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Moderne Funktechnologien haben in den letzten Jahrzehntenan Bedeutung gewonnen. Die Folge davon ist jedoch auch,dass vielfach innerörtlich die höchste Belastung nicht mehrvon Fernseh- oder Radiosendern hervorgerufen wird, sonderndurch wohnortnahe Mobilfunksendeanlagen. Auf mangelndeErkenntnisse über Folgen der Einwirkung dieser Technologien auf die menschliche Gesundheit weist die Strahlenschutzkommissionseit 2003 explizit hin (2).
ElEktromagnEtischE fEldEr
WissEnschaftlichEr originalbEitrag
Im oberfränkischen Selbitz wurden mit Hilfe der Stadtverwaltungund örtlicher Arztpraxen
1
die separat erhobenen Daten einerallgemeinen Gesundheitsbefragung und der vorhandenenMessungsergebnisse genutzt, um die erhobenen Beschwerde-scores mit den unabhängig davon vorliegenden Messwerten derEmission einschlägiger Mobilfunkstrahlung zu korrelieren.
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Schlüsselwörter: Symptome, Mobilfunkstrahlung, Dosis-Wirkungsbeziehung
 ———————————————1) Beteiligte Praxen: Dr. Brömel/ Pozder, Schulstraße 4, 95197 Schauenstein; Dr. Jahn,Brunnenstraße 1, 95152 Selbitz; Dr. Müller, Wildenberg 22, 95152 Selbitz.
 
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Selbitz in Oberfranken liegt im Nordosten von Bayern und hatteam 31.12.2008 insgesamt 4.644 Einwohner (2.171 männliche und2.473 weibliche) (3).Die Stadt ist mobilfunktechnisch vollständig erschlossen. Direktinnerörtlich sind öffentlich nutzbare Sendeanlagen zweierBetreiber in der Feldstraße 28 sowie ca. 900 m hiervon entfernteines dritten Telekommunikations-Dienstleisters in der BurgstraßeNr. 26a installiert (4).Eine Befragung im Januar 2009 durch die StadtverwaltungSelbitz wandte sich an 1.080 Personen im Stadtgebiet und denumliegenden Ortsteilen mit einem standardisierten Fragebogenzu Gesundheitsstörungen, der per Brief versandt wurde. DenBefragten war bekannt, dass man sowohl im 400 m Umkreisder Mobilfunksendeanlage in der Feldstraße 28 als auch außer-halb dieses Radius einen Erhebungsbogen erhalten konnte.Persönliche Interviews erfolgten nicht. Insgesamt 88 Angaben zuGesundheitsbeschwerden wurden mittels der Ausprägungsskalavon Null bis Fünf quantitativ erfasst. Die Symptom-Gruppen nachklinischen Entitäten wurden für die Auswertung nach Clusternzusammengefasst (Tab. 1).
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Das Anschreiben mit der Aufforderung zur Mitarbeit sicherteWahrung der Schweigepflicht zu. Die Fragebögen konnten an dieStadt Selbitz oder an die Allgemeinarztpraxen vor Ort zurückge-sandt oder abgegeben werden. Nach der Rücksendung der Frage-bögen wurden die persönlichen Daten (Personalbogen) in derPraxis Dr. Eger, Naila, von den Angaben im Fragebogen getrenntaufbewahrt und die anonym codierten Beschwerdebögen zurEingabe an die Verwaltung der Stadt Selbitz übergeben. VomPersonal der EDV-Abteilung wurden die anonymisierten Datendann zur Auswertung in eine Excel-Tabelle eingegeben.
Auf dem Personalbogen wurden Angaben zum Vorhandenseineines DECT-Telefons in der Wohnung durch einfaches Ankreuzenerfasst und konnten in die Datenerfassung übernommen werden.
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In January 2009 the municipality of the Bavarian town of Selbitz, carried out a health survey by which the data of 251citizens was recorded and then analyzed regarding radiationintensity by microwaves. In a second step, the radiation datawas used to stratify the participants in pollution intensitygroups, utilizing place of residence and available readings of the regional mobile telephone radiation. The mean radiati-on measurements of the groups exposed at most in Selbitz(1.2 V/m) were substantially higher than the mean radiationof the study population studied in the QUEBEB study (1) of the German mobile telephone research program (DeutschesMobilfunk forschungsprogramm DMF, established mean value 0.07 V/m).A significant correlation was found dependent on dose-effectsfor insomnia, depressions, cerebral symptoms, joint illnesses,infections, skin changes, heart and circulation disorders, anddisorders of the optical and acoustic sensory systems and thegastro-intestinal tract with objectively determined locationsof exposure, which can be related by the influence of micro-waves on the human nervous system.This work, which has been carried out without external resour-ces, provides a protocol for surveys of medical practitionersand municipality administrations to estimate possible healtheffects of mobile telephone basic stations situated near popu-lation residents.
Keywords: symptoms, HF-radiation, dose-effect evidence
Abb. 1: Mobilfunksendeanlagen auf dem Hochhaus in der Feldstraße 28, Selbitz,Oberfranken.Tab. 1: Übersicht über die nach klinischen Entitäten zusammengefassten Symptom-Gruppen.
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1 Schlafstörungen 1 - 52 depressive Symptome 6, 7, 18-233 Kopfschmerzen 84 cerebrale Affektionen 8 - 125 Denkstörungen 24 - 296 Gelenkbeschwerden 30 - 347 Zahnschmerzen 358 Infekte 36 - 419 Hautveränderungen 42 - 4710 Schwindel 5511 Herz-Kreislauf-Beschwerden 48 - 5212 akustisches System,Gleichgewichtsstörungen 56 - 6113 Sehstörungen 62 - 6714 Nasenbluten 6815 Hormonstörungen 70 - 7416 Gewichtszunahme 7517 Gewichtsabnahme 7618 Magen-Darm-Beschwerden 77 - 8119 Einnässen 85
 
