Erster TeilDER AUFGANG AUS DER HÖHE1. Kapitel. Das Erscheinen des WelterlösersMit jubelndem Frohlocken himmlischer Heerscharen trat das Evangelium auf den Schauplatz der irdischen Welt. „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen einWohlgefallen!" So klang es zur nächtlichen Stunde auf Bethlehem-Ephratas Fluren (Luk. 2, 14).Er, auf den die Väter längst geharrt, trat in die Mitte seines Volkes als die Hoffnung« (Apg. 26, 6)und der Trost« Israels (Luk. 2, 25). Gott geoffenbart im Fleisch!« Welch Geheimnis der Gottseligkeit! (1. Tim. 3, 16). Zwar kam er in Knechtsgestalt (Phil. 2, 7) und bettelarmer Niedrigkeit; aber dies Äußere war nur das Zelt« seiner innewohnenden Göttlichkeit. Auch imLande des Todes blieb er der Fürst des Lebens« (Apg. 3, 15); denn in ihm war das Leben, unddas Leben war das Licht der Menschen« (Joh. 1, 4).I. Die Gottesbotschaft der ZeitenwendeEin dreifaches Zeugnis himmlischer Boten hatte das große Ereignis angesagt.1. Christus - der Gottessohn. Die erste Ankündigung ge schah im Tempel an Zacharias denPriester (Luk.1, 8-13). Sie schloß sich sofort an die letzte und höchste der alttesta mentlichenWeissagungen an (Mal. 3, 23). Sie handelte zu nächst von der Geburt des Wegbereiters, deszweiten »Elias«, und sagte, daß er, dessen Vorläufer dieser »Elias« werden sollte, keinGeringerer sein würde als der HErr, der Gott Israels selbst. »Viele von den Kindern Israels wird er zu dem HErr
п, ihrem Gott, zur
ückführen. Gerade diesen nahenden HErr
п und Gott hatteMaleachi im Geiste geschaut und ihn als den
»HErrn der Heerscharen« bezeichnet, »der da unversehens zu seinem Tempel kommt« (Mal. 3,1). Wie passend war es darum, daß geradein einem Tempel diese Prophe tenbotschaft ver kündigt wurde.2. Christus - der Davidssohn. Die zweite Ankündigung ward Maria, der frommen Jungfrau ausDavids Hause, zuteil (Luk. 1, 26-38). Hier knüpfte der Engel an die davidischen Verheißungen an,und zwar sofort an die älteste und erste, die dem David selbst durch Nathan den Prophetengegeben wor den war und die den Messias als Gottes- und Davidssohn bezeichnet hatte (1.Chron. 17, 13; Luk. 1, 32). »Der wird groß sein und ein Sohn des Höchsten genannt werden, undGott der HErr wird ihm den Thron seines Vaters David geben (Luk. 1, 32). Auch hier ist also dieEngelbotschaft wun dersam fein auf die Person des empfangenden Menschen ab gestimmt.3. Christus - der Heiland. Die dritte Ankündigung ward schließlich dem Joseph gegeben. Er kam,trotz seiner davidi schen Abstammung, nicht als Vater, sondern nur als Pflege vater in Betracht,also lediglich als gläubiger, bußfertiger Israelit, nur dazu bestimmt, den Erlöser in sein Hausaufzu nehmen. Ihm wurde darum gesagt, was der Messias für das erlösungsbedürftige,glaubende Israel sein würde. Er ist der »Immanuel, der von Jesaja geweissagte »Gott mit uns«(Jes. 7, 14; Matth.1, 23). »Des Namen sollst du >Jesus< heißen; denn er wird sein Volk seligmachen von ihren Sün den« (Matth. 1, 21). Hier war von dem Amt und dem Werk des Erlösersals solchem die Rede. Und gerade dies ist das Wichtigste; denn Christus ward nicht Erlöser, umGottes- und Davidssohn zu sein, sondern er trat als Gottes- und Davids sohn auf, um Erlöser zusein. »Jesus« - »Der HErr ist Ret tung« - ist darum sein eigentlicher Name, und das Erlöserseinist so ganz sein eigenstes, innerstes Wesen, daß er den Namen »Erretter« direkt alsmenschlichen Personennamen trägt.