Welcome to Scribd, the world's digital library. Read, publish, and share books and documents. See more
Download
Standard view
Full view
of .
Save to My Library
Look up keyword or section
Like this
2Activity

Table Of Contents

0 of .
Results for:
No results containing your search query
P. 1
Die Rückkehr 2. Fassung

Die Rückkehr 2. Fassung

Ratings: (0)|Views: 156 |Likes:
Published by HeddaSophie

More info:

Published by: HeddaSophie on Jul 05, 2010
Copyright:Attribution Non-commercial

Availability:

Read on Scribd mobile: iPhone, iPad and Android.
download as DOC, PDF, TXT or read online from Scribd
See more
See less

10/25/2012

pdf

text

original

 
Die Rückkehr Von Andreas EngelMit einem lauten Krachen, einer Explosion gleich, endete am 27.Februar 1943 die Nacht für die Familie Hollaender. Zuerst hatteAlfred Hollaender noch gedacht, er träume, dass mit einemRammbock die Pforte zu seiner Burg hoch droben auf dem Trifels vonfeindlichen Horden gesprengt würde. Der Albtraum, der an diesemMorgen um 5.15 Uhr begann, sollte ein ganzes Leben andauern.Wenn er heutzutage an den Überfall denkt, fallen ihm die glänzend polierten Schaftstiefel ein, mit denen er zu Boden gedrückt wurde,während die Polizisten Frieda und Rosa aus ihren Betten zerrten. Vonallem anderen ist ihm kein Bild übrig geblieben.Das Gebrüll des Kommandos weckte das ganze Mietshaus auf. DieLeute schauten schlaftrunken und erschrocken aus den spaltbreitgeöffneten Türen und drückten sie schnell wieder zu, als jemanddurch das Treppenhaus brüllt, dass jeder, der noch länger seineneugierige Nase herausstrecke, sie auf der Stelle eingeschlagen bekomme, „ist das klar!!“Ein Beamter packte die kleine Frieda grob am Arm und schleifte dasKind aus der Tür. Sie weinte und schluchzte. Hollaender sah dieVerhaftung auf dem Boden liegend mit einem schwarzen Schaftstiefelauf dem Hals. Einer aus dem Kommando, Hollaender, aus einemAuge blinzelnd, glaubte ihn als früheren Nachbar zu erkennen, tratnach dem Kind, das sich zur Mutter flüchtete. Auf der Straße wartetemit laufendem Motor ein Lastwagen, auf dem sich schon vieleMenschen befanden. Frieda und Rosa wurden auf die Pritschegestoßen, zwei Frauen halfen Mutter und Kind hinauf zu ziehen. Siewurden zu einer Sammelstelle gefahren. Hollaender sah seine Familienie wieder.Er deckte den Tisch immer auch für Ilse. Das tat er zu der Zeit, als er noch in Ungewissheit über ihr Schicksal lebte, und er tat es auch viel1
 
später, als ihn der Brief von Ignatz Grün, einem Mann, der sein Ohr an allen Schienen hatte, erreichte. Manchmal sprach er sogar mit ihr,leise, flüsternd, so als dürfe niemand erfahren, dass er mit ihr redet.Tage, Wochen, Monate und Jahre gingen dahin, zerrannen ihm durchdie Finger wie staubtrockener Sand. Er lebte in einem festenRhythmus, wie an einer Richtschnur. Schnell waren die Nächtevorbei, er stand auf, deckte den Tisch, auch für Ilse. Ein kleinesFrühstück, die Zeitung. Dann tappte er ins Bad, rasierte sich, zog sichan und bestäubte sich mit Kölnisch Wasser. Mit einem Seufzer räumteer den Tisch ab, auch das Geschirr, das er für Ilse hingestellt hatte. Er wanderte in seiner Wohnung auf und ab bis schlilich die Zeitgekommen war, seine Besorgungen zu machen. Er ging zum Bäcker und überlegte sich auf dem Weg dorthin schon, was er sich zumMittagessen kochen sollte. Einmal in der Woche kaufte er frischeSchnittblumen - für Ilse.Am Nachmittag legte er sich auf sein dunkelrotes Chaiselongue undschlief regelmäßig mit der Zeitung oder einem Buch auf dem Bauchein. Die Abende verbrachte er meist im Restaurant Rosen ganz inseiner Nähe.
Er wohnte in der dritten Etage. Jeden Tag kam er zuder Feststellung, dass eine Wohnung, die man nur über einhundertzwanzig Stufen erreichen kann, nichtdas Richtige für einen alten Mann sei. Langsam ließ er seinen Hausrschlüssel in die Tasche rutschen,umfasste das Bund, um sicher zu sein, dass es auchwirklich dort ruht. Er sah sich noch einmal um, spähtedurch die kleinen Scheiben, vergewisserte sich, dassdas Licht bestimmt gelöscht war und ging schließlich
2
 
zur Treppe. Sind die Lichter wirklich aus, fragte er sich?
Ausgeruht, freilich unruhig, machte er sich auf den Weg zum Essen insRestaurant.Es regnete. Es war der übliche Herbstregen. Dauerhaft und ergiebig,nasser als im Frühling. Hollaender spannte seinen Schirm auf undfädelte sich in den Strom der eilenden Menschen ein. Weit hatte er esnicht. Das Restaurant, das er seit einigen Jahren besuchte, erfreute ihnmit gediegener Behaglichkeit. Hier saß er mit Menschen zusammen,die einsam waren wie er, oder nicht, die vielleicht nur weg wolltenvon zuhause, die Streit hatten daheim, oder die sich nach ihremTagwerk entspannen wollten, bei einem Bier oder einem Schnaps.In Hollaender jedoch arbeitete die Beunruhigung, die der Angst, wieder Wind dem Regenschauer, vorausgeht. Es war eine Art mittelbarer Angst. Jene Sorte Angst, die er längst besiegt oder unter Kontrollegebracht zu haben glaubte, die er aber nie los wurde. Er fürchtete sich,dass die Angst wiederkehrt. Die Angst, die ihm den Schlaf raubte, dieErinnerungen weckte, die ihn quälten, den Kummer wach hielten. Er flüchtete vor der Langeweile und vor der Angst vor der Angst. Der Verdruss über die Beschwerlichkeiten, die das Alter mit sich bringt,der h werdende Strom des Lebens, und der bittere Fluch deEinsamkeit begleiteten ihn wie ein treuer, ungeliebter Kamerad.Ein paar Blocks entfernt von seiner aufgeräumten Wohnung imdritten Stock fand er einen Platz seine Traurigkeit beim Zuschauendes Lebens anderer Leute zu vergessen. Hollaender betrank sich nicht. Nie! Zwei Gläser Wein; ein würziger Roter soll gut sein für dieGesundheit und das Herz kräftigen. Er hatte einen Stammplatz. Es war ihm gleichgültig, dass die anderen Gäste ihn quasi als Mobiliar  betrachteten. Wenn er einmal nicht um sechs Uhr abends an seinemPlatz saß, tuschelten sie: „Ach, der alte Hollaender ist nicht da. Seht,sein Platz ist leer. Ist er tot?“In der kalten Jahreszeit schützte ein dicker Filzvorhang die Gäste vor den kalten Luftzügen. Hollaender schob den nach dem Rauch der 3

Activity (2)

You've already reviewed this. Edit your review.
1 thousand reads
1 hundred reads

You're Reading a Free Preview

Download
/*********** DO NOT ALTER ANYTHING BELOW THIS LINE ! ************/ var s_code=s.t();if(s_code)document.write(s_code)//-->