Mit dem Passivhaus in eine nachhaltige Zukunft
Dr. Wolfgang Feist, Passivhaus Institut, Rheinstr. 44/46, 64283 DarmstadtBeitrag auf der 6. Passivhaustagung in Basel 2002(
mit Fußnoten von 2010
)
Nachhaltigkeit
Über Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahren viel geschrieben worden. Im Kern geht es umeine räumliche wie zeitliche Horizonterweiterung für den kategorischen Imperativ ImmanuelKants:„
Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“
Wenden wir dies auf die Welt von heute und insbesondere auf die unserer Kinder undKindeskinder an, so ist Nachhaltigkeit die Konsequenz: Voraussichtlich 10 bis 12 MilliardenMenschen werden diesen Planeten schon zur Mitte des 21. Jhds. bewohnen; wenn wirerfolgreich sind mit einer Politik der Nachhaltigkeit, so werden es später auch nichtwesentlich mehr werden.
Lebensraum im engeren und im übertragenen Sinn bietet die Erdeohne weiteres für diese große Zahl von Menschen. Auch Nahrung, Kleidung und das „Dachüber dem Kopf“ müssen im Grundsatz kein Problem darstellen, auch wenn sie das in derGeschichte und bis heute immer wieder waren.
Lebenswert empfinden wir das Daseinregelmäßig aber erst dann, wenn die Segnungen des täglichen Lebens über dieunverzichtbaren Grundbedürfnisse hinausgehen. Das als Segen empfundene Erleben kanndabei sehr unterschiedlicher Natur sein; nicht allein der materielle Wohlstand machtglücklich, auch wenn dies das überwiegende Glaubensbekenntnis in unserer vom Kapital-umsatz geprägten Zeit ist. Ganz entscheidend ist dabei, daß den Menschen ihr jeweilsureigenster Weg zum Glück selbst überlassen bleibt; nichts ruft größere Widerstände hervor,als die Fremdbestimmung. Die Grenzen der Entfaltung für das eigene Glück liegen allein imRespekt vor dem gleichen Recht des anderen – möglicherweise erst künftig geborenen –Menschen.Wie wir von gläubigen Christen, Moslems oder Buddhisten erwarten, daß sie die Rechte derAndersgläubigen (und auch der Ungläubigen!) respektieren, so erwarten wir auch vomwohlstandsgläubigen Materialisten, daß er die Rechte anderer berücksichtigt – insbesonderedie der künftigen Generationen, die sich gleichfalls einen bescheidenen materiellenWohnstand sollten leisten können. Schon sind wir bei einer operationalisierbaren Definitionfür den Begriff der Nachhaltigkeit:
„Nachhaltiges Wirtschaften kann dauerhaft in der Zukunft fortgesetzt werden, ohne daß bedeutende Nachteile für Mitwelt, Umwelt und Nachwelt entstehen.“
1
WF 2010: Die Bevölkerungspolitik war überall dort erfolgreich, wo auf Bildung und die Beteiligungder Menschen gesetzt wurde. Das „Bevölkerungsproblem“ als globales Problem existiert heute nichtmehr – es gibt allerdings noch Regionen, in denen durch Korruption, ideologische Fehlleitung undAusbeutung regionale Probleme fortbestehen.
2
WF 2010: Eine andere Sicht ist teilweise noch verbreitet. Sie entbehrt aber fundierter Grundlagen.Der Planet könnte auch 12 Mrd Menschen ernähern, wenn er umsichtig, nachhaltig und natürlich mitangepasster Technologie bewirtschaftet wird – und mehr als 10 Mrd müssen es nicht werden, wennes mit Vernunft weiter geht.