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Thorsten Schröder
„Illinia“
(Die Vorgeschichte zu „SPACEHOUNDS -Aurora-)
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Kapitel 1
Neflen-Akademie Illinia, Nördlicher Polarkreis von Illinia II
Der Wald um die Akademie war zu dieser Zeit unter einer dicken Schneedecke begraben. Ein paar

Polarfüchse und Elche trieben sich noch draußen herum, alle anderen Tiere zeigten sich jetzt nur
äußerst selten.

Die Akademie, eine große Burg inmitten dieses Waldes, der eine starke Psi-Quelle darstellte und sie so in der Psi-Ebene tarnte, war Ausbildungsstelle für Psi-begabte der gesamten Region. Unter der Leitung der Neflen konnte dort jeder, der eine gewisse Begabung besaß, die Nutzung der Psi- Energien lernen.

Die Burgmauer entsprach einem Pentagon und besaß an jedem Eckpunkt einen hohen Turm, in
denen von Psi-Kristallen ein zusätzliches Schutzfeld erzeugt wurde.

Jetzt, um die Jahreswende, war die Burg kunstvoll geschmückt worden. Es standen nicht nur der Jahreswechsel, sondern auch die Abschlussfeiern der ältesten Schüler an, die mit maximal 4 Jahren an die Akademie gekommen waren und diese nun mit 20 verließen.

Jeder dieser Schüler beherrschte meisterlich den Schwertkampf, sowie das Bogenschießen und natürlich die Anwendung der geheimnisvollen Psi-Energie, die schon seit Jahrtausenden von den Neflen erforscht wurde und die immer neue Rätsel und Geheimnisse offenbarte.

Durch die weitläufigen und von Fackeln erhellten Korridore und Räume der Burg klangen Schalmei, Sackpfeifen und Lauten, sowie die Stimmen von etwa 600 Schülern, die den letzten Tag des Jahres festlich ausklingen ließen und das Neue begrüßten.

Eisiger Wind fegte durch Ritzen und trug stellenweise ein wenig Schnee mit sich. Wandteppiche
wogten im Luftzug und Fackelfeuer flackerte leicht.
In der großen Versammlungshalle waren alle zusammengekommen und feierten bei Met und Bier,
sowie fröhlicher Musik.
Junge Männer warben um die Mädchen und umgekehrt. Späße wurden gemacht und Runden
ausgegeben, bis es 0 Uhr war.
Zu diesem Zeitpunkt strömten alle nach draußen, um zur Feier des neuen Jahres ihre
spektakulärsten Zauber zu zeigen.

Lena, eine 19 Jahre alte Neflen von beeindruckender Schönheit und Anmut, saß auf einem Stein im Wald, von dem aus sie die Burg gut im Blick hatte, sie selbst jedoch nur mit Infravision zu sehen war.

Die ersten Entladungen, die in den Himmel rauschten, waren einfache Blitze. Ihnen folgten einfache Energiebälle, die immer komplexer wurden und schließlich in einer kurzzeitig aufleuchtenden künstlichen Sonne gipfelten, die nach 4 Sekunden Leuchten in tausende kleiner Teile zersprang.

Ein Polarfuchs kam vorsichtig näher. Er hatte die Neflen schon lange gewittert und hatte sich an sie heran geschlichen. Nun war er neugierig und wollte wissen, was dort in seinem Revier herum schlich.

Lena sah das Tier, das ihr im Moment bis zur Brust reichte, mit einem Lächeln auf den Lippen an.
Der Fuchs legte den Kopf schief und kam schnuppernd ein paar Schritte näher.

Lena blickte ihm nun direkt in die Augen. Mehr unbewusst sagte sie in der alten Neflen-Sprache, die sie in mühevollen Stunden gelernt hatte: „Komm her, keine Angst!“ Sie holte ein kleines Stück Fleisch aus ihrem Beutel, den sie dabei hatte und hielt es dem Polarfuchs hin.

Das Tier kam näher, schnappte sich das Fleisch und wich wieder ein paar Schritte zurück.

Lena schloss die Augen und konzentrierte sich auf ihre Aura. Sie erzeugte ein auf alle Lebewesen im Umkreis von 10m beruhigend wirkendes Psi-Feld, was dem Fuchs endgültig seine Angst nahm. Er kam näher und legte seine Pfoten in ihren Schoß, während er sie anblickte. Problemlos ließ er sich streicheln.

Lena war ein Naturkind. Bei einem Stamm von Naturliebenden Wald-Neflen aufgewachsen, die in den nördlichen Wäldern Illinias ein Nomadenleben führten, war sie bis zu ihrem 12. Lebensjahr in der freien Natur aufgewachsen und dann von ihren Eltern an die Akademie geschickt worden.

