- 3 -
Ordnungsmacht mit neuen Pflichten und Opfern bedacht zu werden: haust es sich in seiner
Abhängigkeit
von den Entscheidungen der Staatsgewalt ein. Völker gehen davon aus, dasseine übergeordnete Instanz ,Ordnung schafft’; nicht nur, weil sie es gar nicht anders kennen
−
angesichts der Schwierigkeiten, die ihnen im Rahmen der jeweiligen Ordnung erwachsen,lernen sie ihre Herren durchaus schätzen. Wo das (Über-)Leben zum Kampf gerät, weil esdauernd mit den Interessen anderer Angehöriger des Gemeinwesens kollidiert, haltenUntertanen jeglicher Art eine überlegene Aufsichtsmacht für
nützlich.
Die ,Sicherheit’, die daangestrebt wird
−
dass das eigene Interesse den Rang eines hoheitlich geschützten Rechts genießt
−
, bildet sich glatt zum
gemeinsamen Bedürfnis
aus, das die unterschiedlichsten sozialenCharaktere
zum Volk eint.
Im passiven wie aktiven Bezug auf ,ihre’ Herrschaft
abstrahieren
gebeutelte Untertanen wie mündige Bürger von den gegensätzlichen Interessen und Mitteln, mitdenen eine staatliche Regie sie ausstattet, und setzen auf die Segnungen einer machtvollen
Regie.
Damit ist ein jedes Volk auch bestens gerüstet für die Erfüllung der Spezialaufgabe, die keindurch Herrschaft gestiftetes Gemeinwesen seinen Leuten erspart. Der Bedarf an Reichtum undMacht beschränkt sich
−
das ist geschichtlich verbürgt
−
nicht auf die Benützung des einmal inBesitz genommenen Territoriums und der Leistungen seiner Bewohner. Die seitMenschengedenken in Richtung ,Globalisierung’ zielenden Ansprüche von Staaten bringendiese in Konflikte, in denen manchmal gleich, immer aber letztlich die
Gewalt
entscheidet.Dafür und ebenso für alle unterhalb des
Krieges
anstehenden Auseinandersetzungen pflegendie Staatenlenker ihre Völker heranzuziehen
−
wen denn auch sonst. Und wo dieStaatsangehörigen die Garantie einer inneren Geschäftsordnung quasi als ein Lebensmittelakzeptieren, für dessen Bereitstellung eine hoheitliche Gewalt zuständig ist, bleiben die fälligenDienste nicht aus. Ein intaktes Willensverhältnis zwischen Herrschaft und Volk wird nicht da-durch erschüttert, dass für die Vorbereitung und Durchführung von Waffengängen
pure Opfer
−
ohne den geringsten Schein eines Lohnes
−
anstehen. Im Gegenteil: Der Zusammenschluss vonFührung und Geführten zum nationalen „Wir“ ist nötig, weil es um die Alternative ,Bestandoder Untergang des Gemeinwesens’ geht. Ein Volk kämpft um sein Überleben, wenn dieHerrschaft ,vitale Interessen’ bedroht sieht.Die
Identität,
die sich im Umgang mit fremden Staaten und Völkern bewährt, ist ersichtlichdieselbe Abstraktion, die sich ein Volk im zivilen heimatlichen Betrieb genehmigt. Die kleineSteigerung, die im Kriegsfall zu verzeichnen ist, besteht darin, dass dann das Engagement der Bürgerschaft pur dem Erfolg der Herrschaft im Kräftemessen mit ihren Feinden gilt, währendsonst, im zivilen Leben, die Befürwortung der staatlichen Gewalt und das Eintreten für sie stetsunter Berufung auf das besondere Interesse stattfinden, das einem die politischeGeschäftsführung selbst zugestanden hat -
als
Bauer, Arbeiter etc. klagt man Leistungen der Herrschaft ein. Das gilt auch für deren Händel mit dem Ausland, die in friedlicher Konkurrenzabgewickelt werden: Wenn Handelskonflikte auf der Tagesordnung stehen, dann weiß einaufgewecktes Volk
−
an diesbezüglicher Aufklärung hat es auch früher nie gefehlt
−
sich vonden Machenschaften des Auslands durchaus in seinen Eigenschaften als Lohnempfänger,Landwirt oder Handwerker betroffen; freilich mit dem landsmannschaftlichen Adjektivvorneweg. Damit diese Abstraktion, durch die sich Untertanen mit den auswärtigen Interessenihrer Herrschaft gemein machen, deutlich wird und zugleich als ureigenstes Bedürfnis der ‚Basis’ daherkommt, kursieren in allen Ländern Lob und Preis der eigenen Identität, die vomAusland und den Ausländern bedroht ist. Was es da so zu bewahren und bis in die Tage der ,Globalisierung’ zu verteidigen gilt, reicht von der Lebensart und dem traditionellen Brauchtum