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Gottes Wort erneuert Menschen ...Vortragsreihe von Stephan Mütschard, Pachuca/Mexiko, während der Süddeutschen Tagung inVillingen 1996Der Autor, missionarischer Mitarbeiter bei der FMIB (Freunde mexikanischer Indianer-Bibelzentren), ist verantwortlich für die theologische Fernbibelschule TEE.Vorbemerkung des Autors:In den neutestamentlichen Briefen des Apostels Paulus ist wiederholt zu beobachten, dass sieaus zwei Teilen bestehen: Im ersten wird der unsichtbare „theoretische" Hintergrund desGlaubens erklärt, und der zweite Teil kommt zu den handgreiflichen „praktischen" Auswirkungen,die „das Christsein" ausmachen. Die Reihenfolge ist bei Paulus aber we-niger eine literarischeKonstruktion als vielmehr wesensmäßiger Ausdruck der Tatsache: Christsein hat nicht denMenschen, sondern Gott zum Mittelpunkt. Wenn es bloß um die „christliche Moral" ginge, hätteJesus gar nicht Mensch werden und am Kreuz sterben müssen. Denn Nächstenliebe, sogar bishin zur Feindesliebe, waren als göttliche Gebote schon vorher - im Alten Testament - geoffenbart.Jeder Mensch muss mit Gott in Ordnung kommen, im „Frieden" sein durch eine persönliche, vonGott einmalig gewirkte Bekehrung und Neugeburt. Dies ist erst möglich geworden durch JesusChristus. Von da an wohnt Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist in einem Menschen. Das ist es,was ihn zum „Christen" macht. Die Auswirkungen davon, die erwähnte Menschenfreundlichkeit,bezeichnet die Bibel als „Frucht", die der Heilige Geist wirkt.Ein Kirschbaum findet seine Erfüllung darin, dass er Frucht bringt. Doch die Kirschen sind nichtdenkbar ohne Baum mit Blättern und Ästen, der sich durch die Wurzeln ernährt. So verhält essich auch mit dem Thema „Gottes Wort erneuert Menschen - vom Einzelnen zur Gesellschaft",das die Vortragsreihe in Villingen beendete. Es kann inhaltlich nicht von den drei davor beleuchteten Themen getrennt werden. Darum zunächst eine Kurzfassung der drei erstenThemen.... vom Gedanken zur TatGott erneuert den Einzelnen, und zwar zuerst in seiner Stellung vor Gott. Jesus ersetzt dieVerlorenheit und Angst eines Menschen mit Gerettet- und Angenommensein. Diese neueBeziehung zu Jesus verwandelt das Innere eines Menschen, sein „Herz". Das ist dieSchaltzentrale des Menschen, wo Werte und Prioritäten geändert werden. Gott ist bloß formalenRichtigkeiten und äußerlichem Wohlverhalten abgeneigt - erkennbar daran, wie er über Opfer (Jes. 1, 10 - 17) und Beschneidung redet (Röm. 2, 17 - 29). Diese Erneuerung schafft Gottgrundsätzlich und augenblicklich in der Wiedergeburt.... vom stumpfen zum geschärften GewissenJesus beginnt in uns eine fortschreitende Erneuerung, und zwar durch Wort und Geist. DieMotivation dazu ist die Tatsache, dass der Wille Gottes unsere Heiligung ist, ein Umgestaltet-Werden in das Bild Jesu. Der Fortschritt in diesem Prozess der Erneuerung hängt direkt vonunserer Mitarbeit ab, weil wir nicht Marionetten sind, sondern Gott uns dafür verantwortlichmacht.... vom Vorsatz zur Durchführung
 
