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30 Jahre CSD in Hamburg:Wo stehen Schwule heute?
 
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editorial
Liebe Leser,
der Hamburger CSD strebt zwar erst im August seinem eigentlichen Hö-hepunkt entgegen, startet aber bereits in diesem Monat. Vom 1. Juli anlautet das Motto „30 Jahre, 30 Tage“ und verweist damit auf das Jubi-läum: 1980 wurde erstmals in Hamburg eine so genannte Stonewall-De-monstration durchgeführt, die sogleich im damals zeittypischen Tumultendete – die Polizei war wenig zimperlich vorgegangen, fotografierte De-monstranten aus einem VW-Bus heraus für ihre „Rosa Listen“ und prü-gelte am Ende auf sie ein. 30 Jahre später ist das Bild ein anderes: Polizisten dienen der CSD-Demomittlerweile zur Verkehrsregelung, und dem Vernehmen nach lassen sich viele von ihnen freiwilligfür den samstäglichen Dienst einteilen. Das Verhältnis hat sich entspannt, wie der CSD heute vorganz anderen Problemen steht. Denn längst ist aus der Spontiveranstaltung von einst ein Große-vent geworden, mit dem die Stadt Tourismuswerbung betreibt – und an dem sie durch eine kreati-ve Gebührengestaltung auch fröhlich mitverdient.„Wird der CSD überhaupt noch benötigt?“ lautet in diesem Jahr einmal mehr die Frage. Aus-nahmsweise wird sie nicht von linken oder rechten Kritikern aufgeworfen, sondern von den Ausrich-tern selbst. Hamburg Pride startet die „30 Jahre, 30 Tage“-Reihe mit einer Auftaktdiskussion, andie sich zahlreiche Veranstaltungen anschließen. Sie sollen den Blick auf die Entwicklung der Com-munity in den letzten drei Jahrzehnten lenken. Hat die Sichtbarkeit von Lesben, Schwulen, Bi- undTranssexuellen in der Gesellschaft zu mehr Offenheit und Toleranz geführt? Diese Frage wird am1. Juli von einer prominent besetzten Runde diskutiert. Man könnte sie mit einem eindeutigen „Jein“beantworten, wie unser Titelthema aufzeigt.In Berlin hat der CSD in diesem Jahr zu einem Eklat geführt. Die Queer-Theoretikerin und US-amerikanische Philosophin Judth Butler sollte dort den Zivilcouragepreis erhalten. Auf der Bühnemachte sie plötzlich einen Rückzieher, lehnte den Preis ab und warf dem CSD vor, zu kommerziellund zu oberflächlich zu sein. Außerdem vertrete er kapitalistische und rassistische Positionen. Obman zur Verbreitung dieser Erkenntnis eigens aus den USA einfliegen muss, steht dahin. Eine brei-te Debatte über Sinn und Ausrichtung des Homo-Feiertags, wie sie in der Hauptstadt nun entbranntist, kann indes weder in Berlin noch in Hamburg schaden.Viel Spaß beim Lesen!Stefan MielchenChefredakteur
Leserbriefe/Impressum4Titel6Hamburg12Kultur16Mahlzeit24Beautiful People26Szene28Programm32City Guide46Kleinanzeigen54Beauty56Reise60Fernsehen62Verlosung64Lange Reihe66
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