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Helmut Diewald - Deutschland Und Seine Ostgebiete

Helmut Diewald - Deutschland Und Seine Ostgebiete

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05/03/2013

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 Deutschland und seineOstgebiete 1991Prof. Dr. Hellmut DiwaldWürzburgVortrag von Prof. Dr. Hellmut Diwald, Würzburg, aus Anlaß der 40 -jährigenGedenkveranstaltung der Gründung der Landsmannschaft Schlesien,Kreisgruppe Bonn am 20.04.1991 in Bonn, Hotel ResidenceGedenkstunden von der Art, wie sie hier und heute von unsbegangen werden, sind in der Regel auch Feierstunden. Deshalb verbindetsich mit ihnen auch ein gewisser Anspruch auf einen stolzen Rückblick -wenigstens ein Mindestmaß davon - auf eine Bilanz der erfreulichenLeistungen, die im Lauf der Jahrzehnte vollbracht worden sind. Würde mandie Arbeit und das Wirken der Kreisgruppe Bonn der "LandsmannschaftSchlesien" seit ihrer Gründung vor 40 Jahren, am 18. April 1951, fürsich allein betrachten, dann wäre es leicht, an dieser Gedenkstunde alsan einem würdigen, ja als an einem stolzen Ereignis teilzunehmen.Gewissermaßen zufrieden im Glanz des Geleisteten zurückgelehnt, dieAtmosphäre in diesem eindrucksvollen Saal genießend und sich mehr oderweniger sichtbar gegenseitig die Schultern klopfend.Es gibt keinen Zweifel daran, daß ein wohlbegründetes Rechtdazu bestehen würde, die heutige Gedenkveranstaltung auf diese Weise zubegehen und auch meine eigene Rede dementsprechend auszurichten. Zueinem Gutteil wird selbstverständlich von der Bedeutung der Arbeit der"Landsmannschaft Schlesien" zu sprechen sein, nicht zuletzt imZusammenhang mit dem Wirken sämtlicher Landsmannschaften derVertriebenen. In einem weiteren Sinn steht freilich das Schicksal dervertriebenen deutschen Volksgruppen im Zentrum dieser Bilanz, zu der wirdas Recht haben und ebenso die Pflicht, selbst wenn das Gesamtergebnisbeträchtlich hinter den Erwartungen zurückbleibt, welche die Vertriebenennicht nur hatten, sondern auch haben durften. Denn gerade das wurdeihnen mehr als einmal offiziell bescheinigt.Uns ist mit bitterster Schärfe bewußt, daß statt einesJubiläumsjubels tiefe Resignation und Enttäuschung am Platz zu seinscheint. Ich formuliere das hoffentlich behutsam genug und mit allenVorbehalten, denn die Enttäuschung über die Art, wie auf die deutschenOstgebiete offiziell verzichtet wurde, rechtfertigt keine Resignation,sondern verlangt das Gegenteil. Auf jeden Fall aber herrscht bei unsVertriebenen eine völlig andere Grundstimmung, als es noch vor wenigenJahren der Fall war. Wer dies nicht wahrhaben will, lügt sich selbstetwas vor.Wer den großen Rahmen der letzten vier Jahrzehnte und dieGesamtlage der Vertriebenen samt dem territorialen Status ihrerHeimatgebiete nach der Zusammenführung West- und Mitteldeutschlands undden Verzicht der Bundesregierung auf die deutschen Ostgebiete zu einerpolitisch erledigten Sache erklärt, der stuft die Schlesier, Ostpreußen,
 
Sudetendeutschen und die Arbeit ihrer Landsmannschaften herab zu ebensobeliebigen wie farbenfrohen Trachten- und Gesangvereinen, zu exotischerFolklore.Dies aber, meine Damen und Herren, würde die Dinge auf denKopf stellen, ja nicht nur das, es würde wieder einmal der Heuchelei, dempolitischen Als-ob, der Doppelzüngigkeit und der glatten Lüge Vorschubleisten.Seit dem Aufstand unserer Landsleute in der ehemaligen DDR,seit dem 9. November 1989 und ebenso seit dem 3. Oktober 1990 hat sich inDeutschland und Europa mehr ereignet, als wir zur Zeit in der Lage sind,abzuschätzen. Es fällt schwer, das ganze Ausmaß der Veränderungen zubegreifen und die Konsequenzen für uns Deutsche und für die neueSituation in Europa zu beurteilen. Die beiden Daten, die ich genannthabe - also der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 und derZusammenschluß West- und Mitteldeutschlands am 3. Oktober 1990 -unterscheiden sich allerdings fundamental voneinander. Das erste Datumwar ein Tag des Triumphes, der hemmungslosen Freude, des Jubels und einesÜberschwangs, der sich tausendfach nicht anders hat Ausdruck verschaffenkönnen als in Tränen. Am 9. November 1989 haben selbst Leute vor Freudegeweint, denen jahrelang das Wort "Deutschland" nicht über die Lippengekommen ist.Ganz anders dagegen der 3. Oktober 1990, der als Tag derWiedervereinigung, der Wiederherstellung Deutschlands ausgegeben wird.War er das tatsächlich? Hat es sich um jenes Deutschland gehandelt, vondem das Bonner Grundgesetz spricht? Jenes Deutschland, über dessenStatus mehrfache Urteile des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhevorliegen? Davon kann keine Rede sein.Von den verantwortlichen Politikern, die an den Zwei-plus-vier-Gesprächen des Jahres 1990 beteiligt waren und dieser Regelungzugestimmt haben, ist mehrfach und in unterschiedlicher Offenheitangedeutet worden, daß ihnen keine andere Wahl geblieben sei, als sichden Vorschlägen der Sieger von 1945 zu beugen. Die Amerikaner, Russen,Engländer und Franzosen hätten sich auf die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze festgelegt; das wäre nicht zu ändern gewesen.Um es in aller Kürze auszudrücken: Das Problem läuft daraufhinaus, daß die Sieger von 1945 der Vereinigung West- undMitteldeutschlands nicht zugestimmt, sie also nicht erlaubt hätten, wenndie Bundesregierung und die Regierungsvertreter der damals nochbestehenden DDR nicht bereit gewesen wären, auf die deutschen Gebiete imOsten zu verzichten und sie Polen und Rußland zu überlassen.Bundeskanzler Kohl hatte schon auf dem Landesparteitag der Schleswig-Holsteinischen CDU in Neumünster im Juni 1990, also noch vor derunterzeichneten Vereinbarung nach den Zwei-plus-vier-Gesprächen,festgestellt: Ost und West würden einhellig die völkerrechtlicheAnerkennung der Oder-Neiße-Linie als polnische Westgrenze verlangen, undzwar als Voraussetzung für die deutsche Einheit. Ebenso bezeichneteFinanzminister Theo Waigel wörtlich die "Anerkennung der Oder-Neiße-Linieals bitteren Preis für die deutsche Einheit".Der Fraktionsvorsitzende Alfred Dregger erklärte auf eineFrage, ob das Junktim: Einigung gegen Abtretung der Ostgebiete nicht eine
 