Hier gibt es bei Christen immer wieder Schwierigkeiten, nachdem die Grundlagen gelegt wordensind. Denn wenn ich Jesus als Retter annehme, motiviert mich ein bestimmter Egoismus: „Ich willnicht verloren gehen!" oder - „Der Glaube an Jesus baut mich auf und verhilft mir zu dem, was ichohne Jesus nicht ge-schafft hätte." Gott nimmt diese Selbstsucht nicht übel - er kann ja nichtsEdleres von mir erwarten. Doch er will mich von meiner Nabelschau weg auf ihn hin ausrichtenund in mir die Sehnsucht wecken: „Wie kann ich Ihm dienen? Was ehrt Ihn? Wie will er SeineHerrschaft in mir und durch mich aufbauen?"... vom Einzelnen zur GesellschaftBiblischer Vortrag über 1. Thess. 1, 1 - 8Auf dieser Basis wird nun unter der Anweisung durch Gottes Wort unser Leben, Denken, Redenund Handeln in jedem Bereich gestaltet, verändert, etwa in den Bereichen Familie, Arbeit,Nachbarn, Ausbildung, Politik, Kultur, kurz: Gottes Erneuerung des Einzelnen will sich ausweitenauf die Gesellschaft. Die-se Erneuerung wird als „Erweckung" bezeichnet. In solchenErweckungsgebieten stecken einzelne Menschen ande-re an, der Ausbreitung einer Epidemie(wörtlich „das ganze Volk erfassend") ähnelnd. Die Ausbreitung ist auch mit einem Feuer vergleichbar, das um sich frisst. So kann auch eine Evangeliums-Erweckung eine ganzeGesellschaft verändern, zum Positiven hin.1. Evangelium - wie der Virus einer Epidemie?Das neue Leben, das Jesus einem Menschen schenkt und mehr und mehr auch im Sichtbarenverwirklicht, hat ansteckende, sich ausbreitende Kraft. Darauf wird im Neuen Testament immer wieder hingewiesen. Das Reich Gottes ist in der Welt wie Sauerteig, der nach und nach denganzen Teig durchsäuert (Mt. 13, 33). Es wird davon ausgegangen, dass sich mehr und mehr Menschen der Herrschaft Jesu unterstellen (Mt. 24, 14; 28, 29), bis schlussendlich eine„unzählbare Schar aus jeder Nation und aus Stämmen, Völkern und Sprachen" vor Jesus stehtund ihn als die Erlösten anbeten (Offb. 7, 9 - 10).Es fehlt aber auch nicht die andere Sei-te, nämlich dass wenige auf den schmalen Weg gelangen(Mt. 6, 14) und dass sie diesen Weg unter Verfolgung und Widerstand gehen. Dazu passt, dasssich das Tausendjährige Reich nicht aus dem gegenwärtigen Zeitalter emporentwi-ckelt, ähnlicheinem Einmannbetrieb, der sich zu einem internationalen Konzern ausgestaltet. Vielmehr zeichnet die Bibel eine Verschlechterung der Bedingungen: „Die Ungerechtigkeit wird überhandnehmen" (Mt. 24, 12) und „es kommt die Nacht, da niemand wirken kann" (Joh. 9, 4), und nur weil Gott eingreift und Jesus sichtbar wiederkommt, wird dieser universalen Talfahrt ein En-debereitet. Sogar die Gläubigen sind in Gefahr, mit hingerissen zu werden. Des-halb verkürzt Gottdiese Zeit (Mt. 24, 22).2. Wie nimmt das Evangelium Einfluss auf die Gesellschaft?Paulus predigte in der Synagoge der Hafenstadt Thessalonich (Apg. 17, 1-10), wo sich Judenund Proselyten versammelten. In kurzer Zeit kamen „eine große Menge Griechen und nichtwenige der vornehmsten Frauen" zum Glauben an Jesus Christus. Das erweckte den Zornderjenigen, die Jesus ablehnten. Sie brachten die ganze Stadt in Aufruhr. Noch in derselbenNacht wurden Paulus und seine Mitarbeiter von den neuen Christen in Sicherheit gebracht undverließen die Stadt. Besorgt um das Wachstum ihres Glaubens schreibt Paulus ihnen bald darauf den ersten Thessalonicherbrief. Darin bescheinigt er ihnen (1. Thess. 1, 6 - 7), dass sie „das WortGottes in viel Drangsal mit Freude des Heiligen Geistes aufgenommen" haben, so dass sie „allen
 