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Unter diesen Bedingungen liegt der Auftreffpunkt des Haupt-strahlsendebereichs in einer Entfernung von knapp 200 m. Bis200 m sind zusätzlich Nebenkeulen zu erwarten.
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Den einzelnen Kategorien konnten auf Grund des Prüfberichtsder akkreditierten Firma ECL mittlere Messwerte für die Mobil-funk strahlenbelastung zugeordnet werden (6). Für die Gruppen1 und 2 ergeben sich im Mittel 1,17 V/m, für Gruppen 3 und 40,7 V/m.Die Messwerte außerhalb des definierten 400 m - Radius lagendurchschnittlich bei 0,18 V/m und dienen als Referenzwerte. Dieim Ortsteil Weidesgrün gemessenen Werte zeigten mit 0,01 V/mdie niedrigsten Messwerte.Die Auswertungen erfolgten mit Hilfe des zweiseitigen T-Tests fürunverbundene Stichproben für insgesamt 19 Symptomscores dereinzelnen Gruppen 1 bis 5 zur Prüfung der Nullhypothese, dassdie Beschwerdescores der verglichenen Gruppen gleichverteiltund damit unabhängig von der Strahleneinwirkung sind (7).Die vorgenommenen Vergleiche der gesundheitsrelevantenAngaben erfolgten nach zwei Ansätzen:A) Vergleich der sendernahen Probandengruppen 1 bis 4, d.h. bis400 m um den Sendestandort mit den senderfernen Kontroll-probanden außerhalb 400 m in Selbitz / Ortsteilen.B) Vergleich innerhalb der sendernahen Probandengruppe bis400 m um Sendestandort:Vergleich der höchstbelasteten Gruppen 1 und 2 gegen diesenderferneren Gruppen 3 und 4.
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Insgesamt 255 Personen im Alter über 18 Jahren nahmen an derBefragung teil, 4 Fragebögen waren nicht auswertbar. Dies ent-spricht einer Rücklaufquote von 23 % von 1.080 Aussendungen.Die sendernahen Gruppen 1-4 zusammen mit 22 % und dieKontrollgruppe mit 27 % Rücklaufquote zeigten keinen statistischsignifikanten Unterschied (Tab. 2).Alle Teilnehmer, die Fragebögen zurücksandten, wurden danachkategorisiert indem sie in Gruppen nach ihrer Wohnadresse ein-geteilt wurden. Die in der Abbildung 2 eingezeichneten Kreiseentsprechen Entfernungen von 100 m, 200 m, 300 m bzw. 400 mzu den zwei auf einem Gebäude in der Feldstraße 28 installier-ten Sendeanlagen und definieren so die Gruppen 1-4. EineKontrollgruppe (Gruppe 5), die als gering belastet gelten kann,setzte sich aus Teilnehmern außerhalb des 400 m Radius direkt inSelbitz und in weiter entfernt liegenden Ortsteilen zusammen.Das Gelände um den Sender ist gemäß dem Höhenprofil in West-Ost Richtung eben, steigt in nördlicher Richtung flach an und fälltnach Süden mit 7 bis 9° ab.Die Sendeanlagen der Betreiber befinden sich in einer Höhevon 19,20 m, 20,20 m und 23,50 m über Grund mit Richtfunk-anbindungen in Höhe von 19,35 m und 22,70 m. Der Neigungs-winkel der Anlagen (Downtilt) wird mit 8° angegeben. Verwende-ter Frequenzbereich um 940 MHz und 1850 MHz (5).
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Abb. 2: Der Kataster-Auszug zeigt in der Mitte der konzentrischen Kreise die Sende-anlage in der Feldstraße 28 in Selbitz (Quelle: 5, mit freundlicher Genehmigung derStadt Selbitz).
Gruppe 4Gruppe 3Gruppe 2Gruppe 1100 m200 m300 m400 mGruppe1 und 21,17 V/mGruppe3 und 40,70 V/m
Kontrollgruppe 50,18 V/mSelbitz >400 mund
Ortsteile
:Neuhaus
 Sellanger
Weidesgrün
Tab. 2: Verteilungen der Aussendungen in den Gruppen 1 bis 4 und der Kontrollgruppe 5, nach Respondern und Verweigerern.Mit Ausnahme der geringeren Rücksendequote in Gruppe 4 sind Unterschiede der Rücksender/ Verweigererquote der Einzelgruppen gegenüber der Kontrollgruppe 5 statistischnicht signifikant.*3 Personen von 1.080 Angeschriebenen waren nicht zuzuordnen** n.s. = nicht signifikant
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2
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Gruppen
1 125 45 (36,0%) 80 (64,0%) n.s.**2 144 37 (25,7%) 107 (74,3%) n.s.3 281 60 (21,4%) 221 (78,6%) n.s.4 273 38 (14,0%) 235 (86,0%) p < 0,01 (Chi
2
)Kontroll-gruppe 5254 71 (28,0%) 183 (72,0%)Summe 1077* 251 826

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