das je auf der Weltexistierte“, glaubt der SexualwissenschaftlerMartin Dannecker und fragt: „Verändert dasInternet unsere Sexualität?“ Für schwule Män-ner, so Dannecker, sei es bereits zu einer neu-en Sexualform geworden. Wer sich in einemChat unterhalte, wisse vor der ersten Begeg-nung mehr über seinen Partner, als er bei ei-nem realen Treffen jemals erfahren könne. Wiegut tut uns das? Zugegeben: Das World-Wide-Web hat unsere Gesellschaft so sehr verän-dert, wie zuletzt der Buchdruck vor fast 600Jahren. Der PC ist bester Freund und Arbeits-kollege zugleich: eine kurze Mail an den Chef,Videokonferenz mit Mutti, später ein Porno-Dreh für Youporn. So vielseitig, so verrucht.Jede sexuelle Neigung, jeder Fetisch kann ge-sucht, gefunden und ausgelebt werden. Wirlassen uns von einem Netz aus Glasfaserka-beln dabei helfen, Kochrezepte oder gleich ei-nen Sexpartner für den Abend zu finden. Un-sere Gefühle nennen wir Emoticons: Doppel-punkt, Bindestrich und Klammer erzählen Wit-ze, oder retten Freundschaften. Eine E-Mailkann viel bedeuten – und alles zerstören. Kün-digung oder Freundschaftsanfrage? Liebes-erklärung oder Spam?„Das Internet ist ein Segen – wenn man da-mit umgehen kann“, findet Michael Bochowvom Berliner Wissenschaftszentrum für Sozi-alforschung. Er hat das Online-Verhalten von
I
 
 hinnerk 
03/1010
knapp 4000 schwulen Männern untersucht und er-kennt viele Vorteile in der zunehmenden Vernetzung:„Für die Minderheiten der Minderheiten ist das wun-derbar. Unsere Schwestern vom Lande können da-von nur profitieren.“ Laut Bochow kann das Internetgar nichts kaputtmachen, da die soziale Kulturschwuler Männer sowieso von schnellem Sex geprägtsei. Warum, so der Soziologe, sollte das Aufsuchen ei-nes Darkrooms safer sein als ein Sexdate aus demNetz? „Sex ist ja nicht asozial. Ein erfahrener, gutaussehender Schwuler schafft die Kontakte, die un-sere Befragten im Durchschnitt in 12 Monaten Inter-net angegeben haben, in den einschlägigen Clubs aneinem Wochenende.“ Das Gesellungsverhaltenschwuler Männer sei mit normalen Hetero-Flirts nichtzu vergleichen. „Die heterosexuelle Frau ist ein ra-res Gut im Netz“, weiß Bochow. „Männer, die aufFrauen stehen, sind also online unterversorgt. Schwu-le verabreden sich einfach schneller und unkompli-zierter.“ Gefährlich werde das Internet nur für sol-che Nutzer, die im realen Leben nicht in der Lageseien, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten,so Bochow. „Dann wird das Netz zu einer fatalen Er-satzwelt und kann zur Sucht werden.“Usedom: verschneite Dünen und Einsamkeit. Phi-lippe lebt erst seit drei Monaten hier – eine echte Um-stellung für den 20-Jährigen. Sanfte Brise, statt City-lärm. „Mit Hamburg ist das hier nicht zu vergleichen.Bei Gayromeo sind nie mehr als acht Leute auf ein-mal online.“ Sein neues Leben auf Deutschlandszweitgrößter Insel hat der Kochlehrling vollständigüber Gayromeo organisiert – Ausbildung, Wohnung,Freundeskreis.November 2009: Mit seinen Kumpels von der frei-willigen Feuerwehr fährt Philippe übers Wochenendenach Usedom und schaltet bei Gayromeo ein Reise-profil. Er freut sich auf ein Date für den Abend. Ein38-Jähriger Nutzer, der auf seinem Vorschaubild eineKochjacke trägt, beginnt den Online-Flirt. Philippesberufliche Neugier ist geweckt. „Der war mir eigent-lich zu alt, aber ich fand die Jacke interessant.“ Nachein paar Messages treffen sich die beiden. Philippe er-fährt, dass der Fremde ein Restaurant besitzt. Ausder Online-Verabredung wird ein Ausbildungsver-hältnis. Heute lernt der zukünftige Koch unter derObhut seines ehemaligen Online-Dates. Inzwischensei das Verhältnis zu seinem Chef rein professionell,beteuert Philippe, sein Ausbilder habe durch das Datenicht an Autorität verloren.Philippes Geschichte stimmt mich nachdenklich.Kann das Internet mehr, als wir bisher dachten? Sinddie Menschen hinter den Bildschirmen vertrauens-würdig geworden? Nicht immer. Kriminalhauptkom-missar Steffen Hahn warnt: „Das Internet ist ein un-sicheres Kommunikationsmittel. Noch nie zuvor istman so durchschaubar gewesen wie heute.“ Seitzehn Jahren leitet der Ermittler den Sachbereich In-ternet-Kriminalität bei der Hamburger Polizei. Auchaus kriminalistischer Sicht hat das Weltnetz vielesauf den Kopf gestellt. „Früher hatten wir es nur mitAnzeigen von Großkonzernen zu tun: Viren, Hackerund so weiter. Heute gehören zunehmend Privat-personen zu den Opfern der Internet-Kriminalität.“Das Netz sei ein rechtsfreier Raum. Es gebe zwar ju-ristische Möglichkeiten, sich gegen Stalking oder Ruf-mord zu wehren, aber: „Sobald das Forum oder derChatroom auf einem ausländischen Server gelagertist, hat man fast keine Chance auf Rechtsbeistand.“
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 Aus demOnline-Date wird ein Ausbildungs- verhältnis
Philippe (20)
Partnervorschlag:
GMAP6G87
Matching:
75 %
Was mir an einer Partner-schaft wichtig ist:
Ehrlichkeit,Hingabe und Treue.
Das sollte mein Partner übermich wissen:
Ich singe beimDuschen!
Heizungstyp:
gut warm(21 Grad oder etwas mehr)

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