/  16
 
1.   g 
 K  s  
 K F Z
# 22010
 F  s vz g 
 
 U d W w 
 Jede Menge Rezensionen
 U d W b 
Ra tgeber  für Fes ti valps ychos
 U d   s s
Sch wi tzen im  Thea ter
 
02 / 03
Editorial 
Kaum gestartet, schon mittendrin. KALTSTART ist von Anfang an ein ziemlich heißes Festival. Nicht nur, weilman sich in vielen Vorstellungen kaputtschwitzt (siehe Seite 3). Sondern auch, weil es an den vielen Spielortenviel Aufregendes zu gucken gab. Es gab so viel zu gucken, dass wir in diese KFZ-Ausgabe gleich drei dicke,fette Doppelseiten (8 bis 13) voller Rezensionen, Reaktionen, Analysen und doofer Witze über die Stücke derersten beiden Aufführungsabende gepackt haben. Fast alles geguckt! Ging nur mit viiieeel Gatorade bzw.Astra. Phew. Weil wir aber natürlich immer auch verrückt in die Zukunft schauen, gibt es Ausblicke auf kom-mende Festivalhöhepunkte (Seiten 4 und 5), ein Interview zur theatralen Parallelgesellschaft (Seite 7) und dasPorträt einer fast echten Hexe (rothaarig, Seite 6) -- auf dem Scheiterhaufen braucht man ja auch keinen Pulli.(Und auch der coolste Walkman würde schmelzen, aber das hat jetzt eigentlich mit gar nix was zu tun, außervielleicht nochmal mit der Seite 3.)Was noch? Die tollsten Sachen. Weil sich einerseits so viele KALTSTART-Stücke mit der Konstruktion vonIdentität beschäftigen und die KFZ andererseits das Selbsterkenntnisblatt Number One ist, haben wir einenPsychotest entwickelt, der Euch eindeutig einer Festivalsparte zuordnet. Wenn Ihr Euch traut, ihn zu machen.Hä, wer ist denn „Ihr“? Na, Du! Oder wer man eben so ist. Eigentlich sind das ja auch Luxusprobleme. Anderengeht es viel schlechter! Um den verkrachten Existenzen und am Leben gescheiterten 18-Jährigen unter denKALTSTART-Theaterguren doch noch die eine oder andere Perspektive zu bieten, haben wir einen Gastex-perten eingeladen, der so schlaue Tipps gibt, dass es schon fast nicht mehr lustig ist. Aber nur fast.Und das ist doch alles toll. So toll, dass die ganze Welt es wissen soll! Das „Gorilla-Marketing“ in der Schanze(vgl. Coverfoto) war ein Mittel zu diesem Ziel. Wobei wir wieder bei der Hitze wären.Unter den Flokatis muss es ziemlich mollig gewesen sein. Glücklicherweisehatten die Darsteller reichlich Schlauchäpfel zur Erfrischung dabei.
DISURS ZUR HAND #2 Jede Ausabe ibt es einen Diskus aus dem Het zum Nachspielen ü Zuhause. Einach auschneiden, schazeSteien hinten zusammenkleben, übe den ine ziehen und lossteiten. Heute: Ist das unst ode kann das e Hat das,as als unst eeiet id, Bestand Im Steitespäch: Meese s. Michelanelo
Liebe Kier, iebe Ae, hoverehre Pubiku!
Bananige, ereignisreiche Abende wünscht Euch
Die Re.
 