glatte Erpressung gewesen sei, mit entwaffnender Knappheit: "EineErpressung, jawohl, aber in der Politik ist das so!". Herr Dr. Dreggermag damit etwas Zutreffendes gesagt haben. Aber nicht weniger zu Rechtbesteht die Frage, ob das in der Politik, vor allem in diesem Fall,wirklich hat so sein müssen. Denn was von erpreßten Verträgen zu haltenist, darauf gibt das geltende Völkerrecht eine unmißverständlicheAntwort: Solche Verträge sind nach der "Wiener Vertragsrechts-Konvention"vom 23. Mai 1969, Artikel 52 bzw. 53 von vornherein nichtig.Besonders bewegende Worte der Rechtfertigung diesesHandelsgeschäfts Anerkennung der Oder-Neiße-Linie gegen Vereinigung West-und Mitteldeutschlands, hat Günter Diehl, der ehemalige Chef des Presse-und Informationsamtes der Bundesregierung gefunden. Er meinte: "Wirhaben uns entschieden. Der Verzicht auf die deutschen Ostgebiete hatseine Bedeutung und seinen Sinn, weil er als Opfer auf dem Altar derdeutschen Einheit und als Morgengabe für die europäische Friedensordnungdargebracht wird."Streichen wir einmal das Pathos: Schon seit der Zeit dersozialliberalen Koalition in den 70er Jahren haben die USA, England undFrankreich, die als NATO-Partner von uns als westliche Freunde bezeichnetworden sind, die Linie der polnischen und russischen Politik in derGrenzfrage eingeschlagen.Sie haben ständig darauf gedrängt, und zwar "entgegen früherenAbsprachen", noch vor der Möglichkeit des Abschlusses einesFriedensvertrages vorab den Anspruch und das Recht auf die Ostgebieteaufzugeben. Das aber heißt mit nüchternen Worten: Auf die deutschenPolitiker wurde Druck ausgeübt, und sie haben sich schließlich diesemDruck gebeugt. Später nachgeschobene Behauptungen, wie sie etwaAußenminister Genscher im November 1990 in Warschau getan hat, daß essich bei der Abtretung der Ostgebiete um eine "freiwillige deutscheEntscheidung" gehandelt habe, die Deutschland nicht aufgezwungen wordensei, widersprechen vollständig den wiederholten Hinweisen, daß es sich umein Tauschgeschäft im Zeichen der Nötigung, der Erpressung gehandelt hat.Noch ein Wort, um die schöne Bemerkung Herrn Diehls von dem"Opfer auf dem Altar der deutschen Einheit" in die richtige Perspektivezu rücken: Haben die Bonner Politiker dieses Opfer gebracht? Oder habensie es den wirklich Betroffenen, den Vertriebenen, einfach auferlegt?Wer von diesen Politikern wurde mit seiner Familie aus der Heimatvertrieben? Man fragt sich zu Recht, welches Maß an politisch-sittlicherGröße dazu gehört, das Opfer, das man anderen ungefragt auferlegt, alseigenes Opfer auszugeben. Um dann auch noch zu beteuern, wie sehr manunter einem solchen Opfer leiden würde.Sehen wir einmal von der kaum kaschierten Heuchelei solcherBeteuerungen ab: Niemand kann daran zweifeln, daß sich unsere Politikerzum Verzicht auf die Ostgebiete haben nötigen lassen. Sie sind erpreßtworden, sie haben sich erpressen lassen. Noch haben wir keinen Zugang zuden Protokollen der Zwei-plus-vier-Gespräche. Doch sobald dies der Fallist, wird sich diese Tatsache dokumentieren lassen. Verträge aber, zuderen Unterzeichnung einer der Vertragspartner genötigt wurde oder dieden Grundsätzen des allgemeinen Völkerrechts widersprechen, sind, wieschon gesagt, von vornherein nichtig.

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