Gläubigen in Mazedonien und Achaja zu Vorbildern geworden" sind. Das, was das Evangeliuman den Einzelnen getan hat, hat sich durch die ganze Region wie ein Lauffeuer ausgebreitet. Allewissen von der geistlichen Erneuerung, die in Thessalonich gesche-hen ist. „Dass ihr euch vonden Götzen zu Gott bekehrt habt, dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohnaus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat, Jesus, der unser Retter vor dem kommenden Zorn ist" (1. Thess. 1, 9. 10). Keine moralische Aufrüstung war geschehen,sondern eine entscheidende Änderung im geistlichen Urteilsvermögen. Sie hatten erkannt, dasssie bisher nur eigene Produkte, Götzen aus Steinen, angebetet hatten. Von ihnen hatten sie sichabgewandt und sich dem lebendigen Gott zugewandt, um ihm zu dienen.Dies ist ein sehr bekanntes Beispiel der Dynamik des Wortes Gottes und seines Einflusses auf eine Gesellschaft. Lukas betont in seiner Berichterstattung die große Anzahl der gläubigGewordenen und ebenso ihre soziale Stellung. Doch hatte dies nicht zur breitengesellschaftlichen Anerkennung des christlichen Glaubens geführt. Trotzdem hat die radikaleVeränderung des Lebens der jungen Christen in der ganzen Region Schlagzeilen gemacht.Die Frage, wie das Evangelium Einfluss auf die Gesellschaft nimmt, wird durch dreiBeobachtungen beantwortet:a) Es fordert zur Stellungnahme heraus. Es geht sogar dahin, dass es die Gesellschaft polarisiertund Spannung aufbaut.b)Das Evangelium gelangt vom Einzelnen zu vielen Einzelnen der Gesellschaft. Andersausgedrückt: Es weitet sich insofern in der Gesellschaft aus, als dass sich immer mehr Individuender Herrschaft Gottes unterstellen.c) Auch wenn die Christen nicht die geachtete Mehrheit darstellen, im Gegenteil, auch wenn siedurch Verfolgung und Schikanen gehen müssen, hat ihr Lebenszeugnis seinegrenzüpberschreitende Wirkung.Ein Beispiel aus Mexiko soll dies verdeutlichen. Unverhohlen wird man beim Bezahlen einer Rechnung gefragt, ob sie Steuern enthalten solle. Verneint das ein Kunde - und das tut er, weil er sich so weitere Kosten von 15% spart - , wird diese Einnahme nicht versteuert. Wie verhaltensich Christen? „Keiner nimmt es so genau", hört man als Antwort. Außerdem ist es bittereWahrheit, dass in den öffentlichen Kassen horrende Summen veruntreut werden. „Das bringtdoch nichts, wenn ich treudoof meine Steuern bezahle und `die da oben' es doch in die eigeneTasche stecken!" Und doch wird der bodenlosen Korruption nie Einhalt geboten, wenn Christennicht auch hier wahrhaftig werden.Es ist dieselbe ethische Entscheidung, dem Gebot zu gehorchen „Du sollst nicht stehlen", egal,ob der mexikanische Präsident Salinas de Cortari Volkseigentum in Milliardenhöhe raubt und inSchweizer Privatkonten unterbringt oder ob ein Vor-sitzender eines Indianerdorfes einen Teil der Zementlieferung, die zum Bau von Stützmauern bei von Erdrutsch bedrohten Stellen der Straßevorgesehen ist, seinem Sohn zukommen lässt, weil der sich gerade sein Haus bauen will.Ob eine Gesellschaft überlebt (und das nicht auf aufgrund der Ausbeutung der Schwächeren),hängt entscheidend davon ab, ob sie die Gebote Gottes achtet, dass die schwächeren Glieder der Gesellschaft geehrt und geachtet werden (Ältere, Waisen, Witwen); dass die Ehe, dasEigentum und die Wahrhaftigkeit geschützt werden.3. WachstumsschmerzenEs fällt auf, dass bei einer Erweckung auch Widerstand auftritt. Paulus hebt hervor, sie hättendas Evangelium angenommen „in viel Drangsal mit Freude des heiligen Geistes" (Vers 6). Diese
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