Kaar 
 s    y   g 
Juli 2002. Sommerferien mit MTV. Der Mann mit dem Pa-ster im Gesicht und Frauen mit kurzen Tops. Sie bouncen undschwitzen. Schweißlme auf den Körpern. Und immer: it‘sgetting hot in here so take off all your clothes. Und sie genie-ßen. Sie ziehen was aus. Schwitzen weiter. Bouncen. Ziehendas aus. Schwitzen. Und nie war das so hot. Also hot-hot.Juli 2010. Pressehaus Kaltstart Festival. Balkon vom LOKAL.36 Grad. Wir so vor den Laptops. Theaterkritik zum Beispiel.Katy Perry und Snoop Dogg singen von Californian Gurls undich denk so, ja, wieder Zeit für Sommerhits, Bikinis, Bikinis,Martinis, ja, geil, aber wir schwitzen leider sogar im Sitzen,haben nicht mal Kraft, den Swimmingpool aufzubauen, nixBikinis. 42 Grad. Schon drei Mal geduscht. Das Kleid klebt amArsch, die Finger an der Tastatur fest. Es ist so heißt, aber niewar es weniger hot. Darum freu ich mich schon aufs Theater.Da gibts wenigstens keine Sonne. Da kann ich mal schön drinsein, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ja Sommerist. Aber andere freuen sich auch aufs Theater scheinbar. Wirgehen rein. An der Kartentheke werden Wedelpappen verteilt.Die Klimaanlage ist in Deutschland außer im Auto noch nichtso richtig angekommen. Eine Studiobühne. 80 Leute aufStühlen. In der Mitte ein Steg. Zwei Schauspieler. Sie begin-nen zu sprechen und der Schweiß bildet sich auf ihrer Stirn.Der Schweiß bildet sich in meinen Kniekehlen. Mein Nachbarklebt. Der Block uns gegenüber wedelt. Ich wedele. Irgendwoam Rand steht ein Ventilator, er grinst. Er singt: sun-kissedskin we‘ll melt your popsicles oh oooh oh. Eine Weile gehtalles gut. Dann schließen mein Nachbar und ich einen stum-men Pakt. Wenn er wedelt, wedele ich nicht, wenn ich wedele,muss er nicht wedeln. Das geht gut. Aber irgendwann wedelter gar nicht mehr, und ich übernehme die Arbeit für uns beide.Weil ich aber ja so schwitze. 52 Grad. Ich hasse es, wenn sichmeine Beine berühren, meine Augen brennen, mein Halsklebt, ich kann nicht mehr zuhören. Dabei bewege ich michnicht mal. Die beiden Schauspieler auf der Bühne dagegengehen und springen und klopfen und schmeißen sich hin undmüssen dann wieder hoch kommen. Sie tragen lange Hosenund Hemden und Jacketts. Die Kostüme weichen durch. DerSchweiß tropft ihnen das Kinn runter. Es spritzt, wenn siehart auftreten. Jetzt zückt einer der Spieler einen Panzen-sprüher, sprüht sich damit ins Gesicht. Und dann uns. Späterwird der Ventilator angestellt. Mal in jede Richtung gehalten.Erleichterung für Sekunden in den Gesichtern der ersten Rei-hen. Wir verehren die beiden Männer, weil sie uns mitdenken,
Über die Sch wierigkeiten des Sch witzens im Theater
 
weil sie spontan so was machen für uns. Dabei sind sie die, dieam meisten schwitzen, in diesem Raum. Die gerade bei derArbeit sind außerdem. Die nicht mal wedeln können. 57Grad. Ich kann mich auf nichts anderes mehr konzentrierenals aufs Schwitzen. Das eigene und das fremde Schwitzen.Das Fremde vor allem.Ich erinnere mich ein Aufführungsanalyse-Seminar undlange Diskussionen über Erika Fischer-Lichtes Theorie vomphänomenalen Leib und semiotischen Körper des Schau-spielers, also vom gegebenen, „echten“, präsenten Körperdes Schauspielers und dem Körper der Figur, die der Spielerdarstellt und wie diese vor allem in einander übergehen. ZumBeispiel: die hochschwangere Schauspielerin. Wie gehe ichals Zuschauer mit der um? Offensichtlich ist sie schwanger.Aber der Franz Mohr, den sie heute Abend gibt, ist es wohlnicht. Kann ich den Babybauch ausblenden? Oder befruchtetder eventuell irgendwie die Rolle? Gleiches Prinzip, wennein Schauspieler bei 60 Grad auf der Bühne gekocht wird. Erbesteht nur noch aus Schweiß, er tropft, er atmet schwer,während er diesen Eskimo aus „Eine Reise zum Polar“ spielt.Und obwohl wir alle schwitzen, ist das komisch, dass er soschwitzt, weil das plötzlich sein ganz privater Körper ist, dersich da aufdrängt. Das private Schwitzen zieht meinen Fokus.Oder kann man vielleicht auch mal semiotisch schwitzen?Sicher, aber dann wäre das eingebettet. Wie im Videoclip vonNelly. (Redaktions-Kollege Jo sagt gerade: „Schließt ein eri-gierter Körper aus, semiotischer Körper zu sein) Ich meine:nein!“)Die große Schwierigkeit des Schauspielers, nur einen Körperzu haben. Mit dem alles gemacht werden muss. Der mussdienen, dienen, dienen, der muss sich besetzen lassen, abertrotzdem ist er noch ganz normaler Standard-Körper. Derdann schwitzt oder schwanger wird oder Bikinistreifen hat.Und die große Schwierigkeit des Berufs, da hoch zu gehenund es klar zu machen, trotz 63 Grad, trotz Skianzug, nomatter what. Große Geduld, große Leidensfähigkeit ist hiererforderlich, bitte Augen auf bei der Berufswahl, das mussman erstmal leisten können und wollen, wieder und wieder.Ich gehe recht demütig aus den Vorstellungen raus in diesenFestivaltagen. Und dann direkt in den Keller.
von Laura Naumann
KFZ
Thema

Share & Embed

More from this user

Add a Comment

Characters: ...