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Ebook-Deutsch-Pdf Ernährung - Pollmer, Udo - Lexikon Der Populären Ernährungsirrtümer

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Wer abnimmt, tut seiner Gesundheit etwas Gutes
Gebetsmühlenhaft ermuntern, drängen, beschwören Ärzte und Ernährungs-experten mehr oder weniger dicke Zeitgenossen, ihrer Gesundheit zuliebeabzuspecken. Schließlich gilt Übergewicht als klassischer Risikofaktor für eineganze Reihe gefürchteter Zivilisationsleiden. Das »Deutsche Ärzteblatt« offerierteine lange Liste von Krankheiten, die mit Übergewicht korrelieren können:»Übergewicht und Adipositas [Fettsucht] begünstigen die Entstehungkardiovaskulärer [Herz-Kreislauf-] Risikofaktoren ... Das gehäufte Auftretenkardiovaskulärer Risikofaktoren wie Hypertonie [Bluthochdruck], Hyperiipidämie[hohe Blutfettwerte] und Diabetes mellitus [Zuckerkrankheit] erklärt die erhöhteInzidenz [das vermehrte Auftreten] arteriosklerotischer [auf Gefäßverengungenzurückzurührende] Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Außerdem istÜbergewicht mit anderen Krankheiten wie Gallensteinerkrankungen, Venenleiden,Herzinsuffizienz [Herzschwäche], degenerativen Gelenkerkrankungen [Abnutzung],Gicht und bestimmten Karzinomen [Krebs] assoziiert. Diese Begleit- und Folgeer-krankungen haben eine Verkürzung der Lebenserwartung in Abhängigkeit vonAusmaß und Dauer zur Folge.«Das klingt bedrohlich. Klar doch, daß jeder, der nicht krank werden oder garsterben will, etwas gegen seinen im übrigen unästhetischen Bauch oderReithosenspeck unternehmen sollte. Dabei wird eine ganz entscheidende Frageübersehen: Sind abgespeckte Dicke gesünder als dicke Dicke? Ganz abgesehen vonden möglichen Nebenwirkungen einer Abmagerungskur. Das Ziel »Schlankheit«scheint so positiv besetzt zu sein, daß kritische Fragen außerhalb unsererDenkgewohnheiten liegen. Deshalb wollen wir sie hier stellen.Die bekannteste Nebenwirkung des Abspeckens, mit Diäten gleich welcher Art,ist der Jo-Jo-Effekt, der mit schöner Regelmäßigkeit zu einem höheren Endgewichtführt (siehe »Diäten machen schlank«). Immerhin hat sich dieser Effekt in derGemeinde herumgesprochen. Weit seltener erfahren Diätwillige, welchschwerwiegenden gesundheitlichen Folgen das Abnehmen für sie haben kann -unabhängig davon, ob sie das mühsam errungene niedrigere Gewicht auf Dauerhalten oder nicht: Herzrhythmusstörungen bis hin zum Infarkt, Gallensteinbildung,Osteoporose und Knochenbrüche, erhöhter Harnsäurespiegel, Störungen derLeberfunktion, Störungen im Wasser- und Elektrolythaushalt, Verlust vonMuskelmasse am ganzen Körper und auch am Herzen, Diabetes, Freßattacken undEßstörungen.Stellvertretend für viele andere wissenschaftliche Untersuchungen sei dieamerikanische lowa Women's Health Study mit 35000 Teilnehmerinnen genannt.Sie belegt, daß sowohl unfreiwilliges Abnehmen (aufgrund von bestehenden
 