Aufgrund ihrer schon beachtlichen Erfahrung hatte sie deutlich später als sonst üblich ihre
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Ausbildung an der Akademie begonnen und mehrere Jahre überspringen können. Eine Seltenheit,
denn die Anforderungen der Lehrmeister lagen ziemlich hoch.
Der Polarfuchs sprang auf den Stein und schmiegte sich an sie. Ihre Hand fuhr durch sein
schneeweißes und dickes Fell.
Sie liebte die Natur und die Sterne. Bei sternenklarem Himmel schaute sie manche Nacht
stundenlang hinauf und träumte davon, zu den weit entfernten Welten zu reisen.
So wie jetzt.

Es dämmerte bereits, als sie aufstand und sich auf den Weg zurück in die Akademie machte. Dicht
hinter ihr lief der Polarfuchs durch den Schnee.
Sie schlich sich durch einen der Geheimgänge ein, die die Burg aus ihrer Zeit als nördlichste Feste
des Neflen-Königreichs hatte.

Ihr Schlafzimmer befand sich im 4. Stockwerk in der Südmauer. Es wurde von ihr und 3 weiteren
Mädchen bewohnt, die sich nach der Feier im Bett befanden und schliefen.
Lena schlich sich ins Zimmer, entledigte sich so leise sie konnte ihrer dicken Winderkleidung und
legte sich aufs Bett, in das der Fuchs ihr folgte. Er legte sich neben sie und schloss die Augen.
Sie selbst deckte sich zu und schloss ebenfalls die Augen, worauf sie schnell einschlummerte.

Die anderen Mädchen erwachten etwa um die gleiche Zeit, wie Lena. Es war schon weit nach Mittag und im von großen Leuchten erhellten Burghof spielten einige der Jüngeren Ball, während auf einer der breiten Burgmauern zwei schätzungsweise 18-Jährige mit Maglon-Schwertern einen Trainingskampf austrugen.

Anna, ein Menschliches Mädchen, bemerkte als Erste den neuen „Mitbewohner“. Sie schaute erstaunt Lena und den Polarfuchs an, der neben ihr auf dem Bett lag und mit aufgestellten Ohren schlief.

„Ist dir zugelaufen, was?“ fragte sie Lena, die sich gerade auf die Bettkante setzte, mit

veschränkten Armen.
„Ja.“ antwortete sie. „Er weicht mir seit gestern Abend nicht mehr von der Seite.“
„Ahja...“

Jeder, der Lena ein bisschen kannte, wusste von ihrer Gabe, mit Tieren besonders gut umgehen zu können. In ihrer Gegenwart wurde selbst die wildeste Kreatur zahm wie ein Lamm. Es war ausserdem nicht das erste Mal, dass sie irgendwelche Tiere mitbrachte.

Anna machte sich in der Kochecke des Zimmers an die Arbeit. Sie kochte Wasser, stellte Teller und Tassen, sowie Zucker und ein wenig Aufschnitt, der in einem mit Eis gefüllten Fach aufbewahrt wurde, auf den Tisch und bereitete mit dem gekochten Wasser einen Kräutertee zu, der gut gegen Kopfschmerzen war und die Nachwirkungen des Alkoholkonsums vom letzten Abend neutralisierte. Ganz ließen sich die Jahrhundertelangen Einflüsse der modernen und hochtechnisierten Welt, der ihre Urgroßeltern auf diesem Planeten entflohen waren, eben doch nicht ausschalten.

Nach und nach erwachten auch die anderen Bewohner. Müde und wie erschlagen krochen sie aus
den Betten und setzten sich an den Tisch.
Lena konnte sich bei dem Anblick ihrer Mitbewohnerinnen die Frage nicht verkneifen, wie viel Met
und Wein sie gestern Abend getrunken hatten.
„Keine Ahnung...“ war die Antwort. Sie konnten sich zwar noch an das Feuerwerk erinnern, aber
die Geschehnisse danach entzogen sich ihrer Kenntnis.

„Wen hast du denn da mitgebracht?“ fragte Jennifer, als sie den neben Lena auf dem Boden liegenden Polarfuchs entdeckte. Sie beugte sich zu dem Tier herunter, das sie neugierig ansah und an ihrer Hand schnupperte. „Süß...“ Sie nahm ein Stück Wurst und gab es dem Fuchs, der es

ohne Furcht entgegen nahm.
„Sei vorsichtig.“ meinte Eva. „Nicht, dass der dasselbe mit dir macht, wie das Pferd mit Franz.“
Jennifer prustete los.
„Wird er nicht.“ entgegnete Lena gelassen und strich dem Fuchs durchs Fell.
„Meinte Franz auch...“ sagte Eva grinsend.
„Bitte! Ich will hier essen.“ fuhr Anna gereizt dazwischen.

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