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Vom Jäger zum Bauern. Wirtschaftsformen im neolithischen Anatolien

Vom Jäger zum Bauern. Wirtschaftsformen im neolithischen Anatolien

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Published by Nearchos
This article is concerning with the timing, context, and impetus for the onset of the change from gathering to food production in the Anatolia during the Early Neolithic.
This article is concerning with the timing, context, and impetus for the onset of the change from gathering to food production in the Anatolia during the Early Neolithic.

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Published by: Nearchos on Apr 18, 2007
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01/01/2013

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Wirtschaftsformen im neolithischen Anatolien
Jürgen Franssen
„Seid ruchtbar und mehret Euch und üllet die Erde und macht sie euch untertan, und herrschtüber die Fische im Meer und die Vögel des Himmels, über das Vieh und alle iere, die au derErde sich regen.“ Diese Auorderung am Anang der Genesis läßt sich als prägnante Umschrei-bung jenes überaus komplexen, globalen Phänomens verstehen, das wir heute als Neolithisie-rung bezeichnen. Ein wesentlicher eil dieses langwierigen Prozesses, der innerhalb wenigerJahrtausende in mehreren Regionen der Welt unabhängig voneinander stattand (Abb. 1), warder Übergang von der Lebensweise des Jägers und Sammlers zu der des Bauern oder, andersormuliert, von der aneignenden zur produzierenden Wirtschasweise. Dieser Wandel war vonweitreichender Bedeutung. Er beschränkte sich nicht nur au die Subsistenzstrategie der dama-ligen Menschen, sondern veränderte auch wesentliche Bereiche ihrer sozialen Welt und ihr Ver-hältnis zur natürlichen Umgebung, Folgen, die bekanntlich noch heute die Grundlagen unsererExistenz bilden.Seit dem Auauchen des Menschen vor etwa 2,5 Millionen Jahren ernährte sich dieser über99 % der Zeit ausschließlich durch das, was ihm die Natur bot, das heißt er jagte wilde iereoder nutze die von anderen ieren gejagte Beute, er schte und sammelte wild wachsende, ess-bare Früchte, Gräser und Knollen. Abgesehen davon, daß er dabei diverse Hilsmittel benutzte,unterschied sich diese Art der Nahrungsbeschaung nicht wesentlich von jener der iere. AlsSammler und Jäger war der Mensch vollständig abhängig von dem jahreszeitlich bedingten
 Abb. 1: Neolithisierungszentren zwischen 10 000 und 3000 v. Chr.:1 Weizen / Gerste / Scha / Ziege im Vorderen Orient, 2 Gerste / Baumwolle / Rinder im westindischen Hoch-land, 3 Hirse / Reis / Schweine in China, 4A Mais / Kürbisse / Truthühne im Hochland von Mexiko, 4B Boh-nen / Kartoeln / Meerschweinchen im Andengebiet, 5 Hirse / Yams / Rinder im östlichen Mittelarika
 
Angebot der Natur. Das änderte sich jedoch grundlegend vor rund 12 000 Jahren unter anderemim Nahen Osten am Übergang vom „Eiszeitalter“ (dem Pleistozän) zur geologischen „Gegen-wart“ (dem Holozän).
Domestikation
Bevor der Prozeß der sog. Neolithisierung nun weiter verolgt wird, soll zunächst au einen Begri näher eingegangen werden, der im gegebenen Zusammenhang von entscheidender Bedeutungist: den der Domestikation. Was ist darunter zu verstehen? Eine exakte Denition daür gibt esleider bis heute nicht, zumal die Forschung bis heute darüber streitet, welche Kriterien erülltsein müssen, damit eine Panze oder ein ier als domestiziert gelten. Diese Uneinigkeit rührtunter anderem daher, daß man Domestikation von verschieden Seiten aus betrachten kann: soetwa aus gleichsam sozialwissenchalicher Perspektive, in dem man das gewandelte Verhältniseines ieres zum Menschen betrachtet, und natürlich aus zoologischer bzw. botanischer Sicht,indem man mehr Gewicht au die morphologischen, anatomischen oder genetischen Verände-rungen legt.Grundsätzlich gilt jedoch ür die meisten domestizierten ieren und Panzen, daß sie inFolge menschlicher Einußnahme nicht mehr in ihrer natürlich Umgebung leben, sondern inder von Menschen geschaenen, sich dort ortpanzen und letztlich zum Nutzen des Menschengeschlachtet bzw. geerntet werden. Die Geangenscha stellt ür Wildtiere zunächst eine erheb-liche Streßsituation dar. Aus diesem Grund, weil die vom Menschen zur Verügung gestellteNahrung letztlich nie die natürliche Vielalt erreicht und die Bewegung der iere relativ stark eingeschränkt ist, sind in Geangenscha gehaltene iere meist kleinwüchsiger als ihre wildenPendants (Abb. 2), und mit der Zeit weist deren Skelett auch degenerative Erscheinungen au.Auch die Samen und Früchte gezüchteter Panzen unterscheiden sich morphologisch von ihrenwilden Vorahren (Abb. 3). Schließlich sind bei domestizierte Panzen wie iere spezische
 Abb. 2: Oben die wilden Ausgangsormen Auerochse,Wildschwein und Wildscha undunten ihre um etwa 25 %kleineren jungsteinzeitlichen Zuchtormen Abb. 3: Entwicklung vom wilden Einkorn und Emmer zum heutigen Weizen
 