 Krankheiten) als auch Diäten Neuerkrankungen begünstigen. Menschen, die Diätenabsolviert hatten - egal, ob sie ihr niedrigeres Gewicht halten konnten oder nicht -,erkrankten später vermehrt an Diabetes und erlitten häufiger Herzinfarkte oderSchlaganfälle. Auch Oberschenkelhalsbrüche kamen in dieser Gruppe öfter vor. DerErnährungswissenschaftler Dr. Nicolai Worm urteilt nach einer detaillierten Analysealler bis 1998 vorliegenden Studien mit insgesamt Hunderttausenden vonTeilnehmern, daß »keine einzige davon bisher belegen konnte, daß Abnehmeneinheitlich mit einem klinisch relevanten gesundheitlichen Vorteil, das heißtverminderter Sterblichkeit, verbunden ist«.Bis heute gibt es nicht einmal einen Beweis dafür, daß Übergewichtige durchAbnehmen wenigstens ihr Herz-Kreislauf-Risiko vermindern - weswegen man ihnenmeistens zum Abspecken geraten hatte. Im Gegenteil: Häufig nimmt gerade dieSterblichkeit durch Herzinfarkt nach dem Gewichtsverlust zu. In manchen Studiensogar um 50 Prozent und mehr. Es ist dabei egal, ob das Abnehmen durch Crash-Diäten oder angebliche »Soft«- oder »Psycho«-Diäten erfolgte, ob die wohlfeilenRatschläge von Frauenzeitschriften oder Ortskrankenkassen, vonPsychologieprofessoren oder Schauspielern erteilt werden. Der Körper reagiert auf Nahrungsverknappung immer in der gleichen Weise - egal, welche Theoriedahintersteht.Der entscheidende Irrtum, um den es hier geht, ist die Verwechslung vonKorrelation mit Ursache (siehe »Wer seine Risikofaktoren senkt, beugt Krankheitenvor«). Es mag sein, daß Übergewicht einen Risikoindikator für bestimmtegesundheitliche Probleme darstellt - damit ist es aber noch lange nicht die Ursache,die es zu bekämpfen gilt. Wenn beispielsweise körperliche Trägheit eine Ursache fürden Infarkt ist (ein sogar recht wahrscheinlicher Zusammenhang), dann findet sichnatürlich auch eine Korrelation mit Übergewicht. Einfach deshalb, weil sich Dickenicht so gerne bewegen. Die Konsequenzen, die sich aus den unterschiedlichenAnnahmen ergeben, sind gravierend. Im einen Fall wäre eine Gewichtsreduktion -egal wie - das Ziel aller Interventionen. Im anderen Falle würde sportlicheBetätigung oder körperliche Arbeit den Gesundheitszustand verbessern -gleichgültig, ob der Mensch dabei abnimmt oder durch mehr Appetit noch zulegt.Angesichts der nicht ungefährlichen und nicht selten lebensbedrohlichenBegleiterscheinungen von Diäten muß die Frage erlaubt sein, ob sich der ent-sagungsvolle Kampf um die Pfunde aus medizinischer Sicht überhaupt lohnt.Vergleicht man die Gefahren von Diäten mit anderen risikoreichen Verhal-tensweisen, so lassen sie sich durchaus mit den Gefahren des Rauchens vergleichen.Deshalb fordern böse Zungen bereits, daß Frauenzeitschriften im Frühjahr stets mitdem Hinweis versehen werden sollten: »Abnehmen gefährdet Ihre Gesundheit!«— Diäten machen schlank
 
Quellen:L. Lissner, K. D. Brownell: Weight cycling, mortality, and cardiovascular disease: a review of epidemiologic findings. In: P. Björntorp, B.N. Brodoff (Eds): Obesity. New York 1992,S.653J.G. Wechsler et al.: Therapie der Adipositas. Deutsches Ärzteblatt 1996/93/S. B 1751S.A. French et al.: Relation ofweight variability and intentionality ofweight loss to diseasehistory and health-related variables in a population-based sample ofwomen aged 55-69years. American Journal ofEpidemiology 1995/142/S. 1306M.W. Schwartz, J. D. Brunzell: Regulation of body adiposity and the problem of obesity.Arteriosderosis, Thrombosis, andVascular Biology 1997 /17/S. 233

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