Es ist wichtig, klarzustellen, dass Belohnungen und Bestrafungen nicht grunds
ä
tzlich falsch sind.Sie k
ö
nnen durchaus im gew
ü
nschten Sinne wirken, etwa bei „algorithmischen“ T
ä
tigkeiten, diestark durchgeregelt oder sehr einfach sind und kaum Kreativit
ä
t verlangen. Somit hatte dieextrinsische Motivation als Grundlage von Motivationstheorien ihre Berechtigung im industriellenZeitalter, wo algorithmische Aufgaben die Regel waren. Heutzutage sind allerdings algorithmischeArbeiten entweder automatisiert, d.h. an Maschinen
ü
bertragen oder sie sind 'outgesourct' in L
ä
nder,wo einfache Arbeit zu einem Bruchteil der L
ö
hne in westlichen L
ä
Solltedennoch mal eine
ö
de T
ä
tigkeit in einer Organisation anfallen, dann ist es sehr sinnvoll eineBelohnung zu versprechen.
Außerdem sind Belohnungen nicht sch
ä
dlich, wenn sie
ü
berraschend und unangek
ü
ndigt verteiltwerden. Allein Wenn-Dann-Belohnungen, die mit dem Stellen einer Aufgabe f
ü
r den Fall ihrerErledigung ausgelobt werden, sind immer sch
ä
dlich. Grunds
ä
tzlich gilt:„
Any extrinsic reward should be unexpected and offered only after the task is complete.(…) In other words, where 'if-then' rewards are a mistake, shift to 'now that' rewards
“
.
5. Das Ziel: intrinisch motivierte Mitarbeiter
Sp
ä
testens mit dem Internetzeitalter sind die Aufgaben in
ö
ffentlichen bibliothekarischenInstitutionen alles andere als algorithmisch geworden. Sie verlangen vielmehr nach Offenheit,Kreativit
ä
t und nachhaltigem Denken. Und genau diese Anforderungen erf
ü
llen allein intrinsischmotivierte Mitarbeiter
, w
ä
hrend extrinsische Motivation – wie bereits klar geworden sein sollte – ineiner solchen Arbeitswelt nichts verloren hat. Was wir brauchen sind interessierte Menschen, dieProbleme eigenst
ä
ndig erkennen, sich L
ö
sungen
ü
berlegen und experimentieren und eigenst
ä
ndigumsetzen und die dies aus innerem Drang
tun und sich nicht auf Belohnungen von außenfokussieren.Welches ist nun die optimale Umgebung, um solch intrinsisch motiviertes Verhalten gedeihen zulassen? Pink fasst die Elemente optimaler Motivation unter drei Schlagworten zusammen:Autonomie, Meisterschaft und Zweckbestimmung
, die im Folgenden einzeln erl
ä
utert werden.
6. Die Bedingungen intrinsischer Motivation I: Autonomie
Eine wesentliche Bedingung f
ü
r intrinsisch motiviertes Verhalten ist Autonomie, die Abwesenheitvon Kontrolle
ü
ber Menschen und ihre Arbeit: „Control leads to compliance; autonomy leads toengagement.“
Menschen entwickeln zunehmende intrinsische Motivation, wenn sie
ü
ber vierDinge selbst bestimmen k
ö
nnen: ihre Aufgabe, ihre Arbeitszeit, ihre Methode und Team.
Es wirdklar, dass eine Organisation, die auf Hierarchie und Kontrolle basiert, den Bedingungen am idealen
6 Vgl. Pink (2009), S. 29f.7 Pink empfiehlt außerdem folgendes Vorgehen bei dr
ö
gen Aufgaben: 1. Erkl
ä
ren, warum die Aufgabe wichtig undnotwendig ist. 2. Anerkennen, dass die Aufgabe dr
ö
ge ist. 3. Erlauben, die Aufgabe so zu erledigen, wie manm
ö
chte. Vgl. Pink (2009), S. 64.8 Pink (2009), S. 66. Allerdings gilt es auch hier aufzupassen: Regelm
ä
ßige Belohnungen, die „
ü
berraschend“ auf dieErledigung einer Aufgabe folgen, sind irgendwann keine
Ü
berraschungen mehr, sondern gleichen nunmehr denerwarteten Belohnungen, so dass sie Schaden anrichten, anstatt zu motivieren.9 Pink bezeichnet sie als
Type I
im Gegensatz zu
Type X
, der zum Großteil von extrinsischen Faktoren getrieben wird.10 Pinks Buch heißt nicht umsonst
Drive
...11 Im Original lauten die drei Elemente:
autonomy
,
mastery
und
purpose
, vgl. Kapitel 4 bis 6.12 Pink (2009), S. 110.13 Pink (2009), S. 94 spricht von den „four T's; their
task
, their
time
, their
technique
, and their
team
“.
3
Add a Comment