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Grenztruppen der DDR
Flagge der Grenzbrigade Küste

Die Grenztruppen der DDR wurden wegen alliierter Verträge zunächst als paramilitärische Polizeieinheit zur Überwachung der Außengrenzen der DDR am 1. Dezember 1946 unter der Bezeichnung Deutsche Grenzpolizei aufgestellt. Von 1961 bis 1973 waren die Grenztruppen offizieller Bestandteil der NVA, danach galten sie – zumindest formal – als eigenständig. Den Grenztruppen gehörten zum Zeitpunkt der Wende 47.000 Personen an. Der weitaus größte Teil der Truppen diente der Bewachung der deutsch- deutschen Grenze zur Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West). Es ist bis heute umstritten, wie viele Menschen bei dem Versuch, die Grenze illegal zu überwinden, ums Leben gekommen sind. Die Arbeitsgemeinschaft 13. August nennt 1200 Todesopfer, die Berliner Staatsanwaltschaft kann 125 Todesfälle nachweisen, weitere 85 werden untersucht. Vergleichsweise geringe Kräfte kontrollierten die Oder-Neiße-Grenze nach Polen und die Grenze zur ČSSR. Eine Sonderstellung nahm die 6. Grenzbrigade Küste zur Sicherung der Seegrenze an der Ostsee ein, die organisatorisch der Volksmarine angehörte.

Auftrag
Nach außen: Sicherung der territorialen Integrität der Deutschen Demokratischen Republik.
Nach innen: Vorbeugung, Aufklärung und Verhinderung von nach DDR-Recht illegalen Grenzdurchbrüchen
(Grenztruppen-Diktion für den DDR-Straftatbestand Republikflucht).
Organisation

Die Grenztruppen gehörten als Deutsche Grenzpolizei zunächst zum Ministerium des Inneren und ab 1956 mit der Gründung der NVA als Teilstreitkraft zum Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV). Von 1961 bis 1973 waren die Grenztruppen Bestandteil der NVA. Im Zuge der KSZE-Verhandlungen in Helsinki ab dem 3. Juli 1973 und des damit verbundenen Abrüstungsprozesses wurden sie offiziell als selbstständiger Truppenteil geführt, um nicht zur Truppenstärke gezählt zu werden. Trotzdem blieben die Grenztruppen als eigenständige Waffengattung direkt dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellt. 1989 betrug die Gesamtstärke der Grenztruppen inklusive der Rückwärtigen Dienste (RD) 47.000 Mann. Eine Einberufung zu den Grenztruppen erfolgte im Rahmen der allgemeinen Wehrpflicht.[1]

Sitz des Kommandos der Grenztruppen: Pätz bei Berlin
Grenzkommando Mitte (Berliner Mauer), Berlin-Karlshorst
o
Kommandeur 1979–1990: Erich Wöllner
Grenzkommando Nord, Stendal
Grenzkommando Süd, Erfurt
6. Grenzbrigade Küste, Rostock (integriert in Volksmarine der NVA)
Grenzabschnittskommando Polen, Frankfurt (Oder)

Grenzabschnittskommando ČSSR, Pirna
An den östlichen Grenzen zu den „sozialistischen Bruderstaaten” taten nur ca. 600 Grenzsoldaten Dienst. Jedes Grenzkommando war
in mehrere Grenzregimenter und in ein bis zwei Grenzausbildungsregimenter untergliedert.

Die 6. Grenzbrigade Küste (6. GBK) nahm die Überwachung der Seegrenze und die Verhinderung von Fluchtversuchen über die
Ostsee wahr. Organisatorisch und operativ war die 6. Grenzbrigade Küste dem Kommando der Volksmarine unterstellt.
Grenztruppen und das Ministerium für Staatssicherheit

