An die chinesischen KommilitonInnen,
in letzter Zeit ist die Volksrepublik China vermehrt in den deutschen Medien Thema. Zumeinen durch das schlimme Erdbeben, zum anderen wegen der rasant wachsenden Wirtschaft,Olympia und in diesem Zusammenhang auch Tibet. Wir von der „Linken Liste.SDS“sprechen unser Mitgefühl für alle Verletzen und Hinterbliebenen aus, die Verwandte,Bekannte und lieb gewonnene Menschen verloren haben und die trauern. Der Anlass unseresSchreibens ist aber ein anderer und muss neben dem schlimmen Erdbeben ebenfallsangesprochen werden.
Der Umgang der deutschen Presse
Medien sind meinungsbildend. In modernen Gesellschaften kann nicht jeder alleswahrnehmen. Die Dorfgemeinschaft, in der Neuigkeiten noch von Mund zu Mund weitergetragen worden sind, findet in den Mediengesellschaften ihre Grenzen. Informationenwerden gebündelt, selektiert und an ein Massenpublikum weiter getragen - meistens mitfinanziellen Interessen. Das Interesse besteht darin, spektakulär zu informieren, denn nur wasspektakulär ist, wird auch wahrgenommen und lässt sich gut verkaufen.Dieses finanzielle Interesse steht allerdings in einem Widerspruch zu einem anderenGrundsatz der westlichen Modernen, nämlich die Wahrheit zu berichten und durch dieNachrichten den Menschen anzuleiten sich ein objektives Bild von der Realität zu machen.Dahinter steckt der Gedanke der Aufklärung als ein Prozess der in Westeuropa mit derFranzösischen Revolution von 1789 ihren Anfang genommen hat und bis heute andauert.Die Aufklärung (ein anderes Wort ist Emanzipation oder emanzipatorisch) sagt im Grunde,dass der Mensch sich in einer selbstverschuldeten Unmündigkeit befindet. DieseUnmündigkeit wird als etwas Negatives empfunden und gilt daher seit über 200 Jahren alsetwas, dass man überwinden sollte.Der Kantische Leitspruch,
Sapere aude
, habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zubedienen! zielt genau auf den Kern des Gedankens der Aufklärung, wenn er das einzelneIndividuum anspricht, das den Mut aufbringen soll, selbst alles zu prüfen was an ihnherangetragen wird und abzuwägen ob dies Sinn macht oder nicht.Dies setzt voraus, dass man die Informationen die man bekommt einer kritischen Prüfungunterzieht. Das setzt aber auch voraus, dass die Öffentlichkeit umfängliche Informationenbekommt, ein Thema von allen Seiten betrachtet, und damit, wenn das überhaupt geht, einobjektives Bild von Tatsachen bekommt. Hier haben wir allerdings erhebliche Zweifel, ob diekapitalistischen Massenmedien dazu in der Lage sind.Zum einen spricht das finanzielle Interesse an schnellen plakativen Formulierungen und eineauf das Spektakel ausgerichtete „Wissensverbreitung“ dagegen. Auf der anderen Seite istWissen immer auch in Machtstrukturen eingebunden. Es kann nicht jeder alles sagen, bzw.verfügt nicht über die Massenverbreitung wie dies Massenmedien tun. Wissen und der Kampf um Wissen, was die Definitionsgewalt von Worten und Inhalten einschließt, sindAushandlungsprozesse und nicht zuletzt auf Kämpfe um dessen Deutungshoheit zurück zuführen. Damit aber unterläuft auch das Wissen die Ideale der Aufklärung, nämlich wahresWissen zur Verfügung zu stellen.
Kollektivsymbole und Ressentiments
Kollektivsymbole sind solche Symbole die in die Umgangsprache Eingang gefunden habenund mit denen verkürzt in bildhafter Sprache Sachverhalte ausgedrückt werden. Durch die
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