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Passivhaus NACHHALTIGE Zukunft WFeist Ed2010

Passivhaus NACHHALTIGE Zukunft WFeist Ed2010

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Published by Wolfgang Feist
"Mit dem Passivhaus in eine nachhaltige Zukunft" war der Titel meines Vortrages auf der 6. Passivhaustagung in Basel. Neben einer Klarstellung des Begriffs Nachhaltigkeit wird insbesondere durch die jüngste historischen Entwicklung deutlich, wie wichtig das Energiethema ist, nicht nur für den Klimaschutz. Die vorherrschenden Strategien der Entwicklung im vergangen Jahrzehnt war der Versuch, die konventionelle Energiestruktur (notfalls mit Gewalt) zu sichern. Das kann als auf breiter Front gescheitert erkannt werden (nicht nur, dass die Kriege deutlich mehr Ressourcen kosten, als sie zur Sicherheit beitragen; auch: der Klimawandel ist ungebremst, die Weltwirtschaft kämpft mit den selbst geschaffenen Problemen, "oil spill" and andere Gefahren der konventionellen Technik sind überdeutlich). Das sehen interessanterweise sehr viele andere Diskussionspartner auch so, auch wenn sie dann völlig andere Konsequenzen ziehen und Entscheidungen treffen (z.B. Bill Gates).
"Mit dem Passivhaus in eine nachhaltige Zukunft" war der Titel meines Vortrages auf der 6. Passivhaustagung in Basel. Neben einer Klarstellung des Begriffs Nachhaltigkeit wird insbesondere durch die jüngste historischen Entwicklung deutlich, wie wichtig das Energiethema ist, nicht nur für den Klimaschutz. Die vorherrschenden Strategien der Entwicklung im vergangen Jahrzehnt war der Versuch, die konventionelle Energiestruktur (notfalls mit Gewalt) zu sichern. Das kann als auf breiter Front gescheitert erkannt werden (nicht nur, dass die Kriege deutlich mehr Ressourcen kosten, als sie zur Sicherheit beitragen; auch: der Klimawandel ist ungebremst, die Weltwirtschaft kämpft mit den selbst geschaffenen Problemen, "oil spill" and andere Gefahren der konventionellen Technik sind überdeutlich). Das sehen interessanterweise sehr viele andere Diskussionspartner auch so, auch wenn sie dann völlig andere Konsequenzen ziehen und Entscheidungen treffen (z.B. Bill Gates).

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Published by: Wolfgang Feist on May 10, 2010
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Mit dem Passivhaus in eine nachhaltige Zukunft
Dr. Wolfgang Feist, Passivhaus Institut, Rheinstr. 44/46, 64283 DarmstadtBeitrag auf der 6. Passivhaustagung in Basel 2002(
mit Fußnoten von 2010 
)
Nachhaltigkeit
Über Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahren viel geschrieben worden. Im Kern geht es umeine räumliche wie zeitliche Horizonterweiterung für den kategorischen Imperativ ImmanuelKants:
Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“ 
Wenden wir dies auf die Welt von heute und insbesondere auf die unserer Kinder undKindeskinder an, so ist Nachhaltigkeit die Konsequenz: Voraussichtlich 10 bis 12 MilliardenMenschen werden diesen Planeten schon zur Mitte des 21. Jhds. bewohnen; wenn wirerfolgreich sind mit einer Politik der Nachhaltigkeit, so werden es später auch nichtwesentlich mehr werden.
1
Lebensraum im engeren und im übertragenen Sinn bietet die Erdeohne weiteres für diese große Zahl von Menschen. Auch Nahrung, Kleidung und das „Dachüber dem Kopf“ müssen im Grundsatz kein Problem darstellen, auch wenn sie das in derGeschichte und bis heute immer wieder waren.
2
Lebenswert empfinden wir das Daseinregelmäßig aber erst dann, wenn die Segnungen des täglichen Lebens über dieunverzichtbaren Grundbedürfnisse hinausgehen. Das als Segen empfundene Erleben kanndabei sehr unterschiedlicher Natur sein; nicht allein der materielle Wohlstand machtglücklich, auch wenn dies das überwiegende Glaubensbekenntnis in unserer vom Kapital-umsatz geprägten Zeit ist. Ganz entscheidend ist dabei, daß den Menschen ihr jeweilsureigenster Weg zum Glück selbst überlassen bleibt; nichts ruft größere Widerstände hervor,als die Fremdbestimmung. Die Grenzen der Entfaltung für das eigene Glück liegen allein imRespekt vor dem gleichen Recht des anderen – möglicherweise erst künftig geborenen –Menschen.Wie wir von gläubigen Christen, Moslems oder Buddhisten erwarten, daß sie die Rechte derAndersgläubigen (und auch der Ungläubigen!) respektieren, so erwarten wir auch vomwohlstandsgläubigen Materialisten, daß er die Rechte anderer berücksichtigt – insbesonderedie der künftigen Generationen, die sich gleichfalls einen bescheidenen materiellenWohnstand sollten leisten können. Schon sind wir bei einer operationalisierbaren Definitionfür den Begriff der Nachhaltigkeit:
„Nachhaltiges Wirtschaften kann dauerhaft in der Zukunft fortgesetzt werden, ohne daß bedeutende Nachteile für Mitwelt, Umwelt und Nachwelt entstehen.“ 
1
WF 2010: Die Bevölkerungspolitik war überall dort erfolgreich, wo auf Bildung und die Beteiligungder Menschen gesetzt wurde. Das „Bevölkerungsproblem“ als globales Problem existiert heute nichtmehr – es gibt allerdings noch Regionen, in denen durch Korruption, ideologische Fehlleitung undAusbeutung regionale Probleme fortbestehen.
2
WF 2010: Eine andere Sicht ist teilweise noch verbreitet. Sie entbehrt aber fundierter Grundlagen.Der Planet könnte auch 12 Mrd Menschen ernähern, wenn er umsichtig, nachhaltig und natürlich mitangepasster Technologie bewirtschaftet wird – und mehr als 10 Mrd müssen es nicht werden, wennes mit Vernunft weiter geht.
 