genetische Veränderungen estzustellen. Anhand der genannten Faktoren, die sich im archäo-logischen Beund durch die Untersuchung der Knochen oder Samen bestimmen lassen, sinddomestizierte von wild lebenden Arten jedoch omals zu unterscheiden.Wenn man sich nun die sogenannten Gründertiere- und panzen anschaut, ällt au, daß imVergleich zur natürlichen Artenvielalt nur wenige iere und Panzen domestiziert wurden.Bei den ieren sind dies Rind, Scha, Ziege und Schwein. Zu den Gründergewächsen gehö-ren zum einen die Getreidearten Emmer und Einkorn sowie Gerste und Roggen und zumandere die Hülsenrüchte Linsenwicke, Linse, Erbse und Kichererbse und schließlich der Flachs(a. 1). Die Auswahl geschah natürlich nicht zuällig, da die Getreide und Hülsenrüchte meh-rere Vorteile auweisen: Beide verügen über einen hohen Kaloriengehalt – Getreide ist reichan Kohlenhydraten und Hülsenrüchte an Proteinen – und sind daher gut ür die Ernährunggrößerer Gruppen geeignet. Außerdem sind sie leicht zu ernten, verügen über große Samenund beanspruchen, da sie dicht beieinander wachsen, relativ wenig Anbauäche. Ein weitererökologischer Vorteil besteht darin, daß es sich um Jahrespanzen mit einer hohen Reprodukti-onsrate handelt, deren Entwicklung durch die starken klimatischen Schwankungen in Vordera-sien zwischen Sommer und Winter begünstigt wurde. Augrund ihres speziellen Auaus undihrer Wachstumseigenschaen sind Süßgräser zudem erstaunlich regenerationsähig. Dane-ben eignen sich beide Panzenarten wegen ihrer hohen Beständigkeit gegen rockenheit gutzum Lagern und sind damit ideal zur Überbrückung kurzristiger Nahrungsengpässe, wie sieanscheinend gerade am Anang des Holozäns durch die trockenen, heißen Sommer auraten.Schließlich handelt es sich bei Gräsern und Hülsenrüchten um selbst- bzw. windbestäubendePanzen, wodurch die jeweils vom Menschen gewünschte, mutierte Form gut isoliert und wei-ter gezüchtet werden konnte.Funde etwa im syrischen Abu Hureyra (Abb. 4) aus der Zeit um 11 000 v. Chr. belegen, daßbereits vor der Domestikation im Vorderen Orient oenbar begonnen wurde, das natürlicheAngebot an wilden Nahrungspanzen durch gezieltes Ernten und planmäßiges Anpanzen zuergänzen. Man spricht in diesem Zusammenhang von Kultivierung, im Unterschied zur Dome-stizierung. Die Menschen hatten im Laue der Zeit sicherlich genaue Kenntnis von den Rei-eterminen der verschiedenen Gräser und Früchte gewonnen, um bei der Ernte potentiellentierischen Nahrungskonkurrenten zuvorzukommen. Daneben kam es anscheinend zu einergezielten Selektion des Ernteguts, indem Panzen mit mehr Blüten und größeren Körner sowiemit stabileren Ähren bevorzugt wurden, da bei den Wildormen in der Regel die Ähren rühzerbrechen, die Körner zu Boden allen und somit die Ernte sehr verlustreich war. Au langeSichte setzten sich au diese Weise die mutierten Panzen als Nutzpanzen bei den Menschendurch, da sie mehr gesammelt und damit später auch verstärkt gesät wurden. Allerdings vollzogsich dieser Prozeß nicht geradlinig, sondern mit zahlreichen Brüchen, da immer wieder auchunreies Getreide geerntet wurde oder Wildormen eingekreuzt wurden und somit das Ver-hältnis von ester und lockerer haenden Körner lange Zeit gleich blieb. So anden sich in dembereits genannten Abu Hureyra anscheinend die rühesten Funde von domestiziertem Getreide,in dem Fall Roggen, die zwischen 11 000 und 10 500 v. Chr. datiert werden und deren Formsich signikant von wilden Exemplaren unterscheidet. Ein weiterer Hinweis au den bereitsdamals praktizierten Roggenanbau sind Samen von „Unkraut“, das üblicherweise au kultivier-tem Boden wächst. Die beabsichtigt oder doch eher zuällig erzielten Zuchtergebnisse bliebenallerdings zunächst ohne Folgen, da auch weiterhin wildes Getreide kultiviert wurde. Erst rund1000 Jahre später, im Zusammenhang mit dem Beginn der bis heute andauernden Warmzeit um9600 v. Chr., beginnt sich der planmäßige Anbau domestizierter Panzen in vielen Orten derLevante durchzusetzen.Wie im Falle des Panzenanbaus so ging wahrscheinlich auch der Domestikation von iereneine lange Phase voraus, in denen Wildtiere pegerisch gehalten wurden und die Menschenüber Generationen hinweg verstärkt und dierenziert Erahrungen mit der Zähmung der iere

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