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Johannes Vom Kreuz - Die Dunkle Nacht

Johannes Vom Kreuz - Die Dunkle Nacht

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Published by André Rademacher
In die dunkle Nacht beginnen die Seelen dann einzutreten, wenn Gott sie aus dem Zustand der Anfänger, die noch der diskursiven Betrachtung obliegen, herausführt und sie allmählich in den Zustand der Fortschreitenden versetzt, der Beschaulichen nämlich. Wenn sie diesen Zustand durchschritten haben, gelangen sie in den Zustand der Vollkommenen, der göttlichen Einigung der Seele mit Gott. Um nun aber besser das Wesen der Nacht zu verstehen, durch die die Seele hindurch muß, und weshalb Gott sie in diese versetzt, ist es angebracht, zunächst ein paar Eigenheiten der Anfänger
zu betrachten - was in aller Kürze geschehen soll, ihnen aber nützlich sein wird -, damit sie, die Schwächen ihres Zustands erkennend, sich aufraffen und danach verlangen, von Gott in diese Nacht versetzt zu werden, in der man erstarkt, in Tugend gefestigt wird und zum Verkosten der unschätzbaren Wonnen der Gottesliebe gelangt. Wenn wir hier ein wenig verweilen, so doch nicht länger als es zum Übergang in die Behandlung der dunklen Nacht unerlässlich ist.

Wenn eine Seele sich mit Entschiedenheit dem Dienst Gottes zuwendet, pflegt Gott sie zumeist geistlich zu umsorgen wie eine liebende Mutter ihr zartes Kind: sie wärmt es an ihrer Brust, nährt es mit süsser Milch, trägt es auf ihren Armen und herzt es. Im Maße es aber heranwächst, entzieht ihm die Mutter diese Art ihrer Pflege, entzieht ihm ihre Zärtlichkeit, bestreicht die süsse Brust mit Bitterem, läßt es von den Armen herab, um es auf eigenen Füssen stehen zu lassen, damit es die Art des Säuglings ablege und sich Wesentlicherem zuwende. Nicht anders verhält sich die Gnade Gottes, diese liebende Mutter, sobald eine Seele zu neuem Eifer im Dienste Gottes wiedergeboren wird. In allen göttlichen Dingen läßt sie die Seele mühelos wohlschmeckende geistliche Milch und vielen Trost in geistlichen Übungen finden; Gott reicht ihr, wie einem zarten Kind, die Brust seiner zärtlichen Liebe.
In die dunkle Nacht beginnen die Seelen dann einzutreten, wenn Gott sie aus dem Zustand der Anfänger, die noch der diskursiven Betrachtung obliegen, herausführt und sie allmählich in den Zustand der Fortschreitenden versetzt, der Beschaulichen nämlich. Wenn sie diesen Zustand durchschritten haben, gelangen sie in den Zustand der Vollkommenen, der göttlichen Einigung der Seele mit Gott. Um nun aber besser das Wesen der Nacht zu verstehen, durch die die Seele hindurch muß, und weshalb Gott sie in diese versetzt, ist es angebracht, zunächst ein paar Eigenheiten der Anfänger
zu betrachten - was in aller Kürze geschehen soll, ihnen aber nützlich sein wird -, damit sie, die Schwächen ihres Zustands erkennend, sich aufraffen und danach verlangen, von Gott in diese Nacht versetzt zu werden, in der man erstarkt, in Tugend gefestigt wird und zum Verkosten der unschätzbaren Wonnen der Gottesliebe gelangt. Wenn wir hier ein wenig verweilen, so doch nicht länger als es zum Übergang in die Behandlung der dunklen Nacht unerlässlich ist.

Wenn eine Seele sich mit Entschiedenheit dem Dienst Gottes zuwendet, pflegt Gott sie zumeist geistlich zu umsorgen wie eine liebende Mutter ihr zartes Kind: sie wärmt es an ihrer Brust, nährt es mit süsser Milch, trägt es auf ihren Armen und herzt es. Im Maße es aber heranwächst, entzieht ihm die Mutter diese Art ihrer Pflege, entzieht ihm ihre Zärtlichkeit, bestreicht die süsse Brust mit Bitterem, läßt es von den Armen herab, um es auf eigenen Füssen stehen zu lassen, damit es die Art des Säuglings ablege und sich Wesentlicherem zuwende. Nicht anders verhält sich die Gnade Gottes, diese liebende Mutter, sobald eine Seele zu neuem Eifer im Dienste Gottes wiedergeboren wird. In allen göttlichen Dingen läßt sie die Seele mühelos wohlschmeckende geistliche Milch und vielen Trost in geistlichen Übungen finden; Gott reicht ihr, wie einem zarten Kind, die Brust seiner zärtlichen Liebe.

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1
 JOHANNES VOM EUZDIE
DUNLE NACH
DIE
GEDICHE
 JOHANNES VELAG EINSIEDELN
 
2
Die dunkle Nach» wurde ür die 2. Auage überragen vonHans Urs von Balhasar, die Gediche von Cornelia Capol, und durchgesehen von H. Leopold Davi5. Auage 2003© Johannes Verlag Einsiedeln, Freiburg Alle eche vorbehalenDruck: Freiburger Graphische BeriebeISBN 389411 149
 
3
INHALDIE DUNLE NACH Vorbemerkung 7Gesänge der Seele 8Beginn der Erklärung der Srophen über das Verhalen der Seele au dem Wegder Liebeseinigung mi Got 10ESES BUCHDie dunkle Nach der Sinne1. SropheErklärung1. Beginn der Abhandlung über die Unvollkommenheien der Anänge 122. Einige geisliche Unvollkommenheien, welche Anängern bezüglich des Solzes anhaen 133. Unvollkommenheien, die eliche Anänger bezüglich deszweien Hauplasers, der geislichen Habsuch, zu haben pegen 154. Andere Unvollkommenheien, wie sie die Anänger bezüglich des dritenHauplasers, der Unkeuschhei, zu haben pegen 165. Unvollkommenheien der Anänger beres der Haupsünde des Zorne 186. Unvollkommenheien bezüglich der geislichen Genusssuch197. Unvollkommenheien beres Neid und geisliche räghei 218. Erklärung des ersen Verses der ersen Srophe und Beginnder Abhandlung über die dunkle Nach229. Zeichen, woran man erkennen kann, daß ein geislicherMensch au dem Weg dieser Nach und sinnlicher Läuerung wandel 2410. Wie man sich in dieser dunklen Nachzu verhalen ha 2611. Deuung dreier Verse der Srophe 2812. Von den Vorzügen der sinnlichen Nach 3013. Weiere Vorzüge, die die Nach der Sinne in der Seele erzeug 3214. Deuung des lezen Verses der ersen Srophe 35

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