Wir können nicht leugnen, daß unser derzeit praktiziertes Wirtschaften ziemlich weit vonNachhaltigkeit entfernt ist. Im Kurzschluß gedacht könnte man es daher als nicht mit demKant´schen Imperativ vereinbar ansehen: Wir würden dann permanent unmoralisch handeln,ein Vorwurf, wie er von den Pionieren der Humanökologie immer wieder erhoben wurde.Nach dieser Auffassung müßten wir schnellstmöglich das Büßergewand anziehen, Abbitteleisten und umkehren; eine Auffassung, die nicht so neu ist, wie sie zunächst erscheint. DemAufruf zur Askese sind historisch immer wieder Menschen gefolgt; ebenso kräftig aber ist derWiderstand gegen die Begrenzung und das Aufbegehren gegen die Prediger derEnthaltsamkeit.Das moralisch Verwerfliche an der Lebensform des materiell geprägten Wohlstandes vermagich nicht zu erkennen: Worauf es ankommt, das sind die Perspektive für die Nachhaltigkeitund die Toleranz anderen Lebenszielen gegenüber.Am Beispiel Energie lassen sich Problem und Perspektive besonders gut heraus arbeiten.Oft kommt an dieser Stelle der Vorwurf, hier handle es sich um
eine allein auf einen kleinen Teilaspekt verengte Weltsicht 
: „immer nur Energie“. Ich werde zeigen, daß es sich hier nichtum die Scheuklappen eines Spezialisten handelt, sondern tatsächlich um das entscheidendeGrundproblem: Das wird im übrigen insbesondere von der konventionellen Energiewirtschaftso gesehen und ist von dort her bedeutende Triebkraft für die gesamte Politik, ja für Kriegoder Frieden in der Welt
3
. Selbst wenn die Bedeutung der Energieversorgung so hoch nichtwäre, gewänne sie diese Bedeutung allein dadurch, daß die Mächtigen der Welt sie ihrzuschreiben. Sie tun dies nicht ohne Grund, wie die Spannungen und Proteste zeigen, die jeder kleinen Bewegung zu höheren Benzinpreisen folgen.
Energie: das entscheidende Grundproblem
Die technische Zivilisation beruht in ihren Grundfesten auf dem aktiven Einsatz von Energie.Das ist bei der Verwurzelung der modernen Wirtschaft in der industriellen Revolution keinWunder, begründet sich jedoch viel grundsätzlicher im Veränderungspotential, das diephysikalische Größe „Energie“ beinhaltet. Ich habe diesen Zusammenhang in meinemSchlußbeitrag zur 5. Passivhaus-Tagung bereits erklärt: Der Energieoperator(Hamiltonoperator) formuliert das Gesetz der zeitlichen Entwicklung; mit viel verfügbarerEnergie kann aktiv zu jeder Zeit und an jedem Ort nahezu jedes denkbare
(und physikalisch mögliche 
 )
Ereignis erzwungen werden. Damit wird Energie tatsächlich zur Schlüsselgrößefür die Zukunftsentwicklung und sie ist auch (ebenso trivial wie offensichtlich) derentscheidende Schlüssel zur Macht. Dies mag man bewerten wie man will – an der Kraft desFaktischen geht hier kein Weg vorbei.Ein „Problem“ resultiert hieraus vor allem dann, wenn die Verfügbarkeit von Energie künftigaus dem einen oder anderen Grund begrenzt ist. Nach allem, was wir heute wissen, müssenwir genau davon ausgehen. Genau genommen ist nicht die Verfügbarkeit der technischgewinnbaren Energie begrenzt (jedenfalls nicht in relevanten Zeiträumen), sondern die von
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WF2010: Ein aktuelles Beispiel ist die Rede von Bill Gates in TED2010 überEnergie. Einfundamentaler Irrtum dort ist, dass es nicht auf exakt „Null“ gehen muss. 10% sind „praktisch Null“ inHinsicht auf Nachhaltigkeit. Das ändert das ganze Bild – nichts desto weniger, die Wíchtigkeit desEnergieproblems wird deutlich.
4
 
