Essen
Essen liegt im Trend. Das klingt absurd – wie kann eineLebensnotwendigkeit im Trend liegen? Es ist aber so.Eben deswegen, weil in den letzten Jahren die Betonungdieses Wortes von „Notwendigkeit“ hin zu „Leben“gewechselt zu haben scheint. Statt des Sattwerdenswird Essen auf einmal zum Erlebnis, es wird inszeniert,es wird mit anderen Dingen kombiniert, es rückt in denMittelpunkt der Wahrnehmung. Und das nicht nur imRestaurant, wo front cooking als Zubereitung vor denAugen der Gäste mittlerweile zum guten Ton gehört,wieVapianound Co. beweisen, sondern eben auch
zu Hause. Schon die beim Wohnungsbau landläufg
etablierte räumliche Verschmelzung von Küche und„Esszimmer“ in einen Raum, den sogenannten bigroom, zeigt: Essen wird nicht hier zubereitet und daverzehrt, sondern zusammen erlebbar. node hat sichumgeschaut, was es zu essen gibt.Vielfalt der Globalisierung
Grundlage für den Aufschwung, den das Thema Essenerfährt, ist – natürlich – die Globalisierung. Früher gab esgutbürgerlich deutsche Kü-che zu Hause, und wenn man malwas erleben wollte, dann ging die Familie ins ChinarestaurantMykonos. Bitte aber nicht so scharf. Was dazu führte, dassdie (deutsche) chinesische Küche sich dem Geschmackanpasste und etwas reproduzierte, das urdeutsch ist: dasklassische Gericht aus Fleisch (Acht Schätze), Gemüse undSättigungsbeilage (Reis statt Kartoffeln). Heutzutage bietendie klassischen chinesischen Restaurants eine deutschereKüche als neue deutsche Restaurants an.Nun aber regiert Vielfalt. Die Vielfalt der kulinarischen
Einüsse ist so rasant angestiegen, weil der weltweite
Produktaustausch, durch das Internet und Co. aber auchdie Bekanntheit dieser Produkte so stark beschleunigtwerden konnte, dass nicht nur Connaisseure, sondern jedermann die Möglichkeit hat, diese Dinge zu verzehren.Ein Beispiel: Sushi galt vor allem in den 80ern, aber bis noch
vor kurzem als Yuppie-Essen. Mittlerweile ist Rohsch der
Megatrend, an jedem größeren Bahnhof zum Mitnehmen
zu kriegen und sogar daheim wird eißig gerollt. Wenn in
einer nicht unbedingt trendsettenden Stadt wie Bochum ineinem Jahr (2006) drei Sushi-Läden eröffnen (und nichtwieder schließen), dann ist der Massengeschmack erreicht.Soll heißen: Der Masse schmeckt es. Und sie wird in dennächsten Jahren viele neue Küchen kennen lernen. Gastro-Ketten wieMongo´Shaben das Mongolian Barbecue nachDeutschland gebracht (wenngleich die Mongolei hier vonSüdamerika bis Australien reicht) und dieDoppelsilben-
Läden MoschMosch,Cha Chàund SoupSoupden gesamten
asiatischen Raum über Food erlebbar gemacht, wo zuvornur amerikanisches Fast Food und TexMex-Fingerfood zukriegen waren. Der Asien-Impuls, überall in der Wirtschaftprognostiziert, wird sich auch hier noch stärker bemerkbarmachen, davon gehen
aus, die für dasZukunftsinstitutdie Trendstudie Food-Styles
verfasst haben. Asien wird die USA als Impulsgeber für dieSchnellgastronomie ablösen, so ihre Einschätzung. Schnellessen wie bei Mäckes wird weiter gefragt bleiben, aber jetzt soll es gesunder zugehen. Da bietet sich Asia-Foodgeradezu an: „Als Folge des Megatrends Gesundheit (ist)eine schnelle und gesunde Küche gefragt.Ein regelrechter Boom von Sushi-Läden, kleinenasiatischen Suppenküchen, fernöstlichen System-gastronomiekonzepten, indischen, thailändischen und chi-nesischen Restaurants überrollte die Gastro-Landschaftenin europäischen Städten.“ Und die Vielfalt, die die Konzepte
mitbringen, wird immer häuger auch nachzukochen sein.
Rützler und Kirig nennen das Beispiel des thailändischenRestaurant-SystemsBlue Elephant(zwölf Outlets in elfLändern), in dem auch Kochkurse für Gäste angebotenwerden. Undauch in ersten Läden in Deutschland, zumBeispiel in derPastamanufakturin Dresden, kann man beimKochen zuschauen oder sich halbfertige, frische Pasta zumWeiterkochen mit nach Hause nehmen.
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Und das bedeutet, dass die Vielfalt asiatischer, italienischer,afrikanischer und sonstiger nationaler Küchen immernode18 IEssenI 02
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