Die Besatzung der Grenzübergangsstellen (GÜSt) waren Angehörige der Hauptabteilung VI des Ministeriums für Staatssicherheit, des Zolls (der seinerseits wieder durch die HA VII kontrolliert und überwacht wurde) der DDR und wenigen Angehörigen der Grenztruppen, sowie teilweise Zivilangestellten, wie z. B. Tierarzt, Rotes Kreuz, Staatsbank, welche allesamt entweder Hauptamtliche MfS-Mitarbeiter waren oder aber IMs (gilt nur für solche, die an der GÜSt im Einsatz waren). Erstere gehörten zu als Passkontrolleinheit (PKE) bezeichneten Abteilungen und versahen ihren Dienst komplett in der Uniform der Grenztruppen, ohne ihnen jedoch anzugehören. Die Abfertigung von Personen und Waren lag außerhalb der Zuständigkeit der Grenztruppen. Durch die Sicherungskompanien (SiK) der Grenztruppen wurden die Flanken, die Grenze selbst und die rückwärtige Begrenzung der GÜSt abgesichert. Bei den Grenzübergangsstellen im Stadtgebiet von Berlin gab es, mit Ausnahme der GÜSt Friedrichstraße, diese äußere Absicherung durch Sicherungskompanien der Grenztruppen nicht. Von kleinen Sondereinheiten der Grenztruppen wurde der technische Betrieb der GÜSt realisiert, wie z. B. Reinigung, Müllabfuhr, (Strom-)Netzersatzanlage, Beleuchtung, Schranken, Ampeln usw.. Diese waren mit einer besonders hohen Prozentzahl durch Inoffizielle Mitarbeiter durchdrungen, der nochmal auf den ohnehin schon hohen 1-zu-5-Satz hinausging (bis zu 80%). Eine weitere komplett als GT-Einheit legendierte MfS-Diensteinheit war die Funkaufklärung der Grenztruppen, welche vornehmlich den westlichen Grenzbereich abhörte (Funkverkehr der NATO-Einheiten

und des Bundesgrenzschutzes). Diese Mitarbeiter waren an den drei Grenzkommandos Küste, Nord und Süd zur Bundesrepublik stationiert, gehörten vollständig der Hauptabteilung III (Funkaufklärung) an und wurden von den MfS-Bezirkverwaltungen geführt (Nord beispielsweise von der BV Magdeburg), welche auch regelmäßig die Bänder von den GT-Kommandos abholten. Insgesamt wurden die Grenztruppen von der Hauptabteilung I des MfS überwacht, sichtbar als Verwaltung 2000 oder Büro 2000 an den GT- Standorten und verdeckt mit Offizieren im besonderen Einsatz (OibE) in Schlüsselpositionen und Inoffiziellen Mitarbeitern (so genannten IMs). Die GT hatten höchste Durchdringung mit IMs aller DDR-Institutionen (Verhältnis von nahezu eins zu fünf).

Geschichte
Aufstellung
Die Grenztruppen der DDR wurden wegen alliierter Verträge zunächst als paramilitärische Polizeieinheit zur Überwachung der
Außengrenzen der DDR am 1. Dezember 1946 unter der Bezeichnung Deutsche Grenzpolizei aufgestellt.
Umstrukturierung zur Teilstreitkraft

Von 1961 bis 1973 waren die Grenztruppen offiziell Bestandteil der NVA, später nur noch faktisch. Der Einsatz bzw. die Stationierung einer deutschen militärischen Truppe in Ost-Berlin, hier der Grenztruppen an der Berliner Mauer, widersprach dem Vier-Mächte-Status der Stadt Berlin. Die 6. Grenzbrigade Küste, der die Sicherung der Seegrenze an der Ostsee oblag, war Bestandteil der Volksmarine.

Nach der „Wende“

Nach dem Mauerfall am 9. November 1989 wurden zunehmend auch Angehörige der Grenztruppen der DDR zur Passkontrolle eingesetzt, um den Ansturm an den Grenzübergangsstellen zu bewältigen. Auf Beschluss des Nationalen Verteidigungsrates der DDR (NVR) vom Juni 1989 wurden die Grenztruppen bis zum 30. November 1989 neu formiert. Mit der Umstrukturierung wurde die Anzahl der Führungsorgane von 50 auf 24 reduziert und der Personalbestand um etwa 17 Prozent verringert. An der innerdeutschen Grenze wurden die Führungsorgane von

2 Grenzkommandos,
11 Grenzregimentern,
4 Grenzausbildungsregimentern und
33 Grenzbataillonen
aufgelöst und die Führungsorgane von
6 Grenzbezirkskommandos,
16 Grenzkreiskommandos und

2 Grenzausbildungszentren
neu formiert.
Die Grenzbezirkskommandos wurden wie folgt gegliedert und disloziert:
Grenzbezirkskommando 1, Schwerin mit den 3 Grenzkreiskommandos

Grevesmühlen / Gadebusch
Hagenow
Ludwigslust
18 Grenzkompanien
2 Bootskompanien
3 Reservegrenzkompanien
Grenzbezirkskommando 2, Magdeburg mit 5 Grenzkreiskommandos
Salzwedel / Osterburg
Klötze
Haldensleben
Halberstadt / Oschersleben
Wernigerode
27 Grenzkompanien
7 Reservegrenzkompanien
Grenzbezirkskommando 3, Erfurt mit 4 Grenzkreiskommandos
Nordhausen
Worbis/Mühlhausen
Heiligenstadt
Eisenach
22 Grenzkompanien
5 Reservegrenzkompanien
Grenzbezirkskommando 4, Suhl mit 4 Grenzkreiskommandos
Bad Salzungen
Meiningen
Hildburghausen
Sonneberg / Neuhaus
29 Grenzkompanien
4 Reservegrenzkompanien
Grenzbezirkskommando 5, Gera ohne Grenzkreiskommando
8 Grenzkompanien