Korrektur WF2010 
 
 
einigermaßen kostengünstig gewinnbarer Energie
5
. Hier waren und sind wir durch die leichthebbaren, leicht verarbeitbaren und ebenso leicht speicherbaren fossilen Energieträgerverwöhnt. So einfach, billig und in kurzfristig nahezu beliebigen Mengen verfügbar wie Öl,Erdgas oder Kohle wird keiner der künftig zu verwendenden Energieträger mehr sein – völligunabhängig davon, ob wir das Heil künftig bei Ölsänden, Kernfusion oder Sonnenenergiesuchen. Nachhaltig ist die extensive Verwendung der fossilen Energieträger aber sichernicht. Es muß also eine Lösung für „die Zeit danach“ gefunden werden, und diese Lösungmuß noch in diesem Jahrhundert greifen.
Die konventionellen Energie-Szenarien
Sehr gut illustrieren läßt sich die Problematik, wenn man von den konventionellen Energie-Szenarien ausgeht. Eine aktuelle Publikation hierzu ist der IEA-Welt-Energie-Ausblick [IEA2001]. Die Basisargumentation dieser Arbeit ist folgende:
Um die Ungerechtigkeiten in der Welt zumindest nicht zu verschärft auftreten zulassen, ist ein wirtschaftliches Wachstum weltweit unverzichtbar.
Nach den Analysen der Zusammenhänge zwischen Bruttoinlandsprodukt undEnergiebedarf ist damit ein Wachstum des Energiebedarfs vorgezeichnet.
Voraussetzung dafür ist die Verfügbarkeit von ausreichend kostengünstigenPrimärenergieträgern. Diese Voraussetzung ist allerdings in den nächsten 20Jahren problemlos (?) erfüllt.Bisher eingeleitete Maßnahmen der IEA-Mitgliedsländer zur Bereitstellung von erneuerbarenEnergieträgern und zur rationellen Energienutzung werden in das Szenario übernommen;diese Maßnahmen haben allerdings keinen grundsätzlichen Einfluß auf das Ergebnis.Im Ergebnis führt das Referenzszenario auf eine Zunahme des Welt-Primärenergiebedarfsbis 2020 um ca. 50%.
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 Die zusätzlich gegenüber heute benötigte Energie muß vor allem aus Erdöl und aus Quellenim Nahen Osten gewonnen werden.Keine Frage, das diese Prognose keine Begeisterung auslöst. Die Botschaft lautet eindeutig:Wenn die Gemeinschaft es so nicht will, dann bedarf es eines grundsätzlich verändertenHandelns.Die Argumentation erscheint im Grundsatz korrekt. Vielleicht wird das wirtschaftlicheWachstum zu optimistisch eingeschätzt und die bisherigen Ansätze zur besseren Effizienzetwas zu pessimistisch. Ein vom Passivhaus Institut entsprechend modifiziertes
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Umstritten ist nur der Zeitraum, bis zu dem dies relevant wird. Währen Peak-Oil-Vertreter diesenteilweise schon als gekommen ansehen, gibt uns die IEA noch 10 bis 20 Jahre – ernst zu nehmendewissenschaftlich fundierte Szenarien vielleicht noch 50 Jahre. Das sind aber alles extrem kurzeZeiträume – mit Nachhaltigkeit haben sie alle nichts mehr zu tun.
6
WF 2010: Die Prognose der IEA für das Referenzszenario hat sich seither nicht entscheidendgeändert – und die reale Entwicklung verläuft erschreckend nahe an dieser Prognose. Allerdings hatdie IEA nun selbst genau dies sehr klar erkannt und herausgearbeitet: „
Dieser Pfad ist nicht nachhaltig!“ 
Wir müssen und können ihn ändern und die IEA empfiehlt uns heute Alternativen, diedenen aus diesem Referat sehr nahe kommen.

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