2 Reservegrenzkompanien
Grenzbezirkskommando 7, Karl–Marx-Stadt
ohne Grenzkreiskommando

3 Grenzkompanien
1 Reservegrenzkompanie
Die an der Staatsgrenze zur BRD dislozierten 4 Grenzausbildungsregimenter wurden zu 2 Grenzausbildungszentren umformiert:
Grenzausbildungszentrum 16, (Standorte Halberstadt und Dingelstedt)
Grenzausbildungszentrum 36, Plauen (Standorte Plauen und Eisenach)
Beide Grenzausbildungszentren waren dem Kommando der Grenztruppen direkt unterstellt, ebenso wie die:
Unteroffiziersschule der Grenztruppen der DDR „Egon Schultz“, die sich in Perleberg (Diensthundeführer-Ausbildung in
Wilhelmshorst) befand.
Ebenfalls direkt dem Kommando der Grenztruppen unterstand die von dieser Umstrukturierung nicht berührte:
Offiziershochschule der Grenztruppen „Rosa Luxemburg“ die sich in Suhl befand (bis Anfang der 80er Jahre in Plauen)
Der Grenzdienst wurde am 1. Juli 1990 offiziell eingestellt, die Grenztruppen wurden im September 1990 aufgelöst und ihre
Aufgaben an der östlichen Grenze auf den Bundesgrenzschutz (BGS), heute Bundespolizei, übertragen.
Liste der Kommandeure
Sowie Vorgänger Deutsche Grenzpolizei, im Kommando Pätz bei Berlin:
1952 Richard Smolorz
1952–1955 Hermann Gartmann
1955–1957 Heinrich Stock
1957 Hermann Gartmann
1957–1960 Paul Ludwig
1960–1979 Generaloberst Erich Peter
1979–1990 Generaloberst Klaus-Dieter Baumgarten
1990 Generalmajor Dieter Teichmann als Chef GT/Chef Grenzsicherung
Verweise
Interne Verweise
HV VI des MfS
Innerdeutsche Grenze
o
Republikflucht
o
Schießbefehl
o
Maueropfer
o
Todesfälle DDR-Grenzer
Literatur
Raimar Richard: Zwischen Mauer und Stacheldraht. Ein Grenzsoldat bricht sein Schweigen. Halle 2005, ISBN 3-86634-
010-9.
Hans Fricke: Davor – Dabei – Danach. Ein ehemaliger Kommandeur der Grenztruppen der DDR berichtet. Schkeuditz
1999, ISBN 3-932725-85-9.
Peter Joachim Lapp: Frontdienst im Frieden – Die Grenztruppen der DDR. Entwicklung-Struktur-Aufgaben. 2. Auflage.
Koblenz 1987, ISBN 3-7637-5349-4.
Peter J. Lapp: Gefechtsdienst im Frieden. Das Grenzregime der DDR 1945-1990. Bonn 1999, ISBN 3-763759-92-1.
Dietmar Schultke: Keiner kommt durch. Die Geschichte der innerdeutschen Grenze 1945–1990. Berlin 1999, ISBN 3-
746680-41-7.
Dietmar Schultke: 'Die Grenze, die uns teilte - Zeitzeugenberichte zur innerdeutschen Grenze'. Berlin 2005, ISBN 3-89574-
565-0
Volker Koop: Ausgegrenzt. Der Fall der DDR-Grenztruppen. Berlin 1996, ISBN 978-3894880644.
Klaus-Dieter Baumgarten, Peter Freitag: Die Grenzen der DDR. Geschichte, Fakten, Hintergründe. Berlin 2004, ISBN 3-
360-01057-4.
Jürgen Ritter, Peter Joachim Lapp: Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk. 6. Auflage. Berlin 2007, ISBN 978-3-86153-465-
5.
Gerhard R.Lehmann: … allzeit treu zu dienen – Erinnerungen und Gedanken aus vierzig Dienstjahren in Grenzpolizei und
Grenztruppe der DDR. 1. Auflage. ISBN 978-3-939465-00-3
Hans-Dieter Behrendt Guten Tag, Passkontrolle der DDR Über die Tätigkeit der Kontroll- und Sicherungsorgane an der
innerdeutschen Grenze 1945 und 1990 GNN Schkeuditz 2008, ISBN 978-3-89819-243-9

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